Ich habe an die 5000 SNGs auf dem Buckel und gebe mir in den 9max rein skilltechnisch 39-40% ITM und etwa 5-7% ROI - longterm.
Wenn man bedenkt, dass ich ein Spiel betreiben kann, in das ich (wenn man mal den Rake ausser acht lässt) langfristig für jeden $, den ich reinstecke 1.15-1.17$ rausbekomme, liess mich immer daran glauben, dass es sich dabei um Skill handeln muss, den man seinen Gegnern voraus hat. Leider gibt es ja aber den Rake und ich bekomme (jetzt mal angenommen auf Full Tilt mit RB) bloss 1.08-1.10$
Nun gibt es aber in einem SNG derart viele Situationen, die einen grobe crippeln können, obwohl man richtig spielt oder einfach einen absolut positiven EV hat.
Beispielsweise:
- Der -70% ROI-Maniac, der any Pocket pusht, in der ersten Blindstufe, weil er entweder völlig drunk oder irgendwie gestört ist, während man selber im BB mit AA oder KK aufwacht. -> Kommt pro 1000 SNGs bestimmt 10x vor und man gewinnt 8 davon - nice.
- Der Sicko, der als BB deep einen A8 Push von mir als SB und Chipleader an der Bubble mit JTs callt, obwohl UTG in der nächsten Hand Autoallin ist, weil die Karten halt so nice aussehen, oder er eh findet man kann halt nicht immer pushen, wenn man noch gar nicht weiss was für Karten am Flop kommen und es einem eh mal zeigen wollte. -> Solche ICM-technisch völlig bescheuerten Aktionen sehe ich bestimmt 50 Mal pro 1000 SNGs. Gewinnt man auch noch 6 von 10 Mal, ist dann auch nice.
Ihr kennt diese Dinge alle und es gibt bestimmt noch ein Dutzend weitere Szenarien, bei denen man wenn es gut geht denkt "Oh Mann bist du schlecht" und wenn er dann doch noch luckt sowas wie "GEU)E/%)/G)FICKEN*%B%" Als Winning-Player ist es zudem in all diesen Fällen (nicht nur subjektiv) so, dass man öfter den besseren Zug als der Gegner macht und er demnach auch öfter die Gelegenheit hat auszusucken als man selber.
Der Einfachheit halber belassen wir es jetzt aber bei diesen beiden Typen von Vorkommnissen und schauen Sie uns mal genauer an. Wir haben hier 60 Spielsituationen in 1000 SNGs und sollten 38 davon gewinnen. Um es noch einfacher zu machen, gehen wir mal davon aus, dass wir, wenn wir die Situation überstehen, jedes Mal den zweiten Platz machen, also z.B. in einem 55+5$ SNG cashen wir 150$.
So, und hier gehts los! Mit 5%-ROI haben wir auf 1000 55+5$ einen EV von 3000$ - solid.
Allerdings kommen 5700$ unserer Cashes rein aus den 60 Situationen wie oben beschrieben. Wenn wir jetzt nur 30 anstatt 38 davon gewinnen, haben wir plötzlich nur noch Winnings von 1800$, wenn uns die Varianz fickt und wir gewinnen nur 20 anstatt 38 von 60 Situationen gehen unsere Winnings gegen 0$, für die ganzen 1000 SNGs, und das obwohl wir ansonsten absolut perfekt gespielt haben.
Wenn ich die Statistik-Vorlesung noch halbwegs im Kopf habe, spricht man ab ungefähr einer 10'000er Stichprobe von einem aussagekräftigen Sample. Wenn wir also 10k solcher Fälle erleben in unserer Laufbahn, sollten wir ziemlich Nahe an den 38 von 60 dran sein. Nur, dafür bräuchtenen wir über den Daumen gepeilt 170k SNGs!
Mit anderen Worten: Wenn Spieler A und Spieler B genau gleich gut sind (5% EV-ROI), aber Spieler A bloss in diesen obgenannten Situationen hot runnt und 45 von 60 gewinnt, während Spieler B die Seuche hat und nur 20 von 60 gewinnt, dann haben wir über 10k SNGS einen strahlenden Sieger A, der hier Graphen postet von seinen Winnings, nämlich 30K expected Winnings und nochmal 10.5K Luck-Winnings und einen beschämten Spieler B, der was hat - ja eben - nix. Die Differenz zwischen den beiden, ist lediglich ein bisschen Glück in einer Stichprobe von 600 Fällen, wo die Varianz grausam zuschlagen kann.
Das Problem ist meiner Meinung nach einfach, dass jeder Donk in einem SNG mit einer absolut lächerlichen Entscheidung eine Menge Situationen provozieren kann, die plötzlich nur noch 40/60 sind und wenn man da böse runnt, dann gute Nacht.
Meinungen?
