Möchte hier auch nochmal was zum Festsetzten von MUs sagen...
Man geht ja davon aus, dass sich dieses wohl vom Expected ROI ableiten soll. Hier im Forum wird oft nach dem "fairen Valuecut" gesucht, bzw. darüber diskutiert. Finde einen festen Valuecuts einfach nicht fair oder sinnvoll sonder würde gerne einen anderen Approach andiskutieren, könnt ihr ja dann sagen was ihr davon haltet. Es geht dabei ausschließlich um die Frage wie der Value zwischen Stakern und Stakee aufgeteilt werden soll bzw. eine Grundlage für eine investitionstheoretisch sinnvolle Verteilung zu schaffen. Der Approach löst nicht das Problem, wie man zu einem Expected ROI kommen kann.
Warum ist ein fester Valuecut nicht sinnvoll?
Ich denke das Problem sieht man am besten anhand eines kleinen Beispiels. Nehmen wir die hypothetischen Spieler X und Y, die Shares für die Sunday Million verkaufen. X schlägt die Sunday Million mit 100% ROI, Y nur mit 10%. Wenn beide Spieler einen Valuecut von 3:1 verwenden würde das bedeuten, dass als MU 1,75 bzw 1,075 angesetzt wird.
Was bedeutet das nun für den Staker?
Bei Spieler X kann er erwarten für 1,75 eingesetzte Dollar im Schnitt 2 $ zu erhalten, was einer Verzinsung/einem StakerROI von 2/1,75=1,1428 bzw 14,28% entspricht.
Bei Spieler Y kann der Staker erwarten für 1,075 eingesetzte Dollar im Schnitt 1,1$ zu erhalten, somit ergibt sich hier eine Verzinsung von 1,1/1,075=1,023 bzw 2,32%.
Obwohl der Value von beiden Spielern gleich gecuttet wird erkennt man schnell, das der Erwartungsgewinn für den Staker bei X deutlich höher und somit attraktiver ist. Selbst wenn Spieler X beschließt das er sogar 4:1 valuecutten will (1,8 MU) würde das noch zu einer Verzinsung von 11,11% führen, was trotz "unfairerem Valuecut" noch immer deutlich attraktiver wäre also die 2,32% im "faireren Valuecut". Wen würdet ihr lieber staken, Spieler X mit einem 4:1 valuecut oder Spieler Y mit einem 3:1 valuecut?
Was ist für einen profitorientierten Staker wichtig?
Aus finanzmathematischer Sicht geht es für den Staker (wenn wir Transaktionskosten wie Zeitaufwand, ggf. Skrillgebühren oder ähnliches mal außen vor lassen) einzig um ein attraktives ROI / Varianz Verhältnis (Ich unterstelle mal grundsätzliche Risikoaversion, der Staker möchte die Varianz also bei gleichem ROI so gering wie möglich halten - das ist eine realsitische Annahme da es auf den absoluten Großteil der Investoren zutrifft). Wieviel % der Spieler an dem Deal mitschneidet ist aus investitionstheoretischer Sicht egal, die entscheidenden Größen sind einzig der StakerROI sowie die dafür getragene Varianz (wie wir oben gesehen haben ist der Deal mit X trotz schlechterem Valuecut attraktiver als der Deal mit Y)
Warum gesteht ein Spieler seinem Staker überhaupt Value zu und vor allem wie viel Value soll er ihm gerechtfertigterweise zugestehen?
Ein Spieler der zu einem MU verkauft das unter seinem ROI liegt (also ein für Staker zumindest marginal profitables Staking) tut dies, um Varianz zu veringern. Er gibt also Value auf, um Varianz loszuwerden. Der Staker wiederum ist gewillt, die Varianz zu übernehmen wenn er dafür im Gegenzug Value erhält. Da er risikoavers ist, fordert er mit zunehmender Varianz auch höheren Value. Wieviel zusätzlichen Value er für zusätzlich übernommene Varianz fordert hängt vom Grad seiner Risikoaversion ab und wird von Investor zu Investor unterschiedlich sein. In der Theorie sollte der StakerROI sich also proportional zur Varianz verhalten. Geringes Risiko, geringer EV ; hohes Risiko, hoher EV - recht intuitiv eigentlich. Wie beim Sparbuch und bei Aktien.
Wie könnte man das Ganze sinnvoll in ein Stakingmodell implementieren?
Mein Ansatz wäre folgender: Als Spieler der ich Anteile verkaufen möchte teile ich zunächst meine Turniere aufgrund der Teilnehmerzahl, Struktur, Gegnerskill,... in verschiedene Varianzgruppen auf. Zum Beispiel mache ich 3 Gruppen: lowvariance, midvariance und highvariance. Da potentielle Investoren ja risikoavers sind, muss ich als Spieler bereit sein den Investoren in highvariance Turnieren höheren Value abzugeben als in lowvariance Turnieren. Nun setzte ich als Spieler eine Zielverzinsung fest die ich dem Staker je nach Varianzklasse zugestehen möchte, zB. 4% für low, 8% für mid und 12% für high.
Je höher die Varianz eines Turniers, desto fehlerbehafteter wird meine ROI-Einschätzung in der Regel auch sein (auch deshalb ist es gut, dass der abgegebene Value bei größerer Varianz höher ist, da dieser ja für die Staker gleichsam einen "Puffer zur Unprofitabilität" darstellt.)
Als nächstes überlege ich mir, was ich in den einzelnen Turnieren für einen ROI habe. Nehmen wir Spieler X der sich für das Big30€ auf Stars.fr unter der Woche, das 22$ 1R 1A auf Stars.com und die Sunday Million staken lassen möchte. Das Big 30€ hat eine sehr gute Struktur, nicht allzuviele Runner und viele schwache Spieler. X ordnet das Turnier daher der lowvariance Gruppe zu. Er gibt sich auf das Feld einen ROI von 25%. Das 20$ 1R1A auf Stars.com um 20:15 hat auch eine sehr gute Struktur. Allerdings spielen hier auch immer ein paarhundert Leute mit, wovon einige Übersickos sind und viele zumindest recht gut spielen. X gibt sich einen ROI von 20% und ordnet das Turnier der mittleren Varianzgruppe zu. Die Sunday Million hat zwar ein durchschnittlich sehr weakes Teilnehmerfeld, allerdings ist die Struktur - gerade im Endgame - sehr turbo lastig und es spielen meist über 6000 Leute mit. X geht von einem ROI von 60% aus und ordnet das Turnier der high variance Gruppe zu.
Die MUs berechnen sich mit diesen Zahlen dann wie folgt:
Für das Big30€:
1,25/1,04 ~ MU 1,202 --> der Staker darf hier mit einem StakerROI von 4% rechnen.
Für das 20er 1R1A:
1,20/1,08 ~ MU 1,111 --> der Staker darf hier mit einem StakerROI von 8% rechnen.
Für die Million:
1,60/1,12 ~ MU 1,428--> der Staker darf hier mit einem StakerROI von 12% rechnen.
Die Anzahl der Varianzgruppen kann man natürlich beliebig verändern und könnte ja sogar theoretisch jedem Turnier eine individuelle Stakerzielverzinsung zuordnen - hier stellt sich einfach die Frage, ob der Mehrwert den Mehraufwand lohnt, sprich "wie fein man das Sieb sinnvollerweise stellen möchte".
Ich hoffe ich konnte meine Gedanken verständlich rüberbringen ♠_cool:
Sämtliche Zahlen die ich hier verwendet habe dienen lediglich dazu meinen "Modellansatz" zu veranschaulichen. Bitte da sonst nichts hineinzuinterpretieren ♦