Original von Tin87
Ich werde hier auch mal mitlesen
Original von Druffinger
Blog ist auch gebooked
Na, das freut einen doch zu lesen
Wenns nicht nur passives lesen ist, sondern auch noch Beiträge dazu kommen umso mehr
Letzten Abend/Nacht habe ich aufs Spielen verzichtet, da ich erst nach Mitternacht von Arbeit zu Hause war. Aber dafür werde ich heute einiges über den Tag spielen, mal sehen wie der Traffic so ist.
So und nun kommen gleich mal ein paar theoretische Überlegungen, die auch die Gedanken für die AKs Hand aus Session 1 verdeutlichen sollen.
Viele Spieler nehmen meiner Meinung nach, vor allem in STT, zu viele kleine Chancen war um ihre Chips zu vermehren und wundern sich am Ende, warum sie nicht erfolgreich abschneiden. Das Problem ist das Format!
Im 9er STT kann man halt maximal nur 4,5 BI gewinnen (Rake außen vor). Wir sind also von vornherein, im Gegensatz zu größeren SNG oder MTT, gezwungen oft ins Geld zu kommen.
In Zahlen ausgedrückt müssen wir halt mindestens jedes 1 von 4,5 mal ins Geld kommen um BE zu spielen, wenn wir dann immer nur ersten würden werden.
1/4,5 = 22,22%
Natürlich wird es praktisch aber nie passieren, dass wir wenn dann nur den ersten machen, sondern wir werden auch zweite und dritte PLätze machen.
Je nach Spielweise sind hier unterschiedliche Verteilung und Gewichtungen der Plätze 1-3 möglich. Wichtig ist, dass wir natürlich deutlich öfter den zweiten oder dritten machen müssen um das gleiche Geld wie für den ersten zu bekommen.
Um BE zu spielen können wir beispielsweise auch wie folgt 1-3 werden:
1. 10%
2. 11,67%
3.10,4%
Diese Verteilung ist von der Tendenz her schon eher wahrscheinlich und realistischer.
Nun müssten wir aber schon zu 32,7% ITM kommen, alleine um BE zu laufen und das noch ohne Rake gerechnet!
Wir sehen also ziemlich schnell mit ein paar logischen Überlegungen, dass uns das Format des STT zwingt ziemlich oft ins Geld zu kommen, damit wir auch Gewinne machen.
Dies zeigt wie wichtig "Überleben" in diesem Format ist.
Nun möchte ich mit den folgenden Rechnungen zwei unterschiedliche Spielansätze und Ideen vergleichen und illustrieren. Die Zahlen für diese Rechnung sind von mir frei gewählt, denn es soll sich nur um eine Illustrierung und keine Beweisführung handeln!
Ich nehme im Folgenden einfach mal an ein Spieler könnte mit einer etwas risikofreudigeren Spielweise zu 60% verdoppeln und wäre dann noch mit 4 anderen Spielern am Tisch.
Wenn er statt dessen das Risiko etwas zurückschraubt würde er seinen Stack nur um 1/3 ausbauen statt zu verdoppeln, dafür würde er dies aber zu 85% erreichen und wieder noch mit 4 anderen Spielern am Tisch sein.
In beiden Fällen sollen sich die 4 Gegner die verblieben Chips teilen.
Welche Situation hat nun den höheren EV?!
Rechnen wir es einfach aus, wobei wir davon ausgehen, dass alle Spieler gleich gut sind und Blinds und aktuelle Positionen keine Rolle spielen.
Beispiel 1:
Berechnen wir die Chancen für die Plätze ITM:
1. 3/13,5 = 0,2222222
2. 10,5/13,5*3/10,875 = 0,21455
3. 10,5/13,5*7,7875/10,875*3/8,250 = 0,2048
EV = 0,6* (0,22222*0,5+0,21455*0,3+0,2048*0,2)
EV = 0,6* (0,2163)
EV = 0,1298
Wir gewinnen im Schnitt 12,98% des Preispools.
Beispiel 2:
1. 2/13,5 = 0,148
2. 11,5/13,5*2/10,625 = 0,1603
3. 11,5/13,5*8,625/10,625*2/7,75= 0,17845
EV = 0,85* (0,148*0,5+0,1603*0,3+0,17845*0,2)
EV = 0,85* (0,158)
EV = 0,1343
Wir gewinnen im Schnitt 13,43% des Preispools.
Vergleich
Ein Vergleich dieser beiden Rechnungen gibt nun interessante Denkanstöße.
Zunächst mal hat Variante 2 den höheren $EV, obwohl wir in Variante 2 im Schnitt einen kleineneren Stack haben! (1,8k zu 1,7k)
Wir sehen als wiedermal, dass der ChipsEV und der $EV nicht immer gleich sind.
Betrachten wir einmal für beide Varianten unsere absolute Chance auf die Plätze ITM.
Variante 1:
1. 0,2222 *0,6 = 0,1333333
2. 0,21455 *0,6 = 0,1287
3. 0,2048 * 0,6 = 0,12288
ITM = 0,3849 = 38,49%
Variante 2
1. 0,148 *0,85 = 0,1258
2. 0,1603 *0,85 = 0,136255
3. 0,17845 *0,85 = 0,1516825
ITM = 0,4137 = 41,37%
Dies ist ebenfalls eine sehr interessante Übersicht die den Unterschied beider Spielweisen deutlich zeigt. Variante 1 erzielt klar mehr erste Plätze als Variante 2. Dafür erzielt Variante 2 einige mehr zweite Plätze und extrem mehr dritte Plätze.
Insgesamt kommt Variante 2 auch deutlich öfter ITM als Variante 1.
Wir sehen also das, gerade in so einem STT Format allein das "Überleben" schon einen gewissen Wert hat, selbst wenn wir dadurch nicht so einen großen Stack anhäufen und kein Chiplead haben.
Überlegung zur Edge
Nun haben wir zwar wunderbar gerechnet, aber wir sind ja davon ausgegangen, dass alle Spieler gleich gut sind. Was ist nun, wenn wir aber besser sind als unsere Gegner?! Welche Variante ist dann besser?!
Ohne nun einen strengen Beweis dafür anbringen zu wollen, liegt es imo auf der Hand, dass die zweite Variante ziemlich eindeutig die bessere ist. (Bezogen auf das vorangegange Rechenbeispiel).
Zunächst überleben wir mit Variante 2 öfter bis zu 5 Spielern und haben damit natürlich auch öfter die Chance unsere Edge auszuspielen. Dazu kommt, dass wir absolut auch häufiger ITM landen und auch hier natürlich wieder eine gute Chance gegen schwächere Spieler haben unsere Ergebnisse ITM zu verbessern.
Wenn wir uns nochmal den beiden ersten Rechnungstabellen zuwenden können wir auch sehen, dass wir, bezogen auf die Fälle in denen wir überlebt haben, Variante zwei deutlich mehr Verbesserungspotenzial birgt.
Das soll es auch erstmal zu dieser Überlegung gewesen sein. Würde mich freuen, wenn jemand Lust hat sich dazu zu äußern, aber bitte nicht auf den Zahlen rumhacken, denn wie bereits gesagt sie sind frei gewählt!
Abschließend möchte ich nochmal kurz erwähnen, dass dieses keine Rechtfertigung für die von mir gewählte Line in der AKs Hand sein soll, sondern lediglich die prinzipielle Überlegung, daher einen etwas anderen Gameplan, die dahinter steckt illustrieren soll.
(So wie auch Sklansky sie in einigen seiner Turnierbüchern beschreibt.)