Ich denke, was mit 10 einfach die meisten meinen ist ein "Meilenstein" in der Filmgeschichte, und "Meilenstein" bedeutet natürlich nicht perfekt (denn perfekt in dem Sinne dass sich wirklich jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten darauf einigen kann, gibt es halt nicht), sondern einfach ein Film, bei dem die meisten Leute sich aufgrund von objektiven Kriterien (also unabhängig vom persönlichen Geschmack) drauf einigen können, dass ein solcher Film erwähnt werden muss, wenn man die wichtigesten Filme auf einer Timeline eintragen will (z.B. wenn die fremde Alienrasse bei uns landet und fragt, was denn bei uns Menschen so die Filmgeschichte hergibt und ob wir da mal kurz ne Übersicht am Whiteboard skizzieren können ♦ ).
Was es bei einem Film ausmacht, derart "wichtig" zu sein, ist dann halt sehr vielschichtig. Dass ein Meisterwerk ein neues Genre begründen MUSS, sehe ich nicht zwangsläufig so. Aber umgekehrt ist es schon so, dass Filme die das geschafft haben, auf jeden Fall schonmal Meisterwerke sind. Aber ein Film ist halt ein komplexes Ding, was Kunst und Handwerk miteinander vereint, und da kann man in tausend Richtungen denken und argumentieren.
Verstehe daher auch generell überhaupt nicht, wieso es so beliebt ist, mit so ner simplen linearen Skala von 1 bis 10 zu arbeiten. Klar sind Vereinfachungen immer erstmal angenehm, aber in dem Fall machen sie imo überhaupt keinen Sinn und schaffen mehr "Probleme" (im Sinne von Endlosdiskussionen, die zu gar nix führen) als dass sie helfen. Irgendwie scheinen das die meisten auch so zu sehen, und trotzdem redet man von "der 10" oder "der 9.5".
Warum nicht einfach über "gute" Filme ohne Zahlenzuordnung reden? Ein Kumpel von mir meinte letztens, dass es ja aufs gleiche hinausläuft ob ich jetzt "schlecht", "gut", "sehr gut", und "Meisterwerk" sage oder das ganze in Zahlen ausdrücke. Aber das sehe ich anders. Das Problem mit so ner linearen Skala ist, dass man automatisch und intuitiv ein Abstands-Verhältnis zwischen Filmen zieht und empfindet. Man kann plötzlich "ausrechnen", wieviel besser jetzt Film x als Film y sein soll, und dann kommt wieder jemand anders und ordnet einen dritten Film dazwischen ein, und dann fallen so Aussagen wie "ok, wenn bei dir Film x eine 8 ist und Film y eine 9, dann MUSS aber Film z höchstens nur ne 7 sein" usw.
Lange Rede, kurzer Sinn: Imo ist weniger Präzision und mehr diffuse Kategorien, die nicht klar voneinander abgegrenzt sind, sogar hilfreicher als der verzweifelte Versuch des menschlichen Hirns, etwas höchst unlineares und kontinuierliches in eine lineare, diskrete Skala zu pressen. Das gilt natürlich auch für andere Dinge, die wir so bewerten (Spiele, Bücher, schulische Leistungen etc).
Amen. ♦