Original von Penishaubize
Spoiler
Original von Schnicker
Vor dem Hintergrund finde ich Diskussionen über die Höhe der fürs Gesundheitssystem möglicherweise verkraftbaren Infektionen, persönliches Risiko eines gesunden sportlichen vs eines übergewichtigen 30-Jährigen usw einigermaßen absurd. Die Vorerkrankung meiner Mutter lässt es u.U. nicht zu, dass sie durch Impfung einen guten Immunschutz aufbauen kann und dementsprechend wenig Lust habe ich rauszufinden, was das Virus mit meiner Mutter anstellen würde.
Aber was willst denn machen? In meinem nahen familiären Umfeld gibt es auch so einen Fall, aber man kann und imho sollte man auch nicht in einen Dauerlockdown und Dauermaßnahmen verfallen, um eine die Infektion einer vulnerablen Gruppe zu verzögern.
Wo will man denn da aufhören und welchen Weg gäbe es noch daraus? An irgendeiner Stelle wird man alles wieder normalisieren müssen und imho ist hohe Impfrate bei hoher Effektivität eine gute Grenze.
Das sehe ich ja auch genauso. Allerdings können wir aktuell halt noch nicht von einer hohen Impfrate reden. Der Mist ist zu ansteckend als dass man sagen könnte "~60% Geimpfte ist ausreichend".
Ich finde es jedenfalls alles andere als klar, dass die aktuelle Impfquote im Kombination mit den Maßnahmen reichen wird, um die Krankenhäuser vorm Volllaufen zu retten. Großteil der Älteren geimpft hin oder her. Irgendwann in den nächsten 2 Monaten fängt zu dem ohnehin schon hohen R-Wert noch die Saisonalität des Virus wieder an reinzuknallen und natürlich habe ich keine detaillierte Analyse der Krankenhausbelegung durchgeführt, aber es wird nach wie vor einen weitestgehend linearen Zusammenhang zwischen Inzidenz und Intensivpatienten geben und was man da die letzten Wochen beobachten konnte, stimmt mich jedenfalls nicht unbedingt zuversichtlich.
Wir haben Stand heute halt immer noch >30Mio ungeimpfte Menschen in diesem Land. In den letzten 1,5 Jahren sind wir gerade mal auf ~3,8Mio gemeldete Infektionen gekommen und die Krankenhäuser waren trotzdem mehrfach ziemlich voll. Ja, ich weiß, die vulnerablen Gruppen sind überwiegend geimpft usw, nichtsdestotrotz kann man bereits jetzt einen Anstieg der Coronapatienten auf den Intensivstationen erkennen und der Saisonalitätsboost inkl. ~6 überwiegend kalten Monaten kommt erst noch. Bei der bisherigen Impfquote schaffen wir problemlos >100k Infektionen pro Tag und wenn man von R_0 = 7 ausgeht, wären gänzlich ohne Maßnahmen auch kurzzeitig >1Mio möglich. Das wird obv nicht passieren, weil wir uns davor wieder alle einschließen dürfen bzw die Bevölkerung auch von sich aus reagieren und vorsichtiger werden wird, nur kann das ja nicht das Ziel sein. Wenn wir alle Maßnahmen fallen ließen und bei R_0 = 7 eben 6/7 = ~86% für Herdenimmunität immun sein müssten, könnte bei derzeit ~4/7 Geimpften der R-Wert ohne Maßnahmen halt noch immer auf ~3 hochschießen.
Ja, man muss noch andere Faktoren berücksichtigen, aber das nur mal als grobe Einordnung. Das Impftempo der letzten Wochen ist jedenfalls ein Witz und wird uns ohne Steigerung nicht viel helfen. Die letzte Woche haben wir insgesamt ~420k bzw ~60k Erstimpfungen pro Tag hinbekommen, das sind gerade mal ~0,075% der Bevölkerung. Der Wert der Erstimpfungen nimmt auch seit Wochen ab. Wenn man an einem Tag nichtmal 0,1% der Bevölkerung impft, schafft man pro Monat halt nichtmal 3% und das ist deutlich zu wenig. Ob die Beschlüsse heute die Leute zu den Impfzentren treiben werden, werden wir sehen, mir wäre eine Impfpflicht deutlich lieber. Im Kleinen gibt es ja auch eine Impfpflicht, so müssen sich Kita- und Schulkinder sowie Erzieher, Lehrer, medizinisches Personal und wasweißichwersonstnoch gegen Masern impfen lassen.
Die Corona-Impfstoffe sind sicher und das ganze Gequatsche von "körperlicher Unversehrtheit" usw kann ich nicht mehr hören. Das Argument kann man ja auch umdrehen oder haben matusows und meine Mutter etwa kein Recht auf körperliche Unversehrtheit? Klar werden solche Fälle wie unsere Mütter immer ein Risiko haben sich irgendwo zu infizieren, aber das Risiko könnte deutlich niedriger sein, wenn sich einfach alle impfen ließen, für die die Impfstoffe zugelassen sind.
Das will von den Impfgegnern natürlich niemand hören, aber selbstverständlich gefährden sie durch ihr Verhalten eben nicht nur sich, sondern auch all jene Leute, die sich eben nicht impfen lassen können oder bei denen die Impfungen eben nicht wirken. Darüber hinaus sorgen sie noch dafür, dass das Leben aller Einschränkungen unterliegt, die mitunter gar nicht mehr sein müssten. Diese zwei Punkte sollten aus meiner Sicht ganz klar reichen, dass sich alle, für die eine Impfung in Frage kommt, auch impfen lassen müssen. Des Weiteren reichen mir diese zwei Punkte um festzuhalten, dass ich die Einstellung der Impfgegner ziemlich egoistisch und assi finde.
Jetzt aber genug geranted, der ganze Mist hat für mich durch die fehlende Immunantwort bei meiner Ma halt nochmal die Brisanz des ganzen Themas deutlich erhöht, was ziemlich herbe suckt. Lasst euch bitte einfach alle so schnell wie möglich impfen. Danke.