Ich war bei ein paar Projekten dabei und kann das meiste hier bestätigen, will es nur mal zusammenfassen.
1. Ich gehe mal von einer Doppelhaushälfte aus da ein Einzelhaus teurer ist und es hier wirklich auf Details ankommt. Die Kosten hängen bei einem Einzelhaus auch stärker vom Standort ab, z.B. Limit Anzahl und Größe der Geschosse im Verhältnis zum Grundstück.
2. Beim Preis sind 150k-250k sehr realistisch, wobei ein Keller zwar teuer ist dafür aber die Nutzfläche dramatisch erhöht. Macht auch das Design in den oberen Geschossen flexibler und einfacher. Trotzdem gilt, wenn das Grundstück billig ist macht ein Keller finaziell keinen Sinn, die Quadratmeter gibts über der Erde billiger.
3. Gegen Fertighäuser spricht nichts, erst recht icht wenn es sich um Massiv- oder Betonhäuser handelt. Sehr "leichte" Holzhäuser haben tatsächlich einige Nachteile, hängt aber vom genauen Produkt ab.
4. Die Angebote für 99k oder so sind eher Lockangebote. Habe noch hier noch nie ein wirklich komplettes Angebot gesehen. Im Rahmen eines ganz anderes Projektes habe ich mal die größten 70 Fertighaushersteller abgeklappert, man muss einfach alle Details berechnen.
5. Wie erwähnt, Auffahrt kostet locker 10-15k wenn die Drainage einfach ist, Garten 3K (Entsorgung Bauschutt, Muttererde). Bei den 99K Angeboten fehlen auch oft Elektroarbeiten (1 Steckdose pro Zimmer ist etwas wenig) oder andere Kleinigkeiten.
Was auch gespart wird ist der Architekt. Da gibts dann nur einen der die Pläne unterzeichnet sich aber eigentlich am Bau nicht beteiligt und genau dann passieren die vielen Fehler die man hinterher nicht mehr korrigieren kann. Ein "richtiger" Architekt erhält 20% der Bausumme, bei den Billigbauten nur 10% und dann macht er aber nix. Das macht keinen Sinn, ein Architekt spart Geld wenn man das Haus aktiv gestaltet. Je besser die Ausstattung desto effizienter wird das wenn ein Architekt das macht. Hierzu gehört auch Planung der Heizanlage (was ist mit Erdwärme, Holzpellets, regionale KFW Förderung für Solaranlagen).
Fenster werden nach Maß gefertigt und nach m2 bezahlt, eine individuelle Planung kann hier z.B Energie durch die Sonneneinstrahlung sparen und trotzdem viel cooler sein. Bauunternehmer ohne Architekt versuchen oft Restposten von Markenfenster zu ergattern um hier noch was zu verdienen, dann gibts aber nur Standardmaß. Ist ok, aber z.B. das Nachrüsten von Alarmanlagen oder Einbruchsschutz wird teurer.
Freunde von mir haben letztes Jahr gebaut (also vorletztes), praktisch 2x das identische Projekt. Jeweils Doppelhaushälfte im hintern Grundstücksteil. Einmal mit viel Geld (200k Haus + 150k Land) und einmal mit wenig (130k Haus + 75k Land) jeweils in Hamburg. Das billige Haus ist mehr als 50k teurer geworden weil einfach zu extrem gespart wurde. Von fehlerhaften Plänen mit Extrakosten für den Notar bis zu polinischen Handwerkern die am Freitag nach Hause wollen und Dosen setzen die nicht verkabelt sind. die Satellitenschüssel kommt jetzt erst aufs Dach (nach 1.5 Jahren) und muss komplett neu verkabelt werden weil keiner weiss wo das original Kabel liegt, schon sind wieder ein paar Hunderter weg.
Es macht keinen Sinn zu extrem zu sparen, gerade vor dem Hintergrund steigender Energiekosten, komplizierter Bauvorschrfiten oder vieler staatlicher Fördermöglichkeiten.
Ich würde das ganze auch nicht überstürzen, es ist keine falsche Idee sich ein Jahr damit zu beschäftigen. Z.B. auch wie die Immobilienpreise in der Gegen sind und die Entwicklung in der Vergangenheit war, damit man auch einen ordentlichen Wertgewinn in den nächsten Jahren schafft.
Ausserdem sollte man sich mit den Detail der Finanzierung beschäftigen, das bringt bare Kohle.
Was die Ausstattung selber angeht so wird das teuer wenn man erstmal auf den Geschmack gekommen ist. An Besten keinen Plan haben und stillos bleiben, dann wird es nicht zu teuer....Im Ernst, eine Küche ist ganz schnell beo 30K ohne Luxus, mit weniger als 15K sollte man lieber nicht planen. Wenn man hier allerdings Schreiner ist und die selber bauen kann spart das ein Vermögen.
Bei den Bädern müssen die Handwerke einfach gut arbeiten. Auch teure Kacheln kommen wieder runter wenn sie nicht vernünftig verlegt werden. Eine Bordeure (wie schreibt man das bloss?) ist auch Pflicht. Solche Details mögen als Luxus erscheinen sind aber für die Wertentwicklung wichtig wenn das Haus mal verkauft oder vermietet wird. Evtl. guckt auch ein Vertreter der Bank mal vorbei, die sehen sowas und meckern wenn diese Dinge nicht "Marktgerecht" sind, selbst wenn man sowas selber doof findet.
Insgesamt sollte die Gestaltung nicht zu exotisch sein, schlecht für den Marktwert. Streichen kann man wie man will, aber ein Whirlpool im Wohnzimmer ist suboptimal.
Achja, Fußbodenheizung kann Energie sparen helfen und ist gar nicht so teuer. Rechnet sich, auch weil die Wohnfläche größer wird.
Naja, also es gibt doch recht viel zu beachten, damit sollte man sich eine Weile beschäftigen. Und mit einem Profi, also einem Architekten an der Seite wird das alles einfacher.
BTW, Grunderwerbesteuer ist glaub ich grad von 3.5% auf 4.5% hoch, Notare sind teuer, Pläne müssen korrekt sein. Ein guter Draht zum Bauamt kann auch nicht schaden, da kann man auch mal vorbei schauen und den Leuten die Hand schütteln.
Ansonsten viel Erfolg!
CMB