Original von hoosen44
Hey paetrick,
War ja klar, dass du meine sprache verstehst :-) solltest imo coachings geben :-)
Ich wäre dir sehr sehr dankbar, wenn du mir deine antwort auf die verschiedenen openraisingranges geben könntest...
Danke für die netten Worte, aber das was ich schreibe bitte auch immer mit Vorsicht genießen! Bin auch nur nen Lowstakes-MTTler und mache genügend Fehler. 180er spiele ich btw nicht, daher hab ich da jetzt auch nicht wirklich Ahnung, was die speziellen Unterschiede zu normalen MTTs angeht.
Zu deinen Fragen:
Es ist grundsätzlich schwer, eine generelle Openraising Range festzulegen. Erstmal wichtig wäre die Frage, um welche Stacksizes es sich handelt.
Tendenziell wird man wohl AJ wohl auch +EV spielen können mMn aus UTG, zumindest AJs. Gerade bei shorteren Stacksizes sollte AJ wohl ein besserer Openraise werden als z.B. 66 oder 77, weil wir all diese Hände openraise/folden werden gegen 3Bets, AJ aber zumindest ein paar Blocker gegen 3Bet Ranges hat. Außerdem hat AJ schätzungsweise einen höheren Realisierungsfaktor/bessere Playability oop als kleine pocket pairs, wenn wir geflattet werden. Je deeper, desto besser werden natürlich die kleineren pairs durch ihre Implieds und desto schlechter wird eine Hand wie AJo.
75-100 BB deep würde ich UTG wohl sowas AQ+, 66/77+, KQs, QJs, JTs openraisen, je nach Stärke der Gegner dann etwas looser/tighter.
Um die 50 BB deep kann man dann AJ denke ich auf jeden Fall mit reinnehmen (an manchen Tischen eben auch ATs).
Wenn man unter 30 BB rutscht, würde ich AJ außer an sehr aggressiven Tischen denke ich immer openraisen und eher mal 66/77 folden, wenn wir damit eh keine Reshoves callen können. Sowas wie JTs sollte man dann wohl auch eher folden, wenn der Tisch nicht besonders tight ist.
Das wären meine Ranges gaaanz grob, ich hoffe die sind soweit einigermaßen reasonable - starre Ranges sollte man ja eh nicht spielen, geht eher darum zu verstehen, wann man aufloosen sollte und welche Hände wann mehr Sinn machen.
Was Callranges/3Bet Ranges angeht sind wichtige Fragen mMn:
Dominiere ich mit Hand X viel aus Villains Opening-Range? Habe ich gute Implieds und sind die Stacks deep genug um spekulative Hände zu spielen? Was called Villain vs 3Bet? Dominiere ich mit Hand X auch noch einen großen Teil aus dieser Range? Wichtig bei Bluff 3Bets sind natürlich auch noch Blockereffekte.
Erstmal zum Thema Callranges:
Was wir alles +EV callen können, ist ein bisschen Erfahrungssache (anbieten würde sich bei geeigneter Sample, deine Datenbank nach solchen Spots zu filtern und einfach nachzuschauen, mit welchen Händen du +EV gespielt hast). Faktoren pro Call sind halt wie oben angedeutet neben der bloßen Equity Hand vs Range 1. Domination gegen Villains Range und 2. gute Implieds.
Ich würde jetzt 50 BB deep z.B. nicht any pocket pair gegen gute Regs flatten, nur weil wir die Call20-Regel damit befolgen. Gute Regs werden uns seltener auszahlen und kleine pocket pairs werden auch ip kaum Equity realisieren, weil wir quasi nie Equity haben um zu floaten. Gegen schwache Gegner kann man aber z.B. sehr loose auf Implieds callen mit solchen Händen.
Ansonsten würde ich KQo z.B. callen, wenn du denkst, dass Villain KT+, QT+ etc openraised, weil du dann vieles dominierst und gegen andere Teile seiner Range (z.B. pockets bis JJ, suited connectors) ip wohl recht gut deine Equity realisieren kannst. Wenn Villain eine recht tighte Range hat und meinetwegen nur KJs+, QJs+ openraised, solltest du schon eher über (Bluff)3Bet mit KQo nachdenken. Das ist oft ein recht schmaler Grat.
Wir wollen uns mit 3Bets nicht gegen stärkere Ranges isolieren, so dass Villain einfach alles schwächere folden kann und nur stärkeres called. Genau deswegen finde ich z.B. eine 3Bet mit AK gegen UTG Openraise nicht so prickelnd - AJ/AQ wird immer folden, wir bringens nur gegen JJ/QQ+ rein. Der einzig positive Effekt wäre hier, dass 88-TT folden.
Gegen CO/BU wird das Ganze dann nochmal etwas komplizierter, da es hier ja vor allem um Blind Defense geht. Hier liegt wahrscheinlich auch das meiste Geld.
Im BB wollen wir generell sehr viel passiv defenden, gerade mit Ante und den dadurch fantastischen Odds. Wir kriegen oft Odds von < 20%, und sogar 72o hat gegen CO/BU Ranges deutlich über 20% Equity. Aber: Wir spielen dann auch oop und ohne Initiative, was unsere Equityrealisierung deutlich verschlechtert. Hier kann ich jetzt keine konkreten Zahlen nennen, da ich da selber noch recht unbewandert bin. Der Realisierungsfaktor ist abhängig von deiner Spielstärke, der deines Gegners, den Positionen, Stacksizes und deiner Hand - eine Hand wie 72o wird wohl deutlich unter 50% Equity realisieren, da wir damit quasi nie gute made hands oder Draws floppen. JTs dagegen wird schon deutlich besser Equity realisieren, das nur mal als Beispiel.
Als Faustregel für den BB kann man nehmen: Alles, was du +EV callen kannst, solltest du erstmal callen. Dann überlegst du dir, welche Hände du for Value 3betten kannst - sprich also ganz grob, gegen welche deiner Hände called Villain noch genügend schwächeres/was kannst du profitabel broken etc. Wir 3betten im BB polarisiert, also solltest du in deine Bluff 3Bet Range solche Hände aufnehmen, die im Call ungefähr breakeven sind oder knapp -EV -> also Top Folding Range bluff3betten. Das könnten dann zB im BB vs CO Hände sein wie K2s oder 74s, nur mal als grobes Bsp.
Es gibt auch Konzepte, seine Value-3Bet-Range zu erweitern im BB, da Hände wie AJ (die man eigtl callen würde) als 3Bet evtl etwas besser spielen, da sollte man aber wohl erstmal ein gewisses Grundgefühl bekommen und je nach Gegner adapten.
Bzgl. SB Defend vs CO/BU:
Im CG Reg vs Reg sind hier lineare 3Bet Ranges Standard. Grund: Wir closen im SB die Action nicht + unsere Calling Range im SB ist sehr capped -> wir werden sehr anfällig gegen Squeezes des BB, der außerdem auch sehr profitabel mit weiter Range overcallen kann. Weiterhin ist unsere capped Range natürlich attackierbar.
Diese Argumente gelten in MTTs natürlich auch. Allerdings sollte man immer überlegen, wer denn jetzt der Openraiser ist und wer im BB sitzt. Wenn der BB kaum bluffsqueezed, sind diese Argumente vs Flatcall im SB schon mal etwas hinfällig. Je nach Gegner sollte man dann eben eher linear 3betten oder eher polarisiert 3betten. Zu (blufflastig) polarisiert würde ich im SB jedenfalls nicht 3betten, wir sind immer komplett oop und sollten deshalb andere Spots suchen, um z.B. zu hohe Fold to 3Bet Werte zu exploiten.
Wir wollen oop jedenfalls immer eher Hände mit Playability 3betten, die Ausnahme wären dann shortere Stacks, wo man weniger Calls auf 3Bets erwartet und daher eher Blockierhände (wie Ax/Kx) nehmen kann.
So, das war eine Menge Gelaber. Hoffe, dass ein bisschen davon hilfreich ist, vieles wirst du eh schon gewusst haben. Falls ich viel Mist geschrieben habe, wie immer bitte korrigieren.
Edit bzgl. Gap zwischen VPIP/PFR:
Würde darauf jetzt nicht übermäßig achten. Klar sollte dein VPIP nicht doppelt so hoch sein wie dein PFR, aber ich denke dass man auch mit einer kleinen Gap noch sehr solide spielen kann. Ein Großteil der Gap sollte natürlich aus gutem (und damit relativ weitem) Passiv Defend des BB kommen, aber man darf natürlich auch BU vs CO bspw. eine ganze Menge Hände flatten.