Ich hab vor einiger Zeit das Tourney-Buch von Full Tilt gelesen und hier gibt es zu den S/C-Tabellen einen interessanten Beitrag von Andi Bloch. Die Kernaussagen sind wohl recht überraschend:
Er kritisiert insbesondere die Annahme von S/C, dass der Gegner die Hand kennt. Deshalb hat Bloch eigene Simulationsprogramme laufen lassen, um die Pushingranges zu bestimmen und dabei auf die beschriebene Annahme verzichtet. Außerdem behauptet er, dass Jesus Ferguson unabhängig von ihm entsprechende Simulationen programmiert hat und zu fast denselben Ergebnissen gekommen ist. Diese sind:
Bloch veröffentlicht eigene Tabellen und behauptet, dass man noch wesentlich looser pushen kann, eben weil der gegner nicht "expost-optimal" reagieren kann.
Außerdem verschieben sich bei Bloch die Rankings, insbesondere hin zugunsten von Suited-Connectors. Das liegt ebenfalls daran, dass diese "Semibluffhände" wesentlich wertvoller sind, wenn der Gegner die Hand nicht kennt, als im von S/C angenommenen Fall.
Kann die Tabellen leider hier nicht reinstellen, da ich sie nur als Hardcopy im Buch hab, aber ist teilweise schon sehr krass, mit was für Ranges Bloch empfiehlt zu pushen.
Nun hab ich noch einen ganz anderen Aspekt, auf den ich hinweisen möchte: Oben wird häufig auf das Thema "Varianz" hingewiesen und Fragen diskutiert wie: "Erhöhe ich die Varianz, wenn ich mit 15-20 BB pushe oder nicht?".
Eine solche Frage ist aber meiner Meinung nach nur bei S&Gs relevant, bei welchen mehrer Plätze ausgezahlt werden. In der "normalen Auszahlstruktur" bei Multiplayer S&Gs ist die Frage zum Beispiel absolut angebracht: Erhöhe ich durch so einen Push die Wahrscheinlichkeit für "out of money" und für "Platz 1", verringere aber zugleich die Wahrscheinlichkeit für "Platz 2" und Platz 3", so erhöhe ich die Varianz.
Anders ist das bei HU S&Gs. Hier gibt es eine Wahrscheinlichkeit p, dass ich Gewinne und die Wahrscheinlichkeit (1-p), dass ich verliere.
Die Varianz dieser Verteilung ist zwingend p * (1-p) und es geht somit ausschließlich dadrum, die höchste Gewinnwahrscheinlichkeit zu generieren. Es gibt also keine Alternative im Sinne von "ich reduziere durch vorsichtigeres Spiel ein wenig meine Gewinnerwartung, reduziere dadurch aber die Varianz", wie es bei S&Gs mit mehreren ausgezahlten Plätzen der Fall sein kann und das richtige Verhalten dann letzendlich auch von der individuellen Risikopräferenz abhängig machen kann.
Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt und würde mich über weitere Diskussion freuen!