Finde ich für den Einstieg alles viel zu kompliziert und technisch. Ich nutze folgende einfache Faustregeln:
1. Ich kategorisier die Spieler am Tisch in aggressiv und passiv
2. Ich kategorisier die Spieler am Tisch in schlecht und gut
Möchte ich das ganze über ein Hud machen, dann schaue ich mir für
1. an wieviel Vpip und PFR die Spieler haben. Ist eine große Lücke zwischen Vpip und PFR (z.b. 20/1 oder 60/15), dann kategorisier ich den Spieler als tendentiell passiv. Ist die Lücke eher klein (16/12, 40/30), dann als tendentiell aggressiv
2. Spieler mit großer Lücke zwischen Vpip und PFR werden von mir grundsätzlich erstmal als schlecht kategorisiert. Welche Grundannahme ziehe ich daraus?
i) sie sind passiv -> d.h. sie callen zuviel. Ich valuebette also dünner, brauche kaum Angst zu haben geblufft zu werden und wenn sie aktiv werden, dann muss ich vorsichtig werden.
Natürlich änder ich dies mit der Zeit ab, wenn ich sehe das sie doch bluffen oder doch nicht so passiv sind wie ich erst vermutet habe.
ii) ich möchte möglichst viele Pötte gegen sie spielen.
Spieler mit einer kleineren Lücke zwischen Vpip und Pfr sind meistens schon Spieler die etwas vom Spieler verstanden haben und wesentlich schwierig zu spielen, da sie dich aktiv unter Druck setzen. Hier kann man natürlich nur aus Showdowns ableiten wie gut/schlecht diese Spieler jeweils wirklich sind.
Spieler die extrem hohen Vpip und Pfr haben (z.b. 40/30 auf Fullring) kann man wohl schon ganz gut als Maniac einstufen.
Spieler mit eher niedrigem Vpip und Pfr (16/12) dann schon eher als Tag.
Natürlich gibt es jetzt zig Zwischendinger, aber die kann man nicht alle einzeln kategorisieren.
Aggressive und schlechte Spieler sollte man halt einfach zwischendurch mal mit einem Bluffcatcher runtercallen und sie machen lassen, wenn sie anfangen zu bluffen.
Aggressive und gute Spieler (also Spieler, deren Ranges du nicht einfach problemlos festlegen kannst) solltest du am Anfang so gut es geht meiden, da das Spiel gegen diese eine wirklich komplexe Angelegenheit ist.
WICHTIG: Ein schlechter Spieler in meinen Augen muss nicht unbedingt ein schlechter Spieler in deinen Augen sein, da wir höchstwahrscheinlich unterschiedliche Skillvorraussetzungen haben. Du musst das ganze also immer relativ zu deinem eigenen Können betrachten.
Wie du wahrscheinlich gemerkt hast leite ich auch die Postflopspielweisen dieser Spieler von ihrem Preflopspiel ab. Es ist in der Regel relativ ungewöhnlich, wenn ein Spieler der Preflop sehr passiv unterwegs ist Postflop plötzlich sehr aktiv wird.
Ich empfehle übrigens auch jedem der mich fragt ohne Hud zu spielen. Ich habe in den letzten Jahren soviele Videos und Coachings gesehen/gemacht und bei 95% der Anfängern war der Fehler, dass die mehr mit ihren Stats beschäftigt waren als einfach mal die offensichtlichen Fakten zu berücksichtigen. (z.b. das der Fisch grade mit Bottom Pair im 3-Bet Pot 2 große Bets gecalled hat und am River ausgesuckt hat - sowas sieht man anhand der Stats nämlich nicht)