Original von DrPepper
Was mich an dieser Situation IMMER aufregt, ist, dass sich anscheinend alle Leute der Probleme ihres Mindsets bewusst sind, aber niemand sie
LÖSEN :spade:, sondern jeder sie nur
UMGEHEN
will.
Ich persönlich gucke mir meinen Graphen während einer Session oft an, da ich PLO spiele und man so immer schnell sehen kann, ob man seine Equity ungefähr richtig abgeschätzt hat. Ich habe damit mindsetmäßig nicht die geringsten Probleme. Und wenn man dann mal ne halbe Stunde länger spielt, weil man noch versucht ins + zu kommen, wo ist das Problem (wenn man deswegen nicht krampfhaft die ganze Nacht durchzockt)? Wenn es nicht klappt, dann klappt's halt nicht, aber ich spiel doch nicht schlechter deswegen.
Wenn ich allerdings solche Probleme hätte, dann würde ich mir doch nicht irgendwelche bescheuerten Systeme ausdenken, um mir selbst Informationen vorzuenthalten, sondern mir einfach vernünftig überlegen, warum mich der Graph rein emotional beeinflussen sollte. Wenn ich weiß, dass ich Winning Player bin, dann gibt es kein Problem, egal was für bescheurte Gedanken ich mir durch meinen Graphen zusammenspinne. Dann denkt man halt mal kurz drüber nach, tut es als Unsinn ab und weiter gehts. Wenn der Graph mir allerdings Anzeichen sendet, dass ich vielleicht wirklich kein Winning Player mehr bin, warum in aller Welt sollte ich mich dann dieser Information verweigern? Man greife auf alle verfügbaren Informationen zu und beurteile sie ehrlich und rational, nur das ist professionell.
Seit ihr echt alle so blind emotionsgesteuert? Ich kenne die ganzen Gefühle, die in dieser Diskussion beschrieben werden, natürlich auch, aber was hindert einen daran, sie durch kurzes logisches Nachdenken sofort abzustellen? War für mich nie ein Problem. Allein der Gedanke sich aus irgendwelchen Psychogründen zu zwingen, nur einmal im Monat auf seinen Graphen zu gucken oder sich ein Stop-Loss-Limit zu setzen ist für mich so jenseits von dämlich, gerade letzteres. Warum sollte es mich interessieren, ob ich gerade eben 10 Buy-Ins verloren habe oder letzte Session oder vor einer Woche etc. Mich würden alle Szenarion exakt gleich viel ankotzen und mein Spiel trotzdem nicht beeinflussen.
Mein Vorschlag:
LÖST
eure Probleme und
UMGEHT
sie nicht. Wenn ihr dumme Gedanken habt, überlegt euch keine niederen Ausweichmöglichkeiten, sondern analysiert die Irrationalität und bekämpft sie so nachhaltig. Das gilt im Grunde auch nicht nur für Poker, sondern für alle Bereiche des Lebens.
Dein Post ist sehr interessant, vielen Dank, dass du deine Sichtweise in die Diskussion eingebracht hast. Ich möchte gern ein paar Richtigstellungen in Bezug auf deinen und meinen Post vornehmen, da hier zwei wesentliche Dinge falsch verstanden werden:
1) Sowohl OP (nani74) als auch evilsucker spielen - wie ich - Fixed Limit. In diesem Kontext sind Graphen und Resultate aus dem kurz- und mittelfristigen Bereich schlicht irrelevant, sie erhalten keinerlei Information, die auf das eigene Skilllevel oder die Richtigkeit vorgenommener Entscheidungen verweist (scheinbar im Unterschied zu deiner Variante), denn a) gibt es keinen All-In-EV-Graphen, aus dem man etwas ableiten könnte und b) ist die Varianz im FL für ring games sehr hoch. Ab den Midstakes gilt ein Spieler bereits als Weltklasse, wenn er eine Winrate von 1BB/100 longterm erzielt. Dies führt dazu, dass selbst ein absoluter Crusher easy über 100k Hände breakeven oder auch down gehen kann.
Das bedeutet im Klartext, dass durch die ausgefilterte Informationen keinerlei theoretische Nachteile entstehen, jedoch unangebrachte Fehlinterpretationen in Bezug auf Skill vermieden werden können.
Die Herangehensweise ist eine Konkretisierung eines Axioms, was sämtliche Sportspychologen ihren Athleten ans Herz legen (übrigens auch "Pokerexperten", die sich mit dem Thema Psychologie des Pokerns beschäfitgen: Konzentriere dich allein auf prozessorientierte Ziele (ich möchte die nächste Hand perfekt spielen) und vernachlässige resultatorientierte Ziele (ich möchte xxx $$ / Zeiteinheit gewinnen). Der Unterschied zw. Hochleistungssportlern und guten Sportlern liegt genau darin, dies zu verstehen und umzusetzen, und zwar mit verschiedenen Optimierungstechniken.
2) Herzlichen Glückwunsch dazu, dass du deine Psyche mit einem sehr einfachen Mittel - rationales Denken - so beeinflussen kannst, dass du völlig tiltfrei und völlig rational Poker spielen kannst - dein Post klingt übrigens nicht so ganz tiltfrei ;).
Diese Herangehensweise ist jedoch für 99,9% aller Pokerspieler - und Menschen - ungeeignet. Der Ansatz negiert völlig den Einfluss unserer Gefühle, Emotionen oder ganz allgemein gesagt den Einfluss des Unterbewussten auf unsere Psyche oder, etwas niedriger gehängt, unsere Entscheidungen. Für den Großteil der Menschen ist es einfach unpraktikabel und naiv anzunehmen, sie könnten sich durch schlichtes Einreden Ihrer Emotionen entledigen, nur weil diese nicht logisch herzuleiten sind.
Tilt manifestiert sich übrigens in seinen geringeren Ausprägungsstufen vor allem unterbewusst und ist damit für die Ratio zum Teil nur schwer oder nicht zu erkennen. Es gibt verschiedene Abstufungen von Tilt (A-Game,B-Game,C-Game etc.) und nur die schwersten Stufen sind rational erkennbar.
Neben der rein rationalen Ergebnisorientierung erlauben verschiedene "Psychotechniken" in Kombination dem Betroffenen/Pokerspiele aber etwas, dass viel wesentlicher ist, als xx $ mehr oder weniger pro Monat zu gewinnen: Die emotionalen Ups und Downs sind einfach wesentlich schwächer ausgeprägt bzw. ganz einfach gesagt: Man leidet einfach weniger mit.
Wens interessiert, der sollte sich mal etwas tiefer mit Dingen wie Atemtechniken/Meditation, Visualisierungstechniken Selbstbefragungen etc. beschäftigen.
Als knallige Schlussthese würde ich dir entgegen halten: Im Gegensatz zu dem, was du behauptest, ist der hier nur angerissene Ansatz eine Problemlösestrategie und keine Umgehungsstrategie. Dein Ansatz mag für dich funktionieren, wäre aber für das Gros der Betroffenen die Problemumgehung schlechthin und keine Lösung des Problems.
Stattdessen bietet es sich für Tiltbetroffene (also alle
) an, Tilt als Teil ihrer Realität zu akzeptieren und von da aus zu starten und das Problem anzugehen. Dazu gehören neben genannten Punkten auch Dinge wie Nahrung& (kein Alkohol), Schlafrhytmus, Hydrierung etc. etc.