Original von Froned
Da ja in Zeiten von Corona viel über Freiheit, Wahrheit etc. diskutiert wird, fiel mir in diesem Zusammenhang ne Diskussion ein, die ich vor einiger Zeit mal geführt habe.
Sollte es tatsächlich Leute geben, die den Film Matrix nicht gesehen haben hier noch mal kurz die Prämisse:
Dem Protagonisten wird an einer Stelle offenbart, dass er nur in einer Scheinwelt lebt und in Wahrheit ausschließlich als Energiequelle in einer Maschinenwelt dient. Er hat jetzt die Möglichkeit die blaue Pille zu schlucken und weiter in einer "heilen", aber nicht realen Welt zu leben, ohne dass er sich der eigentlichen realen Welt bewusst ist. Oder er schluckt die rote Pille, erfährt die ganze Wahrheit und lebt fortan als freier Mensch in einer dystopischen Welt auf der ständigen Flucht vor den Maschinen.
Wie würdet ihr euch entscheiden?
Im Grunde trifft man im kleinen öfter mal rot/blau Entscheidungen im privaten oder auch beruflichen. So geht es mir zumindest, wo ich dann für mich bzw. für mein Gegenüber entscheiden muss, ist das jetzt ein Fakt, bei dem ich mit der Information meinem Gegenüber eher schade oder nutze. Vereinfacht gesagt: was man nicht weiß macht einen nicht heiß.
Sehr interessante Diskusion, jedoch wenig zielführend, da einfach der Rahmen nicht klar genug definiert ist.
Wahrheit über was? Wahrheit über Corona, Wahrheit über Verschwörungstheorien?
Oder Wahrheit als Erkenntnisprozess?
Geht es um Wahrheit im Sinne von relativen Wahrheiten wie Verschwörungstheorien sieht die Situation natürlich anders aus als wenn wir von Wahrheit als Erkentnisprozess sprechen. Bei ersten müsste man eine Abwägung treffen die man von verschiedenen Faktoren abhängig machen kann. Aus der Perspektive von Wahrheit als Erkenntnisprozess könnte man aber auch argumentieren, dass es niemanden gibt der eine Entscheidung trifft und das die Erkenntnis dessen das Äquivalent der roten Pille in Matrix ist (oder vieleicht eher einem Stückchen von einer Roten Pille).
Aber angenommen es gäbe wirklich solche Situationen, in der es die Möglichkeit gäbe Wahrheit im Sinne eines Erkentnissprozesses zu erkennen, gäbe es keinen Grund dagegen, weil solche Wahrheiten dich als Menschen befreien.
Zum Beispiel Schwerkraft. Jeder Mensch hatte irgendwann die Erkenntnis von Schwerkraft. Stell dir vor du wüsstest nicht was passiert wenn du aus dem Fenster springst! Oder du wüsstest nicht was du machen musst wenn dein Bauch knurrt, irgentwann anfängt wehzutun und du immer schwächer wirst! Stell dir vor jemand "vergisst" dieses Erkenntniswissen! (Gibst sogar, z.B. Leute die aus dem Fenster springen weil die denken sie können fliegen, oder Leute die glauben man kann Nahrung als Licht nutzen und dann vergungern)
Solche dinge sind Erkenntniswissen auf unterster Ebene, verdeutlichen aber doch zwei Sachen sehr gut:
1. Erkenntnisswissen ist ein Prozess und keine bewusste Entscheidung, kann daher auch nicht voll umfänglich mit Worten umschrieben oder als solches mittels Worten weitergeben werden.
2. Erkenntniswissen vergrößert immer die eigene Freiheit.
Zu deiner zweiten Frage:
Erkenntniswissen sollte immer geteilt werden, dies sollte jedoch weise geschehen. Relative Wahrheiten ala Verschwörungstheorien oder einzelne wissenschaftliche Arbeiten/Meinungen etc, sollten jedoch vor weiterer Verbreitung auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht werden und auch als relative Wahrheiten weitergeben werden, nach gründlicher Abwägung der Folgen der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten unter moralischen Gesichtspunkten.
Original von Froned
Für mich beginnt und endet Freiheit im Kopf. Es ist kein Begriff per Definition. Was für den einen enorme Einschränkung bedeutet, nimmt der andere schulterzuckend hin. Manche sagen, man ist erst wirklich frei wenn man nix mehr zu verlieren hat.
Sehr intelligente Beobachtung. Solche Beobachtungen führen zu Erkenntniswissen, A passiert wird zu B und wenn XZU dazukommen zu C. Deine Beobachtung das Menschen Freiheit unterschiedlich definieren hat zu einem Denkprozess geführt, der wiederum zu der Erkenntnis geführt hat, dass Freiheit im Kopf entsteht. Wie tiefgehend diese Erkenntnis jetzt ist, ist eine andere Frage, es zeigt jedoch das es keine bewusste Entscheidung zu der Wahrheit gibt.
Original von Shore
Gibt es wirklich eine eindeutige Korrelation zwischen (vermeitlichen) Geheimwissen und Gemütszustand?
Klar, such doch mal nach Studien zur Religiosität und Gemütszustand oder Meditation und Gemütszustand.
Original von Shore Die Frage ist auch was zuerst kommt: Die negative Stimmung oder die Rote Pille? Oftmals ist ja eher die depressive Grundstimmung , die einen dazu veranlasst, sich in den Wissensdurst zu flüchten. Logik und Abstraktion werden dann zur Verdrängungsstrategie von unliebsamen Emotionen, Erinnerungen, usw. Dann widerum gibt es die Weisheit, was eine Ansammlung aus mehreren Roten Pillen sein kann, und einem eigentlich eher Ausgeglichenheit und Zufriedenheit gibt.
Ich verstehe was du sagen willst, jedoch gibt es keine Kausalbeziehung zwischen negativer Stimmung und roter Pille bzw Weisheit, denn wie du selbst schreibst gibt es ja Verdrängungsstrategien. Daher würde ich Buddha zitieren:
Nicht braucht, ihr Mönche, der Sittenreine, der
Sittlichkeit Besitzende eine Willensanstrengung zu machen, damit
ihm Reuelosigkeit aufsteigt; ein Gesetz ist es, dass dem
Sittenreinen, dem Sittlichkeit Besitzenden Reuelosigkeit aufsteigt.
Nicht braucht, ihr Mönche, der Reuelose eine Willensanstrengung
zu machen, damit ihm Freude aufsteige; ein Gesetz ist es,
• dass dem Reuelosen Freude aufsteigt ...
• dass dem Freudigen Verzückung aufsteigt ...
• dass dem im Geiste Verzückten sein Inneres gestillt wird ...
• dass der innerlich Gestillte Glück empfindet ...
• dass des Glücklichen Geist sich sammelt ...
• dass der geistig Gesammelte der Wirklichkeit gemäß
erkennt und versteht ...
• dass der wirklichkeitsgemäß Erkennende und Verstehende
sich abwendet und entsüchtet wird ...
• dass der Abgewandte und Entsüchtete den Erkenntnisblick
der Erlösung verwirklicht.
Somit haben Abwendung und Entsüchtung den Erkenntnisblick der
Erlösung zu Segen und Lohn ..., haben die heilsamen Sitten die
Reuelosigkeit zum Segen und Lohn.
So also, ihr Mönche, lassen die einen Erscheinungen die anderen
Erscheinungen entstehen, bringen die einen Erscheinungen die
anderen Erscheinungen zur Vollendung, sodass eben die
diesseitigen Erscheinungen zum jenseitigen Ziele hingeleiten.