Strategen im Strampelanzug
Immer wenn mir ganz langweilig wird, ich meine ganz langweilig, schau ich mal ins Forum von Pokerstrategie, bei den Strategen im Strampelanzug. Obwohl ich einige persönlich kenne und schätze, ist doch einiges was man hier zu lesen bekommt, einfach zum wegschmeißen. Ich gebe zu, ich hatte schon Bedenken, dass hier eine Gruppe von Spielern heranwächst die uns das Leben schwer machen könnte. Meine Befürchtungen sind unbegründet. Mittlerweile lässt man auch seinem Ärger freien Lauf: Herr Pokkerstar87KA: „So ein Scheiße habe ich noch nie gesehen.“ Er hat gegen einen 1 outer verloren, ja stell dir das mal vor. Na, na, ist doch alles nur Varianz, und überhaupt denk an die Samplesize, du Donk.
Das Geilste sind aber die Kommentare zu Gus Hansens Buch. Zuerst werden 3 Seiten darüber diskutiert wo man das Buch 1 Euro billiger bekommt, mit der vielzitierten Bankroll scheints ja nicht so weit her zu sein, dann zerreißt man das Buch, obwohl er doch beschreibt wie er die Aussie Millions gewonnen hat. Die Mathematiker ohne Moos vermissen den mathematischen Hintergrund, na stell dir vor, vielleicht ist der auch nicht soooo wichtig, ist euch der Gedanke schon mal gekommen. Nö, natürlich nicht. Ist auch gut so. Einige sind halt lernresistent, beste Voraussetzung für eine Fischzucht. Da setzt sich tatsächlich einer hin, er nennt sich „Moderator“ ein Herr „Hazz“: „der theoretische teil ist nen witz und sonst auch nix spannendes.“
Ich vermute ja dass es sich um dieselben handelt die man auch als „Railbirds“ kennt, eine Vogelart die man im übrigen zum Abschuss freigeben sollte. Schonzeit haben die nicht verdient, denn zur Fortpflanzung taugen sie eh nicht. Gestern zerrissen sie sich die Mäuler in einer Partie Ivey gegen Durrrr (man behauptet es wäre Tom Dwan, aber wer weiß das schon). Höhepunkt waren die Kommentare von aka „ichbineinvolltrottel“ und aka „ichauch“, die ihr mathematisch bis ins Detail ausgeklügeltes Spiel im 5cent Bereich mit denen der beiden Highrollers verglichen. Interessant für mich ist es das es tatsächlich keinen erfolgreichen Spieler weltweit gibt den man nicht in den Dreck zieht. Aber zurück zu Gus Hansens Buch. Ich bin weder an den Einnahmen beteiligt, noch sind wir befreundet, aber wenn jemand wie er sein eigenes Turnier dokumentiert, man kann darüber streiten ob das schlau ist, dann interessiert mich in erster Linie wie er denkt und nicht ob er meiner Meinung nach „richtig,“ was immer das sein soll, gespielt hat. Denn, was meiner Meinung nach richtig ist, oder nach Meinung eines selbsternannten Moderators, ist doch falsch, sonst hätte einer von uns und nicht Gus gewonnen. Ich weiß, jetzt lachen sich die Internetlegastheniker kaputt über diese Aussage, denn in ihrem Mikrokosmos ist richtig immer richtig und falsch immer falsch. Wenn es wenigstens jemand sagen würde der selber Ahnung hätte, aber nein, da setzt sich ein „Moderator“ (keine Ahnung was das sein soll) hin, der unter einem Pseudonym 20 Tische eines pokerähnlichen Spiels gleichzeitig bearbeitet, und will uns erzählen wie es auf hoher See zugeht, dabei planscht er selber noch in der Badewanne. Er hat 20 Quietschentchen die er gleichzeitig schwimmen lässt, ich gebe zu, das können nicht viele, ich jedenfalls nicht, aber mit der Seefahrt hat das nichts zu tun.
http://www.overcards.de/2008/09/14/strategen-im-strampelanzug/