Hey, hab vor 1-2 Jahren mal in der Sorgenhotline gepostet, als es pokertechnisch nicht so lief und jetzt nach endlosem BE Gegrinde, hab ich mal wieder das Bedürfnis hier was zu posten und meine Gedanken niederzuschreiben.
Kurz zu meiner Story: Hab damals mit SSS angefangen und up to nl2k gespielt, das alles auch recht erfolgreich bis ich in einem endlosen Tiltanfall meine BR gecrusht habe. Irgendwie konnt ich mich noch über Wasser halten und bin dann letztes Jahr auf NL100 SH umgestiegen. Da liefs Anfangs trotz fehlendem Wissen gar nicht mal so schlecht, ich konnte das Limit gut beaten und die Story fing von vorne an: Tilt ohne Ende, BR gecrusht, kurzzeitig auf NL50 abgestiegen und weiter am Spiel gearbeitet.
Als ich wieder auf NL100 war, beschloss ich nur noch zu 6-Tablen, was meiner Winrate und auch meinem Spielverständnis sehr gut getan hat. Allgemein bin ich überhaupt nicht lernfaul, bewerte ziemlich viele Hände, schaue Videos, stove Hände durch, errechne benötigte Foldequities etc. und meine auch schon einiges über das Spiel zu wissen. Allerdings schaffe ich es auf Teufel komm raus nicht das Setting bei zu behalten, bei dem ich wirklich guter Winner wäre -> 6-Tabling und kurze Sessions.
Nach den ersten Bad Beats fange ich an zu masstablen, 16+ Tische und das dann mit knapp VPIP 30% Style. Ich krieg dann 2-3 3bets hintereinander und gehe schon auf Semitilt á la "ich möchte nicht geownt werden und playe back". Das endet in noch mehr Tischen, noch mehr Tilt und noch mehr Spew. Ein typischer Pokermonat sieht bei mir so aus: 90% Winningsessions, in denen ich konzentriert und gut spiele und 2-3 Sessions, wo ich meine gesamten Monatswinnings verdonke. So auch diesen Monat:
Obv lief es nicht sonderlich gut aber trotzdem gehen ~3k auf die Tiltkappe. Mein Problem ist, dass ich ungern verliere und einen krankhaften Ehrgeiz habe. Für alles, was mich interessiert, entwickle ich eine gewisse Besessenheit immer der beste sein zu wollen und handle dann völlig irrational. Ich weiß, dass ich den Skill habe das Limit zu beaten aber der Tilt kostet mich nicht nur BR und Nerven, sondern auch unendlich viel Zeit, in der ich $-mäßig auf dem Boden trete.
Mein Ziel im Pokern ist es die richtig hohen Limits zu erreichen, ich scheue die Varianz nicht wirklich und gehe auch gerne Levelduelle, knappe Spots etc. ein aber viel zu oft level ich mich selbst oder schalte mein Gehirn aus, weil ich in aussichtslosen Situationen versuche meinen Gegner zu outplayen. Im Pokern gehört das Verlieren dazu, ich weiß theoretisch alles, was ich machen müsste, um erfolgreich zu sein aber ich schaffe es nicht umzusetzen.
So, hat gut getan das mal nieder zu schreiben. Mal schauen, was sich daraus entwickelt!

