@elwacki:
OOP heißt ja Blinds. Im SB mag ich keine Callingrange im BB bekommt man bessere odds und kann weiter callen, als man denken mag. Ansonsten 2#
Jenachdem wie die 16% Range aufgestellt ist, wird ja dann A9o "+EV", ist es aber nicht.
Bei callingranges IP, also, wenn man noch kein Geld investiert hat, zählt ziemlich stark die Playabilty und weniger die direkten Odds. Ich nehme da immer gern das Beispiel (ich hab sowas schonmal gepostet, fällt mir grad ein.)
A9o und 98s.
Nehmen wir an, Villain hat folgende Range UTG (UTG+2 im FR) und wir sind IP am BU:
66+,A2s+,K9s+,Q9s+,JTs,ATo+,KJo+,QJo (ich hab einfach den slider im Pokerranger bewegt und die suited Ax geaddet, also keinen riesen Aufriss gemacht, kann auch gut eine MP-Range sein).
A9o hat dagegen 43,6% Equity, 98s nur ~37% Equity. Ich calle 98s und folde A9o, warum?
Equity vs. Range bedeutet ja, im Grunde, wie die Hand/Range performed, wenn bis zum River keine Aktion mehr stattfindet. Es ist also obv, dass wir eher A9o vs. Shove callen würden, als 98s, wenn wir die Wahl zwischen beiden hätten und einmal all in gehen müssten. Egal.
Wichtig ist bei der Wahl der Preflophände also nicht ihre direkte Equity, sondern ihre Postflop-Playabilty, da ist dieses Beispiel sehr gut, denn was soll eine Hand postflop erreichen, wenn wir IP callen? Sie soll Villains Valuebet-Hände schlagen, wenn sie gut hittet, oder auf Hände drawen, die Villains Valuebet-Hände schlägt. Desweiteren soll sie bessere Hände zum Folden bringen, wenn Villain x/f oder b/f spielt und eigentlich auch die schlechtere Hand sein, als Villain sein, wenn man selbst foldet gegen seine bets.
Ich mag den Vergleich A9o und 98s eigentlich ganz gern, wobei AJ das ggf. sogar noch krasser zeigen würde, weil ich AJ auch eher weniger callen würde.
Also A♠:9♥: vs 9♥:8♥:
auf K♠:7♣:4♥:
Ersteinmal schauen wir, wie viel Equity wir nun mit der jeweiligen Hand vs. Range haben. A9o: 29% Equity. 9h8h hat 20,5% Equity. Rein von der Equity her also beide weit hinten. Villain wird höchstwahrscheinlich polarisiert betten, was bedeutet, dass A9o gegen den Bluffteil seiner Range sogar noch z.T. vorn liegt. Wir sollten dennoch folden, weil wir nicht wirklich outs haben, das A improved Villains Range ja auch und wir zahlen dann oft die bessere Hand aus, leider folden wir eben auch oft die bessere Hand, wenn Villain bettet ---> nicht gut. 98s wäre rein von der Equity her ein fold, ist es aber nicht. Jedes
gibt uns outs zu einem Flush (10 Karten). Jede 6 und T geben uns outs zu einer OESD (6 Karten) Jede 9 und 8 geben uns outs zu twopair/Trips (6 Karten) Jede 5 und jeder J gibt uns outs zu einem GS (hier würde ich nur die 5x zählen also nochmal 3 Karten), also mehr als das halbe Deck, was uns behilflich ist und unsere Hand ist super verschleiert. Wir spiken zwar immer noch nicht die beste Equity am Turn, aber spiken wichtige Optionen. Barrelt Villain 3 mal for Value und wir machen unsere Hand, dann bekommen wir meist keine Credit und gewinnen einen guten Pot. Weiterhin kann Villain ja am Flop x/f spielen, wenn wir betten mit 98s, foldet Villain nach meiner Rangevergabe sogar immer immer die bessere Hand. Haben wir hingegen A9o, foldet er oft die schwächere Hand und called nur besseres. Selbes gilt am Turn und auch am River. Wenn alles busted, meinetwegen kommt eine 6♥: am Turn und wir callen und Villain checkt River 2♦: ,haben wir eine gute Hand um zu bluffen und ein Set oder AK zu reppen mit 98s. Selbst gegen seine give up bluffs sind wir behind und das outcome ist dann sehr nice. Ich hab auch noch nicht erwähnt, dass wir ja auch die Möglichkeit haben zu Bluffraisen und Villain foldet auch meist die bessere Hand, bei meiner Rangevergabe sogar immer^^
Einziger Nachteil an einer Hand wie 98s, Flushdraws können uns domnieren in dem Spot und Villain macht auf 9 high-boards immer die besseren TP, oder besseres Midpair auf 9xOC board.
Im Prinzip erreichen wir also einiges mehr mit einer Hand wie 98s und A9o. Relativ neuer Begriff zur Klärung des Problems, "robust und nonrobust" Equity. 98s am BU vs UTG hat robuste
37% Equity und der Call ist gerechtfertigt, A9o hat nicht-robuste 43% Equity und der Call ist schlecht. An einem Flop wie oben wird das Problem noch deutlicher, hier unsere Equity mit 98s sehr robust, mit A9o quasi gar nicht. Drawen wir mit 98s aus, haben wir fast immer die beste Hand (robust) und wie schon erwähnt foldet Villain immer die bessere Hand, wenn er x/f od. b/f spielt, auch "robust", wenns um die Wahl der Bluffs der geht.
Wer so seine Callingranges berechnet (also einfach die reine Equity vs. Range nimmt), der hat Equity noch nicht richtig verstanden und das NLH mit 100bb in den meisten Fällen ein Multistreet-Game ist. Das erklärt aber einiges was man an den Tischen so sieht
Kleine Pockets sind auch eher grenzwertig. 33 erreicht wieder die EQ-Anforderungen, die OP errechnet hat (43%). 33 erreicht auch, dass man bei Hit Villains Valuehände beatet. 33 erreicht allerdings nicht, dass Villain bessere Hände x/f, dafür foldet er aber Equity, was auch gut ist, nur im Falle eines Calls sind wir mit unserem Spielraum in Sachen outs schlecht dran, weil wir nur 2 haben. Was allerdings noch wichtiger ist, auf diesem Board haben wir gegen Villain seine Range 40% Equity, ich denke, wenn seine bettingrange polarisiert ist am Flop, dann folden wir mit 33 massiv Equity. Unsere Equity ist Preflop im Prinzip robust, wir wissen, wie wir die Hand weiterspielen sollen (Setvalue), aber Postlop meist alles andere als robust, weil wir einfach nicht die cbet profitbal callen können auf dem Board. Kleine Pockets kann man allerdings gut callen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass wir einen MW-Pot spielen, sprich Fisch in den Blinds.
Da kommt auch schon der nächste wichtige Punkt bei der Handwahl am BU. Was ist mit den Blinds? Wir haben ja nun rausgefunden, dass wir sowas wie suited connectors und wohl mittelstarke Pockets callen wollen, also eine mittelstarke Range. Ich würde auch noch ein paar starke Hände hinzu adden. Es macht keinen Sinn eine zu Preflop zu callen, wenn uns verwehrt wird unsere Equity zu realsieren (Flop sehen), also müssen wir einen call zwingend überdenken, wenn ein guter Squeezer in den Blinds sitzt. Wir tätigen ja immernoch ein Investment, mit dem wir den Flop relativ billig sehen wollen, also Vorsicht bei lighten Squeezern, 3bb call/fold, hört sich immer wenig an, summiert sich aber schnell, 9bb zu 3betten um mit hoher Wahrscheinlichkeit 4,5bb zu gewinnen ist schon besser, oder eine Callingrange zu haben, die gut gegen Squeezes funktioniert ist natürlich auch gut.
Letzter Absatz ist btw. auch auf den Micros nicht immer zu vernachlässigen, aber es wird deutlich weniger gesqueezed und wir müssen unsere Ranges nicht zwingend schützen. Alles andere trifft wohl auf jedes Limit zu.