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2013 - Ich tue etwas für mein Gewissen

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sRz999
Beigetreten: 01.04.2008
Oldschool Grinder

Es ist Heiligabend. Die Bescherung hat stattgefunden. Drei meiner besten Freunde kommen wie geplant vorbei und wir brennen uns mit von mir gesponserten Spirituosen ordentlich einen rein und verschwinden irgendwann in der Stadt, um die Nacht unvergesslich zu machen.

Mittlerweile ist es 07:50 Uhr und ich liege in meinem Bett und heule vor mich hin. Warum? Ja, warum eigentlich?!

Um 07:00 Uhr befand ich mich in einem Taxi. Der Taxifahrer war nigerianischer Herkunft. Beschwipst wünschte ich ihm fröhliche Weihnachten. Die darauffolgende Frage bezog sich auf seine Herkunft. Mit seinem schwer zu verstehenden Akzent antwortete er mir, dass er aus Nigeria komme. Daraufhin fragte ich ihn, ob die dort stattfindende Weihnachtszeremonie Ähnlichkeiten mit der in Deutschland hätte. Er bejahte diese Frage, nur führte er hinzu, dass weniger Lebensmittel in den Müll geworfen werden.

Es entwickelte sich ein Thema, das die Armut in vielen Ländern beinhaltete.
Erstaunlicherweise redete er sehr wenig über die Armut seines Heimatlandes, sonders wies mich daraufhin, dass viele Menschen in Deutschland keine Unterkunft, Nahrung oder gar medizinische Versorgung genießen können, weil finanzielle Mittel fehlen.

Am Ende meiner Taxifahrt musste ich 13.70€ zahlen, die ich auf 15€ aufrundete.

In meiner Bude angekommen habe ich mich aufs Sofa gesetzt und eine "Gute-Nacht-Zigarette" geraucht. Dabei habe ich bitterlich angefangen zu weinen.

Warum?

Vielleicht liegt es am Alkohol, vielleicht liegt es an der Weihnachtszeit. Ich finde es einfach unverschämt von mir selber, dass Menschen in Deutschland verhungern müssen und ich gebe 3.40€ für ein Getränk in der Disko oder 15€ für eine Taxifahrt nach Hause aus.
Es gibt genug Geld auf der Welt, es gibt genug Essen auf der Welt. Wie kann es sein, dass Menschen im 21. Jahrhundert sterben, weil ihnen die Nahrung ausbleibt?

Wie egoistisch bin ich all' die Jahre gewesen, um sowas zu akzeptieren oder darüber hinwegzusehen?

Warum auch immer hat mir diese Taxifahrt meine Augen geöffnet.
Ich will die Welt gar nicht verändern. Einzelne Menschen zu helfen, damit sie wenigstens Nahrung haben, um zu überleben, würde mein Schuldbewusstsein um einiges mildern.

Ich fühle mich gerade unglaublich schlecht, weil ich Luxus genießen kann, den manch anderer gar nicht zu Träumen wagt.

Ab 2013 möchte ich eine Teil von meinem Luxus abgeben und Menschen helfen.

Da ich noch keinerlei Erfahrungen habe, welche Institutionen gespendetes Geld zu 100% an Menschen in Not weitergeben, bitte ich hiermit um eure Hilfe.

Habt ihr Erfahrungen mit Spenden gemacht?

Ich würde auch gern ein Patenkind übernehmen. Gibt es dafür seriöse Vorschläge?

Vielen Dank für eure Hilfe :heart:


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13 Antworten
knoffhoff
Beigetreten: 08.08.2006
Elite Grinder

moin und merry x-mas

meine frau ist zahnärztin und wir leben auch in entsprechendem wohlstand.
der beruf meiner frau macht es möglich, auch direkte hilfe zu leisten. so waren wir mit hilfsorganistionen in Brasilien in den favelas und im regenwald bei ureinwohnern um dort mit den spärlich vorhandenen mitteln die zahnversorgung provisorisch zu meistern. meine frau war dann noch 2mal in kenia.
hier haben wir 3 patenschaften übernommen, für waisenkinder deren eltern meist durch aids verstorben sind. die patenschaft kann persönlich sein, s.d. du dein patenkind auch besuchen kannst, wenn du dies möchtest. abgerechnet werden nur kosten für das kind (mit belegen), wie schulgebühren, schulkleidung, bücher etc.

einmalige spenden nehmen diese natürlich auch gerne entgegen.

hier mal der links zu den 2 projekten:
Kenia

Brasilien


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kalOo
Beigetreten: 20.10.2007
Oldschool Grinder

http://www.kiva.org/

Finde ich eine sehr sinnvolle Organisation. Nicht nur kannst du sagen, wem du helfen willst, sondern es gehen auch 100% direkt an die Bedürftigen. Ich finde es sinnvoller Leuten Geld zu leihen, als irgendwas zu spenden. Ist aber wohl auch Einstellungssache


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Epitaph
Beigetreten: 29.07.2006
Oldschool Grinder

zunächst mal bist du grad in der ziemlich emotionalen phase... wenn du heut nachmittag aufwachst und wieder nüchtern bist ist deine 'augenöffnende erkenntnis' schon am verblassen und längst nicht mehr so manifestiert und wichtig wie jetzt grade...

spenden ist zwar toll aber es ist auch verdammt einfach. schwieriger ist es hingegen, seine eigene zeit zu opfern um menschen in not zu helfen. das muss auch gar nicht viel sein. ich gehe zb seit diesem semester 1 mal pro woche für 1.5 stunden in ein seniorenheim der caritas um alten menschen, die sonst keinen besuch kriegen, meine zeit zu schenken und mich mit ihnen zu unterhalten. es gibt allein von der caritas über 30 einrichtungen allein in meiner stadt, darunter immigrantenwohnheime, wohnheime für jugendliche die auf der straße leben etc etc... wenn du richtig helfen willst kannst du dir ja überlegen, sowas auf freiwilligenbasis zu machen. dann muss dein geld auch nicht über irgendwelche organisationen gehen wo du dann gar keine ahnung hast wieviel überhaupt ankommt und wo es landet...


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Dann kannste ja schonhmal gleich mit Poker quitten anfangen, ne


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enjoy2playAK
Beigetreten: 11.08.2010
PokerStrategist

Warum plagen dich denn da so heftige Schuldgefühle, dass du zu flennen beginnst? dafuq? Ist ja nicht so, dass du mit deinem "Luxus" den du hast, den Kindern in Afrika das Messer in die Brust rammst...

Klar, sind viele Menschen in Entwicklungsländern arm dran und es sollte geholfen werden.. aber Schuldgefühle? ?(


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jinzy
Beigetreten: 20.04.2008
Elite Grinder

Diagnose: gutmenschilitis


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sRz999 Themenstarter
sRz999
Beigetreten: 01.04.2008
Oldschool Grinder

So langsam werde ich wieder nüchtern und habe mir meinen Text durchgelesen. Außer Frage steht, dass ich mit dem Text aufgrund meiner sentimentalen, durch den Alkohol bedingten, Ader ein wenig übertrieben.

Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass ich von meinem Glück etwas abgeben möchte - Sei es Geld oder auch Zeit.

Danke für die schon sehr informativen Beiträge.


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TobiasK1985
Beigetreten: 04.01.2007
PokerStrategist

Werd Volunteer beim Roten Kreuz :)


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neppi88
Beigetreten: 20.02.2007
Oldschool Grinder

Title und text passt irgendwie nich zusammen :)


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h0nky
Beigetreten: 17.02.2008
Oldschool Grinder

Das Problem ist, dass wir mit unseren aktuellen Systemen diese Probleme niemals in den Griff bekommen werden. Nach Afrika gespendete Gelder brauchen 2 Wochen, um als Zinszahlungen wieder zurück in die Industriestaaten zu fließen...
So viele hungernde Menschen, wie in den Spendewerbungen propagiert gibt es anscheinend auch garnicht. Dummerweise steckt mittlerweile eine ganze Industrie hinter diesen Spendensachen. Amerika überhäuft Afrika mit seinem Genmais, um die eigene Überproduktion los zu bekommen und diese Länder noch mehr in Abhängigkeit fallen zu lassen.
Solltest du wirklich helfen wollen, dann such dir bitte etwas sinnvolles. Wird sicherlich noch einige geben, die hier hilfreiche Tipps geben können. Imo gibt es einige Organisationen, die fast schon das Gegenteil mit ihren Aktionen bewirken (WWF z.B.).


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Justus
Beigetreten: 16.07.2005
Elite Grinder

Möchtest du an Symptomen rumdoktorn und sie kurz lindern oder die Ursache anpacken und etwas nachhaltig verändern?

Wie hier schon geschrieben, Spenden helfen nicht so wie es sich die meisten vorstellen. Wieviel von dem Geld versickert schon in Europa, und auch von dem was vor Ort ankommt, wer reisst sich das unter den Nagel, wie auch immer? Mittlerweile haben wir doch sogar innerhalb der EU mit Griechenland ein Paradebeispiel, Milliarden Euro fliessen dorthin, und, nutzt es der Bevölkerung? Sind die Zeitungen voll von Berichten über grossartige Renovierungen, Sanierungen, Infrastruktur? Strahlen uns die Griechen auf Fotos an, durch den riesigen Boom der mit den Milliarden finanziert wird?

Und genauso sieht es doch auch in weiten Teilen Afrikas, Asien oder Südamerika aus. Geld kann man da ohne Ende hinschicken, aber das Volk profitiert davon äusserst gering.

Was ist mit Sachspenden, Nahrungsmittel, Kleidung, Elektronik?
Nützt das den Leuten wirklich? In Afrika sieht man eigentlich ganz gut was passiert, alle Waren und Güter (grösstenteils Müll der 1. Welt) wird hingekarrt, die heimische Wirtschaft existiert quasi gar nicht mehr weil logischerweise niemand etwas produzieren braucht, was bereits im Überfluss vorhanden ist. So macht man diese Länder nur immer abhängiger von "Hilfs"-Lieferungen, denn für sich selbst sorgen können sie dann irgendwann nicht mehr, kommt ja eh jeden Tag das nächste Containerschiff, und dann gibts halt das alte gefrorene Resthuhn aus Europa, da muss man keine mehr selbst züchten.

Ich möchte auch nicht Ärzte u.ä. ausgebildete Menschen jetzt irgendwie beleidigen oder ihre Arbeit schlecht reden, natürlich ist es super dort vor Ort den Menschen zu helfen, gar keine Frage, und wer das tut und anschliessend die Freude und Dankbarkeit spürt, weiss auch, dass er etwas gutes getan hat.

Auf der anderen Seite gilt aber eben dasselbe wie für die anderen bereits genannten Sachen - wenn sowohl Geld, Waren als auch Dienstleistungen von der westlichen Welt immer geliefert werden, ändert sich in den betreffenden Ländern einfach nichts, das Leiden (aus unserer Sicht) wird etwas bequemer gemacht, aber ansonsten?

Nachhaltig ist das alles nicht, dafür müsste man die Politik ändern, die Länder müssten sich (wie z.B. die EU) zu einem Wirtschaftsraum zusammenschliessen (damit ist keine gemeinsame Währung gemeint, nur freier Warenverkehr), und die Einfuhr von Dingen aus dem Westen, die die eigene Wirtschaft herstellen könnte wie Klamotten oder tlw. Lebensmittel müsste mit hohen Einfuhrzöllen belegt werden. Andersrum dasselbe für Rohstoffe wie Öl, davon profitieren Länder wie Nigeria auch so gut wie gar nicht, der grosse Gewinn geht an westliche Konzerne.
Und wenn der Westen helfen will, dann schickt er dort geeignete Leute hin die WISSEN vermitteln und die Bevölkerung vor Ort ausbilden, denn erst damit kann ein Land nachhaltig seinen Wohlstand erhöhen.

Das heisst natürlich im Umkehrschluss, der Westen bleibt auf seinen Milchbergen, Hühnerabfällen, Genmais, Altkleidern, Elektronikschrott usw. sitzen und muss sich selbst darum kümmern den Krempel loszuwerden bzw. die entsprechende Industrie im Wachstum zu bremsen bzw. zu verkleinern. Zudem würden sich Rohstoffe wie Öl und Metalle im Preis erhöhen.
Wer bereit ist, das in Europa, Amerika und einigen anderen Nationen zu akzeptieren und mehr Wissen statt Almosen verschenkt, der hilft entsprechenden Ländern in Afrika, Asien und Südamerika.

Die Ressourcen auf der Erde sind begrenzt, im Moment kommen sie fast nur der 1. Welt zugute, während der Müll in die 3. abgeschoben wird, und dort so nunmal keine Wirtschaft entstehen kann, und erst die würde (in die richtigen Bahnen gelenkt) für mehr Wohlstand sorgen.

Es gibt natürlich auch noch einige andere Probleme in den Ländern, sei es politisch, sei es kaum vorhandene Aufklärung der Bevölkerung bzw. sogar das Behindern eines vernünftigen Schulwesens damit Machthaber XY seine Ruhe hat, sei es Überbevölkerung.
Solche Probleme hingegen werden vom Westen wiederum gar nicht beachtet, da überlässt man die Länder weitestgehend sich selbst, solange der Zugang zu Rohstoffen nicht versiegt.

Hilfe zur Selbsthilfe brauchen die Menschen in der 3. Welt, keine Almosen. Was das alles beinhaltet und was nicht, da könnte man jetzt Bücher schreiben, ich habe nur versucht das kurz in einem Post etwas zusammenzufassen, möge man jetzt bitte nicht jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen, ich denke es ist verständlich was ich sagen wollte ;)

Kann man jetzt so nicht 1:1 übertragen, aber der Effekt ist derselbe - wenn wir einem Arbeitslosen H4 zahlen und Gutscheine für die Essensausgabe der Tafel geben, helfen wir ihm damit allein wieder zu Wohlstand zu kommen, oder wird da nur Armut verwaltet?
Besser ergeht es ihm doch erst dann, wenn die Arbeitsagentur ihre Aufgabe sinnvoll erfüllt, die passenden Weiterbildungen organisiert und eine gute neue Arbeitsstelle vermittelt oder in eine fundierte Selbsttätigkeit verhilft (oder sich der Arbeitslose das alles selbst organisiert, in D ist das den meisten ja auch noch möglich, der Anteil derjenigen die nichtmal die Grundschule besucht haben dürfte verschwindend gering sein)


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Homer76
Beigetreten: 27.03.2011
PokerStrategist

Finde den Vorschlag von Epitaph sehr gut, denn wir haben ja mittlerweile schon genug Armut ( sei es materieller Armut oder Seelischer Armut ) direkt hier vor unserer Tür und wenn Du direkt was tust statt zu spenden, weisst du wenigstens gleich das es ankommt ;) ;)

Kenne, das von Deiner Gefühlslage auch sehr gut und das auch ohne vorher getrunken zu haben.

Auf jedenfall :f_thumbsup: :f_thumbsup: für Deine Gedanken schonmal.


Antwort
Zitat
CosMoStarrr
Beigetreten: 21.12.2010
PokerStrategist

Original von Justus
Möchtest du an Symptomen rumdoktorn und sie kurz lindern oder die Ursache anpacken und etwas nachhaltig verändern?

in meinen augen der wichtigste einwand in diesem thread...


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