Original von Casihasi
Jo sicher.. Aber andererseits.. Ist es nicht genau das was einen zu einem besseren Spieler macht? Was würdest Du vorschlagen, wie man an seinem Spiel effektiv arbeiten soll. Spiele grad mit dem Gedanken von FL auf NL umzusteigen und meine ersten Ansätze in dieser Hinsicht gingen exakt in diese Richtung hier. Klar sind das erstmal die eigenen Entscheidungskriterien in unterschiedlichen Situationen...
Aber ist der Gegner da nicht DAS entscheidendes Kriterium (seine Rangeteilung in der jeweiligen Situation)? ... Oder funktioniert NL auf goldniveau einfach (noch?) nicht so wie ich mir das ausmale?
Wie gesagt, NL ist nicht gleich NL.
Es macht einen Unterschied ob man in einem kleinen Player-Pool auf höheren Limits spielt oder halt auf Limits mit viel Bewegungen in der Spieleranzahl.
Ein NL50-Spieler kann morgen NL25/NL100 spielen oder sonst was machen, die Fluktuation ist da halt riesig.
In der Theorie wäre es natürlich ideal genau sowas zu wissen, aber ich fürchte es gibt erst mal wichtigere Baustellen.
Beispiel:
Du würdest mich sehr gut kennen und wir würden ewig an den gleichen Tischen spielen.
Könntest du meine 3-bet-Ranges heraus bekommen?
Maximal näherungsweise, da ich meine 3-bet-Ranges selber nicht definieren kann. Es ist nun mal von vielen Faktoren/Randbedinungen abhängig, da kann 56s mal gecallt, mal ge-3-bettet werden, mit JJ spiele ich 3-b/broke und die Queens calle ich nur...alles möglich.
Wenn du das nun siehst (nicht zu vergessen, ca. 80% meiner 3-bet-Range wirst du nie zu Gesicht bekommen [da entweder Villain Preflop foldet oder 4-bettet <worauf ich folde>, oder aber die Hand Postflop nicht zum Showdown kommt]), wie kommst du auf meine Range?
Ich gehe broke mit Jacks, aber nicht mit Queens? Warum?
Du wirst da nie auf meine direkte Range kommen, weil ich sie halt selbst nicht weiß und in jedem Spot alles neu überdenken muss.
Näherungsweise kommst du ran, grobe broke-Range, grober Bluff-Anteil, grobe Vorliebe womit ich bluffe. Gut, das wird dir weiterhelfen. Aber viel mehr geht nicht.
Und nun überlege das mal bei Bet-Frequenzen, die neben allen möglichen Randbedinungen nicht nur auf einer Street (wie bei 3-bets Preflop) basiert, sondern auf dreien mit noch jeweils sich ändernden Board.
Näherungsweise ist das alles möglich, aber jemanden perfekt zu readen, wird ganz schwer möglich sein (auch hier daran denken: ca. 75% der Postflop-Hände kommen gar nicht erst zum Showdown).
Entweder du opferst massenhaft Zeit => dann wäre es aber besser die Fische auszunehmen als einen einzigen Reg zu exploiten
Oder aber du ziehst falsche Rückschlüsse => Er kann 3-barrel-Bluffs raushauen, also callst du runter, um dann festzustellen, dass er seine marginalen Value-Hände genauso spielt