Original von eroticjesus
@MPN25:
Um ehrlich zu sein, habe ich nie ein Limit unter NL25 intensiv und ambitioniert gespielt (als ich anfing gabs kein NL2/NL5 und ich war Fisch), sprich, ich kenn mich mit Microcashgame an sich kaum aus. Also welche Konzepte sitzen sollten, kA. Ich kenne einen PS.deler, der spielt erfolgreich Midstakes und spielt SH Stats von 18/13/5, also eine Vollnit. Er selected aber hart seine Games und ist scheinbar erfahren genug, Postflop nicht so viele Fehler mit seiner Range zu machen, hat aber scheinbar 2006 aufgehört an seinem Game zu arbeiten^^ Anderes Beispiel ist ein Spieler, der vor Blackfriday mit die höchsten Winnings auf Absolute-Poker eingefahren hat, spielte 19/16 SH und hat auch sehr stark seine Games NL400+ selected.
Da die Micros schwächer sind, als die Midstakes, aber rakeintensiver, denke ich, dass ersteinmal ein grundlegend tighter Stil zum Erfolg führen sollte. Da du nach FR gefragt hast, versuche ich mal mein Wissen auf FR zu übertragen, ich fühle mich zwar als solider Winner an FR-Tischen, aber von grundlegenden Konzepten, die man für die Micros braucht, haben wohl eher Leute, wie Verneer, oder Fallout86 mehr Ahnung.
Erstmal definiere ABC-Poker? Für mich ist ABC-Poker tightes Preflop-Poker, aggressives Valuebetten und nur an äußerst profitablen Stellen bluffen, sowie eher crying-fold, als hero-call. In Stats ausgedrückt: SH 21/16/5 oder sowas. FR vllt. 13/8/3, aber ist auch nicht so wichtig.
Um die Micros einfach zu schlagen, reicht ein ABC-Game imo. Aber dazu braucht man weiterhin ein paar wichtige Skills, weil einfach ein Limit zu schlagen mit ABC-Poker bedeutet meist eine kleine Winrate, was mit großen Swings einhergeht. Von daher sollte man definitiv sehr geduldig sein, so eine hourly mit 2bb/100 auf NL10 ist halt eher gering und für viele wohl frustrierend, also den Grindern, den es primär ums Geld geht. Desweiteren sollte man so gut wie nie tilten und wenn dann sofort quitten. Ansonsten ist die Tableselection wohl das A und O.
Wir wollen die Micros aber nicht nur beaten, sondern zerstören um danach, mit einer ordendlichen hourly, auf den Lowstakes NL25/NL50 rumzulaufen.
Wie man die Micros crusht? Mach Goldstatus und schau dir demnächst meine Vidserie zum leidigen Thema Redline an
Ansonsten ein paar Sachen, die man definitiv drin haben sollte, wenn man noch kein Crusher ist auf den Micros, es aber vorhat zu werden. :
Allgemein:
- Bereitschaft zu lernen ---> Die Micros sollten NUR zum lernen da sein, Geld spielt keine Rolle, also so lange mit magerer hourly an wenigen Tischen spielen, aber dafür nach und nach ordendlich sein Game aufbauen, das ist viel Arbeit, die spart man sich aber dann, wenns an die $$$ auf höheren Limits geht
- Normale Tische > Zoom (Zoom kann man spielen, wenn man neue Konzepte schnell in sein Game integrieren will, also zoom zum lernen nutzen, nicht zum grinden)
- BRM nach Maß, je aggressiver desto besser, aber ehrlich zu sich selbst sein, wenn man nicht absteigen kann, dann eher konservativ
- Gute Gameselection und Seatselection ---> Die Micros sind voller schlechter Spieler, aber es laufen imo heute auch viele "Regs" rum, weshalb man permanent Ausschau nach guten Plätzen, an juicy Tischen halten sollte
- Wenige Tische spielen, FR maximal sechs SH maximal vier (wie geschrieben, der Lerneffekt > Grinden auf den Micros, das kann ich dir gern auch vorrechnen, aber ich denke da kann man selbst drauf kommen, Money printen kann man auf höheren Limits)
- Mit Varianz beschäftigen
- Leveling aus dem Kopf verbannen, wenn man einen Raise am River bekommt, dann ist das zu 90% eine saustarke Hand, also gar nicht weiter drüber nachdenken, auch wenn ihr meint, dass da noch so viel history war
- Notes Notes Notes
- Ein Netzwerk aus Buddys aufbauen und viel mit anderen Spielern austauschen, dabei aber hart selectiv sein und ggf. auch mal jemanden aus der Skypeliste nehmen, der einen nicht weiterbringt, es sollte immer win-win sein longterm.
Preflop:
Ich gehe anhand der Posts von OPM davon aus, dass FR Micros auf Stars aus Fischen und sehr tighten Regs besteht.
Generell: abnitten oop und in frühen positionen (aber drüber nachdenken ggf., je nach Tisch mal weiter zu openen), laggy openraisen aus späten Positionen und wenn es sich anbietet aus dem SB
- Ranges am CO BU und SB aufloosen und sehr viel stealen, SEHR VIEL STEALEN!!! Es gibt Spots, da kann man 100% den BU/SB openraisen und die gibt es auf NL10 weitaus mehr als auf allen anderen Limits, imo
- Zwischen Händen mit Stealequity und Potequity in jeder Situation unterscheiden können, hat eine Hand bspw. Preflop nur, aber dafür gute, Stealequity (bspw. 72o am BU gegen zwei tighte Blinds) dann MUSS man stealen, dafür aber Postflop fast immer aufgeben (der Steal war im Vakuum +EV, danach hat sich die Hand erledigt, ausser twopair+ gehittet)
- flexible Openraisingranges spielen und versuchen je nach skill-advantage so viele Pötte wie möglich, gegen den Spot am Tisch zu spielen
- Weit isolieren natürlich, wie gesagt, es ist sehr wichtig, sehr viele Spots mit limpern/schlechten Spielern zu spielen, je stärker ihr euch fühlt gegen den villain, desto weiter könnt ihr isolieren, dabei aber Position beachten
- Auf Leute achten, die viel auf 3bets folden und ihnen so oft es geht ihre 3-4bb pre abnehmen, gerade Micros gibts da genug Masstabler-Nits (warum auch immer, ich verstehe den Sinn halt nicht NL2-NL10 zu masstablen^^)
- exploitive folden (klingt weak, aber ich würde AKo aus UTG an einen NL10 Tisch folden, wenn ich eine 3bet aus MP bekomme), man muss oft gute folds machen, bspw. JJ im SB, MP openraist, CO 3bettet, easy fold NL10 FR imo, wenns Regs sind
- hart polarisiert 3betten, sprich AK und QQ flatten vs frühe Raises
- Am BU nach MW-Pots, am besten 3way ausschau halten und sehr weit callen. Hier liegt so viel Deadmoney in den Spots, bspw. 75s am BU, UTG+2 raist, CO callt, blinds sind Fische, oder tighte Regs, dann unbedingt callen ---> die Leute sind Postflop so verdammt ehrlich Multiway, dass man sehr sehr oft den Pot IP stabben kann
- Positionsplay muss sitzen, sehr tight im SB spielen und den BB zwar mehr defenden, aber darauf achten, ob Villain überhaupt eine weite Stealingrange hat, oder ob ihr nicht doch sehr oft folden solltet
- Bei der Handwahl stark auf Playability und mögliche Postflopequity achten und unbedingt fit darin werden den Tisch zu spielen und nicht das Chart
Postflop:
Das mache ich mal etwas kurz und vereinfacht, weil man über die ganze Thematik an sich ein ganzes Buch füllen kann^^
- Die meisten Regs, wie oft auch Fische, spielen ziemlich fof, weshalb man durchaus viel cbetten kann, hier würde ich generell sehr klein cbetten (vor allem in 3bet pots), wenn das board trocken ist und man viel FE hat, natürlich um Geld zu sparen
- Insgesamt hart exploitive das Betsizing wählen, vor allem gegen Fische, groß for Value betten, klein bluffen
- Das meiste Geld kommt, nichtsdestotrotz, von Valuebets, also unbedingt mit dünnem Valuebetten vertraut machen und überhaupt richtig zu lernen, wie man Valuebettet (ich hab da auf NL50 FR so viele lustige Sachen gesehen, ich denke NL10 wirds noch ne Ecke schlimmer sein)
- Stats haben bei Microspielern mehr Aussagekraft, als bei Smallstakes/Midstakesspielern, weil der Micro-Reg tendenziell nur sein Spiel spielt und nicht den Gegner, also kann man hier sehr hart deren Leaks aus den Stats exploiten, weshalb es auch sehr wichtig ist, Stats richtig zu interpretieren, foldet jemand also viel auf raises am Flop, dann kann man ihn sehr oft raisen, als bluff (aber auch nie groß übertreiben, man kann ein Schaf mehrmals scheren, aber nur einmal schlachten
), foldet jemand viel auf cbets, wird er IMMER viel auf cbets folden (hierbei aber immer auf das Board und Villains Range achten).
fix paar wichtige Werte im HUD fürs postflopplay (die meisten Stats obv in Zusammenhang mit VPIP und PFR betrachten und vor allem auf die Samplesize achten):
- WTS > 30 = nicht bluffen, fast immer stationy < 24 = ggf. barreln mit guter Equity und öfter versuchen zu stabben
- WWSF > 48 = villain kämpft gern um Pötte, hier kann man in Erwägung ziehen einen Herocall an richtiger Stelle auszupacken < 44 = Er blufft nicht
@OPM: ER BLUFFT NICHT!!! (WWSF sagt imo mehr aus als der AF oder die Aggr%) Aber Achtung: Es wird generell eher wenig geblufft auf den Micros, also immer lieber den expoitive Fold auspacken, als zu callen
- Fold to cbet Flop > 60% bäm
- Fold to cbet Turn > 60% bäm bäm
- Fold to cbet River > 60% bäm bäm bäm
- auf auf Raisewerte/x/r-Werte achten, auf den Micros sind diese meist so gering, dass es oft kaum Sinn ergibt irgendwas ausser starke draws oder nuts weiter zu spielen (wieder exploitive folden, bspw. AA aus UTG vs. CO caller - Nit- raist auf 24Tss ---> FOLD)
- Genereller Barrelplan: Foldequity+Potequity=Aggression
- und noch viel mehr
Gut, das sind jetzt alles paar Konzepte und ein paar Praxissachen und auch alles ziemlich kurz gehalten, aber wenn mans serious nimmt mit dem Game, dann sollte man sich damit gründlich auseinandersetzen und alles versuchen nach und nach in sein Game zu integrieren. Vom Profisport und von professionellen Musikern weiß ich, dass man sehr erfolgreich und gut wird und es auch bleibt, durch schlichtes aber beständiges aber vor allem richtiges Üben. Das kann man gut auf Poker übertragen. Wenn man jetzt von keinen der Sachen, die ich geschrieben habe einen Plan hat, dann sollte man halt klein anfangen. Bspw. Stealen:
- Man macht 3 Übungsessions pro Woche an maximal 2 zoom-tischen (für sowas sind die Zoom-Tische wirklich klasse imo) und nimmt sich ein Topic vor. Angefangen beim Stealen am BU, vorher macht man sich über gängige Konzepte im Forum/Vids/Bücher/Artikel schlau, wie profitables stealen funktioniert und setzt es dann als Übung möglichst oft um, wenn man 500x First in am BU war, dann kann man zum nächsten Topic übergehen (meinetwegen stealen aus dem SB) - das kann man sich auch generell als Sessionthema setzen, aber so eine Übungsession mit wenigen Tischen ist nuts, die kann man ggf. auch aufnehmen, kommentieren und mit einem Buddy durchgehen. Eine gute Übung für FR-Spieler ist es auch SH zu spielen und für einen SH Spieler ist es ggf. gut mal HU zu spielen oder sich mit PLO auseinanderzusetzen um fitter in Sachen knapper Equity zu werden.
- zuzüglich filtert man seine Datenbank nach Händen, in denen man First-in am BU war und schaut ob man hätte profitabel stealen können oder ob der Steal schlecht wäre, dazu kann man sich durchaus gleich entsprechende Ranges basteln und sich Notizen zum wie und warum machen. Auch hier sollte man 300-500 Spots durchgehen
Das hört sich nach hammer viel Arbeit an, ist es obv auch, aber danach sitzt das für immer und man kann auf sehr fundiertes Wissen aufbauen (ich will nicht wissen, wie oft ein Profifußballer Flanken geübt hat in seiner Jugend, bis sie sitzen, bevor der überhaupt Profiluft schnuppern durfte, hat er bestimmt >1k Flanken geübt).
Overall kann auch ein guter Coach helfen, nur rate ich (lol warum mach ich das) davon ab, weil man mit viel Disziplin und Muße auch selbst sehr weit kommen kann. Aber wenn man jemanden benötigt, der einen den nötigen Arschtritt verpasst, dann kann ein Coach natürlich sinnvoll sein.
Wie ich geschrieben habe, Micros sollten zum üben da sein, viel und richtig lernen und sich mit "Standardsituationen" auseindersetzen, bis sie im Schlaf sitzen, lieber nur 10k hände im Monat NL10 grinden und dafür die restlichen Stunden lernen und dabei mehr Spaß bei den 10k händen haben und selbstbewusster sein und nach 3 Monaten ggf. mal shotten, als 6 Monate stur grinden, mal nen Vid schauen, mal ne Hand bewerten lassen und ein bisschen bloggen, aber trotzdem nicht vom Fleck kommen
Ich selbst habe meine ganze Erfahrung an den Tischen geholt und dabei viel Lehrgeld zahlen müssen, hätte ich das Konzept der disziplinierten Übung früher erkannt, hätte ich nun wohl im Endeffekt genauso viel Hände gespielt, aber weitaus mehr Erfolg gehabt.
Ich hoffe ich konnte helfen