Dann mach ich mal weiter.
Lektion 2.1 Lies die Artikel:
1. Die 8 Spielertypen und wie du an ihr Geld kommst
Es gibt unterschiedliche Arten von Pokerspielern. Sie unterscheiden sich darin wie viele Hände sie spielen und ob sie ihre Hände aggressiv, passiv oder sogar ängstlich spielen. Sie lassen sich in 8 verschiedene Typen einteilen:
Typ 1: Der Rock spielt nur extrem wenige Hände. Er sucht sich seine Starthände sehr sorgfältig aus und spielt nur die absoluten Premium-Hände.
Die Strategie gegen ihn:
- Ignorieren. Weil er so gut wie nie in das Spiel einsteigt, kann man preflop so spielen, als ob sein Platz leer wäre.
- Wenn möglich sollte man immer seine Blinds angreifen. Er wird sie nur höchst selten verteidigen.
- Wacht er auf und macht Action wird's gefährlich. Dann sollte man sich fernhalten
Typ 2: Die Nit spielt ähnlich wenig Hände wie der Rock. Der einzige Bluff den sie spielt ist eine CBet. Preflop spielt sie streng nach SHC doch postflop ist sie meistens ziemlich verloren.
Die Strategie gegen sie ist eine leicht abgeschwächte Version derer gegen den den Rock.
Typ 3: Der weak tighte Spieler ist etwas schwieriger zu erkennen. Sein Problem besteht darin, dass er mit aggressivem Spiel seiner Gegner nicht umgehen kann und deshalb Fehler macht.
Die Strategie gegen ihn:
- Seine Blinds angreifen. Er wird sie sehr häufig nicht verteidigen.
- Häufig eine CBet spielen. Ohne TP oder besser wird er meist aufgeben.
- Selektiv angreifen wenn die Chancen gut stehen, dass er die Hand aufgeben wird.
Typ 4: Der TAG spielt den gleichen Stil wie wir und ist deshalb nicht unser Gegner. Gegen ihn spielen wir nicht um Geld zu machen. Mit vielen TAGs am Tisch sinkt die Edge und wir sollten uns einen anderen Tisch suchen. Wir können gegen den TAG spielen, wenn wir kurz vor einem Limit-Aufstieg stehen, um uns auf das nächste Limit etwas vorzubereiten. Der Anteil an TAGs wird im höheren Limit zunehmen.
Typ 5: Der Maniac spielt sehr viele Hände und er spielt sie äußerst aggressiv.
Die Strategie gegen ihn:
- Sehr tight spielen.
- Bluffs induzieren. Haben wir getroffen, lassen wir trotzdem ihn betten. Er will etwas beweisen und setzt sowieso.
- Slowplay funktioniert gegen ihn recht gut. Hält man sich zurück wird der Maniac fast immer ballern.
- Keine eigenen Bluffs spielen. Der Maniac will fast immer zum SD, deshalb haben Bluffs wenig Sinn.
- Sich ja nicht auf Tilt bringen lassen. Maniacs haben dafür ein (ungewolltes) Talent.
Typ 6: Der LAG ist eine abgeschwächte Version des Maniac.
Die Strategie gegen ihn:
- Tight spielen.
- Bei passender Gelegenheit Bluffs induzieren.
- Slowplay sollte gegen ihn auch noch recht gut klappen.
- Harte Zweikämpfe vermeiden.
Typ 7: Die Callingstation callt gerne und hat Schwierigkeiten eine Hand aufzugeben. Dabei ist es häufig unerheblich ob sie eine gute oder schlechte Hand hält. Ihre Spielweise entbehrt oft einer gewissen Logik.
Die Strategie gegen sie:
- Niemals bluffen! Selbst Semibluffs sind gegen eine CS nicht sinnvoll, da sie alles callt.
- Hat man eine gute Hand, sollte man immer setzen, da die CS fast alles callt. Slowplay und Bluffinduce wird gegen sie nur extrem selten funktionieren, da sie selbst kaum bettet.
- Man kann auch dünnere Valuebets anbringen, weil die CS dann auch gerne mit schlechteren Händen gerne.
- Draws kann man passiv spielen, da die CS einem gerne Freecards gewährt.
- Wacht eine CS auf und macht Action hält sie meistens ein Monster. Vorsicht!
Typ 8: Der Donkey ist ein sehr schlechter Spieler, der oft ziemlich sinnlose Spielzüge spielt. Er sieht gerne den Flop und kann nicht verstehen, warum jemand preflop erhöht. Er spielt häufig zu loose und zu passiv. Seiner Meinung nach blufft jeder ständig und er callt, bettet oder raist häufig, wenn es sinnlos ist. Hat er eine starke Hand spielt er gerne Slowplay. Ähnlich dem Manic hat er ein Talent dafür seine Gegner auf Tilt zu bringen, wenn er einen Lauf hat und mehrmals hintereinander mit seiner schlechteren Hand am River doch noch gewinnt. (Gutshots kommen an, sonstige 1 und 2 outer...)
Die Strategie gegen ihn:
- Das ganz normale Standard ABC-Poker spielen.
- Seine Moves genau beobachten: wie spielt er welche Situation.
- Seine beobachteten Spielweisen gegen ihn verwenden.
Fazit: Man sollte nach Callingstations, weak tighten Spielern und Nits Ausschau halten. Maniacs und LAGs sind nur was für starke Nerven. TAGs sind nicht unsere Gegner und Donkeys brauchen viel Aufmerksamkeit. Von Rocks bekommt man das Geld durch Steals Blind für Blind.
2. Wie spielst du vor dem Flop?
Es gibt bis zu 10 Positionen am Tisch. Die Position gibt an, wann man dran ist. Die Reihenfolge der Spieler ist im Uhrzeigersinn. Die Positionen zählt man vom BU aus, das ist der Kartengeber, er hat hat einen "Dealer-Button" vor der Nase, gegen den Uhrzeigersinn. Dabei haben der BU und der CO (Cutoff) jeweils ein Late Position (späte Position), die 3 Spieler davor (MP1, MP2 und MP3) je eine Middle Position (mittlere Position)und die 3 Spieler davon (UTG1, UTG2 und UTG3, UTG=Under The Gun) je eine Early Position (frühe Position). Die beiden Spieler davor (SB und BB, Small Blind und Big Blind) haben aus 2 Gründen eine Sonderstellung: 1. Sie müssen vor der Kartenvergabe Zwangseinsätze bezahlen, eben wie ihre Positionen benannt sind den Small Blind und den Big Blind und 2. sind sie vor dem Flop als letzte an der Reihe, nach dem Flop jedoch als erste wenn sie noch dabei sind. Sitzen weniger als 10 Spieler am Tisch fallen zuerst die frühen Positionen weg, danach die mittleren u.s.w.. Die beiden Positionen die niemals wegfallen sind der BU und der BB. Im HeadsUp zahlt der BU den Small Blind un der BB den Big Blind vor der Kartenvergabe.
Nach jedem Spiel wandern die Positionen im Uhrzeigersinn einen Platz weiter. Dadurch kommt jeder Spieler im Laufe der Session in jede Position.
Im Starting Hands Chart ist aufgeführt welche Starthände aus welcher Position abhängig von den bisherigen Aktionen der anderen Spieler wie gespielt werden sollen. Es nimmt dabei keine Rücksicht auf die 8 verschiedenen Spielertypen.
Wenn man eine Erhöhung spielt, erhöht man um 3 Big Blinds auf 4 Big Blinds, wenn vorher keiner in die Hand eingestiegen ist. (Man ist first in) Gab es vorher Limper, sie haben den Big Blind bezahlt um dabei zu bleiben, legt man pro Limper einen weiteren BB drauf. Gab es z.B. 2 Limper vor einem, erhöht man auf 6 Big Blinds.
Wurde vor einem bereits erhöht erhöht man auf das 3fache der ursprünglichen Erhöhung plus je einmal die Erhöhung pro Spieler der die Erhöhung bereits gecallt hat. Wurde mehr als einmal erhöht spielt man nur noch AA und KK weiter und geht direkt AllIn, setzt also alles Geld was man am Tisch hat. Jede andere Starthand legt man weg.
Wird nach einem nochmal erhöht, erhöht man mit AA und KK nochmal. Mit Paaren kleiner als KK kann man mit gehen, wenn der Stack des Spieler der zuletzt erhöht hat und der eigenen je mindestens 20 mal so groß sind wie der zu zahlende Betrag. Alle anderen Hände legt man weg (folden), es sei denn die Erhöhung nach uns war die kleinstmögliche Erhöhung. Mit AA und KK erhöht man dann weiter, mit den anderen Starthänden callt man.
Durch die korrekte Anwendung des Starting Hands Chart spielt man zwar nur wenige Starthände, aber man hat meistens vor dem Flop die beste Hand und geht schwierigen Entscheidungen nach dem Flop größtenteils aus dem Weg. Winning by folding heisst die Devise.
3. Mathematik des Pokerns - Odds und Outs
Draws sind Hände, die noch sehr schwach sind, sich aber durch kommende Karten auf dem Board verbessern können und dann höchst wahrscheinlich die beste Hand sein werden. Ob weiterspielen rentabel ist, hängt zunächst von der Menge der Karten ab, die die eigene Hand verbessern (Outs) im Verhältnis zu den nicht hilfreichen Karten (Odds) und dem dafür zu zahlenden Betrag im Verhältnis zur bisherigen Potgröße. (Pot Odds)
Outs sind Karten die die eigene Hand verbessern. Hat man z.B. 4 Karten eines Straight verhilft einem die noch fehlende Karte zum Straight. Gibt es 2 Möglichkeiten eine fehlende Karte zu ergänzen, hat man 8 Outs, denn jede Karte gibt es bekanntlich in 4 Farben. Bei nur einer Möglichkeit (Gutshot) sind es nur 4 Outs. Hat man 4 Farben eines Flush verhilft einem jede weitere Karte dieser Farbe zum Flush. Da es 13 Karten in jeder Farbe gibt, hat man dann 9 Outs. Solche Szenarien können auch kombiniert auftreten. Hat man 4 Karten eines Straight, und gleichzeitig 4 Karten eines Flush, addieren sich die Outs, in diesem Fall sind es 15.
Es kann vorkommen, dass man sich nicht alle Outs anrechnen kann, weil der oder die Gegner sehr wahrscheinlich Hände halten, denen einige unserer Outs zu einer noch besseren Hand verhelfen würden. Z.B halten wir einen Straightdraw und der Flop ist in 2 Farben. Es kann sein, das einer der Gegner einen Flushdraw hat. Kommt nun eines unserer Outs in genau dieser Farbe an, haben wir zwar unseren Straight, aber der Gegner hält nun seinen Flush und damit die bessere Hand. In solche einem Fall müssen wir unser Outs reduzieren bzw. modifizieren. Man spricht hier von "discounted oder modified Outs".
Die Odds geben an mit welcher Wahrscheinlichkeit man einen Draw komplettieren kann. Dies wird im Verhältnis nicht hilfreiche Karten : hilfreiche Karten angegeben. Diese Schreibweise wird auch "Odds against" genannt, weil sie die Wahrscheinlichkeit angibt, dass man seine Hand nicht verbessern kann.
Ein Beispiel: Man hat 4 Karten eines Flush und es liegt bisher nur der Flop auf dem Board. Damit sind 5 Karten bereits bekannt - es verbleiben 47 unbekannte von denen uns 9 weiterhelfen. 47-9=38 -> die Odds sind 38:9 gerundet etwa 4:1
In der Odds-Tabelle sind die Odds bis zu 15 Outs mit Beispielen aufgelistet.
Pot Odds sind das Verhältnis möglicher Gewinn (bisherige Potgröße) : zu zahlender Betrag (letzte Bet oder Erhöhung des Gegners).
Sind die Pot Odds größer als die Odds ist ein Call langfristig profitabel. Sind die Pot Odds kleiner als die Odds würde man langfristig Verlust machen.
Das Thema der Odds und Outs wird gerade im NoLimit Hold'Em noch durch das mathematische Konzept "implied Pot Odds" erweitert.
4. Extra: Crushing NL50 - (1/6) Das Preflopspiel
Die Grundlage aller Bemühungen beim Poker stellt das Prinzip des Gewinnens von möglichst viel Geld dar. Jede Entscheidung sollte dazu beitragen den Erwartungswert zu verbessern. Je mehr Informationen bei einer Entscheidung berücksichtigt werden können, umso präziser lässt sich der Erwartungswert einer Aktion abschätzen.
Das SHC stellt einen Kompromiss dar, da es dem Spieler dabei hilft Fehler zu vermeiden, einfach anzuwenden und eindeutig ist. Nachteilig am SHC sind die Vereinfachungen durch das Zusammenfassen von Starthänden zu Kategorien und Positionen zu Positionsgruppen sowie das Nichtverwenden von gegnerspezifischen Informationen.
Für Einsteiger ist es zunächst wichtig ihre Bankroll nicht zu verlieren. Daher ist das SHC darauf ausgerichtet den Ruin zu verhindern. Es wird hierbei auf marginale Situationen verzichtet, die nur unter bestimmten Voraussetzungen einen positiven Erwartungswert haben. Um diesen zu erreichen bedarf es aller Informationen die vor dem Flop verfügbar sind: Welche Spieler sind mit welchen Stacks von welchen Positionen mit welchem Spielzug in das Spiel eingestiegen, von wem gab es Raises in welcher Größe, u.s.w.
Blindstealing
Der erste Ansatzpunkt um sich vom SHC zu lösen, stellt das Blindstealing dar. Im SHC ist nicht vermerkt, welcher Gegnertyp, mit welcher History und welchem Stack dafür geeignet ist. Tighte Spieler eignen sich dafür, weil sie nur mit wirklich guten Händen ihre Blinds verteidigen werden. Sehr schlechte Spieler sind natürlich auch geeignet, weil man gegen sie generell profitabel spielen kann, da sie große Fehler begehen. Hat man tighte und/oder schlechte Spieler in den Blinds sitzen, deren Stacks entsprechend groß sind, das eine CBet spielbar sein wird, kann man aus BU mehr raisen, als das SHC vorgibt. Bei der richtigen Konstellation der Gegner ist es möglich einen Openraise-Wert von mehr als 40% aus dieser Positionen zu erreichen. Um aus dem CO diese Erweiterung spielen zu können, muss der BU ein sehr tighter Spieler sein. Ein looser oder aggressiver Gegner am BU ist ungeeignet.
Gegen loose Gegner mit großem Stack in den Blinds lassen sich auch noch einige Hände mehr erhöhen, wie sie das SHC vorgibt. Wichtig dabei ist, dass man das bessere Potential für mittelstarke Hände hat, da man häufig zum Showdown gehen muss.
Bei tighten Gegnern muss man besonders auf schwer erkennbare, sehr starke Hände aufpassen.
Isolation
Sind bereits Spieler per Limp in das Spiel eingestiegen, kann man häufig mit einer etwas weiteren Range als im SHC aufgeführt ist, raisen. Natürlich sind auch hier wieder der Gegnertyp, seine History und sein Stack wichtige Informationen. Sind die Limper z.B. Bigstacks werden sie meistens kleine PPs, seltener auch suitetd Connectors limpen um auf Setvalue bzw. Flush oder Straight zu spielen. Sind sie tight, werden sie auf eine CBet am Flop meistens folden, weil sie ihr Set oder Draw nicht getroffen haben.
Mit Händen, die entsprechend Potential besitzen, wie suited Connectors, kann ein Limp durchaus einen positiven Erwartungswert haben und profitabel sein.
Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass in Situationen die einem Limp einen eindeutig positiven Erwartungswert geben, ein Raise einen noch höheren Erwartungswert hätte.
Domination
Das Konzept der Domination stellt keine so eindeutigen Vorgaben wie die bisher genannten. Eine Starthand dominiert eine andere, wenn sie neben einer gleichwertigen Karte, eine mit einem höheren Wert als die 2te Karte des Gegners enthält. Zum Beispiel dominiert KQ QJ, oder 87 dominiert 76. Die Gewinnwahrscheinlichkeit der dominierenden Hand liegt deutlich über der der dominierten Hand. Daher sollte man versuchen dann zu spielen, wenn die eigene Starthand die Range des Gegners dominiert. Natürlich darf man dabei die sonstigen Umstände nicht außer acht lassen.
Im Falle eines Treffers der dominierten Karte hat der Gegner möglicherweise ein Top Pair, aber nur 3 Outs um seine Hand zu verbessern. Langfristig ist dies eine recht profitable Situation.
Vermeiden sollte man unbedingt potentiell dominierte Hände in solchen Situationen zu spielen. Zum Beispiel wird A2 von jeder anderen Ax-Hand dominiert.