Wenn man implied Odds abschätzen will, muss man auch eventuelle reversed implied Odds berücksichtigen. Dabei geht es auch um die Wahrscheinlichkeit, mit der man zusätzliche Bets gewinnt oder verliert. Die Rechnung hängt damit unmittelbar mit der Equity zusammen. Da der Vorteil am Turn doch beträchtlich ist, wirst du deutlich seltener mehr Bets verlieren als gewinnen.
Wäre der Vorteil knapper, wäre der Call wegen der reversed implied Odds durchaus fragwürdig.
In den Microlimits ist es wahrscheinlich noch nicht sehr von Belang, wenn man auf Aggression des Gegners schon am Flop tight foldet. Die Gegner passen ihr Spiel selten auf bestimmte Schwächen an. Hat man einen Gegner, der sich anpassen kann, dann kann es sinnvoll sein, am Flop einmal öfter in knappen Situationen zu callen. Zum einen verhindert das unmittelbar eine zu häufige 3-bet preflop, da der Gegner dann mindestens eine Turnbet braucht, um den Pot zu gewinnen. Damit muss er 2,5 BB investieren (3-bet preflop, Contibet Flop, Contibet Turn), um einen 1,75 BB grossen Pot zu gewinnen, was viel schlechtere Odds sind als die 1,5 BB für 3-bet Flop Contibet Turn. Zum anderen wird durch häufigere 3-Bets auch die Equity des Gegners schlechter, weil er sie zwangsläufig mit einer schlechteren Range machen muss. Damit wird deine Equity wieder besser und damit auch deine Calls.
Beispiel: Nehmen wir an, der Gegner 3-bettet looser als im Chart und nimmt noch 66, A8s, A9o und KQ dazu. Das öffnet die Range des Gegners nur um ca. 2%, verbessert aber deine Equity am Turn (also deine Outs) deutlich:
Board: 7h3c2s td
Dead:
.................Equity...... Hand
Spieler 1: 69.604 % 69.604 % 0.000 % 30.396 % JhTc
Spieler 2: 30.396 % 66+, A8s+, KQs, A9o+, KQo
Mit einem J hättest du sogar 72% Equity.
Das gilt aber nur für knappe Calls. Hoffnungslose Hände sollten weiter am Flop gefoldet werden. Die Chance, den Pot noch zu gewinnen ist zu gering. In einem Axx Flop bringt es nichts, mit JT weiterzuspielen.