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Forschungsfrage gesucht für Masterarbeit

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HansaImperator
Beigetreten: 28.04.2009
Oldschool Grinder

Hallo,

ich bin gerade dabei, meine Masterarbeit in Politikwissenschaft zu konzipieren und hänge momentan dabei fest, mir eine adäquate Leitefrage zu suchen. Die MA wird sich um die Europawahl 2014 drehen und insbesondere das BVerfG-Urteil zur Abschaffung der Sperrklausel in den Mittelpunkt stellen. Darauf aufbauend soll eine Gesamtschau EU-skeptischer Kräfte erfolgen.

Probleme: Die Bearbeitungszeit beginnt weit VOR der Wahl und endet weit NACH der Wahl. Ansonsten wäre wohl eine Aufstellung aller skeptischen europäischen Kräfte und eine Prognose deren Sitzanzahl und Auswirkung auf die Handlungsfähigkeit des Parlamentes möglich gewesen.

Eine reine Nachwahlanalyse verkennt allerdings die Bearbeitungszeit vor der Wahl.

Bisher habe ich nur stückhafte Ansatzpunkte mE, die sich aber nur schwer zusammenfügen bzw. passend auf eine MA ausweiten lassen können. So wäre es z. B. möglich, sich auf Basis der Theorie der Politischen Ökonomie zu nähern und zu sehen, inwiefern dies auf die EU-skeptischen Parteien zutrifft (dazu muss ich mich noch weiter einlesen).

Ein anderer Weg wäre, Experteninterviews mit EP-Kandidaten zu führen (zwei Zusagen hätte ich bereits). Allerdings wurde mir davon abgeraten, da die Transkriptionsarbeit zu viel wäre und mir das niemand dankt.

Ich würde mich freuen, ein paar Impulse zu bekommen; natürlich erwarte ich nicht, dass einzelne Nutzer mir hier meine Arbeit abnehmen.

Viele Grüße


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5 Antworten
kamikazePoker
Beigetreten: 22.06.2011
PokerStrategist

Kannst ja zuerst die bisherigen Auswirkungen von EU-skeptischen Parteien im Europäischen Parlament analysieren. Nimm dabei Bezug auf die nicht vorhanden Sperrklauseln bei anderen Ländern.
Mal abgesehen, dass die deutschen EU-skeptischen Parteien sicherlich kaum Einfluss auf das europäische Parlament nehmen werden (AfD ist Euro-skeptisch nicht EU-skeptisch). Viel größeren Einfluss werden die EU-skeptischen Parteien in den von der Krise gebeutelten Staaten bekommen, da sie viel mehr Wahlanteile bekommen werden.


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HansaImperator Themenstarter
HansaImperator
Beigetreten: 28.04.2009
Oldschool Grinder

Vielen Dank für eure Antworten. Dass die euro-/EU-skeptischen Parteien kein monolithischer Block sind, sollte wohl klar sein: ;) Auf jeden Fall würde ich der Differenzierung dieser Gruppe ein eigenes Kapitel widmen.


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michaelg5pro
Beigetreten: 19.12.2006
PokerStrategist

Wenn ich das richtig verstanden habe sollen mehrere Aspekte zentral für die Bearbeitung sein: (1) Die Verfassungsmäßigkeit von Sperrklauseln im EuWG, (2) europaskeptische Kräfte sowie möglicherweise (3) Elemente einer Wahlanalyse.

Die Betrachtung europaskeptischer Kräfte soll auf (1) aufbauen. Inwieweit, sprich: welche Zusammenhänge sollen untersucht werden?

Die Betrachtung der Sperrklauselentscheidung des Bundesverfassungsgerichts und eine Gesamtschau skeptischer Kräfte stehen nach meinem ersten Empfinden noch relativ isoliert nebeneinander. (Vielleicht gibt es aber auch sich audrängende Zusammenhänge, die ich einfach übersehe).
Zu klären ist natürlich, was für Aspekte von EU-Skepsis im Mittelpunkt stehen sollen und in welchem Ausmaß hier mitgliedsstaatenübergreifend Aspekte berücksichtigt werden sollen.

Wenn wirklich die Entscheidung gegen die Sperrklausel im Mittelpunkt stehen soll, drängt sich für mich eine spezifisch deutsche Betrachtung in den Vordergrund, es sei denn man will davon ausgehend etwa umfassend vergleichend die Popularität skeptischer Kräfte im Zusammenhang mit insitutionellen Rahmenbedingungen (polity und politische Kultur) beleuchten. Meiner Meinung nach wenig ergiebig, da schwer operationalisierbar und viele Faktoren vernachlässigend.

Warum sich aus meiner Sicht der Fokus auf irgendetwas spezifisch deutsches aufdrängt liegt an der Architektur der Europawahlen bzw. des Europäischen Parlamentes: Als Vertretung der Staatsvölker organisiert jeder Mitgliedsstaat (im Rahmen des Direktwahlaktes) selbst über die Wahl seiner Mitglieder. Das EP ist kein Ersatz demokratischer Legitimation (der Parlamente der Mitgliedsstaaten) sondern eine Ergänzung.

Daher ist die BVerfG-Entscheidung als zentraler Ausgangspunkt vielleicht unglücklich, da diese sich aus deutschem Verfassungsrecht speist und - wenn das dann wirklich im Mittelpunkt stehen soll - ein sehr eingeengter Ausgangspunkt ist, jedenfalls wenn darauf aufbauend Europaskepsis zu beleuchten ist. Gleichwohl kann man, wenn man sich nicht zu sehr auf die Sperrklauselfrage versteift, demokratietheoretische Erwägungen ins Felde führen, die sich auch wieder an europaskeptische Positionen binden lassen - ohne in rechtstechnisches Geschwurbel zu geraten. Das eigentliche Sperrklauselproblem müsste dabei freilich doch etwas in den Hintergrund geraten, aber Entscheidungen aus Karlsruhe sind freilich voll von Aussagen über allgemeine Dinge.

Was war seinerzeit eigentlich vorgefallen? Nach der Entscheidung gegen die Sperrklausel von 5% führte die Regierungsmehrheit reflexartig eine niedrigere Sperrklausel von 3% ein - ich behaupte, wohlwissend, dass diese sehr wahrscheinlich auch verfassungswidrig wäre. Sperrklauseln für die Wahlen zum EP lassen sich nämlich kaum rechtfertigen, da es darauf ankommt, ob sie tatsächlich einen gewichtigen Effekt auf die Stabilität eines Systems von Parlament und Regierung haben - was in einer Vertretungskörperschaft wie dem EP, dessen deutsche Vertreter weniger als 1/7 der Gesamtgröße ausmachen, nicht der Fall ist.

Was man hier europaskeptisch auch fragen könnte - manchen Bogen zu europaskeptischen Positionen schlägt - ist: Warum der reflexartige Versuch der schnellen Einführung einer kleinren Sperrklausel, zeitlich nahe nachdem die 5% Sperrklausel gekippt wurde?
These: Ausgehend vom Paradigma, dass Wahlrechtsfragen Machtfragen sind, könnte es sein, dass die "politische Klasse" (-> Machtkartell der Etablierten. Widerspruch der Nichtregierungsparteien wäre eher durch Opportunität zu erklären) in Deutschland versucht hat, aufkeimende Europaskeptiker an den Rand zu drängen (2013, insbesondere AfD).

So etwas ist freilich zu großen Teil einer qualitativen Bearbeitung zugänglich - "ehrliche" Gesprächspartner lassen sich in der Regel aber erst Dekaden nach Entscheidungen finden. Gleichwohl liefern natürlich auch Protokolle, Begründungen, Berichterstattungen, Kommentare einige Inspirationen die man mit empirischen Quellen der klassischen Befragungsinstitutte verknüpfen kann (gerade Tendenzen zur EU oder Zahlen zur AfD).

Mein Tipp: Einengen, einengen, einengen.
BVerfG zur Sperrklausel: Was genau und in welcher Hinsicht?
Welche Fixierungen lassen sich wie gut mit EU-Skepsis (und welcher) verknüpfen?
Es brächte ja wenig, die Judikatur zu Sperrklauseln eingehend zu beleuchten, wenn der Parteienwettbewerb mit Blick auf EU-Skepsis hierzu verfassungspolitisch nichts hergibt. Von daher wäre - soll die Entscheidung gerade hinsichtlich der Sperrklausel wirklich im Vordergrund stehen - wirklich auf Deutschland zu fokussieren (Aus dem Blickwinkel der Rest-EU: Wen interessieren schon die Wahlrechtsgrundsätze anderer Mitgliedsstaaten?).
Natürlich kann man auch über Sperrklauseln der Mitgliedsländer schreiben. Das wäre als Bearbeiter einer Abschlussarbeit allerdings eine kleine Tortur. Nur etwas weniger als die Hälfte der Mitgliedsstaaten verfügen über keine Sperrklausel. Das zu schreiben wäre nun kein Thema, aber um einen wissenschaftlich funktionalen Beitrag zu liefern bräuchte es dann noch seitenweise vergleichendes Material über Entwicklung, Rahmnebdingungen etc. Lieber einen soliden Beitrag kleiner Reichweite, als vage Versuche im Breiten, bei denen man sich selber nicht mehr wohl fühlt.

Es kann sein, dass die Differenzierung EU-Skeptischer Positionen dann nicht mehr so wichtig oder umfassend sein muss, aber was nützt so eine, wenn der Zusammenhang Sperrklauselentscheidung für den Großteil der Beschriebenen alleine schon wegen fehlendem Zusammenhang zu Deutschland extrem klein ist. Das heißt nicht, dass diese Darstellung rauszuwerfen ist, nur, dass sie gemäß ihrer Relevanz entsprechen sollte. Wenn es zuviel gibt, heißt es bündeln oder Details in Fußnoten zu schleudern.

Das gilt natürlich nur im Rahmen der vorgeschlagenen Wege, wenn doch umfangreiche Betrachtung der EU-Skeptiker das vorzugswürdige Thema sein sollen ist natürlich mehr Ausführlichkeit angemessen.


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HansaImperator Themenstarter
HansaImperator
Beigetreten: 28.04.2009
Oldschool Grinder

Erst einmal vielen Dank für die Antwort michaelg5pro. Ich habe in letzter Zeit natürlich weiter an der Thematik gearbeitet und habe mir dabei folgende Frage gestellt: Wieviel "Neues" muss eine MA enthalten? Dass es nicht der Anspruch sein kann, eine rein deskriptive Betrachtung zu liefern, ist mir klar, allerdings weiß ich nicht, inwiefern "eigene Forschungsleistung" erbracht werden muss.

Bzgl. der Thematik: Nach einem Gespräch mit einem Autoren eines einschlägigen Papiers habe ich die Idee der Experteninterviews verworfen, da dies eine "sehr undankbare Aufgabe" (O-Ton) sei. Vielmehr möchte ich den Schwerpunkt auf den Europaskeptizismus anhand der der EP-Wahl 2014 legen. Hier kommt auch obige Frage ins Spiel: Es gibt natürlich bereits einen Fundus an Literatur dazu, nicht jedoch auf die Wahl 2014 bezogen. Meine aktueller Plan sieht wie folgt aus:

In der Einleitung würde ich kurz auf das BVerfG-Urteil eingehen, um einen Aufhänger zu haben, dass mit diesem eine eingehendere Betrachtung des Europaskeptizismus in Deutschland erfolgte.
Sodann würde ich kurz auf die "Geschichte" des EU-Skeptizismus im EP eingehen, um danach vorzustellen, was diese Kräfte überhaupt anstreben. Dazu würde ich deren Wahlprogramme zur EP-Wahl 2014 vergleichend analysieren und darauf aufbauend die Kräfte gruppieren und untereinander je nach ihrer Schattierung ordnen. Daraus kann man dann thesenhaft die großen Forderungen von rechts und links ableiten. Dies gibt es bereits für 2009- also für 2014 "erlaubt"? Ich denke schon.
Danach soll die EP-Wahl 2014 Eingang finden, bei der hoffentlich die europaskeptischen Kräfte Zuwächse verzeichnen können. ;) Inwieweit es sinnvoll ist, modellhaft eine europaweite Sperrklausel einzuführen und dann eine Berechnung durchzuführen, wie dann die Ergebnisse wären, kann ich noch nicht beurteilen. Vielleicht ganz anschaulich, andererseits vielleicht aber auch nur eine nette Spielerei. Vielleicht wäre das etwas für die Schlussbetrachtung.
Hier würde ich dann die fraktionellen Implikationen beleuchten und Vergleiche zur vorhergehenden Legislaturperiode anstellen. Sodann kann man etwaige Prognosen anstellen, wie die Europaskeptiker ihren Einfluss geltend machen können.
Ein letztes Kapitel könnte den Umgang mit Europaskeptikern beinhalten. Hier könnte dann ein Bogen zur Sperrklauselthematik aus der Einleitung geschlagen werden.

Eine Anmerkung noch: Es ist leider so, dass der Titel meiner Arbeit bereits festehen muss bei der Anmeldung zur MA. Völlig lebensfremd in meinen Augen, da es sehr eingengt.

Wie man sieht: Es fehlt mir weiterhin die konkrete übergeordnete Forschungsfrage. :evil:


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HansaImperator Themenstarter
HansaImperator
Beigetreten: 28.04.2009
Oldschool Grinder

Ich habe mir weitergehende Gedanken gemacht und bin jetzt bei folgender Sache als Forschungsfrage:

Ich würde eine ex-ante Betrachtung der Wahlprogramme der EU-skeptischen Parteien durchführen und dann wie bereits erwähnt die Abstufungen des Skeptizismus herausarbeiten und anhand derer eine Einordnung durchführen. Gipfeln kann das ganze in einer schönen "pseudowissenschaftlichen Tabelle". ;)

Um die Forschungsfrage operationalisieren zu können, würde ich dann im Grunde genommen diese Tabelle mit der erfolgten Fraktionsbildung nach der EP-Wahl 2014 vergleichen und daraus Thesen/Schlussfolgerungen für die kommende Legislaturperiode ableiten. Auch Aussagen über fraktionelle Stabilität ließen sich treffen.

Die Arbeit würde dann noch mit dem üblichen, themenbezogenen Vorgeplänkel garniert werden. ;) Allerdings wird das sicherlich eine Menge Arbeit werden, denn es wird schon schwierig werden, alle Wahlprogramme der einschlägigen Parteien in englischer Sprache zu finden, notfalls müsste man auf Sekundärquellen zurückgreifen.
Kennt ihr vielleicht hilfreiche Links/Personen, die diese Wahlprogramme womöglich bereitsstellen können?


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