Gerne doch.
Also, Route war grob: Dakar > St. Louis (grenze zu Mauretanien) > Gambia (von Soma in der Mitte bis zur Grenze im Osten) > Kedougou im Südosten Senegals > über Tambacounda nach Kayes (Mali) > Bamako > Segou > Mopti > Douentza > Bobo-Dioalasso (Burkina Faso) > Banfora > Ouagadougou > Bolgatanga (Ghana) > Kumasi > Cape Coast u.a. an der Goldküste > Accra
Schulfranzösisch und Englisch hat in Senegal, Mali und Burkina Faso gut funktioniert, in Gambia und Ghana spricht man zum Glück sowieso Englisch.
EC-Karte klappt prima im Senegal, ansonsten unbedingt Visa (Mastercard wird bislang kaum akzeptiert), Travellerschecks sind kompliziert.
Visa für Mali, Burkina Faso und Ghana haben wir uns immer im Land vorher besorgt (in der Regel am nächsten Werktag fertig). Für Senegal und Gambia braucht's keins.
Impfung gegen Gelbfieber ist unbedingt erforderlich. Zusätzlich habe ich erstmals auch Malaria-Prophylaxe (Lariam) betrieben, wurde aber nur dreimal wirklich bös zerstochen - war halt keine Regenzeit
Fortbewegung:
Leider fuhr der legendäre Zug zwischen Dakar und Bamako zu unserer Zeit nicht (nur Frachtverkehr), sonst hätten wir gerne ein Teilstück per Bahn zurückgelegt. Außer im Senegal verkehren eigentlich überall kleinere und größere Busse. Teilweise ziemlich schrottreif, aber immer ein Erlebnis. Die größeren haben feste Abfahrtszeiten, die kleineren starten, wenn sie voll sind (und zwar richtig voll). Teilweise wartet man also manchmal eine Stunde, oder zwei …
Fahrten im Dunkeln würde ich wegen der schlechten Straßen/Beleuchtung vermeiden, oder wenn sollte man zumindest nicht vorne sitzen - das schont die Nerven.
Kürzere Strecken kann man auch mit einem (geteilten) Taxi und umgebauten Kombis zurücklegen. Letztere (sogenannte 7-places, da zwei Rückbänke) sind speziell im Senegal (da keine Busse) das Mittel der Wahl. 4-5 Stunden da drin sind für größere Zeitgenossen wie mich zwar eine ziemliche Tortur, aber wie gesagt auch immer ein Erlebnis. Wie mit den kleineren Bussen (s.o.) starten sie, wenn alle Plätze verkauft sind. Man kann also überlegen, ob man ggf. z.B. das letzte Ticket noch zusätzlich kauft, anstatt noch eine Stunde zu warten. Zusätzlicher Vorteil: Man hat ein wenig mehr Platz …
Zum Abfahrtspunkt muss man sich einfach durchfragen bzw. nimmt ein Taxi. Die Preise sind für Mitteleuropäer nicht der Rede wert, auch wenn Gepäck nochmals extra kostet.
Vermutlich gibt's auch komfortablere Reisemöglichkeiten (klimatisierter Mini-Van mit Fahrer etc.), aber meiner Meinung verpasst man da das Wesentliche. Zu erleben wie diese Klapperkisten bis oben hin vollgepackt werden (manchmal - weniger schön - mit ein paar Dutzend Ziegen), um dann eingeklemmt zwischen lauter Einheimischen als Schicksalsgemeinschaft vier, sechs Stunden und länger Hitze, Staub, Pannen und anderen Widrigkeiten mit stoischer Gelassenheit zu trotzen ist einfach eine einzigartige Erfahrung. Mitten drin, statt nur dabei
Ein kleines Highlight war auch die zweitägige Fahrt mit dem Linienschiff von Segou nach Mopti (Mali) auf dem Niger. Doppelkabine inkl. Vollpension für 80 Dollar die Nase und seeeehr entspannend. Außer uns und zwei Holländern nur Einheimische an Bord und den ganzen Tag afrikanische Mucke aus dem Ghettoblaster, wenn auch immer die gleichen drei CD's …
Unterkunft etc.:
Zimmerpreise habe ich gerade nicht mehr im Kopf, aber grundsätzlich war's in Senegal, Mali und Burkina Faso relativ teuer und in Ghana deutlich günstiger. Wir haben so ziemlich alle Preisklassen ausprobiert, wobei 90 Dollar in Ouagadougou für ein Top-Hotel mit riesigem Pool schon ziemlich die Obergrenze war (und es war jeden einzelnen Dollar wert). Gab' aber auch ziemliche Absteigen mich völlig durchgelegenen Matratzen, kaputtem Ventilator und ohne Licht.
Getränke und kleine, feine Snacks gibt's überall an der Straße, Restaurants sind dagegen je nach Gegend teilweise schwer zu finden. Könnte für dich als ausgewiesenen Gourmet also eine ziemliche Herausforderung werden
Meistens gibt's irgendwas mit Huhn, Rind oder Fisch. Manchmal kann man die Karte aufgrund der Sprache nicht lesen, manchmal gibt's gar keine, oft sieht man eh nicht, was man isst, weil man wegen der Mücken praktisch im Dunkeln speist. Mir hat's jedenfalls geschmeckt.
Auf den vielen kleineren und größeren Märkten muss man hartnäckig handeln, ansonsten gibt's nicht viele Shopping-Möglichkeiten.
Internet gibt's in jedem größeren Ort. Die Verbindung ist aber oft schlecht. Pokern empfiehlt sich da sicher nicht.
Sinnvoll ist sicher ein Handy, um Zimmer-Reservierungen zu machen, Infos einzuholen oder Kontakt zu Einheimischen zu halten. Prepaid-Karten gibt's überall zu kaufen.
Und sonst?
Nationalparks mit wilden Tieren gibt's auf der ganzen Route, empfehlen sich aber nur in der Trockenzeit.
Kleinere Touren zu Wasserfällen, Naturvölkern oder eben in die Parks (das wären so die klassischen Sehenswürdigkeiten) kann man bequem mit einem Guide und gechartertem Allradfahrzeug machen, gehen aber ins Geld.
Abseits von solchen Attraktionen bzw. der größeren Städte trifft man kaum andere Reisende, eher mal Expats. Ghana ist dann wieder ein bisschen anders: Dort laufen z.B. jede Menge junge Holländerinnen und Deutsche herum, die ein paar Monate als Volunteer an Schulen o.ä. arbeiten. Und die Goldküste bietet eine ganze Reihe netter Flecken zum Abhängen, an denen auch vergleichsweise viele Touristen unterwegs sind.
Wir fanden es eigentlich zu keinem Zeitpunkt irgendwie gefährlich (außer vielleicht beim Fahren im Dunkeln, s.o.), die Einheimischen waren überall nett und freundlich, sowie ausgesprochen hilfsbereit. Man ist praktisch die ganze Zeit am Quatschen und wenn man ein wenig Humor und Selbstironie an den Tag legt, kommt das - so mein Eindruck - ziemlich gut an. Abseits der Touri-"Hochburgen" und außerhalb der "Saison" ist man eben selbst so eine Art Attraktion
Es ist einfach wirklich was besonderes und ich hab immer noch ein Strahlen in den Augen, wenn ich an den Trip zurückdenke. Ryszard Kapuscinski (seine Reportagen kann ich zur Einstimmung nur wärmstens empfehlen) hat mal gesagt, Afrika ist kein Kontinent, sondern ein eigener Planet. Das ist einfach so wahr. Alles läuft dort anders. Die Armut, die einem ständig und überall begegnet, ist natürlich hart, aber zu erleben, wie die meisten mit diesen Bedingungen umgehen, ist einfach beeindruckend, wenn man an die Luxus-"Probleme" hierzulande denkt. Man hat nicht viel, aber das, was man hat, wird irgendwie repariert und am Laufen gehalten. Aber kein Thema, natürlich sollte man die Zustände nicht romantisch verklären. Es ist schon bitter, wie viele Probleme einfach hausgemacht sind, weil korrupte Regierungen nur an den eigenen Vorteil denken.
Ist jetzt hoffentlich nicht zu lang geworden. Lonely Planet und Reise Know How haben ganz gute Reiseführer. Aber selbstverständlich stehe ich bei weiteren Fragen jederzeit gerne zur Verfügung.
Grüße, baracoa