Es gibt einige "Preflopfische", die ganz passable Postflopskills aufweisen. Grade auf den Mikrolimits sind fast alle Spieler Postflop relativ schwach und wenn da jemand kommt der z.b. seit Jahren im Casino spielt und ansonsten aber z.b. Preflop eher eine Lowballstrategie fährt (die grade in den Micros auch funktioniert, weil dort die meisten Spieler selber zu passiv sind und passives Spiel nicht angreifen), dann kann da sowas bei rumkommen.
Wenn er wirklich deswegen gewinnt, dann würde er allerdings mit einer aggressiveren Strategie wahrscheinlich noch mehr gewinnen. Du musst dir mal überlegen wie klein Preflopfehler sind monetär betrachtet im Verhältnis zu Fehlern Postflop. Ein Fehler Preflop ist
a) nicht teuer
b) kann bei gutem Postflopspiel überkompensiert werden
Sein AF deutet imo auch darauf hin, dass er Postflop nicht unbedingt der Kandidat ist, der dort weiter auf den Callknopf stumpf drückt, sondern auch den Bet/Raiseknopf gefunden hat und die AFq von 40% deutet dann darauf hin, dass dieser Spieler Postflop tatsächlich kein passiver Geselle ist.
Wenn man ihn jetzt nur anhand der Preflopstats kategorisiert und stumpf das Gehirn ausschaltet, dann spielt man dauernd B/F gegen ihn und verliert Massen Geld, weil er wahrscheinlich Postflop alles andere als passiv spielt.
Ich hab vor ein paar Jahren mal als ich mit HU Poker angefangen habe, gegen einen 80/10 Spieler gespielt, den ich auch ganz dumm erstmal als Fisch kategorisiert habe. Postflop war dieser Spieler aber erstaunlich gut (ich vermute zu der Zeit sogar besser als ich) und hat so einige Stacks von mir mitgenommen. Das "Problem" ist häufig dabei, dass es schwieriger ist solche Spieler auf Ranges zu setzen auf bestimmten Boards, weil sie einfach sehr viele Hände halten können und wenn sie selektiv ihre Range aggressiv spielen, dann wird es mitunter sehr schwer gegen sie im ersten Schritt richtig zu spielen.
Langfristig ist es nahezu unmöglich eine so weite Limping/Callingrange agressiv Postflop ohne Ausreisser in eine bestimmte Richtung zu spielen. Soviele Möglichkeiten bleiben da nämlich nicht
1. er kann aggressiv spielen und "überspielt" dann Teile der Range. Da musste eigentlich nur herausfinden welchen Teil er überspielt
2. er kann passiv spielen und spielt nur starke Teile der Range aggressiv (das wäre dann aber ein Spieler, der nicht mit 40% AFq antritt)