Brasilien – Sao Paulo – Beach – Rio de Janeiro
Dann wollen wir mal anfangen.
Wie kam es eigentlich zu der Reise nach Brasilien, bzw. genauer nach Sao Paulo? Mich hatte irgendwann letzten Jahres im August/September ein Brasilianer an meinen letzten FTs angesprochen und ich habe ihn kurzerhand in Skype geadded (mache ich irgendwie mit jedem der will). Haben dann im Laufe des Jahres immer wieder mal geschrieben und ich habe ihm ein paar Tipps für sein Spiel gegeben. Irgendwann kam dann halt mal das Thema auf, dass es doch cool wäre sich gegenseitig zu besuchen. Ich glaube aber, dass er es erst als Scherz meinte, ohne zu wissen, dass ich jemand bin, der sofort zusagt und um die halbe Welt fliegen würde.
Also Planungen gemacht und Mitte bis Ende Februar als Termin festgehalten. Flüge habe ich direkt über Lufthansa gebucht, da Direktflug und guter Preis.
Ging dann am Freitag, den 13.02.2015 Richtung Flughafen (Frankfurt). Eingecheckt und auf meinen Flug gewartet, welcher um 22:00 Uhr starten sollte. Hat auch alles wie geplant geklappt. Flug ging pünktlich los, was ja bei der streikenden Lufthansa, nicht immer so sicher ist. Habe mir Baymax (kann ich echt nur empfehlen, super witzig) angeschaut und die restliche Zeit meines ~13 stündigen Fluges geschlafen.
Falls sich jemand fragt, was ich dachte, was mich in Brasilien erwartet, muss ich euch leider enttäuschen. Habe mir eigentlich keine richtigen Gedanken darüber gemacht, mich auch nicht informiert oder irgendwas geplant. Habe einfach alles auf mich zukommen lassen.
Nach der Landung Gepäck abgeholt und durch den Ausgangsbereich ins Terminal raus. Dort waren lauter Menschen die mit Namensschildern auf Reisende warten. Mein Freund Diego war leider nirgends zu sehen. Handyakku war auch leer, also erst mal zu einem Schalter und mein Handy laden lassen. Irgendwann habe ich dann auch Diego mit seinem Vater gesehen.
Wir haben uns gegenseitig vorgestellt, was nicht so einfach war, da sein Vater nicht ein Wort Englisch kann. Auf dem Weg vom Terminal bis zum Auto hat Diego also den Dolmetscher gespielt und ich habe alle Fragen von seinem wissbegierigen Vater beantwortet. Wetter war auch richtig geil. Blauer Himmel und irgendwas um die 26° C. Vom Parkplatz aus ging es direkt nach Hause zu Diegos Familie.
Daheim angekommen wurde mir das Haus sowie mein Schlafplatz gezeigt. Diego hat mir einfach sein Zimmer komplett überlassen und schlief die kommenden zwei Wochen bei seiner Schwester. Sein Vater hat erst mal Mittagsessen gemacht und ich durfte Diegos Mutter, seine Schwester und noch eine Tante von ihm kennen lernen. Ich wurde von allen herzlichst aufgenommen und von Fragen durchlöchert. Wie war mein Flug? Wie finde ich das Wetter in Brasilien? Was denkst du über Brasilien? Hobbys? Arbeit? Und noch viel mehr. Die Frage was ich und wir anderen Deutschen über Brasilien denken kam in den kommenden zwei Wochen noch sehr oft. Habe immer gesagt, dass wir denken, dass das Wetter das ganze Jahr über gut ist, die Menschen offen und freundlich sind, es wunderschöne Strände und große Städte gibt, die Jesu Statue in Rio und die hübschen brasilianischen Frauen.
Diego wollte auch wissen, wie groß denn normalerweise Familien in Deutschland sind. Auf meine Antwort, dass ich „nur“ eine Tante, drei Onkel sowie drei Cousins habe, war er etwas ungläubig. Er hat acht oder neun Tanten und Onkel sowie 26/27!? Cousins und Cousinen. Da wird es nie langweilig.
Sollte auch gleich ein paar von denen kennen lernen und so sind wir zu dem Haus seiner Großmutter gefahren. Ziemlich großes Anwesen mit Pool, einer größeren Halle/offenes Haus!? Mit Billardtisch/Tischkicker und Sitzgelegenheiten sowie Grill und Kühlschrank. Dort wird dann immer mit vielen Familienmitgliedern gegrillt und sich unterhalten. Eine Treppe höher ging es dann noch in den „Garten“. Alles mit einer hohen Mauer und Zaun umschlossen, so dass man hier gut Fußball spielen konnte. Wurde dort seinen Freunden und Cousins vorgestellt und wir haben barfuß gleich mal ein paar Fußballspiele gemacht. Konnte mich als deutschen Fußballer glaube ich ganz gut verkaufen.
Gab dann noch Barbecue und ich habe mich lange mit einem seiner Cousins unterhalten, da er der Einzige war, der außer Diego englisch sprechen konnte. Er erzählte mir von Vancouver, wo er ein Jahr lang gelebt hat und wollte auch von meinen Reisen wissen und wie Deutschland so ist und was ich von meinen ersten Eindrücken in Brasilien halte. Später ging es dann noch Richtung Politik und Wirtschaft und ich konnte einiges über das System in Brasilien lernen und wie das Leben dort funktioniert.
Er erzählte mir, dass in Brasilien ziemlich krasse Unterschiede herrschen und wie korrupt die Politiker sind. Die Steuer auf den Lohn liegt ziemlich hoch bei ~35% und das Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen liegt bei umgerechnet ~250€ im Monat. Die Wohnpreise sind astronomische hoch und Kleidung oder andere Sachen sind so teuer wie in Deutschland. Elektrische Geräte meistens noch teurer. Man kann sich ja vorstellen was das für die Bevölkerung bedeutet. Außerdem gibt es keine staatliche geförderte Schulbildung und somit auch keine öffentlichen Schulen. Diego und der Rest seiner Cousins und Cousinen gehen alle auf Privatschulen, welche sehr teuer sind. Seine Englischschule kostet im Monat umgerechnet 500€ und das bei einem Durchschnittseinkommen von 250€. Da hat man ungefähr eine Vorstellung, wie viele sich eine Privatschule leisten können und warum Brasilien ein Entwicklungsland ist. Wobei ich es eher als Entwicklungsland ohne Entwicklung gesehen habe. Aber man kann natürlich eins und eins zusammen zählen.
Die Regierung ist korrupt und zieht Unmengen Geld aus dem System und schließt teure Deals mit den großen Firmen. Von dem Geld sieht Brasilien oder die Bevölkerung nichts. Die Straßen sind alle in einem sehr schlechten Zustand. Teilweise so schlecht, dass man sich locker die Vorderachse des Autos in einem Straßenloch brechen könnte. Meistens brauch man die komplette Straße inkl. Gehweg zum fahren um die größeren Löcher und Hüppel zu umkurven. Das für mich krasseste war allerdings die Tatsache, dass es kein Abwassersystem gibt. Sao Paulo hat 13 Millionen Einwohner und alles fließt in die Flüsse. Frischwasser kommt nur durch den Regen oder von den Bergen. Der Staat hat große Wasserresorts, wo das Wasser aufgefangen wird und dann an die Haushalte verteilt wird. Wenn man aber bedenkt, dass man auf Frischwasser angewiesen ist und es mal längere Zeit nicht regnet, hat man ein Problem. Vor allem, wenn man wie mir gesagt wurde noch einen Wasserverlust von ~40% in den Resorts hat, da diese schlecht ausgebaut sind. Die Untere Schicht hat dieses Jahr schon kein Wasser mehr, nur zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten. Und Laut Diego wird es nächstes Jahr die Mittelschicht und die reichen auch treffen, da die Wasserbestände zur Neige gehen.
Aber warum sind solche Politiker an der Macht fragt man sich? Ganz einfach. Wenn es keine staatlich geförderte Bildung gibt, ist der Hauptteil der Bevölkerung ungebildet und kann gelenkt und manipuliert werden. Die wenigen Gebildeten, die wissen wie es läuft können dagegen nichts ausrichten. Den Armen wird dann immer mal ein bildlich dargestellter Brotkrümel hingeschmissen und die Regierung wird als gut dargestellt. Die Medien werden auch über die Regierung gelenkt und in einem Wahlkampf hat man es leicht sich gegen neue Mitbewerber durchzusetzen. Und solange die Mehrheit der Brasilianer ungebildet ist und leicht manipuliert werden kann, solange wird sich nichts ändern.
Auch die großen ausländischen Firmen wie die deutsche Autoindustrie oder Bosch und noch viele weitere sind in Brasilien und produzieren billig. Die fetten Gelder gehen an die obersten oder in die Länder mit dem Firmensitz. Außerdem werden Schmiergelder an Politik gezahlt um ein paar Ausnahmen genehmigt zu bekommen oder ähnliches. Somit ist Brasilien zwar ein Land mit einer aufstrebenden Wirtschaft durch die ausländischen Unternehmen, aber davon hat der normale brasilianische Bürger nichts. Somit meiner Meinung nach ein Entwicklungsland ohne Entwicklung.