Moin zusammen,
ich hab per Sufu keinen Thread dazu gefunden und dachte, man könnte hier mal drüber sprechen, da es ja auch eine signifikante Anzahl Schachspieler hier gibt.
Insgesamt hatte mich die Serie erstmal so nicht sonderlich gereizt, weil ich bei solchen Serien großen Wert drauf lege, dass das Spiel realistisch dargestellt wird und 95% der Shows/Filme failen da so fürchterlich, dass ich Angst vor Zeitverschwendung oder Tilt hatte.
Als mir dann sowohl casual Schachspieler als auch GMs die Serie ebenfalls empfohlen haben plus IMDB Rating, habe ich sie dann geschaut.
Insgesamt fand ich sie unterhaltsam aber overrated. Ich würde eine gut gemeinte 7/10 geben.
Ab hier Spoiler:
Spoiler
Punkte, die mich genervt haben:
Wenn man die Serie so schaut, dann denkt man, dass die Career stats Beth Harmon von sowas waren wie:
100+ wins, 1 draw, 2 losses
Average time per move: 2.8 sec
Longest time ever spent thinking on a move: ~20 sec
Schach wird in der Serie als totales win/loss game dargestellt, in dem ein Draw in totales Exotenresult ist.
Und natürlich zeigt man eher die Moves und nicht das Nachdenken, aber die hätten ja wenigstens mal andeuten können, dass auch Beth Harmon mal in den Tank mode geht, in dem sie einfach die Uhr per Animation vorspulen, während sie mal nachdenkt oder so.
Dazu kommt dann, wie sie die Reaktionen der Gegner darstellen. Beth schlägt, Gm schlägt in 1 sec zurück, Springer gibt Schach (Gabel), König moved, Springer schlägt Dame. Und dann NACHDEM die Dame geschlagen, guggt der GM doof und gibt auf.
Die tun so, als ob ein GM in den 60igern, die Gabel erst dann sieht, wenn sie auf dem Brett ist oder gar erst dann, wenn der Springer geschlagen hat.
Jaja, bla muss man für die Action halt so zeigen. Ich gebe ja auch zu, dass ich da meiner Obsession unterliege, dass es realistisch sein soll.
Dann diese dämliche deskriptive Nomenklatur, totaler Humbug und ich bin mir auch nicht sicher, ob sie es korrekt gemacht haben. Hab jetzt keine Lust, es zu checken, aber ich meine, die haben häufiger gesagt "Pawn to Rook 4" und nicht gesagt, ob Queen oder King seite. Kann das jemand bestätigen? Oder haben sie die absurde deskriptive Nomenklatur wenigstens korrekt angewendet?
zur Story: War halt sehr straight forward mit wenig Twists.
Diese Story mit der Mutter zu Beginn immer fand ich nicht so ergiebig. Sie haben den Suicide (wollten sie wohl als Wunder darstellen, aber Mutter tot, Tochter unangeschnallt kein Haar gekrümmt ist halt absurd, aber lassen wir es mal als göttlichen Willen, der sie als Auserwählte darstellen soll, stehen) sehr früh aufgelöst und dann hab ich bei den Sequenzen gar nicht mehr hingehört. Mental Parents --> Mental Children. Standard. Ansonsten fand ich es eher so "Standard TV Show Playbook, Episode immer entweder mit Vergangenheitsszene starten lassen oder mit krasser Situation in der Future und die Episode dann als Recap zeigen, wie es zu der Situation geführt hat". Mir zu sehr 0/8/15 ohne tieferen Sinn hier.
Fand es auch etwas odd, dass sie die Stiefmutter Alma einfach mal so casual haben sterben lassen. Schon sehr ungewöhnlich, dass auch ein Alki in dem Alter mal einfach so stirbt innerhalb von 24h ohne langen Krankheitsverlauf. Jaja, bisschen Husten zwischendurch, imo aber nicht realistisch.
Am Ende fand ich dann irgendwie, dass sie imo eine "Regel" gebrochen haben, nämlich, dass sie nach dem Breakdown, als sie in der letzten Folge Mr. Schaibels Pinwand mit den Pics von ihr gesehen hat, eigentlich eine krasse "Rocky Training Montage" hätte kommen müssen, wo sie dann mit Music im Hintergrund zeigen, wie sie ihr Leben wieder in den Griff bekommt und hart trainiert. Ist auch nur TV Show Playbook (das ich oben kritisiert habe), aber imo sind das immer schöne Szenen für den Zuschauer. Ich war dann enttäuscht, dass nach dem Breakdown direkt Moscow als Nächstes kam.
Ende dann halt auch: Ist klar, die 8 besten Spieler der Welt und die gute Beth legt mal ein 7:0 hin, wer kennt die Turniere nicht.
Und dazu kommt, bei einem jeder gegen Jeden: Warum spielen am Ende nur noch 2 Spieler? Wenn es 7 Runden sind, hätten doch die anderen 3 Bretter auch stattfinden müssen. Jaja, kann man sich schönreden, dass die an einem anderen Tag gespielt wurden, aber sie haben halt so getan, dass es bei einem jeder gegen jeden Turnier, sowas wie ein Finale gibt, bevor alle gegeneinander gespielt haben. Und das wäre ja nur bei einem Stechen der Fall. Imo einfach nicht durchdacht.
Dazu eine Frage noch zur Hängepartie: Die macht nen Zug, der Gegner denkt nach und announced dann plötzlich "adjourn" und dann schaut Beth immer ganz überrascht. Die stellen das so dar, also ob es am Spieler läge, eine Hängepartie zu annoucen. War das damals so?
Ich hab immer gedacht, dass der Arbiter sowas announcen würde?
Ich fand halt, dass die Schachaction jetzt schon ok war, und nicht so wie Pokeraction in Filmen oft überhaupt keinen Sinn macht, hätte man aber imo noch deutlich besser machen können.
Positiv fand ich den Character Benny. Fand ich nice gemacht, dass sie ihn erst als totalen Douche introduced habe, aber am Ende er halt im Vergleich zu Beth total solid war.
Was sind eure Thoughts zur Serie so?