Inception fand ich von der Plotidee, der internen Logik und Konsistenz und der Umsetzung her sehr gut.
Tenet dagegen:
Fette Spoiler, also nur ansehen, wenn man nicht vorhat, den Film zu sehen oder ihn schon gesehen hat.
Spoiler
Ok, jemand hat eine Zeitmaschine erfunden und bekommt second thoughts. Dieser jemand ist auch der einzige, der es überhaupt weiss, sonst würde das Verstecken des Algorithmus von Anfang an nicht funktionieren. Da es ein Algorithmus ist, wieso ihn dann nicht einfach löschen? Wieso ihn auf mehrere Bruchstücke aufteilen und ausgerechnet in der Vergangenheit verstecken, damit er noch vor der eigentlichen Entdeckung gefunden werden kann?
Wieso den Algorithmus überhaupt so aufteilen, dass er zusammengesetzt und gelesen werden kann? Da wäre doch jede Verschlüsselung besser gewesen, von der man in der Zukunft wusste, dass sie bis dahin nicht geknackt war.
Auf welche Weise bekommt der Verstecker Zugang zu all diesen top Security Verstecken, die von verschiedenen Mächten mit verschiedener Interessenlage beherrscht waren?
In der Zukunft musste bekannt sein, dass das eine Versteck durch spätere Zerstörung (die aus der Sicht der Zukunft immer noch in der Vergangenheit stattfindet) kompromittiert war. Also wieso ein Puzzlestück an einem Ort verstecken, von dem man weiss, dass er später die Sicherheitsbedingungen nicht erfüllen wird?
(Tipp: der Roman Das Jesus-Video behandelt genau dieses Problem, auch wenn es um etwas anderes geht. Das Versteck in der Vergangenheit muss eines sein, von dem man in der Zukunft beim Abreisen in die Vergangenheit weiss, dass es bis dahin noch nicht kompromittiert sein konnte. Einen solchen Ort zu finden ist ein zentraler Aspekt des Romans. Die Schwierigkeit ist, dass es um Jahrtausende geht. Der Film zum Roman ist schwach.)
Henne und Ei Problem: Anscheinend ist es notwendig für die Zeitreise, einen Empfänger zu bauen. Man kommt nicht irgendwo raus, sondern nur bei einer Empfangsanlage. Wie konnten die überhaupt in der Vergangenheit gebaut werden, wo dort doch das Wissen noch nicht vorhanden war und es mangels Empfangsstation auch keine Möglichkeit gab, aus der Zukunft dahin zu gelangen?
Wenn das beim Verstecken ohne Empfangsstation ging, wieso wurden dann welche gebaut? Woher kam das Wissen? Auch der Bösewicht hatte es nicht lange genug, um selbst welche bauen zu können.
Was ist mit dem Grossvater-Paradoxon? Es wird angesprochen, aber keine Lösung präsentiert. Die Antwort im Film, keiner kümmere sich darum löst das Paradoxon nicht.
(Tipp: im Roman Gestohlene Erinnerung von Blake Crouch gibt es eine überzeugende Lösung. Ich hoffe, der wird noch verfilmt. Die Anime-Serie Steins;Gate hat auch eine funktionierende Lösung.)
Das Ding mit dem absichtlichen Rückwärtsgehen bei Zeitreisen ergibt keinen Sinn und wird auch nicht konsequent umgesetzt (spätere Flughafenszene, die müssten nämlich rückwärts gehend kämpfen und das tun sie nicht. Da gibt es mächtige Konsistenzfehler).
Die Fahrzeug Szene, wo der Held ein Fahrzeug entgegen des Zeitstroms fährt, ergibt keinen Sinn. Das Fahrzeug hatte keine Entropieumkehr hinter sich, weil es nicht durch die Zeitmaschine ging. Das ging so also nicht, weil das Kausalitätsprinzip verletzt wird. Dieses Prinzip verletzen konnten nur Dinge, die durch die Zeitmaschine in die Vergangenheit gebracht werden, weil nur diese die Entropieumkehr erfahren.
Gegen wen kämpfen die im Schlusskampf eigentlich? Es sind keine Gegner zu sehen ausser dem einen im Schacht. Der nimmt an der Schlacht draussen nicht teil. Abgesehen davon war die Schlacht auch nicht gut umgesetzt. Man rennt nicht minutenlang im Haufen durch offenes Gelände, ohne von einem Maschinengewehrschützen niedergestreckt zu werden. Im ersten Weltkrieg wurde das bei schlechteren Sichtverhältnissen gemacht, die Überlebensraten waren nicht sehr hoch.
Tipp: Predestination ist ein gelungener Zeitreise-Film.