Nur damit ich das richtig verstanden habe mit der Aufteilung und Währungsunabhängigkeit. Eigentlich will man ca 70% in etwas solidem und möglichst breit diversifiziert anlegen. Dafür würde man den MSCI World nehmen. Da man dann aber 70% des Kapitals in vielen Währungen hat, nimmt man den MSCI lieber etwas runter und füllt mit einem EuropaETF auf, damit die Euroquote erhöht wird, ohne auf Diversifizierung zu verzichten (wenn man zB 70% in Stoxx Europe 600 packt)
Eigentlich willst du jede auf der Erde möglich gehandelte Aktie haben und die mit einem Prozentsatz, den sie zum weltweitem BIP beiträgt. Das wäre eine BIP-Gewichtung. Du kannst auch einfach jede einzelne Aktie auf der Welt kaufen mit einem Prozentsatz iHv dem totalen Firmenwert geteilt durch die Firmenwerte aller Unternehmen im Markt. Das wäre eine marktkapitalisierte Gewichtung. Wie gesagt, es gibt Studien, die gezeigt haben, dass das erste das zweite in der Vergangenheit outperformed hat, aber das will nichts heißen. Es gibt auch andere Meinungen diesbzgl.
Beides ist natürlich so nicht praktikabel, daher nähert man sich an. Der MSCI World ist nicht wirklich ein MSCI World, da sind mindestens 50% USA drin - und alle weltweit gehandelten Aktien sind sowieso nicht drin. Das ist so, weil der MSCI World marktkapitalisiert gewichtet ist und die USA-Firmen eben den größten Teil der weltweiten Unternehmenswerte ausmachen (BIP-Anteil ca. 30%). Mir würde das nicht gefallen und daher würde ich z.B. einen ETF auf Nordamerika, einen auf Europa, einen auf Emerging Markets und einen auf Japan/Pazific kaufen. Die würde ich nach BIP gewichten, also 30/30/30/10. Die einzelnen ETFs sind zwar wiederum marktkapitalisiert gewichtet, aber ich habe mich schonmal ein bisschen angenähert.
Der Grund warum ich dir überhaupt den MSCI World empfehlen würde, ist die relative kleine Anlagesumme. Da macht es denke ich nicht soviel Sinn, so breit zu fächern - zu hohe Transaktionskosten, zuviel Rebalancing. Wenn du ein größeres Depot hättest, würde ich dir auch nicht eine Übergewichtung der eigenen Währungszone empfehlen, aber bei einem kleineren Depot können die Schwankungen was ausmachen glaube ich. Bei einem größeren Depot würde ich im sicheren Teil, d.h. Renten/Tagelsgeld wahrscheinlich größtens auf Euro gehen und im Aktienanteil auf sowas pfeifen.
Warum ist ein MSCI World besser als ein ETF für Europa oder nur Deutschland, gehts dabei nur um Diversifizierung und Risikominimierung oder erwartet man für World auch eine bessere Rendite.
Ich weiß nicht, ob der MSCI World im Durchschnitt eine bessere Rendite erwartet. Das ist so eine Sache mit den erwarteten Renditen, die kann man ja nicht messen. Was ich aber glaube ist, dass, wenn er eine höhere Rendite erwartet, er auch ein höheres Risiko hat. Deswegen geht es vor allem um Diversifizierung, aber wie gesagt da ist auch Vorsicht geboten, der MSCI World beinhaltet nicht alle börsennotierten Unternehmen. http://de.wikipedia.org/wiki/MSCI_World Schwellenländer sind z.B. garnicht drin!
Deswegen habe ich dir auch empfohlen, den MSCI Emerging Markets z.B. mit 30% abzudecken, da sind nämlich die Schwellenländer alle drin. Ich denke der MSCI EM ist auf jeden Fall risikoreicher, erwartet aber dementsprechend auch eine höhere Rendite und die Renditen sind nicht so stark korreliert mit anderen Aktien wie die anderen Aktien untereinander. Deswegen darf der mMn nicht fehlen. Wenn du ein großes Portfolio hast, kann man ähnliches auch für small caps behaupten, d.h. kleinere Unternehmen. Die sind risikoreicher, dafür renditeträchtiger und nicht so stark korreliert mit anderen Aktien.
Wenn ich mir so anschaue, was aktuell in der Welt los ist, seh ich Deutschland gar nicht so schlecht aufgestellt und würde das evtl etwas stärker übergewichten wollen. Macht das Sinn oder sind die Unternehmen eh derart globalisiert, dass egal ist in welchem Land der Hauptsitz ist?
Ich denke, das macht keinen Sinn. Warum kaufst du dir ETFs? Nicht weil du denkst, dass du den Markt outperformen kannst. Sondern weil sie geringe Kosten haben und eben den Markt abbilden können. Das ist ja quasi die Grundeinsicht, wenn man passiv investiert, und nicht aktiv, und ETFs sind die Instrumente dafür. Wenn du aber jetzt Deutschland übergewichten willst, weil du denkst, die Aktien sind unterbewertet (denn das tust du ja im Prinzip. Du nimmst an, dass die "nicht so schlechte Aufstellung" deutscher Unternehmen nicht in dem Maß eingepreist ist wie du denkst), dann widerspricht sich das mMn mit der Grundeinsicht von oben.
Ich würde bei der Diversifizierung außerdem noch auf eine Branchendiversifiezung achten.
Die hast du auotmatisch, wenn du das machst, was ich geschrieben habe.
Außerdem würde ich das Währungsrisiko ignorieren, weil du auf der anderen Seite auch Währungschancen hast, die mit gewisser Wahrscheinlichkeit die Waage halten.
Ich meinte mit Risiken nicht den Gegensatz zu Chancen. Ich denke in der Tat, dass sich, so wie du es nennst, die Chancen und Risiken für einen nicht-Profi ausgleichen, d.h. die erwartete Rendite ist 0. Mit Risiko meinte ich eher die Varianz - dass die Währungen trotzdem schwanken. Warum aber nun sollte man dann viele Fremdwährungen in seinem Portfolio halten. Das schafft Risiko, aber man kriegt keine Renditekompensation dafür. Bei größeren Portfolios ist das Risiko denke ich durchaus vertretbar, da hat man soviel drin, dass das durch Währungen kaum schwankt - aber bei kleineren eher nicht. Das alles gilt natürlich nicht, wenn du risikoneutral bist. Aber das bist du denke ich nicht.