Hi PolishFool!
Find's erstmal sehr mutig und aufrichtig, dass du dich als spielsüchtig outest.
Ich denke, viele Leute hier sind spielsüchtig, aber keiner gibt das gerne zu.
Erstmal ein par Fragen an dich: Was machst du sonst noch so "beruflich"? (Schätzt mal Student so wie meisten
)
Was machst du sonst noch so "freizeittechisch"? Ist Pokern quasi die einzige echte "Quelle der Freude" für dich?
Es gibt viele Definitionen der Sucht, aber eines haben imo alle gemeinsam. Es handelt sich um eine psychische Erkrankung und das notwendige Kriterium jeder Erkrankung ist "Leidensdruck" d.h. der Betroffene muss die Situaiton subjektiv als unangenehm empfinden.
Es gibt imo viele User hier, die täglich stundenlang grinden (ich nehm mich da mal nicht aus), aber dennoch nicht "schwer abhängig" sind, weil sie das mit einem gewissen "Plan" machen und Herr über die Sache sind ( finanzieller Erfolg, Verbesserung des Spiels, etc.), während bei einem Süchtigen das Spiel die Kontrolle über einen hat. Natürlich gibt es auch bei der Sucht verschiedene Ausprägungen und Abstufungen.
Sehr schön veranschaulichen lässt sich dies durch das "Tastenmodell" (von wem auch immer ): JEder Mensch hat gewisse Möglichkeiten, sich selbst Freude zu bereiten. Jede dieser Möglichkeiten stellt eine Taste auf einem Klavier da. (Bspe.: Pokern, Ficken, Saufen, Sport, Kino gehen, Fernsehen, Musik, Kunst, Literatur, Drogen, etc. etc.). Wenn man es nun schaft, diese Tasten in gewissen gleichmäßigen Abständen zu betätigen, ensteht daraus eine Art "Melodie" die quasi der Schlüssel zu einem sinnerfüllten Leben darstellen kann. Wenn du dich hingegen zu sehr auf eine Taste konzentrierst, wird das Leben monoton und du "verlernst" bzw. vergisst, andere Tasten zu betätigen, was irgendwann zur Sucht führen kann.
In gewissem Ausmaß ist imho hier jeder "süchtig". Ich denke jeder hat schon mal irgendeinen Termin abgesagt bzw. irgendwelche Prioritäten verändert, weil er/sie grod Pokern wollte.
Problematisch wirds imho erst dann, wenn Pokern die "einzige" Beschäftigung ist, der du noch gern nachgehst und alles andere quasi "hinten anstellst" (so wie das aus deinem Bericht auch eher rauskommt). Die besten Indikatoren hierfür sind zbsp.: Studium/Freundin/Hobbies etc. vernachlässigen.
Nun zu meinem konkreten Rat (vielleicht is er total Bullshit, vielleicht hilft er dir doch ein bisschen):
Versuch, das ganze Problem mal aus der Metaebene zu betrachten.
Frag dich selbst, ob es für dich ok is, wenn ein Kartenspiel über deine Termine, deine Zeiteinteilung, deinen gesamten Tagesablauf- noch schlimmer- über deine Stimmung, dein Wohlbefinden- bestimmt.
Ist es icht viel besser, kein "junkie" zu sein, FREI zu sein und selbst über seinen Tagesablauf bestimmen zu können?
Wenn du etwas darüber nachdenkst, wirst du dir eingestehen müssen, dass das Leben möglicherweise noch mehr zu bieten hat, als jeden Tag 12h++ vorm PC zu sitzen und zu Pokern. Imo kann dieses Phänomen erst auftreten, wenn schon irgendwas "fehlt" im Leben. Der Reiz des Onlinepokers wird irgendwann nachlassen, die rechtliche Zukunft ist unsicher, und möglicherweise bleibt dir dann am Ende nix, außer etwas Kohle.
Kann es eventuell sein, dass du zu wenig soziale Kontakte pflegst? Soz. Kontakte (in welcher Form auch immer) sind ESSENTIELL wichtig für einen Menschen, man definiert sich geradezu über seine Stellung in der Gesellschaft.
Weiters kann ich dir empfehlen (sofern du das nicht ohnehin tust) Sport zu betreiben, um deinen Körper zu "spüren". Das festigt imo die eigene Identität enorm und hilft das Selbstwertgefühl zu verbessern und ist quasi ein Pendant zum nerdigen Onlinepokern.
Zu guter Letzt noch ein Rat: Versuch eher nicht, dein Spiel einzuschränken, indem du dir bewusst zeitliche Limits auferlegst. Das is destruktiv und erzeugt ein Gefühl des Verlusts.
Imo ist es viel besser, sich konstruktiv zu anderen (obengenannten) Dingen zu motivieren und darin bewusst seine Zeit zu investieren.
OK, jetz hab ich grade etwas viel Zeit in den Post hier investiert
, hoff, es hat irgendwie geholfen,
MfG
TheBigBadBuzibaer