Original von CallYaDown83
Vielleicht bleibe ich ja einfach dusselig, aber in dieser konkreten Hand sehen es einige als Fehler an, dass ich einfach nur gecallt habe, andere sagen, es waere Richtig, der Fehler laege darin, dass ich mir Gedanken darueber gemacht habe, dass eine 3Bet evtl. in Frage gekommen waere fuer mich.
Moment. Da wir gegen Unknown spielen, kann sowohl die 3b als auch der coldcall +EV sein. Allerdings ist die Argumentation, auf die sich die notorischen 3better hier stützen mehr als wackelig.
Es liegen keine klaren Gründe vor, wieso wir davon ausgehen können TT hier for value zu 3betten, sprich das wir eine value3bet haben. Wir können natürlich raten das V hier 88-99, AT-AQ auf unsere 3bet called - aber das ist in den meisten Fällen leider nicht so. Vor allem nicht wenn V auf die ersten 172 Hände 16/13 spielt. Dann spricht das eher dagegen.
Nun halten wir gegen einen tighten (daher auch vermutlich tight auf 3b's - davon müssen wir nun halt einfach ausgehen, weil er die Tendenz zeigt [ich weiß, dass sind keine Stats über's 3b Verhalten, aber was anderes haben wir ja nun nicht]) Gegner TT, die gegen seine openraisingrange noch sehr gut dasteht.
Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten:
- 3bet
- coldcall
(fold scheidet wohl aus ;))
coldcallen wir, behalten wir seine gesamte Range in der Hand, sodass wir - zwar OOP und ohne Initiative - gegen seine sehr weite, schwache Range einen mittelgroßen raised Pot spielen können.
3betten wir, verkleinern wir seine Range und turnen unsere Hand in einen Bluff. Er wird hier vermutlich nichts schlechteres callen, da er preflop eben sehr tight agiert. Dann spielen wir also einen großen 3b-Pot gegen eine stärkere Range als unsere Hand ist und sind trotzdem OOP. Man muss sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen, dass TT gegen einen tighten V im 3b Pot nahezu die gleiche Equity hat wie 22-99. Denn V wird hier keine schlechteren Pockets callen und gegen AK z.B. stehen wir mit 22 genauso da wie mit TT Equitytechnisch. Des Weiteren werden Fehler, die wir gegen die stärkere Range von V durch unsere 3bet machen können, natürlich wesentlich teurer, da der Pot schon riesig ist. Von nem fold gegen eine 4bet von AK ganz zu schweigen, wir 3betten und droppen die beste Hand auf eine 4bet (Ich weiß, wir spielen gegen eine Range, trotzdem stellt diese Einzelsituation einen fundamentalen Pokerfehler dar).
Das bedeutet, wir 3betten TT hier nur noch wegen der FEQ der 3bet und evtl. noch wegen der FEQ der cbet. Das kann aber kein Grund sein. TT hat hier hervorragendes Postfloppotenzial gegen seine weite openraisingrange.
Aus FEQ-Gründen kannste dann ja auch T9s 3betten.
Ich sage nicht das die 3b mit TT hier ein großer Fehler ist oder sonstwas, aber max. EV ist die 3b sicher nicht. Wer sich das Postflopplay nicht zutraut, soll hier von mir aus 3betten. Auf NL4 mag das noch ein guter Spielzug sein, keine Ahnung. Aber damit ist auf späteren Limits Schluss, sonst kann es teuer werden.
Original von CallYaDown83
Ich versuche nochmal zusammenzufassen, was bis jetzt fuer, und was gegen eine 3Bet spricht (einfach als Liste, ohne Wertung).
Pro 3Bet:
- man erzeugt FoldEquity --> Man gewinnt preflop
- man kann den Pot am Flop unimproved mit einer CBet mitnehmen
- das postflop-Spiel wird einfacher (ist denke ich gerade fuer Anfaenger nicht unerheblich)
- man hat die Initiative und gleicht den Positionsnachteil dadurch etwas aus
Kontra 3Bet:
- man turnt seine eigentlich starke Hand preflop in einen Bluff
- man weiss nicht, wo man gegen seine 3Bet-Calling-Range steht
- TT passt nicht, wenn man seine 3Bets polarisieren moechte
- Man spielt OOP, wenn man gecallt wird.
So. Alle dick hervorgehobenen Argumente fallen doch schlicht und ergreifend weg, dafür brauch ich nicht wie oben beschrieben eine Hand zu verwenden die gutes Potenzial gegen seine weite openraisingrange hat. Da gehts nur um FEQ, die habe ich mit jeder Hand, er weiß ja nicht das wir TT 3betten, AA oder 72o.
Unterstrichen habe ich den dritten Punkt weil ich das eben etwas anders sehe. Wenn wir unsere Hand in einen Bluff turnen, liegen wir mit unserer Hand gegen seine Range hinten. Zudem ist der Pot nach der 3b riesengroß, wir sind OOP und nach einer 2nd Barrel schon AI wegen der Potgröße. Selbst die cbets sind teuer.
Und da soll man jetzt Postflop weniger Fehler machen als im raised Pot, wenn man nur called? Naja ich weiß nicht
Original von CallYaDown83
Das sind im Prinzip 4 Argumente fuer und 4 Argumente gegen eine 3Bet. Ich weiss nicht, ob es uns fuer diesen konkreten Fall weiter bringt, wenn ich noch mehr Stats zu Villain poste, wie Call3Bet (29% overall/33% aus LP), 4Bet (0%), Fold to CBet (0%), Attempt to Steal (34% aus LP), etc. Alles halt auf die paar Haende.
Ich verstehe ja eure Argumente alle, auch dass ich nicht von seiner PFR ausgehen darf in LP oder seiner Stealrange, sondern von seiner Call3Bet-Range. Aber wenn ich das mal ueberschlage, dann bin ich mit TT noch knapp 65:35 Favorit, womit es wieder eine Value-3Bet waere, oder? Selbst wenn ich seine overall-3BetCall-Range nehme verschiebt sich das Verhaeltnis nur um 2 oder 3 Prozent zu seinen Gunsten, oder nicht?
An dieser Stelle noch ne ernsthafte Frage: Wenn man Bluff3Bets und Value3Bets deutlich voneinander trennen sollte, wie gross sollte die Favoritenrolle denn sein? Oder wird das gar nicht an Villains Range gemessen?
Die Werte bringen wenig, da die Samplesize zu gering ist. Okay, dann verrat mir doch mal welche Hände du V auf eine 3b deinerseits callen siehst und welche du 4betten siehst. Dann sehen wir ja, wie du dagegen stehst.
Wie groß die Anteile "value" und "bluff" bei deinen 3bets sein sollte, ist völlig Gegnerabhängig und per default nicht zu beantworten. Auf NL4 solltest du bluff3bets aus deinem Repertoire streichen und nur absolute Valuehände ala QQ+, AK 3betten imo. Damit machst du nahezu nie einen Fehler.
Original von CallYaDown83
Das Hauptargument, was hier immer wieder angebracht wird, ist ja, dass ich meine Hand in einen Bluff verwandle, wenn ich das preflop 3Bette. Aber was mache ich denn, wenn ich am Flop auf ein oder zwei der vielen Karten treffe, die ich nicht sehen moechte? Dann muss ich meine eigentlich starke Hand aufgeben, oder ich turne sie jetzt in einen Bluff. TT hat ja nunmal die Problematik, dass sie preflop recht stark ist, aber ab dem Flop enorm an Wert verliert, wenn man nicht improved. Ich tu mich da immer noch n bisl schwer.
Ausserdem steht doch ueberall, dass man seine guten Haende aggresiv spielen soll. Und TT im Blinddefense ist ja nun mal keine schwache Hand.
Und genau hier beginnt das Spiel. Es geht nun darum, die Boardtexturen zu analysieren. Wie hat seine vermutliche openraisingrange dieses und jenes Board gehittet, wie viele Combos TP macht er auf dieser Boardtextur? Welche Boards hat er selten getroffen? Welche Karten wird er vermutlich mit Air doublebarreln usw.
Hier beginnt halt das Spiel, solche Hände immer wieder besprechen und ins HB-Forum stellen, wie du es getan hast!
Natürlich ist TT im Blindbattle keine schlechte Hand. Aber wenn du davon ausgehen musst das V keine schlechteren Hände auf deine 3b called, ist die 3b ein bluff. Und dafür brauchst du keine starke Hand verschwenden.
Original von oers
wie gesagt, ich halte oop nichts von polarisiert 3betten ohne read, dass er viel auf die 3bet oder cbet foldet
Wenn du diesen Read nicht hast, hat es sowieso keinen Sinn etwas anderes als seine absolute value3bet-Range zu 3betten.