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Diskussionthread Chartanalyse sinnvoll oder nicht?

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DrStrothmann
Beigetreten: 29.12.2007

Original von Zatox11

Original von rumbabeat
Naja, Chartanalyse ist gut mit Poker zu vergleichen: es ist eine Abwägung der Wahrscheinlichkeiten. Natürlich mathematisch nicht genau messbar.

Bei Poker verwendet man diverse Modelle/Ranges und daraus lassen sich dann exakte Wahrscheinlichkeiten ableiten. Es existiert bisher kein Grund zur Annahme, dass sich aus einem Chart irgendwelche Wahrscheinlichkeiten für die zukünftige Preisentwicklung ableiten lassen, mit denen man den Markt schlagen kann.

Original von rumbabeat
Und ob man das jetzt gut findet oder nicht, sollte man die Chartanalyse zumindest nicht ignorieren wenn man kurz- bis mittelfristig handelt. Du wirst ja mit JJ gegen einen tighten Spieler aus MP auch nicht all-in kommen wollen im Normalfall.

Das hat nichts mit gut oder schlecht finden zu tun! In all den Jahren hat es keinen bestätigten Fall eines Privatanlegers gegeben, der nur mithilfe von Chartanalyse den Markt systematisch, langfristig und zuverlässig outperformed hat. Es ist kein eindeutiger Beweis dafür, dass es unmöglich ist, aber zumindest macht es - Stand jetzt - sehr viel Sinn davon auszugehen. Es erscheint mir extrem unvernünftig und irrational finanzielle Entscheidungen auf der Basis eines Verfahrens zu treffen, für dessen Funktionalität absolut keine wissenschaftliche Grundlage vorliegt. Deinen Pokervergleich in dem zusammenhang verstehe ich nicht.

Original von rumbabeat
Außerdem muss man auch wissen, dass der vollkommene Markt (also ein Markt in dem alle Informationen stets eingepreist sind) nicht existiert. Ist eine schöne Theorie, hat mit der Praxis aber nicht viel zu tun. Der Markt ist eigentlich so gut wie nie im Gleichgewicht und wird vornehmlich durch psychologische Aspekte getrieben.

Alle öffentlich zugänglichen Informationen sind stets eingepreist. Wenn dir mehr Informationen als dem Markt vorliegen, dann kannst du eine Outperformance erzielen. Aber Informationen, welche auf Chartanalyse beruhen, liegen dem Markt bereits vor.

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@DrStrothmann
Sind Grundsatzdiskussionen zur Chartanalyse ok?


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44 Antworten
Starfighter99
Beigetreten: 04.04.2011

Kafeesatzleserei ?

Kenn mich da wenig aus aber belächele Chartanalysen auch.
Ich könnte mir vorstellen, dass bei zyklischen bzw. regelmäßig auftretenden Einflussfaktoren (leider fällt mir kein beispiel ein ), solang diese ähnlich oder identisch sind, sich die Chartanalysen sehr stark ähneln.


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Zatox11
Beigetreten: 09.01.2011

Original von dak113
Auch beim Pokern kann es ja nur überdurchschnittliche Renditen geben, solange mindestens ein Mitspieler nicht nach GTO spielt. Du vertraust halt darauf, dass dem nicht so ist - nichts anderes macht Chartanalyse.

Dein Satz unterstellt zwar die Existenz einer GTO Strategie im Bereich Trading, den Beweis dafür bleibst du uns allerdings schuldig. Bei Poker sieht das ganz anders aus. Ein ganz essenzieller Unterschied zwischen Poker und Trading besteht darin, dass man beim Poker gegen einzelne Individuen spielt, die man sich sogar noch aussuchen kann, während man beim Traden gegen den Markt in seiner Gesamtheit antritt.

Original von dak113
Dabei kann die Wissenschaft imo gar keine allgemeingültige Aussage tätigen, ob jeder Markt zu jedem Zeitpunkt effizient ist, genauso wenig wie die Wissenschaft zu jeder einzelnen (zukünftigen) Pokerpartie sagen kann, ob eine Überrendite potenziell möglich ist (man denke Beispielsweise an Partien zwischen KIs die GTO gegeneinander spielen vs. Holdem-Beginner, die in gemütlicher Runde ihre ersten Playmoney-Hände zocken).

Solange man gegen einzelne Menschen spielt, wird beim Poker immer eine Überrendite möglich sein.


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Zitat
dak113
Beigetreten: 25.04.2009

Ich kann mir auch beim Trading den Markt aussuchen, theoretisch wäre sogar auch ein Markt aus nur 2 Playern möglich - in der Realität unwahrscheinlich und vermutlich sowieso zu wenig liquide um wirklich traden zu können aber um beim Pokerbeispiel zu bleiben, kann man sagen, dass es ja auch dort für die meisten (v.a. Lowlevel) Spieler eher die unwahrscheinliche Idealkonstellation ist, dass sie alle Gegner am Tisch kennen und einschätzen können, ob eine Edge vorhanden ist. Auch hier reicht idR eine grobe Einschätzung ob man besser Performt als der Durchschnitt.

Noch ein bisschen was abseits der Diskussion, um nicht in eine Ecke gesteckt zu werden:
Ich will gar nicht sagen, dass TA das Allheilmittel Bzw GTO ähnlich wäre, mir geht es eher darum, dass ich nicht ausschließen würde Bzw sogar davon ausgehe, dass es Märkte gibt, in denen TA einen Impact hat. Die Markteffizienzhypothese sagt da im Grunde nichts anderes. Die Frage ist nur wie man solche Märkte identifizieren könnte.


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Zatox11
Beigetreten: 09.01.2011

Beim Poker ist es möglich, durch das Erlernen von Strategien, einen positiven Erwartungswert in einem gewissen Teilnehmerfeld (z.B. NL50 Zoom) zu erreichen. Beweise dafür finden sich allein auf dieser Seite zuhauf, sodass wohl niemand auf die Idee kommt, das abzustreiten. Beim Thema Trading bleiben diese Beweise aber trotz unzähliger Versuche bis heute aus. Das kann die Gültigkeit von TA nicht vollkommen ausschließen, aber dem ganzen mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüberzutreten scheint mir doch wesentlich sinnvoller, als seine finanziellen Entscheidungen davon abhängig zu machen. Die Markteffizienzhypothese sagt, dass alle öffentlich zugänglichen Informationen bereits eingepreist sind und widerspricht damit der TA, denn die besagt ja, dass einem dadurch Informationen zugänglich sind, welche der Markt nicht hat.


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Bardar
Beigetreten: 02.12.2016

Hallöchen!
Ich arbeite bei einer großen amerikanischen Bank im Trading & Research bereich.

Bei uns gilt grundsätzlich, dass Widerstände im Chart sehr wichtig sind und ganz langfristige Trendkanäle werden manchmal auch zu Rate gezogen (i.e. wird ein 3 Jahreskanal gebrochen heißt es erstmal Vorsicht). Rest wird bei uns alles nicht angewandt!

Von daher Charttechnik unsinnvoll, Widerstände sind ja eigentlich logische Zusammenhänge.

Früher als es noch Prop-Trading gab wurde übrigens auch nicht mit Charttechnik gehandelt. Dementsprechend ist es relativ sicher dass es eher unsinnvoll ist.


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Zitat
beni
Beigetreten: 17.10.2006

@Zatox11

Die Markteffizienhypthese halte ich für offensichtlich falsch, aber die Chartanalyse trotzdem für sinnlos. Daytraden kann aber funktionieren. Als z.b. der Tschernobyl Unfall passiert ist haben manche sehr schnell geschalten und antizipiert, dass dadurch ein Großteil der Ernte nicht nutzbar sein würde und somit die Agrarpreise steigen müssen.

Da gibt es bestimmt noch zig andere Ereignisse, die weniger offensichtlich sind aber trotzdem eine Edge ermöglichen.


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Zitat
dak113
Beigetreten: 25.04.2009

Auch die Beweise dass mit Poker Gewinne erzielt werden können, sind doch rein vergangenheitsbezogene, empirische Untersuchungen. Das sagt rein gar nichts über die aktuelle oder zukünftige schlagbarkeit aus.
Markteffizienzhypothese geht mWn zwar von effizienten Märkten aus, sagt aber gleichzeitig, dass bei schwach- oder nicht-effizienten Märkten eben auch Fundamentalanalyse oder TA zu überrendite führen können. Also auch hier die Frage, welcher Markt ist wie effizient - das kann man sicher nicht verallgemeinern.

@Bardar: Proptrading wird von großen Banken doch eher aus regulatorischen gründen nicht mehr betrieben und nicht weil es nicht profitabel wäre. Gerne aber mehr berichten :f_drink:


Antwort
Zitat
Zatox11
Beigetreten: 09.01.2011

Original von beni
Die Markteffizienhypthese halte ich für offensichtlich falsch, aber die Chartanalyse trotzdem für sinnlos. Daytraden kann aber funktionieren. Als z.b. der Tschernobyl Unfall passiert ist haben manche sehr schnell geschalten und antizipiert, dass dadurch ein Großteil der Ernte nicht nutzbar sein würde und somit die Agrarpreise steigen müssen.

Kannst du auch begründen, warum du die Markteffizienzhypothese für "offensichtlich" falsch hältst? Du sagst, Daytraden kann funktionieren und stützt das ganze auf ein einmaliges Jahrhundertereignis aus den 80er Jahren. Informationseffiziente Märkte bedeutet, dass sich die Preise unmittelbar nach Verbreitung einer Information an die neue Sachlage anpassen. Heutzutage geschieht das in wenigen Minuten, früher war aufgrund der langsameren Informationsausbreitung sicher mehr Spielraum vorhanden. Wenn ich zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin (z.B. klicke ich gerade auf Coinbase und sehe dass Coin XY vor 10 sekunden geadded wurde) dann habe ich eine Chance das auszunutzen, aber ich sehe nicht, wie ich dieses "Glück" systematisch zur Gewohnheit machen kann um es Tag für Tag zu nutzen.

Original von dak113
Auch die Beweise dass mit Poker Gewinne erzielt werden können, sind doch rein vergangenheitsbezogene, empirische Untersuchungen. Das sagt rein gar nichts über die aktuelle oder zukünftige schlagbarkeit aus.
Markteffizienzhypothese geht mWn zwar von effizienten Märkten aus, sagt aber gleichzeitig, dass bei schwach- oder nicht-effizienten Märkten eben auch Fundamentalanalyse oder TA zu überrendite führen können. Also auch hier die Frage, welcher Markt ist wie effizient - das kann man sicher nicht verallgemeinern.

Solange nicht jeder einzelne Spieler am Tisch GTO spielt, existiert immer die Möglichkeit, eine Edge rauszuholen. Menschen können sich der wahren GTO Strategie bestenfalls annähern, sie aber niemals erreichen. Wenn du also gegen Menschen spielst, dann kannst du mit einer besseren Annäherung an die optimale Strategie auch wieder einen positiven EV rausholen. Das wird auch in 1000 Jahren so sein.

Die Markteffizienzhypothese sagt ganz und gar nicht aus, dass man mittels Chartanalyse in nicht effizienten Märkten irgendwelche zielführenden Prognosen bzgl. zukünftiger Preisentwicklung machen kann. Davon abgesehen sind (laut dieser Theorie) alle für uns hier interessanten Märkte informationseffizient.


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dak113
Beigetreten: 25.04.2009

Bezüglich Markteffizienzhypothese: Siehe Wikipedia.

Schwache Effizienz

Aus den Kursverläufen der Vergangenheit kann nicht auf Kurse in Gegenwart und Zukunft geschlossen werden. Diese Form der Effizienz erfordert, dass Informationen aus der vergangenen Marktentwicklung eingepreist sind. Wenn diese Variante der Effizienz vorliegt, dürfte man mit Technischer Analyse keinen Informationsvorsprung (und somit auch keine Überrenditen) mehr erwirtschaften können.[7]

Ergo: Keine Effizienz vorliegend -> TA funktioniert.
Die Annahme vollständig effizienter Märkte mit rational agierenden Teilnehmern ist btw. noch viel weiter von der Realität entfernt wie die Annahme vollständig ineffizienter Märkte, daher kann ich Benis Haltung durchaus nachvollziehen.


Antwort
Zitat
Bardar
Beigetreten: 02.12.2016

Original von dak113
Auch die Beweise dass mit Poker Gewinne erzielt werden können, sind doch rein vergangenheitsbezogene, empirische Untersuchungen. Das sagt rein gar nichts über die aktuelle oder zukünftige schlagbarkeit aus.
Markteffizienzhypothese geht mWn zwar von effizienten Märkten aus, sagt aber gleichzeitig, dass bei schwach- oder nicht-effizienten Märkten eben auch Fundamentalanalyse oder TA zu überrendite führen können. Also auch hier die Frage, welcher Markt ist wie effizient - das kann man sicher nicht verallgemeinern.

@Bardar: Proptrading wird von großen Banken doch eher aus regulatorischen gründen nicht mehr betrieben und nicht weil es nicht profitabel wäre. Gerne aber mehr berichten :f_drink:

Genau, es ist einfach nicht erlaubt. Ich habe lediglich gemeint, dass als es noch erlaubt war auch nicht nach Charttechnik sondern mit anderen Hilfsmitteln getraded wurde. Prop-Trading war übrigens unglaublich profitabel für die Banken. Nur nicht nach Charttechnik. :f_drink:

Ich stimme übrigens auch zu, dass die EMH definitiv nicht gegeben ist. Was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass TA profitabel ist. (Bin als Research Analyst natürlich auf Seiten der Fundamentalanalyse :f_cool::f_drink:)


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Zitat
Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006

Original von dak113
Ergo: Keine Effizienz vorliegend -> TA funktioniert.

Den Umkehrschluss halte ich für falsch. Nur weil A->B, ist nicht zwingend B->A. Es ist durchaus denkbar, dass zwar nicht alle Informationen eingepreist sind, diese sich jedoch aber auch nicht aus dem Chart ableiten lassen (unter der Annahme, die TA basiert rein auf der Form des Charts). Zudem gibt es mit Sicherheit Informationen, die nicht mit den Indikatoren, welche TA heranzieht, operationalisiert werden können. Denke die Diskussion um effiziente oder ineffiziente Märkte im Hinblick auf TA führt zu nichts. Man versucht mit einer wackligen Theorie eine andere wacklige Theorie zu untermauern.


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Zitat
jotha
Beigetreten: 20.04.2006

Meine Meinung zu Chartanalyse:

Sie fasst die aktuelle Situation mit Verlauf zusammen.

Muster lassen sich als psychologisches Verhalten erklären.
Muster wiederholen sich: Saisonalität / Wirtschaftszyklus …
Der Mensch lebt gerne in Mustern und fühlt sich dort wohl.

Indikatoren sollen einen Trend besser aufzeigen und verdeutlichen.
Oszillatoren sollen das Ende bzw. die Umkehr besser aufzeigen und verdeutlichen.

Die Chartanalyse kann als Hilfe dienen, ob und wann ich welche Entscheidung treffe.

Ein Instrument kann nie alleine profitabel sein. In verschiedenen Phasen sind unterschiedliche Instrumente sinnvoll. Es ergibt sich eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn eine gewisse Masse das genau so als ein Muster behandelt.

Einen Verfechter einer anderen Ansicht, wie Fundamentalanalyse oder Markteffizienz kann man damit nicht überzeugen. Ein Chartanalyst lässt sich ja auch nur bedingt auf die anderen Ansichten ein. Man sollte das einfach nebeneinander stehen lassen und jeweils über den Tellerrand hinausgucken und andere Meinungen akzeptieren und vielleicht einen (kleinen) Teil davon berücksichtigen.


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Zitat
dak113
Beigetreten: 25.04.2009

Der Umkehrschluss steht da genauso, den habe ich nicht hergeleitet. Es geht im Modell auch gar nicht darum, ob es weitere Informationen gibt, die von TA nicht berücksichtigt werden, weil bei vollkommen ineffizienten Märkten schon die Berücksichtigung vergangenheitsbezogener Daten (=Chartanalyse) überrendite erwirtschaftet. Also auch bei ineffizienten Märkten ist TA keine GTO-Strategie aber eine überdurchschnittlich performende.

Über Sinn und Unsinn der markteffizienzhypothese kann man zwar diskutieren aber ich kenne zumindest keinen besseren Ansatz, um sich der Frage zu nähern, ob TA funktioniert. Die meisten anderen theoretischen Ansätze gehen nämlich leider auch von der prämisse vollkommener und vollständiger Märkte aus und sind entsprechend Realitätsfremd. Auf der anderen Seite sind rein empirische Untersuchungen ohne entsprechenden modelltheoretischen Rahmen imo auch nicht besonders aussagekräftig.

Edit: Stimme Jotha in allen Punkten zu.


Antwort
Zitat
Krach-Bumm-Ente
Beigetreten: 01.05.2006

Original von dak113
Auf der anderen Seite sind rein empirische Untersuchungen ohne entsprechenden modelltheoretischen Rahmen imo auch nicht besonders aussagekräftig.

Warum nicht? Angenommen n ist groß genug (ist es bei TA), warum ist es nicht aussagekräftig? Gerade die Empirie bildet die Realität doch unmittelbar ab und kann bzw. muss bei entsprechenden Daten auch ohne theoretisches Rahmenmodell akzeptiert werden, während eine Theorie ohne empirische Untermauerung nicht haltbar ist.


Antwort
Zitat
Bardar
Beigetreten: 02.12.2016

Original von Krach-Bumm-Ente

Original von dak113
Auf der anderen Seite sind rein empirische Untersuchungen ohne entsprechenden modelltheoretischen Rahmen imo auch nicht besonders aussagekräftig.

Warum nicht? Angenommen n ist groß genug (ist es bei TA), warum ist es nicht aussagekräftig? Gerade die Empirie bildet die Realität doch unmittelbar ab und kann bzw. muss bei entsprechenden Daten auch ohne theoretisches Rahmenmodell akzeptiert werden, während eine Theorie ohne empirische Untermauerung nicht haltbar ist.

Bitte nicht zu sehr in irgendwelchen theoretischen Grundsatzdiskussionen verlieren.

Es gibt für eine stichhaltige Untersuchung ob TA profitabel ist einfach nicht die Daten, und diese zu beschaffen ist übrigens fast unmöglich. Deswegen gibt es doch von vielen Banken diese 'Tradingchallenges', wo der beste Trader z.B ein Auto kriegt. Dient natürlich auch zum Daten sammeln, da man so das Handeln erfolgreicher Trader nachvollziehen kann. Bisher ist aber selbst da nichts stichhaltiges herausgekommen.

Die Kosten für ein umfangreiches Datenset mit statistischer Aussagekraft befinden sich in astronomischen Höhen.


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Zatox11
Beigetreten: 09.01.2011

Erstmal finde ich es lobenswert, dass sich sowohl Befürworter als auch Gegner hier geäußert haben. Damit wir nicht nachher aneinander vorbeireden wollte ich nochmal ganz klar festhalten, um was es genau geht:

Unter "Technischer Analyse" (TA) verstehe ich, dass man ausschließlich nur auf der Basis eines Charts zum bisherigen Kursverlauf und allen Kenngrößen/Indikatoren, welche sich aus diesem Chart ableiten lassen, versucht, Prognosen über zukünftige Preisentwicklung zu treffen. Ich möchte rausfinden, ob es mithilfe dieser Prognosen für gewöhnliche Privatanleger möglich ist, den Markt nach Abzug von Steuer- und Transaktionskosten systematisch, zuverlässig und langfristig zu schlagen.

Falls meine Interpretation von TA nicht oder nur teilweise korrekt sein sollte, bitte ich um Aufklärung. Kern dieser Diskussion hier soll wirklich nur der von mir beschriebene Sachverhalt sein.


Antwort
Zitat
Bardar
Beigetreten: 02.12.2016

Original von Zatox11
Erstmal finde ich es lobenswert, dass sich sowohl Befürworter als auch Gegner hier geäußert haben. Damit wir nicht nachher aneinander vorbeireden wollte ich nochmal ganz klar festhalten, um was es genau geht:

Unter "Technischer Analyse" (TA) verstehe ich, dass man ausschließlich nur auf der Basis eines Charts zum bisherigen Kursverlauf und allen Kenngrößen/Indikatoren, welche sich aus diesem Chart ableiten lassen, versucht, Prognosen über zukünftige Preisentwicklung zu treffen. Ich möchte rausfinden, ob es mithilfe dieser Prognosen für gewöhnliche Privatanleger möglich ist, den Markt nach Abzug von Steuer- und Transaktionskosten systematisch, zuverlässig und langfristig zu schlagen.

Falls meine Interpretation von TA nicht oder nur teilweise korrekt sein sollte, bitte ich um Aufklärung. Kern dieser Diskussion hier soll wirklich nur der von mir beschriebene Sachverhalt sein.

Genau, es sollte hier einfach eine Diskussion auf niedrigem Level sein ob TA profitabel ist oder nicht.

Für mich kann TA im kleineren Timeframe praktisch nicht möglich sein. Nimm einmal an du hast ein System welches dir am Tag 3 Signale liefert, mit denen du im Schnitt 1% auf das eingesetzte Kapital machst (was für Daytrader übrigens sehr wenig wäre). Selbst bei theoretischer Nonskalierbarkeit wäre deine Rendite so UNGLAUBLICH hoch, dass du innerhalb kürzester Zeit UNGLAUBLICH reich wärst. Dieser Ansatz ist dementsprechend nicht möglich.

Realistischerweise sollte TA dementsprechend viele Signale senden, von denen der Anteil richtiger nur sehr MARGINAL auf einen langen Zeitraum überwiegt. Und hier erkennt man dann schon das Problem welches es fast unmöglich macht die 'Profitabilität" von TA nachzuweisen, weil du allein technisch unendlich große Samples brauchst. Und dann noch Opportunitätskosten, Haltekosten, Handelskosten als Kostenfaktor.

Für mich ist TA einfach vom Sinn her relativ blöd. Es ist einfach eine selbsterfüllende Prophezeiung.. mehr nicht.


Antwort
Zitat
Zatox11
Beigetreten: 09.01.2011

Original von Bardar
Realistischerweise sollte TA dementsprechend viele Signale senden, von denen der Anteil richtiger nur sehr MARGINAL auf einen langen Zeitraum überwiegt. Und hier erkennt man dann schon das Problem welches es fast unmöglich macht die 'Profitabilität" von TA nachzuweisen, weil du allein technisch unendlich große Samples brauchst. Und dann noch Opportunitätskosten, Haltekosten, Handelskosten als Kostenfaktor.

Okay, also du sagst dass die Edge, für den Fall dass TA tatsächlich funktioniert, ggf. zu klein sein könnte, um sie gezielt nachzuweisen? Dann würde der praktische Nutzen auch stark gegen Null konvergieren. In diesem Zusammenhang möchte ich mal folgendes Zitat einbringen:

For me, the most direct and most convincing tests of market efficiency are direct tests of the ability of professional fund managers to outperform the market as a whole. Surely, if market prices were determined by irrational investors and systematically deviated from rational estimates of the present value of corporations, and if it were easy to spot predictable patterns in security returns or anomalous security prices, then professional fund managers should be able to beat the market. Direct tests of the actual performance of professionals, who often are compensated with strong incentives to outperform the market, should represent the most compelling evidence of market efficiency. A remarkably large body of evidence suggests that professional investment managers are not able to outperform index funds that buy and hold the broad stock market portfolio. The first study of mutual fund performance was undertaken by Jensen (1968). He found that active mutual fund managers were unable to add value and, in fact, tended to underperform the market by approximately the amount of their added expenses. I repeated Jensen’s study with data from a subsequent period and confirmed the earlier results (Malkiel, 1995). Moreover, I
found that the degree of “survivorship bias” in the data was substantial; that is, poorly performing funds tend to be merged into other funds in the mutual fund’s family complex, thus burying the records of many of the underperformers. Exhibit 4 updates the study I performed through mid-2002, showing that the return for surviving funds is quite a bit better than the actual return for all funds, including funds liquidated or merged out of existence. Survivorship bias makes the interpretation of long-run mutual fund data sets very difficult. But even using data sets with some degree of survivorship bias, one cannot sustain the argument that professional investors can beat the market.

Quelle: https://eml.berkeley.edu/~craine/EconH195/Fall_14/webpage/Malkiel_Efficient%20Mkts.pdf


Antwort
Zitat
Bardar
Beigetreten: 02.12.2016

Original von Zatox11

Original von Bardar
Realistischerweise sollte TA dementsprechend viele Signale senden, von denen der Anteil richtiger nur sehr MARGINAL auf einen langen Zeitraum überwiegt. Und hier erkennt man dann schon das Problem welches es fast unmöglich macht die 'Profitabilität" von TA nachzuweisen, weil du allein technisch unendlich große Samples brauchst. Und dann noch Opportunitätskosten, Haltekosten, Handelskosten als Kostenfaktor.

Okay, also du sagst dass die Edge, für den Fall dass TA tatsächlich funktioniert, ggf. zu klein sein könnte, um sie gezielt nachzuweisen? Dann würde der praktische Nutzen auch stark gegen Null konvergieren. In diesem Zusammenhang möchte ich mal folgendes Zitat einbringen:

For me, the most direct and most convincing tests of market efficiency are direct tests of the ability of professional fund managers to outperform the market as a whole. Surely, if market prices were determined by irrational investors and systematically deviated from rational estimates of the present value of corporations, and if it were easy to spot predictable patterns in security returns or anomalous security prices, then professional fund managers should be able to beat the market. Direct tests of the actual performance of professionals, who often are compensated with strong incentives to outperform the market, should represent the most compelling evidence of market efficiency. A remarkably large body of evidence suggests that professional investment managers are not able to outperform index funds that buy and hold the broad stock market portfolio. The first study of mutual fund performance was undertaken by Jensen (1968). He found that active mutual fund managers were unable to add value and, in fact, tended to underperform the market by approximately the amount of their added expenses. I repeated Jensen’s study with data from a subsequent period and confirmed the earlier results (Malkiel, 1995). Moreover, I
found that the degree of “survivorship bias” in the data was substantial; that is, poorly performing funds tend to be merged into other funds in the mutual fund’s family complex, thus burying the records of many of the underperformers. Exhibit 4 updates the study I performed through mid-2002, showing that the return for surviving funds is quite a bit better than the actual return for all funds, including funds liquidated or merged out of existence. Survivorship bias makes the interpretation of long-run mutual fund data sets very difficult. But even using data sets with some degree of survivorship bias, one cannot sustain the argument that professional investors can beat the market.

Quelle: https://eml.berkeley.edu/~craine/EconH195/Fall_14/webpage/Malkiel_Efficient%20Mkts.pdf/blockquote >

Genau, wenn TA im kleinen Zeitfenster sehr profitabel wäre wüssten wir das, weil es dann Menschen gäbe die Renditen von 10000% im Jahr machen würden. Wenn du aber mit TA den Markt nur um 0.5% pro Jahr schlägst (was ja schon extrem gut ist), ist es allein vom statistischen Aufbau EXTREM schwer nachweisbar, dass hier wirklich Kausalität gegeben ist.

Was ich immer interessant finde ist der Fall von Navinder Singh Sarao. Durch Spoofing konnte er die Märkte zu einem gewissen Grad manipulieren und dadurch profitieren. Allein vom Konzept her ist das das gleiche als wie wenn jemand durch TA die Märkte vorhersagen könnte. Navinder konnte, bei nur ganz seltenem Einsatz seiner Methode (da ja illegal) und mit unauffälligen Trades etc. seine Assets innerhalb von 12 Monaten von 0,5 Millionen auf 15 Millionen steigern. Stell dir mal vor jemand hätte ein legales System welches er in deutlich höheren Summen und viel kleineren Intervallen abusen könnte. Dann hätten wir in der Tat Leute die innerhalb eines Jahres aus 1.000€ 10 Millionen machen würden.

Von daher meiner meinung nach TA im kleinen Zeitfenster nicht möglich, längerfristig KANN es sein dass es profitabel ist, hier haben wir das statistische Beweisproblem!


Antwort
Zitat