Hallo Community,
ich bin der weltweit beste HU Sng-Spieler in Holdem, Omaha und Omaha H/L, wie allgemein der beste Allrounder in Poker. Da die Varianz in Poker ziemlich groß ist, ist meine Edge auf Buchmacher allerdings von erheblicheren Wert. So sehr ich auch Poker zerstöre, würde ich die Disziplin des Sportwettens als meine eigentliche Expertise bezeichnen. Bis hierhin, ich bin nun Mitte 20, konnte ich mein Talent und meine Kenntnisse nicht angemessen in bare Münzen umwandeln. Man möge die Ursachen im Leichtsinn und hitzigen Temperament der Jugend oder in meinem ramponierten Nervenkostüm suchen. So effizient und kontinuierlich ich auch in der Lage bin eine Bankroll aufzubauen; es hilft mir nichts, wenn ich bei den kleinsten Anzeichen eines Downswings all den mühselig erarbeiteten Profit auf Tilt aus dem Fenster werfe. Ob das dann mittels Overbets bei den nächstbesten zu Verfügung stehende Sportwetten, beim Blackjack, bei shots auf hohe Limits, die ich dann aggro oder mit Scared Money bewandere, vonstattengeht, spielt keine Rolle. Ich verlange dafür übrigens kein Verständnis. Mir ist völlig klar, dass der prosaischen Otto Normalverbraucher und der gewöhnlice Kacknerd, der unter Poker das systematische klicken von Buttons versteht, sowohl für meine Fähigkeiten als Gelddruckmaschine wie auch für das sinnlose verballern des Geldes kein Verständnis aufbringen kann. Dafür bräuchte man einen Zugang zum gambling-spirit. Zu jenem stehen sie aber im Verhältnis, wie die Nonne zum Koitus.
Nach der kurzen Vorstellung nun zur eigentlichen Bewandtnis des Threads: Ich habe die Absicht die Jahreswende als Anlass zu nutzen, um mein Spielverhalten entscheidend zu ändern. Schließlich schlägt es auf Dauer auch stark auf die Psyche, wenn man das was einem eigentlich zusteht, in regelmäßigen Abständen aus dem Fenster wirft. Der Gram und die Verbitterung, welche daraus entsteht, ergibt sich dabei nicht zwingend aus den verlorenen Winnings, sondern aus der Art und Weise wie sie verloren werden. Es ist das Bewusstsein über das eigene Genie, welches man aufgrund psychologischer Unzulänglichkeiten nicht in ökonomisches Kapital umwandeln kann, was einem so zermürbt. Das war auch der Grund warum ich die letzten 2-3 Jahre mit Desillusion zu kämpfen hatte. Ich konnte diese Bürde einfach nicht mehr stemmen. Das Ergebnis war, dass ich meine Bankroll - bevor ich wie gewöhnlich alles sinnlos verballerte - nur noch sporadisch signifikant aufbauen konnte. Früher konnte man die Uhr danach stellen. Sicherlich, ein paar Chancen so richtig durchzustarten, die auf 30/60 FL auf Stars in nem 5k Downsing und in vierstelligen aneinandergereihten Tiltsportwetten ihr Ende nahmen, waren natürlich dennoch dabei; aber insgesamt, insbesondere beim Pokern, fehlte es einfach an Hingabe und damit auch an Konsistenz. Damit soll jetzt aber Schluss ein. 2017 soll eine neue Zeitrechnung in meiner Karriere einläuten, eine mit einer sophistizierteren Herangehensweise, die es mir erlaubt das zu erwirtschaften, was meinem Genie und meiner bisherigen unmenschlichen Hingabe zusteht. Der gambling-spirit muss aber trotz alledem beibehalten werden. Denn Gewinnen ohne Stil ist geringschätziger als Verlieren mit Stil. Die verinnerlichte Gemütsart des Spielers, die Kühnheit, der tagtägliche Drahtseilakt zwischen Euphorie und Ungemach, zwischen Hoffnung und Resignation, zwischen Leben und Tod, das alles, der gambling-spirit, der den Biedermännern dieser Welt so fremd ist, stellt den notwendigen stilistischen Beiklang dar, der die Ausübung der Disziplinen in der Gamblingbranche überhaupt erst zu einer transzendenten Erfahrung macht. Soll ich am Ende daran scheitern, dann soll es so sein.
Der neue Abschnitt meiner Karriere soll sich zu Beginn schon mal darin kennzeichnen, dass ich Online-Poker wieder mehr nutze um mir erst mal eine Bankroll aufzubauen. Ich war noch nie Reg, aber mein Volumen in den letzten drei Jahren war schon sehr gering. In Anbetracht dieses Umstands und meiner psychischen Labilität sind meine 20k Winnings in Sng's, wenn prinzipiell auch ärmlich, eigentlich gar nicht sooo übel. Abgesehen davon dass ich wieder ernsthafter und mit mehr Fokus an Online-Poker rangehen werden, plane ich mein Spielverhalten und allgemein meine Lebensführung in vielen anderen Bereichen zu ändern, auf die ich jetzt momentan aber zu faul bin einzugehen.
Noch schnell zu meiner aktuellen finanziellen Lage: Ich bin broke. Letztens mal wieder Hu zerstört auf stars. Aus 30€ auf 800 hoch, bevor ich dann mal wieder auf semitilt auf 3/6 und 5/10 FL die Karten mit meinen Gegnern verglichen habe. Und wie konnte es auch anders ein, natürlich bin ich gebroked. Bei Games wo kaum skill involviert ist, habe ich keien Chance. Mit diesem ganzen Unsinn soll nun aber Schluss sein. Meine aktuelle Roll auf Stars: 2,4$.
Wie dem auch sei: Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Gelingen könnten jedenfalls nicht besser sein: Ich bin nun in einer Lebensphase wo ich völlig frei von gröberen sozialen Verpflichtungen bin. Ich habe keine Familie auf die ich sorgen und keine enge Freundschaften die ich pflegen muss. Zusätzlich habe ich als Angehöriger der Arbeiterklasse in unserer kapitalistischen Gesellschaftsform keine Perspektive. Demnach kann ich völlig unbefangen an die Sache rangehen. Im Grunde gibt es nur ein großes Obstakel, welches mir im Weg steht – und das ist mein Selbst.
Mehr demnächst.

