Original von Fox128
Man muss sich eher immer Fragen, WOHER kommt der Value einer 3bet?
und das lässt sich imo recht schön zusammenfassen:
"Protection" 3bet: Erscheint jetzt zwar als unwichtigster Punkt zu sein, aber da es immer noch genug Leute gibt, die ingame einfach nicht daran denken, will ich es nochmal erwähnen: Immer wenn wir eine Hand haben die wir sehr gerne spielen würden, müssen wir uns die Gegner hinter uns ansehen! Sind diese zum Beispiel eher Squeeze-freudig, wird eine 3bet sehr wahrscheinlich einen höheren EV aufweisen als ein Coldcall (ob es dann +EV ist zu 3betten, oder nicht, ist erstmal eine andere Frage.)
Value 3bet: Die ge3bette Hand/Range hat mehr als ~50% EQ gegen die calling bzw 4betting Range des Gegners. So easy.
Bluff pre (aka immediate profit): Überschreitet der "fold to 3bet" (stat Wert) des Gegners einen gewissen Grenzwert, so ist eine 3Bet im Vakuum mit anytwo profitabel (variiert natürlich ein wenig, je nach sizes und deadmoney, aber ~70% ist eine gute Richtlinie)
delayed Bluff: Es gibt Gegner, die sehr (zu) viele 3bets callen. Sollte aber der Fall auftreten, dass diese (zu) viel auf cbets folden, lässt sich das wiederum extrem exploiten und Value extrahieren. Diesen Plan der Value Generation sollte Hero natürlich idealerweise bereits pre anstreben.
(theoretisch wieder mit anytwo möglich).
5bet bluff: Überschreitet die 4bet Range des Gegners einen gewissen Grenzwert (je nach sizes und stacksizes), wird es sinnvoll und profitabel, gewisse Hände in die bluff-5betting Range aufzunehmen (PPs und suited aces bieten sich hier am meisten an). Und wieder: Am besten, man hat diesen "backup"-plan bereits vor dem Zeitpunkt der 3bet realisiert und entschieden.
Polarisierte Range: Je nach Gegnertyp ist es sinnvoll eher eine polarisierte oder eine depolarisierte Range zu 3betten. Polarisiert bedeutet, dass die Range aus starken (premium Händen), sowie aus spekulativen Händen besteht (suited connectors, suited onegapers, kleine suited aces, suited kings, usw.), aber eben keine Hände die "thin for value" gehen beinhaltet. So eine Range ist besonders gegen Regs zu empfehlen, da wir postflop viel semibluff-barreln können und gleichzeitig durch die Angst vor den Premiums in unserer Range i.d.R. auch viel FE erzeugen werden, wenn es halbwegs gut gebalancet ist.
Depolarisiert: Plump ausgdrückt, statt spekulativen Händen 3betten wir einfach die Hände mit den besten EQs. Das heißt, zu den premium Händen nehmen wir hier nicht spekulative Hände, sondern gehn einfach ohne Lücken Schritt für Schritt die Karten-matrix-leiter hinunter (AQ,AJ,AT,...,KQ,KJ,...TT,99,88,...). Eine depolarisierte Range wird im Gegensatz zur polarisierten Range umso attraktiver, je kleiner der Stack wird und je "schlechter" (SD-bound/callhappy) der Gegner pre und postflop ist. Man muss hier aber auch, je nach callingrange des Gegners, eine Grenze ziehen. Die Gefahr der Domination überwiegt ansonsten den Valueaspekt!
(Vorteil einer polarisierten Range: Man braucht sich wegen Domination keine Sorgen machen)
Im Gegensatz zur polarisierten Range, kommt der "zusätzliche" Value hier primär nicht von semibluffs/draws und (oftmals verstecken) starken madehands zustande, sondern mehr durch die Fähigkeit das Konzept von "lighten" valuebets, und pot controlling zu beherrschen.
Man nimmt den Begriff der depolarisierten 3betting Ranges ansich auch oftmals als Synonym für "lighte value 3bets" her. Das bedeutet jetzt nicht, dass jede Hand in der gesamten Range UNBEDINGT > 50% EQ gegen die calling Range des Gegners haben muss, aber es sollte schon möglichst nah dran sein, um dem Konzept treu zu bleiben. Durch (pre und post) Foldequity oder schwacher Spielweise des Gegners (usw.), sollte man Differenzen aber jedenfalls ausgleichen können, ansonsten macht man was falsch.
Balancing Aspekt: Sollte zwar nach den letzten beiden Punkten klar sein, aber es ist trotzdem erwähnenswert. Auch wenn ich oben paar mal die Illusion von "anytwo=profitabel" verbreitet haben sollte, heißt das nicht, dass man es nun wirklich mit any2 machen sollte. Man sieht zum Beispiel häufig in Videos, dass jemand mit Q7o o.Ä. ne 3bet raushaut. Mir gefällt das ganz und gar nicht. Diese 3bet mag zwar je nachdem im aktuellen Spot (im Vakuum) erstmal immediate +EV sein, aber wenn man jetzt anfangen würde alle Hände die so gut oder besser sind wie Q7o zu 3betten, muss man kein Genie sein um vorherzusehen, dass unsere Range explodieren wird und das wird die Gegner dazu veranlassen irgendwann zu adapten (erst recht, wenn wir mal nen SD sehen, aber auch ohne, aufgrund von Stats etc.). Das ist definitiv schlecht für uns und sollte absolut nichts in unserem Gameplan zu suchen haben. Warum also nicht lieber gleich geeignetere Hände zum bluff-3betten nehmen, wenn man damit trotzdem noch auf eine genug hohe Frequenz kommt?
Der Zweite Punkt von Balancing beschäftigt sich mit: WARUM haben wir überhaupt eine (semi-)bluff 3betting Range, wenn wir damit postflop doch eh immer gegen eine bessere Hand spielen (und das meistens auch noch oop)?!
Nun, es ist einfach enorm WICHTIG trotzdem eine Bluffingrange zu haben, da wir sonst (gegen denkende Gegner) nie Action mit unseren QQ+ kriegen werden (bzw. nurnoch in Asse rennen werden! Autsch.). Im idealfall (soweit man das heute so weiß..) ist es optimal, wenn die bluffing Range sogar ein bisschen größer als die Value Range ist. Aber eben nur ein bisschen (glaub mal ~2:3 oder so gehört zu haben). [Oder wars anders rum? Bin grad bisschen müde und alkoholisiert und verwirrt. Egal.]
Wichtig ist aber jedenfalls, dass man sich im vorherein ungefähr eine Range überlegt, die man 3bettet und nicht anfängt jetzt 74o zu 3betten, "weil er foldet ja 90% auf 3bets!". Eine der oben genannten Konzepte (pol. vs depol.) bietet sich am ehesten an, bzw. auch Hybrid-strats.
"GTO like" Play: Wenn man mathematisch versiert ist, so kann man sich theoretisch eine Art GTO Range basteln, das ganze ist aber recht komplex. Ich hab das mal (inspiriert durch eines von KTUs Vids) gemacht, allerdings nur für die BB vs SB Situation, da es noch eine der einfacheren Situationen ist (weil: keine Spieler behind, dead money ist immer fix, der Gegner ist oop und dürfte somit fast nur 4bet/fold spielen,... Es existieren einfach nicht ganz so viele Fallunterscheidungen).
Ich habe z.B errechnet, dass es ab einer gewissen SB openrange (ich glaub ab ca. ~24% wars), IMMER profitabel ist mit einer bestimmten ~14% Range (die ich hier jetzt nicht nennen werde) zu 3betten UND mit einer loosen 6,5% (!) Range zu 5bet-shoven. Egal wie es Villain dreht und wendet (EGAL wieviel er 4bettet, selbst WENN er gegen unsere Range nur optimale Ranges und Sizes 4bet/callt), sobald er zu viel open-raist und wir ihn 3betten ist es einfach +EV für uns und fertig.
Das ganze setzt sich aus einer (langen) Gleichung mit folgenden 3 (4) Hauptvariablen zusammen: FE der 3bet, FE der 5bet und EQ der Brokeranges (und.. effective stacksizes obv). Das ganze kann man dann Null setzen um die min SB Openrange zu errechnen, oder man stellt das ganze als Kurve dar um bestimmten SB Ranges bestimmte EVs zuzuordnen. Theoretisch geht natürlich noch viel mehr.. indem man die eigene Range variiert/anpasst und das ganze in "3D Kurven" darstellt, aber das war dann auch mir zu brutal.
Aber vielleicht hab ich ja jetzt dem ein oder anderen einen kleinen Anstoß verpasst, da mal selbst bisschen zu recherchieren/rumzuexperimentieren... naja.. ^^'
Vorteile/Nachteile von GTO:
Der Vorteil im GTO play liegt offensichtlich darin, dass man absolut unexploitbar ist, und das play IMMER +EV ist.
Der "Nachteil" von GTO liegt darin, dass, immer wenn von +EV die Rede ist (auch hier) es sich meistens nur um einen EV von knapp über 0 handelt und wir unsere exploitive Edge auf den Gegner (falls Vorhanden) nicht wirklich nutzen können. Es kann also durchaus vorkommen, dass andere Ranges/Lines/"mehr postflop rumgeballere" nen höheren EV aufweisen als solides GTO play. Muss man halt entweder je nach Gegner abschätzen, oder eben blind GTO spielen, was natürlich nie ein Fehler sein kann.
*praktisch war der Begriff "GTO" hier wohl falsch, da wir ja immer noch in geringem Maße Rücksicht auf den Gegner nehmen (nämlich auf seinen SB steal wert), was ja laut der Originaldefinition von GTO afaik nicht erlaubt wäre. Ich habe den Begriff jetzt trotzdem der Einfachheit halber einfach so verwendet, ich hoffe ihr seid nicht bös großes Grinsen . Es ist aber imo eine sehr gute und nachvollziehbare Annäherung an GTO und imo wäre es sogar vollkommen sinnfrei solche einfachen und gleichzeitig sehr aussagekräftigen Infos wie preflop Ranges zu ignorieren und sich GTO noch weiter zu nähern.
...Weshalb ich auch einer bin, der die Meinung vertritt, dass GTO-Poker niemals funktionieren wird und nichtmal in der Theorie funktionieren kann, (ERST RECHT nicht mit der Existenz von Rake), aber das ist eine andere Geschichte....
Hoffe ich konnte bisschen Licht in die dunkle Macht der 3bets bringen. Lg!
lol kA, warum ich diese Infos überhaupt mit euch share. Das is so -EV für mich in allen Belangen :großes Grinsen:
Vielleicht sollte ich Artikel für pokerstrategy.com verfassen :trollface:
viel Glück beim Blog ist abboniert.