hab das Interview bei uns in einer Lokalzeitung gefunden:
Der Zürcher Michael Friedrich (RichieRichZH) hat am Montag den Pokergewinn seines Lebens eingestrichen. Der Hobbyzocker denkt aber nicht daran, als Profi einzusteigen. Wenigstens verrät er im Interview die beste Poker-Erfolgstaktik.
Herr Friedrich, vorgestern haben sie 1,23 Millionen Franken eingestrichen, heute hatten Sie vor lauter Sitzungen kaum Zeit fürs Siegerinterview. Konnten Sie konzentriert arbeiten?
Michael Friedrich: Nein, nicht wirklich. Ständig wurde ich von SMS- Vibrationen unterbrochen und telefonierte mit Freunden. Ich habe mich am Morgen aber bewusst entschlossen ins Büro zu gehen. Ich will, dass der Job meine erste Priorität bleibt.
Millionengewinne feiern Zocker mit Champagnerbädern im vollen Kasino. Sie sassen am Montagmorgen einsam und mit müden Augen vor dem Bildschirm, als sie der grosse Sieger waren. War das nicht schrecklich?
Nein. Meine Verlobte wachte auf, als ich jubelte. Sie stimmte ein und kreischte los. Dann kamen auch schon die SMS eingeflogen, ich wurde auf Skype angetippt. So konnte ich den Moment mit vielen Menschen teilen. Es war eine Riesenparty!
Haben Sie sonst gefeiert?
Zufällig war der Montag der Geburtstag meiner Verlobten – wir hatten also doppelten Grund zum Feiern. Aber wir gingen es ruhig an und assen mit Freunden auswärts.
Bisher waren Sie ein guter Amateur-Zocker. Gehen Sie jetzt zu den Profis?
Nein. Ich habe mich entschlossen, dass das Spielen mein Hobby ist, und dabei bleibt es. Man darf nicht vergessen, dass Profis viel Geld investieren - und auch verlieren. Es ist ein sehr riskanter Weg. Da ist mein jetziger Beruf als Finanzinvestor sicherer.
Wie sind Sie denn zum Zocker geworden?
Wie viele andere packte mich vor einigen Jahren das Poker-Fieber, als es hier Mode wurde. Zuerst spielte ich mit Freunden zu Hause, mittlerweile habe ich aber schon unzählige Turniere hinter mir.
Online oder Live?
Da ich berufshalber oft auf Reisen bin, ziehe ich Online-Spiele vor. Man ist freier in der Zeiteinteilung. Ich gehe aber gern an grosse Live-Turniere. Im vergangenen Jahr war ich beispielsweise am Grand Finale der Europäischen Pokertour (EPT) in Monte Carlo und an der Weltmeisterschaft (WSOP) in Las Vegas. Dort flog ich aber schon am ersten Tag raus.
Was war bisher ihr grösster Poker-Erfolg?
An einem Online-Turnier habe ich mal 11 000 Dollar gewonnen. Als ich am Sonntag ins Spiel einstieg sagte ich mir: «Das toppst du jetzt».
Von der Berichterstattung zu ihrem Sieg in einschlägigen Pokerseiten verstand man nur Bahnhof. Können Sie uns sagen, wie Sie gewonnen haben?
Jeder kann mit Erfahrung und Glück eine Million beim Pokern gewinnen – auch Sie. Ich sass mit den richtigen Karten in den Händen mit den richtigen Leuten am Tisch – und konnte alle ausstechen.
Ihre Taktik?
Die beste Taktik beim Pokern ist: Finde heraus, wer am Tisch der Schwächste ist. Dann konzentrierst du dich darauf, den zu eliminieren. Und wenn du den Schwächsten am Tisch nicht finden kannst, dann bist es vermutlich du selbst.
War da nicht mehr als allgemeine Pokertaktik und Glück dabei?
Ich wollte aber auch unbedingt gewinnen. Am Montagmorgen um 6 Uhr, nach fast 8 Stunden Spiel, chattete ich noch mit Stefan Huber, der vor kurzem auch ein grosses Turnier gewonnen hat. Er sagte mir, er verlasse das Spiel und gehe jetzt schlafen. Ich schrieb: «Ok. Ich gewinne jetzt noch dieses Spiel.» Ich war recht zuversichtlich.
Aber Sie waren schon überrascht, als sie den Sieg einfuhren?
Natürlich! Dass ich als letzter von 36 168 Mitspielern übrig bleiben würde, hätte ich nie gedacht. Das ist Wahnsinn! Soweit ich weiss, hat so ein Preisgeld noch nie ein Pokerspieler in der Schweiz gewonnen.
Was steht als nächstes an?
Für Online-Spiele habe ich in den nächsten Tagen kaum Zeit. Ich gehe Anfang März aber mit einigen Freunden ans «European Poker Tournament» in Berlin.
Herr Friedrich, was machen Sie mit den 1,23 Millionen Franken?
Ich bin Vermögensverwalter und Finanzinvestor. Ich kann das Geld also für meine Arbeit gut gebrauchen.
Ist das für Sie überhaupt viel Geld?
Auf jeden Fall, das ist auch für mich ein Riesenbetrag. Es ist grossartig. Alles hat gestimmt an diesem Turnier. Alles war so, wie man es am liebsten das ganze Leben lang hätte.