Und wieder zurück.
Auf dem weg hinunter zum Taxi ist meiner Freundin und mir bereits aufgefallen, wie unbeschwert ich laufen konnte. Fast kein Humpeln mehr und das alles ohne Schmerzen. Hatte da schon überlegt, doch noch einen Rückzieher zu machen. Aber das Taxi war ja schonmal da und noch eine zertifizierte Meinung abzuholen schadet ja nicht. Verkehr gut, $15 später kommen wir beim Generall Hospital Montreal, der Universitätsklinik der Topuni Kanada, McGill, an. Es ist ein klarer, offener, imposanter Ziegelbau und schaut nach einer guten Adresse aus. Ich bin froh mich für dieses Krankenhaus entschieden zu haben.

Das Krankenhaus liegt gleich am Mt. Royal, königlicher Berg, von dem die Stadt auch ihren Namen hat. Mein Vater meinte, das sei neulich bei Jauch als 500k Frage gekommen. ER ist der emergency room.
Wir steigen aus, gf holt nen Rollstuhl damit wir stilecht einmaschieren und ich vielleicht an der Warteschlange abusen kann. Sie fährt mich an ein paar entspannten Rauchern, die alle Grüßen (ich hab ne Kappe mit Quebec Zeichen drauf), vorbei durch den kleinen Vorraum. Dort sind 2 Gestalten, komplett über den billigen plastikstühlen eingeschlafenen, Kapuzen auf, in hellem Neonlicht. Daneben 2 Snackmaschinen. Aber es ist noch zu früh für eine Stärkung. Die 2. Schiebetür zum Warteraum öffnet nicht automatisch, obwohl auf der Schiebetür doch "caution- automatic door" steht. Gf muss an mir vorbeigehen und mit den Armen vor dem Sensor wedeln, damit sie aufgeht. Wir gehen hinein und eine Wolke aus Tod und Verwesung schlägt uns entgegen. Die Leute da drinnen waren total fertig. Es war ne Mischung aus Postfukoshima mit Asiaten und Gesichtsmasken, Chemopazienten und Leute die offensichtlich schon jegliche Hoffnung aufgegeben haben. Wir ziehen eine Nummer und gehen damit mal zu dem Triage Raum, wo man sich der Schwester vorstellt die einen dann mit einer Vordiagnose zum behandelnden Arzt weiterschickt. Dort ist weit und breit niemand zu sehen. Es sind 5 aufgereihte Diagnosebereiche - durch Raumteiler abgegrenzt - aber unbesetzt. Es ist niemand hier! Ich fühle langsam Krankheit in mir aufsteigen, mit jedem Atemzug mehr den ich von der Bazillenluft einatme. Der Desinfektionsspender an der Wand neben mir ist natürlich leer. Die vorherige Einschätzung, dass Krankenhaus bis auf Zeit, ein freeroll wird, stellt sich als falsch heraus, weil sich hier anscheinend alle menscheitsbekannten Krankheiten miteinander kreuzten und nun auf Beute warten.
Ein Herr neben uns, der was von meiner Reaktion und Erstaunen mitbekommen hat meinte noch, das wird lang dauern (bis man eine Schwester sieht!!!!). Und er war schon seit 3 Stunden am warten.
Kurz überschlagen, dass ich wohl nicht unter 6h hier rauskommen würde - bestenfalls. Den ganzen Aufenthalt über habe ich niemanden gesehen der, augenscheinlich kein Patient ist.
Hab mich dann schleunigst rausschieben lassen.
Bin jetzt eben noch mit Gf und dem Hund um den Block und es ging in langsamen Schritten ohne Schmerzen. Sogar schon mit leichtem abrollen.
Falls wider Erwarten es die nächsten Tage nicht täglich besser wird (weiter abschwellen, Verbesserung bei Bewegung), werde ich unter der Woche eine ambulante Klinik besuchen.