Original von Ajezz
Was hier einige Leute (in den letzten Posts z. B. Faustfan, blablafu, eltazo) schreiben, ist halt komplett falsch, und ich nehme mir jetzt mal kurz Zeit, das nochmal zu erklären.
Im wesentlichen beruht die Argumentation der "Verlust"-Leute auf zwei Annahmen/Vorstellungen (vgl. das Zahlenbeispiel von AyCaramba44 und dessen Erweiterungen):
1. Die Wirtschaft sei ein Nullsummenspiel. Was ein Unternehmen/Aktionär/... gewinne, müsse ein anderer verlieren.
2. Außerdem denken offenbar die meisten, dass sich Unternehmenswerte (und damit Börsenkurse) nach dem Zufallsprinzip ändern.Beide Punkte hängen zusammen, aber kommen wir erstmal zu diesem abstrusen Nullsummen-Argument. Was dabei völlig außer Acht gelassen wird, ist die Wertschöpfung. Unternehmen wirtschaften, um aus gegebenen Gütern/Einsatzfaktoren höherwertige Güter herzustellen; dabei entsteht ein Mehrwert, dem eben gerade nicht ein Minderwert auf anderer Seite gegenübersteht.
Beispiel: Zwei völlig identische Unternehmen besitzen genau ein Gut, etwa Holz. Unternehmen A kann das Holz für 100 verkaufen (und ist danach beendet). Das Unternehmen ist also 100 wert. Wenn ich die Aktien von A an der Börse kaufe, zahle ich 100; der Verkäufer erhält 100. Jeder zahlt/erhält den fairen Preis. Unternehmen B verarbeitet das Holz (vereinfachend ohne weitere Kosten) zu Brettern; die Bretter können für 400 verkauft werden. B ist also 400 wert; es ist ein Mehrwert von 300 entstanden. Usw. Ein weiteres Unternehmen könnte die Bretter zu einem Haus weiterverarbeiten etc. Durch die Verarbeitung ist Wert geschaffen worden, ohne dass jemand Verlust gemacht hat.
Die Wirtschaft funktioniert halt so. Ich bin sicher, daß schon in der Steinzeit für einen fertigen Faustkeil mehr Fische gezahlt wurden als für einen großen Stein...Jetzt werden einige den Köpf schütteln und sagen, was redet er von Wirtschaft, das Thema ist doch Verluste an der Börse. Damit kommen wir zum zweiten Punkt, nämlich dem anscheinend völligen Unverständnis, wie Börsenpreise zustande kommen. Kurse verändern sich eben nicht nach dem Roulette-Prinzip zufällig. Hinter jeder Unternehmenswertänderung stecken Erwartungsänderungen an zukünftigen Zahlungen. Beispiel von oben: Unternehmen A war mit 100 fair bewertet. Jetzt entscheidet sich A, ebenso wie B Bretter herzustellen. Der Kurs von A wird sich an der Börse auf 400 erhöhen, weil eben jetzt höhere Cashflows erzielbar sind. Im Prinzip kann man sich den Börsenkurs als Ergebnis eines Bewertungsmodells vorstellen: bei c.p. höheren erwarteten Umsätzen/Auszahlungen steigt/sinkt der Kurs, bei c.p.höheren Kapitalkosten sinkt er usw. Und unser Kapitalmarkt ist auch so informationseffizient, dass solche Erwartungsänderungen unmittelbar verarbeitet werden. Die Vorstellung von sich zufällig verändernden Börsenkursen ist also falsch; es stecken immer reale Werte dahinter.
Und damit - Schlußfolgerung - ist auch das komplette "Verlust"-Argument hinfällig. Wenn an der Börse Kurssteigerungen auftreten, dann verkörpern diese auch tatsächlich geschaffene Wertsteigerungen (Wertschöpfung, Mehrwert), und zwar ohne dass ein anderer verlieren muss. Und es kommt auch nicht darauf an, ob bzw. wann die Aktien verkauft werden, ob mit Gewinn oder Verlust: Solange die Aktien zum fairen Preis gehandelt werden (der dem tatsächlichen Wert entspricht), haben Kauf/Verkauf auf die Vermögenspositionen der Aktionäre keinen Einfluss.
ich habe mal das wichtigste fett markiert.
aber ist das wirklich so einfach? es soll ja marktteilnehmer geben, welche ihre kauf- und verkaufentscheidungen nicht von unternehmenswerten abhängig machen, sondern vom chartverlauf. oder wegen mir auch von der mondphase. diese käufe und verkäufe haben doch einen einfluss auf den marktpreis des unternehmens.
wo ist mein denkfehler?