Original von Wody
In den Modellen von Helmholtz und Ilmenau wird das gesamte Infektionsgeschehen einer einzelnen Person in die Berechnung miteinbezogen, das zB beim Letzteren 9 Tage lang geht (siehe F. 1). Dies ist auch logisch richtig.
Wenn dem wirklich so ist, dass das RKI die einfach 4-Tagesrechnung macht um auf ein R zu kommen, kann ich das nicht nachvollziehen. Sie sagen, dass sie "die mittlere Dauer zwischen dem Erkrankungsbeginn eines Falles und dem Erkrankrankungsbeginn seiner Folgefälle" auf 4 Tage schätzen. Wenn man sich F.1 anschaut, würde man das eher bei 7 Tagen sehen.
Die anderen beiden Institute stecken da viel mehr Aufwand rein und machen das sicherlich nicht nur aus Spaß sondern aus Notwendigkeit um auf sinnvolle Werte zu kommen.
Es kommt dadurch kein Bias zu einem höheren R zustande, sondern zu einem das näher an 1 ist.
Na schau her, da widerspreche ich jetzt auch gar nicht ernsthaft.
Ich würde es noch darum ergänzen, dass der Bias zu einem R näher an 1 nur für eine stetig steigende oder stetig fallende Anzahl der Neuansteckungen gilt. Eine Trendwende oder kurzfristige Schwankungen sieht man dafür im RKI-Modell schneller und deutlicher. Da das RKI-Modell auch mit dem Nowcasting dafür designt ist schnellere Werte (auf Kosten von Ungenauigkeit) zu liefern, kann das Absicht sein, um Änderungen der Maßnahmen auch schneller in den Zahlen zu sehen.
Ob zum aktuellen Zeitpunkt das RKI-Modell mit der sehr einfachen 4 Tage-Annahme oder das TU Ilmenau Modell mit den Wahrscheinlichkeiten genauer ist, das kann ich nicht einschätzen. Natürlich betreiben die TU Ilmenau und das Helmholtz-Institut diesen zusätzlichen Aufwand, weil es theoretisch genauer ist. Aber eben nur unter der Annahme, dass man weiß, dass 3,5 % des Infektionsgeschehens an Tag 10 der Infektion stattfindet. Ob man das jetzt bereits tatsächlich so genau abschätzen kann? Genauso wird natürlich in der Realität auch die Generationszeit nicht exakt bei 4 Tagen sein, wie das RKI es annimmt. Keines der Modelle wird exakt die Realität abbilden, aber sie haben dennoch alle drei ihre Berechtigung und zeigen die gleichen Trends an.
Und wenn man dem RKI-Modell den Zweck zugesteht, dass es möglichst schnell Veränderungen anzeigen soll und dabei akzeptiert, dass die Datengenauigkeit leidet, dann finde ich es gar nicht so schlecht.
Von dieser Seite kannst du es gern kritisieren - dann hat die Kritik eine ganz andere Qualität als "das RKI macht den R-Wert so, dass die Politk möglichst wenig Lockerungen beschließt"
Heute gibt das RKI übrigens ein R = 0,75 an.