Original von came66
Seit ein paar Tagen spiele ich nach der SSS und habe versucht, mir das Prinzip und meine Gewinnmöglichkeiten zu erklären. Dabei habe ich zur Vereinfachung angenommen, dass auch meine Gegner nach der SSS spielen. Jede Abweichung meiner Gegner von der SSS sollte ein Fehler sein und meine Equity verbessern.Die Leute spielen idR sehr schlecht gegen SSSler. Sehr viel schlechter als SSSler gegeneinander.
Also ich spiele aus den Blinds und aus den späten Positionen AA – 77, AK – AJ und KQ (= 8,45% der Hände), aus den mittleren Positionen spiele ich AA – 99 und AK – AQ (= 5,13% der Hände) und aus den frühen Positionen spiele ich AA – JJ und AK (= 3,02% der Hände). Ich spiele an einem vollen Tisch (9 oder 10 Spieler) und alle Gegner haben mindestens 20 BB.
Nehmen wir an, ich erhöhe immer als Erster. Eben das ist nicht der Fall und ein großer Vorteil der SSS, dass wir loose Openraiser reraisen können. Alle anderen Mitspieler haben vor mir gepasst oder den BB gesetzt. Ich erhöhe, wenn ich eines der genannten Blätter erhalten habe. In ca. 20% der Fälle wird dann einer der Gegner AA – QQ oder AK in der Hand halten. Dies ist nur der Fall wenn du in UTG erhöhst und noch 8-9 Spieler nach dir kommen. Wenn du später erhöhst haben die Gegner seltener QQ+,AK. Nur dieser Spieler geht mit. Alle anderen werden passen. Wenn ich eine Hand spiele, werde ich also in ca. 80% der Fälle die Blinds gewinnen und in 20% der Fälle gegen einen oder mehr Gegner spielen. Gegen diesen Gegner habe ich eine Equity zwischen 35 und 47%.Nein, du hast mit deiner Range JJ+,AK gegen seine Range QQ+,AK exakt 47%. Davon abgesehen dass er eigentlich sowohl AK als auch JJ und QQ gegen unser UTG Raise folden muß wenn er perfekt gegen uns spielen will. Ich denke die 35% beziehen sich jetzt auf unsere late-Position Raising-Range. Hiergegen wird er aber TT+,AK reraisen wenn er richtig gegen uns spielt.
Nehmen wir weiter an, ich erhöhe nicht auf 4 BB plus einen BB pro Limper sondern gehe immer All-in. Warum solltest du das tun? Es verhindert nur die Möglichkeit noch Raise/fold zu spielen wenn du mit massiver Gegenwehr konfrontiert wirst und ebenso schützt du Fische davor Preflop schlechte Calls zu machen und postflop schlechte Folds gegen unsere Conti-Bet.. Ich gewinne also die Blinds oder ich spiele um meine 20 BBs. Nun kommen meine bescheidenen mathematischen Kenntnisse zu dem Ergebnis, dass ich mit dieser Strategie auf Dauer ca. 0,95 BB pro Runde verliere. Ich muss also etwas ändern. Ich hab's jetzt nicht für jede Position nachgerechnet, aber du läßt eben völlig außer acht dass Leute auch schlechte Calls machen. Ebenso dass die SHC-Ranges nicht als Openpushing-Ranges gedacht sind.
Interessant ist, wie sich der Verlust zusammensetzt. Ich zahle pro Runde 1,5 BB. Im Gegenzug gewinne ich im Schnitt 0,57 BB direkt und im Showdown des All-ins gewinne ich 0,04 BB und ich verliere 0,06 BB. Der Showdown spielt in der Bilanz nur eine untergeordnete Rolle. Das tut er eben nicht wenn du preflop "normal" raist und am Flop noch die Entscheidungsmöglichkeit hast zum SD zu gehen oder nicht.. Bedeutender ist es, die Blinds direkt zu gewinnen. Wie sieht es also aus, wenn ich die Range meiner Hände erweitere?
Nehmen wir an, ich spiele von jeder Position AA – 77, AK – AJ und KQ in der oben beschriebenen Weise. Mein durchschnittlicher Verlust pro Runde würde sich auf 0,72 BB allein durch die mehr gespielten Hände verringern. Wenn ich von jeder Position AA – 22, AK – AT, A2s+, KQ – KJ, QJ – QT und JT (also 20,36% der Hände) in der oben beschrieben Weise spiele, gewinne ich im Durchschnitt 0,35 BB. Sollten die Gegner anfangen, looser mein All-in zu callen, würde sich meine Equity verbessern und mein Gewinn erhöhen. Was du hier vorhast ist ein wenig vergleichbar mit der Push oder Fold Phase in SnGs bzw mit ICM und Nash-Ranges. Es hat allerdings auch einen Grund warum die SnGler damit nicht schon ab 20BB sondern erst so ab 12-13BB anfangen. Es ist so einfach nicht auf's Cashgame übertragbar und außerdem ist eine 20,4% Range aus UTG sehr viel zu loose. Gegen die von dir genannte Range könnten Villains schon mit 77+, ATs+, AJo+, KQs +EV callen. Wenn du das UTG mit 9 Spielern hinter dir machst wirst du in >50% der Fälle gecallt. Und deine Equity ist bei einem Call gegen die Calling-Range bei unter 40%
Nehmen wir mal umgekehrt an, ich spiele die Hände der SSS und ein Gegner würde 20,36% der Hände gegen mich pushen. Auf Dauer würde ich 0,9 BB verlieren. Würde ich dagegen auch die 20,36% der Hände spielen, hätte ich auf Dauer einen Gewinn von 0,67 BB pro Runde.Das habe ich nicht genau verstanden was du hier meinst.
Alle Szenarien haben eins gemeinsam: der wesentliche Gewinn liegt in dem direkten erobern der Blinds. Selbst wenn ich mich an die SSS-Handrange halte und die Gegner mit 20,36% der Hände mein All-in callen, gewinne ich in diesem Showdown auf Dauer nur 0,1 BB pro Runde. Spiele ich auch die 20,36% der Hände, wäre der durchschnittliche All-in-Gewinn pro Runde 0,39 BB und 1,78 BB würde ich direkt gewinnen.
Nun lässt sich das wirkliche Pokerspiel nicht so leicht berechnen. Das ist ein sehr entscheidender Punkt.. Aber ich glaube, man kann einige profitable Rückschlüsse ziehen:
- Die Handrange der SSS ist zu eng und man sollte sie erweitern.
- Ziel ist es, die Blinds direkt zu gewinnen. Man sollte also die Betgröße dem jeweiligen Tisch anpassen. Häufig reicht dazu eine Erhöhung auf 2 BB aus. Du läßt den Gegnern also preflop gute Odds um zu callen, z.B. auf Setvalue.. Bei einer eigenen Handrange von 20,36% kann auch ein All-in als erster Akteur nicht falsch sein.Doch das kann es sehr sicher wenn die Gegner halbwegs korrekt gegen deine Range callen.
Ich persönlich habe mir angewöhnt, aus dem SB, dem Button und den drei Positionen davor mit jeder Hand zu minraisen, wenn kein anderer Spieler etwas gesetzt hat. Sobald ein Spieler vor mir etwas setzt, halte ich mich an die Vorgaben der SSS. Wird mein Minrais gecallt, werfe ich meine Hand weg, wenn ich nicht Top Pair oder besser getroffen habe. Bekomme ich ein Rerais, spiele ich nur die Hände der SSS weiter. In den nächsten Tagen werde ich mal ausprobieren, wie profitabel ein Push mit 20,36% der Hände ist.Das kann ich mir schon denken.
Wäre schön, wenn einer der Chefstrategen meine Überlegungen überprüfen könnte, bevor ich mich ins Unglück stürze und all mein Geld verliere.
Gruß
Carsten