Zum Forum springen
Antichrist - verstö...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

[Geschlossen] Antichrist - verstörender Scheiß !

17 Beiträge
14 Benutzer
0 Reactions
8,609 Ansichten

Hab mir den grade reingezogen und ich muss sagen, dass der Film doch nicht ganz das ist, was ich mir unter dem Titel vorgestellt habe.

Was haltet ihr von dem Film? - Schrott? Kunst? Echter Horror?

Was denkt ihr, worum es geht?

Erstmal ist es definitiv kein Popcornkino, sondern ein sehr anspruchsvoller Film. 0815 Schockmomente zum Erschrecken gibt es keine, trotzdem haben mich viele Stellen sehr geschockt. Die Aufmachung des Films fokussiert die Intimität zwischen Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg und so kann man sich den teilweise happigen Gewaltszenen nur schwer entziehen und leidet richtig übel mit.

Zur Handlung sag ich mal nichts, weil ich nicht weiß, wie die Spoilerfunktion zum Drüberfahren funktioniert.

Mir stellt sich halt nur am Ende die Frage, worum es eigentlich geht. Ich hatte den Eindruck, Lars von Trier hat den Film so zugeknallt mit möglichen Symbolen, dass man eine perfekte Interpretation gar nicht liefern kann. Abschließende Bewertung mag ich gar nicht geben, weil ich echt nicht weiß, was ich vom Film halten soll. Aber allein die Tatsache, dass ich jetzt hier noch sitze und wirklich intensiv drüber nachdenke, welche möglichen Interpretationen es geben mag, spricht eigentlich für den Film.

Whatever, lasst eure Meinung hier.
Bin schon gespannt, was so kommt, weils sicherlich ein Film ist, der polarisiert.

Mit freundlichen Grüßen
IgorTheTigor


16 Antworten

uploade mal ,ich kenne den noch nicht


GoreHound
Beigetreten: 29.07.2006
Oldschool Grinder

Original von TheDog86
uploade mal ,ich kenne den noch nicht

Google sollte man doch wohl noch selber benutzen können. Hier im Forum bitte keine illegalen Downloads u.ä.

Ich zieh ihn mir (wie im andern Thread gesagt) heut/morgen rein, bin sehr gespannt, rezensionen,bilder,kritiken lassen ja einiges erwarten.


Awesomeness
Beigetreten: 25.08.2008
Oldschool Grinder

Hab ja schon im zuletzt gesehn-Thread was geschrieben:

Unfassbar intensiv, kompromisslos, abstoßend, genial. Wer mit "extremen" Filmen, wie Irreversible o. Martyrs was anfangen kann, sollte sich den Film auf jeden Fall anschauen. Lars von Trier ergründet die tiefsten Abgründe des Menschen und Charlotte Gainsbourg schafft es diese darzustellen. Ein Film, der sicherlich noch in 20 Jahren polarisieren wird. Am besten möglichst wenig über den Film lesen, bevor man ihn guckt, um sich dann wirklich eine eigene Meinung bilden zu können. Von mir gibts 9/10.

Spoiler

Zur Thematik: Primär geht es natürlich um die Psyche der Frau. Dass die auch vor dem Tod ihres Kindes nicht richtig getickt hat, merkt man ja an den alten Fotos, wo das Kind die Schuhe immer falschrum anhatte(Münchhausen-Syndrom) und an dem flashback, wo sie die ganze Zeit Kinderschreie hört, das Kind aber ganz ruhig spielt: Angst als Mutter nicht mehr gebraucht zu werden. Als das Kind stirbt, verliert sie dann einfach jeglichen Grund für ihre Existenz und dreht halt nach und nach völlig durch.

Die Natur ist auch ein wichtiges Motiv. Diese wird als extrem bösartig dargestellt ("chaos reigns") und bietet so das perfekte Umfeld für die Handlung.


_Anonymous_ Themenstarter
_Anonymous_

Wie funktioniert die Spoilerfunktion denn jetzt? oder gibts das hier gar ned?
Ansonsten warn ich schon mal vo

@Awesomeness

SPOILER

Das erklärt aber nicht, warum Dafoe die drei Tiere sieht. Die gehören ja zum ganzen Hexenverbrennungskomplex. Was sind das eigentlich für Leute, die am Ende des Films den Hügel hochgelaufen kommen und um ihn herumströmen? Das hab ich echt nicht geschnallt. Gab ja mehrere Szenen, in denen man auf einmal überall Leichen hat rumliegen sehen. Ist wohl in Anlehnung an mittelalterliche Darstellungen der Hölle. Aber was ist die Aussage? Der Garten Eden ist in Wirklichkeit die Hölle?

Ach und außerdem: Ist beim Münchhausen-Syndrom nicht vorsetzliches Handeln von Nöten? D.h. sie müsste dem Kind die Schuhe eigentlich absichtlich falsch rum angezogen haben, aber ich hab es jetzt so verstanden, dass sie das gar nicht bewusst gemacht hat.


Thurisaz
Beigetreten: 15.07.2006
PokerStrategist

Ne, sowas gibts hier leider nicht. Aber Text unsichtbar machen kannste damit:

[color=#eaeaea]Text[/color]

Thurisaz


sCawn
Beigetreten: 19.03.2005
Elite Grinder

kann mal bitte einer den schluss interpretieren. hab nicht die geringste ahnung was der soll.


Original von IgorTheTigor
Mir stellt sich halt nur am Ende die Frage, worum es eigentlich geht. Ich hatte den Eindruck, Lars von Trier hat den Film so zugeknallt mit möglichen Symbolen,

Wie immer also?


GoreHound
Beigetreten: 29.07.2006
Oldschool Grinder

Soeben gesehen, weiß auch (noch) nicht wirklich was ich davon halten soll.
Erstmal: Sehr schön inszenierter Prolog+Epilog

Die ersten 2/3 vom Film hab ich mich gefragt, wann das so groß angekündigte Kontroverse mal eintreffen wird, dann ging es los.

Natürlich von vorne bis hinten mit Interpretationsmöglichkeiten gespickt.

Ich lasse ihn jetzt erstmal auf mich wirken, glaub kann den gar nicht so wirklich bewerten.

Spoiler:
Die Klitoris-Szene war böse :/


Original von Awesomeness

Spoiler

Zur Thematik: Primär geht es natürlich um die Psyche der Frau. Dass die auch vor dem Tod ihres Kindes nicht richtig getickt hat, merkt man ja an den alten Fotos, wo das Kind die Schuhe immer falschrum anhatte(Münchhausen-Syndrom)

versteh den zusammenhang von den schuhen und dem münchhausen-syndrom nicht wirklich, was meinst du da genau? ausserem scheints ja mehr richtung borderline zu gehen?

und an dem flashback, wo sie die ganze Zeit Kinderschreie hört, das Kind aber ganz ruhig spielt (...)

oder das kind schreit und sie bildet sich das ruhige spielen nur ein? in einem flashback sieht man wie das kind schreit, während sie die schuhe falsch anzieht, sie selbst sagt aber, dass sie das gar nicht bemerkt hat.


Azathoth
Beigetreten: 09.02.2007
Elite Grinder

hab den Film gestern gesehen, geht ja wirklich gut ab am Ende

zumindest haben wir gelernt (wobei die Älteren es wahrscheinlich auch schon wussten), dass Frauen böse sind :)

Letztlich steht für mich aber v.a. ratio vs Natur im Mittelpunkt (verpackt mit ganz viel mythischem Brimborium). Und die Natur gewinnt.
Natur ist die Bezeichnung, die im Film genannt wird, verbreiteter wär an sich der Begriff "Triebe". Der wesentliche Trieb des Menschen ist Sex und auf diesen wird ja oft genug ein Bezug hergestellt. Zusätzlich kommt dann noch der Mutterinstikt, wie Awesomeness verständlich dargelegt hat. Hinzu kommen dann noch die Ängste, man könnte sogar sagen, dass alle 3 beggars (weiß von euch wer, worauf die sich beziehen? in der Kapitelüberschrift ist 3 ja ausgebessert, worauf ist dies eine Referenz?) dem menschlichen Instinkt/Trieb/der Natur entsprechen.
Sehr gut kommt dieses Thema beim Rollenspiel "ich = Natur, du = Ratio" raus.

Und wie gesagt: die Natur gewinnt, "chaos reigns" und (eine für mich wesentlich Aussage) die Psychologie versagt bzw. kommt gegen die menschlichen Urinstinkte nicht an. Die ganzen Therapie basiert auf gängigen Verfahren (nur würde man üblicherweise bei ner Angststörung nicht mit dem Erschreckendsten, sondern mit etwas moderatem beginnen), scheitert aber grandios.


Azathoth
Beigetreten: 09.02.2007
Elite Grinder

grab den thread mal aus, vielleicht hat noch wer Lust, bisschen drüber zu diskutieren.

Original von DesertSession
Sorry, dass dieser Beitrag etwas länger ausfällt, aber wenn ich über den folgenden Film etwas schreiben möchte, dann kann ich das unmöglich in 3 Absätzen machen. Wem es zu lang ist, einfach ignorieren. =)

Antichrist

Man man man, was für ein Film. Ich habe bisher 3 weitere Filme von Lars von Trier gesehen, wovon ich zumindest "Dancer in the Dark" und "Dogville" als sehr gut einstufen würde. Einfach zu verdauen war jedoch keiner seiner Filme und obwohl ich versucht habe, möglichst wenig über Antichrist zu lesen und sämtliche Diskussionen hier im Forum diesbezüglich mehr oder weniger ausgeblendet habe, war mir schon relativ bewusst, dass dieser Film wohl noch einmal eine ganz andere Nummer werden wird. Aber auf so einen Film war ich trotz allem dann nicht wirklich vorbereitet.

Um ihn vollkommen verstehen und interpretieren zu können, müsste ich ihn mir wahrscheinlich noch mindestens zweimal ansehen und zusätzlich wohl auch noch einiges an Sekundärlitertatur lesen, da ich mir sicher bin, dass mir bei den ganzen Metaphern und Anspielungen einiges entgangen sein wird, weil mir das nötige Hintergrundwissen dazu schlicht und einfach fehlt. Eine komplette Analyse, die dem Film wirklich gerecht werden soll, würde zudem wohl über mindestens drei Seiten gehen, da es so viele Szenen, Einzelheiten und meist christliche Metaphern gibt, die man eigentlich dafür berücksichtigen müsste. Dadurch wirkt er teilweise sogar etwas überladen, denn auch wenn man auf den ersten Blick vielleicht manchmal den Eindruck bekommen mag, dass gerade gar nicht sonderlich viel passiert, wird doch einfach so unheimlich viel auf der Meta-Ebene erzählt. Jedes kleinste Detail ist dabei sorgsam überlegt.

Ich gebe Antichrist 9/10 Punkte, auch wenn ich hier eine so gute Bewertung eigentlich nicht gerne vergebe, da ich mich bei dem Film schon ein wenig in die Schule zurückversetzt gefühlt habe, wo ich gezwungen werde, den vorgesetzten Stoff möglichst genau mitzuverfolgen, damit ich ihn dann später auch ja vernünftig analysieren kann. Denn ohne diese Bereitschaft zur Analyse macht der Film in meinen Augen nicht wirklich Sinn.

Mein Versuch einer Interpretation:

Spoiler!!!

Ich möchte zuerst mit der Vorgeschichte einen Sommer vor der eigentlichen Handlung beginnen, wo Charlotte Gainsbourg mit ihrem Sohn nach Eden reist, um ihre Doktorarbeit über die Hexenverfolgung im Mittelalter zu schreiben. Ich vermute, dass sie vorher schon Probleme hatte, aber spätestens hier scheint sie einen psychischen Knacks mitbekommen zu haben. Sie kommt durch die Beschäftigung mit der Hexenverfolgung zu der krankhaften Überzeugung, dass Frauen grundsätzlich böse sind. Als Ursprung für dieses Böse sieht sie die im Film meist bedrohlich dargestellte 'Mutter' Natur, welche in Form einer Eiche unzähliges quasi ungeborenes oder besser kindliches Leben in Form ihrer Eicheln unnötig sterben lässt. Die Eiche fungiert hier als Synonym für den Apfelbaum aus dem Garten Eden, welcher gleichzeitig ein Symbol für die Schuld der (bösen) Frau an der Vertreibung der Menschheit aus dem Garten Eden darstellt. Aus der festen Überzeugung, dass alle Frauen böse sind, kommt sie in ihrem krankhaften Wahn zu dem unvermeintlichen Schluss, dass sie selbst als Frau auch böse sein muss, was sich in der Misshandlung ihres Sohnes widerspiegelt, welchem sie trotz erkennbarer Schmerzen die Schuhe falsch herum anzieht.

Auf der anderen Seite haben wir Willem Dafoe, welcher scheinbar die Rolle des Guten übernimmt, was allerdings nur oberflächlich gesehen der Fall ist. Er ist es, der auf der Beerdigung weinend hinter dem Sarg seines Sohnes hergeht und trauert. Der Zusammenbruch seiner Frau gibt ihm allerdings die willkommende Gelegenheit, aus der Rolle des trauernden Vaters und Ehemanns in die Rolle des außenstehenden fast unbeteiligten Psychiaters zu schlüpfen, obwohl es eigentlich gegen seine Überzeugung geht, dass ein Psychiater die eigenen Angehörigen behandelt. Er macht es zu seiner 'Mission', seine Frau zu therapieren und missbraucht sie so quasi dafür, selbst nicht leiden zu müssen. Sie fügt sich zwar, unter anderem auch weil sie sich dem Intellekt ihres Mannes unterlegen fühlt, leidet jedoch unter seiner Distanziertheit und hasst ihn im Grunde auch dafür. Sie sehnt sich nach dem ebenfalls trauernden Ehemann an ihrer Seite, kann ihm dies aber genauso wenig sagen, wie sie ihm nicht sagen konnte, dass sie ihn auf ihrer Reise nach Eden bereits an ihrer Seite gebraucht hätte. Es gab also bereits damals eine Entfremdung zwischen den beiden.

Wie sehr er seine Frau benutzt, wird dadurch deutlich, dass er sich in den unmöglichsten Momenten zum Sex mit ihr einlässt, obwohl ihm als Psychiater mehr als klar sein muss, dass sie damit einzig und allein das Ziel verfolgt, sich selbst zu bestrafen. Er weiß ganz genau, dass dies in dieser Form schädlich für ihren Heilungsprozess ist, denn immerhin ist ihr Sohn aus dem Fenster gefallen, während die beiden Sex hatten und genau dafür gibt sie sich die Schuld. Für sie ist der Sex eine Art Selbstgeisselung. Lars von Trier macht hier ganz bewusst Sex zum Thema, da dies ebenfalls eine Analogie zur Verteufelung des Geschlechtverkehrs durch die Kirche vor allem im Mittelalter darstellt. Schlussendlich treibt er dies so weit ins Extrem, dass die Selbstgeisselung als ultimative Bestrafung schließlich in der Verstümmelung der Klitoris gipfelt.

Als es seiner Frau kurzzeitig wieder besser geht, wird an der kühlen Reaktion des Mannes endgültig klar, dass es ihm inzwischen nicht mehr um die Genesung seiner Frau geht. Anstatt sich mit ihr zu freuen, ist er in erster Linie darauf fixiert, die Therapie weiter fortzusetzen und entblößt dadurch endgültig die hässliche Fratze des Inquisitors, der im übertragenem Sinne unter falschen Vorwänden eine Hetzkampagnie gegen die Hexe (seine Frau) führt.

Als er dann schließlich den Brief vom Krankenhaus öffnet und erfährt, dass sein Sohn ältere Misshandlungen an den Füßen aufweist, wird ihm schlagartig klar, dass die Probleme seiner Frau schon weit vor dem Tod des Sohnes bestanden haben und dass er durch seine innere Distanz zu seiner Frau und auch seinem Sohn gegenüber eine Mitschuld an dem ganzen Szenario trägt. Zum ersten Mal seit der Beerdigung kann er sein Leid nicht mehr unterdrücken und steht elendig vor dem Haus in einem Hagel von Eicheln. In dieser düsteren Szene wird er selbst zum Antichrist, denn obwohl ihm nun die ganze Situaton bewusst wird, weicht er nicht von seinem Pfad ab. Es gab ja gerade im Mittelalter die kirchliche Auffassung, dass der Teufel sein Antlitz verbergen kann und dich in dem Glauben lässt, dass er gutes im Sinn hat und genauso führt der Mann seine Therapie fort, unter dem Vorwand dies zum Wohle seiner Frau zu machen.

In ihrer Hilflosigkeit wird das Böse in der Frau immer stärker und sie wird immer mehr zu dem, für was sie sich eh schon längst hält. Ihre Gewalt gegen ihren Mann ist aber im Endeffekt nichts weiteres als ein weiterer Hilfeschrei. So zerschmettert sie ihm die Genitalien, da er ebenfalls am Sex beteiligt war, als ihr Sohn starb. Unbewusst möchte sie ihn dadurch dazu zwingen, ebenfalls Verantwortung für den Tod des Sohnes zu übernehmen und sie mit dieser Last nicht alleine zu lassen. Außerdem schraubt sie ihm eine Art Fußfessel an bzw. in das Bein und so grausam dies auch wirkt, im Endeffekt will sie nur, dass er bei ihr bleibt und zwar nicht als unterkühlter Psychiater, der sie von oben herab behandelt, sondern als liebender, tröstender und ebenfalls leidender Ehemann, der sich ihr öffnet und sie mit einbezieht. Er ist dazu aber nicht fähig, sondern verbrennt sie schließlich auf dem Scheiterhaufen.

Ganz wichtig sind auch noch die drei Bettler, deren Bedeutung man ganz gut mit dem 2x gezeigten Sternenbild erklären kann:

Der zerfleischte Fuchs steht für den Schmerz (Pain) des Mannes, der innerlich von seinem eigenen Schmerz aufgefressen wird. Das er sich dies nicht eingestehen möchte, zeigt sich noch einmal, als er dem Fuchs im Wald begegnet, und sich angewiedert abwendet.

Das schutzlose Reh, welches ein totgeborenes Junges mit sich herumschleppt, steht für die Trauer (Grief) der Frau. Sie muss die Last des Todes ihres Sohnes ganz alleine tragen und wird dabei von ihrem Mann im Stich gelassen.

Schließlich noch der Rabe, welcher für Verzweiflung/Hoffnungslosigkeit (Despair) steht. Ich bin nicht wirklich sicher, aber da der Mann trotz aller Brutalität vergeblich versucht, den Raben zu töten, könnte dies entweder für die Hoffnungslosigkeit der Therapieversuche oder evtl. die Verzweiflung der Frau oder der beiden zusammen darstellen.

Außerdem gibt es auf dem Sternenbild oben noch einen vierten Begriff. Coreus oder so ähnlich. Das Wort gibts aber anscheinend im Englischen nicht, kann das jemand richtig lesen?

Interessant finde ich auch noch, dass die drei Bettler als Metapher für die heiligen drei Könige gelten, welche ja normaler Weise zur Geburt von Jesus kommen, jedoch in diesem Fall nicht ein Neugeborenes, sondern stattdessen eine genital verstümmelte Frau aufsuchen, die ihr Kind bereits verloren hat. Durch ihre Ankunft wird schließlich die Ermordung dieser durch den Antichrist herbeigeführt, welcher nun Schmerz, Trauer und Verzweiflung - also die Wahrheit - in Form der drei Bettler ganz deutlich sieht, aber dennoch den Mord an seiner Frau begeht. In gewisser Weise handelt es sich hier also um das Negativ der Weihnachtsgeschichte.

Den Epilog mit den vielen gesichtslosen Frauen kann ich noch nicht so richtig einordnen. Jemand da vielleicht eine Idee?
Woher kommt mir das Bild mit den Leichen bzw. Körpern unter den riesigen Baumwurzeln bekannt vor? Hat doch auch irgendeinen kirchlichen Hintergrund oder?
Außerdem gehe ich davon aus, dass Fuchs, Reh und Rabe nicht zufällig als die drei Bettler ausgewählt wurden. Kennt da jemand eventuell einen mythologischen Hintergrund, der passen könnte?

Ende des Spoilers

Oh man, jetzt ist das Ding noch mal doppelt so lang geworden, wie geplant, aber wenn man bei diesem Film erst einmal anfängt zu analysieren, dann fallen einem echt immer wieder neue Aspekte auf. Ich hoffe, dass man meine Gedankengänge einigermaßen nachvollziehen konnte und ich euch nicht zu sehr gelangweilt habe.

Original von Azathoth

Original von DesertSession
Antichrist
...

Woher kommt mir das Bild mit den Leichen bzw. Körpern unter den riesigen Baumwurzeln bekannt vor? Hat doch auch irgendeinen kirchlichen Hintergrund oder?

Baum hat mich spontan ein bisschen an Rubens "Höllensturz" erinnert...
is da ne Ähnlichkeit oder will ich da nur ne Ähnlichkeit sehen?

gleicher Titel, Gemälde von Bouts:

zumindest die gleiche Symetrie + aus dem Mittelalter und dazu die ganzen Nackedeis...

aber wie das Ende zu interpretieren ist - keine Ahnung.

Original von DesertSession
Antichrist Spoiler

@Azathoth

Ich glaube du hast Recht. Der Höllensturz könnte der Ursprung für diese Metapher im Film sein, zumindest würde das inhaltlich auch Sinn machen. Mir ist noch Sleepy Hollow eingefallen, wo dieses Motiv als Ruhestätte des kopflosen Reiters in einem ähnlichen Kontext Verwendung findet. Denke, dass es sich hier in beiden Filmen um den gleichen Ursprung handelt.

Bezüglich eines mythologischen Hintergrundes von Fuchs, Rabe und Reh bin ich inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass sie hier als Metapher betrachtet wahrscheinlich keine Verbindung haben, jedoch trotzdem sehr bewusst ausgewählt wurden.

Der Fuchs, das schlaue sprechende Fabeltier ("Chaos Reigns") - der interlektuell überlegende Mann, der schließlich zu Satan wird.

Das unschuldige Reh - die Frau, die zwar zuerst als Täterin erscheint, aber in Wirklichkeit das Opfer ist. Dies zeigt sich am Ende noch einmal, als sie ihre Waffe fast erleichtert zu Boden fallen lässt und sich von ihrem Mann erwürgen lässt, um die ihrer Meinung nach gerechtfertigte Bestrafung zu erhalten. Der Mann betreibt hier keine Selbstverteidigung, um sich vor seiner Frau zu schützen, sondern die Art und Weise, wie er sie erwürgt und zum Beispiel dabei kurz noch einmal innehält, zeigt, dass er sie vorsätzlich ermordet, um sie und gleichzeitig seinen Schmerz zu töten.

Der Rabe, der in vielen Mythen als Bote der Hölle gesehen wird - der Mann versucht zwar zuerst, diesen zu töten, aber am Ende ebnet er ihm selbst sogar noch den Weg, indem er den Holzboden zerschlägt, um den Raben hereinzulassen.

Es gibt für mich zwar noch so einige Fragen und Unklarheiten bezüglich Antichrist, aber am meisten würde mich halt wirklich interessieren, was das vierte Wort auf dem Sternenbild bedeutet. Man sieht es einmal, als der Mann auf die Zeichnungen stößt, welche seine Frau für ihre Studien benutzt hat und später noch einmal, als der Mann zum Himmel schaut. Wenn man genauer hinschaut, dann sieht man nämlich, dass damit ein Geier bezeichnet wird, der über den drei Bettlern kreist. Eine vierte Figur wird aber meines Wissens nicht weiter im Film erwähnt, daher könnte das ein ziemlich wichtiges Detail sein.

Original von DesertSession
Antichrist Spoiler

Ich muss meine Meinung zum Zeitpunkt, wann der Mann schließlich zum Antichrist wird, noch einmal revidieren, da der Mann auch nach der "Eichel-Szene" noch versucht, den Raben als Boten der Hölle zu töten.
Tatsächlich wird er wohl erst endgültig zum Antichrist, kurz bevor er seine Frau erwürgt. Nachdem er sich die Fußfessel aus dem Bein reißt, gibt es eine Szene, wo Willem Dafoe bei düster einsetzendem Sound plötzlich seinen Blick verschärft. Ich denke, dass dies genau der Moment der Ankunft des Antichristen ist und dadurch auch wiederum einen direkten Gegensatz zur Geburt Jesu bildet.

Meiner Meinung nach aber relativ schwach von Willem Dafoe gespielt. Ich fand ihn generell schon ganz ok, aber in den entscheidenden Szenen hätte hier ein anderer Schauspieler vielleicht noch mehr rausholen können.

Neben der Analysier-Hausaufgabe mein größter Kritikpunkt am Film.

hab besagte Szene mit Sternbild mal hochgeladen:

denke, es heißt corvus - und beschreibt das Sternbild "Rabe". Kann damit aber ehrlichgesagt nicht so viel anfangen, vielleicht ist es doch nicht so wichtig?


MfGOne
Beigetreten: 17.08.2006
Oldschool Grinder

naja in den film wird viel zu viel reininterpretiert, empfand ihn jetzt nicht als meilenstein


inflamespoker
Beigetreten: 11.03.2008
Elite Grinder

Hey,

habe extra nicht viel des Threads gelesen um nicht gespoilert zu werden. Kann mal jemand was zum Gewaltpensum im FIlm sagen? Ich finde verstörende Filme eigentlich recht interessant und am besten, jedoch muss ich mir nicht ansehen wie z.b bei Martyrs jemandem Metallschrauben aus dem Kopf gezogen werden... Ich fand martyrs sehr sehr gut, doch bei solchen Stellen musste ich einfach wegschauen auch wenn sie halt Teil des Films sind.

Die Story von Antichrist klingt auf jeden fall sehr interessant, nur würde mich mal interessieren ob es zuviele zu krasse Folterszenen gibt, auf sowas habe ich nämlich irwie kb.


garak2406
Beigetreten: 20.04.2005
PokerStrategist

Original von inflamespoker
Ich finde verstörende Filme eigentlich recht interessant und am besten, jedoch muss ich mir nicht ansehen wie z.b bei Martyrs jemandem Metallschrauben aus dem Kopf gezogen werden...

Wird nur ein Metallbolzen im Bein befestigt und eine weibliche Beschneidung durchgeführt.

Bei mir im Kino musste sich einer übergeben, verstand zwar nicht ganz warum, aber offensichtlich ist der Film nicht für allzu empfindliche Menschen.


Spoiler

Original von Azathoth
denke, es heißt corvus - und beschreibt das Sternbild "Rabe". Kann damit aber ehrlichgesagt nicht so viel anfangen, vielleicht ist es doch nicht so wichtig?

Zuerst einmal danke fürs Kopieren in diesen Thread.

Lars von Trier hat in Antichrist nichts dem Zufall überlassen, sondern jede noch so unbedeutende Kleinigkeit akribisch geplant. Sobald man die Grundaussage des Films erst einmal verstanden hat, wird dies wie ich finde auch recht deutlich, da sich nun alle Details wie ein großes Puzzle nach und nach zusammenfügen lassen. Das besagte Sternenbild taucht wie gesagt sogar zweimal im Film auf und es würde mich schon stark wundern, wenn er hier eine vierte Figur zu den drei Bettlern hinzufügt, ohne damit zumindest eine gewisse Absicht zu verfolgen.
Außerdem hast du, wie ich hier gerade gelesen habe, selbst auch schon einen Hinweis auf eine vierte Figur gefunden. Du hast geschrieben, dass in der Kapitelüberschrift zu "Chapter Four: The Three Beggars" das "Three" ausgebessert wurde. Das war mir noch gar nicht aufgefallen, aber ich sehe das als einen weiteren Hinweis darauf, dass es eben doch noch so etwas wie eine vierte Figur geben muss.

Das Wort, welches den Geier bezeichnet, scheint tatsächlich Corvus (Rabe) zu sein, was insofern seltsam erscheint, da uns der Rabe ja eigentlich bereits als einer der drei Bettler bekannt ist. Ich habe hier zwar ein paar Ansätze für eine Erklärung, bin damit selbst aber nicht so wirklich zufrieden und würde sie daher eher als Spekulation, denn als Interpretation bezeichnen. Da müsste man sich dann vielleicht wirklich etwas mehr mit den Hintergründen als mit Antichrist selbst beschäftigen.


theCHAOS
Beigetreten: 10.05.2006
Oldschool Grinder

wie schon gesagt, sehr guter prolog und epilog, ein paar starke szenen, sehr gute schauspieler, farblich und perspektivisch teils beeindruckend.

ich finde der film hat viele, sehr gute ansätze, schafft es aber nicht daraus etwas aufzubauen. ich fand die handlungsentwicklung enttäuschend und langweilig.

die paar höhen reichen nicht aus um über die langen tiefen hinwegzukommen.

meines erachtens überbewertet, 6.5/10.


Teilen: