Zum Forum springen
Benachrichtigungen
Alles löschen

Ewiges Wirtschaftswachstum?

21 Beiträge
12 Benutzer
14 Reactions
3,740 Ansichten
Falco35
Beigetreten: 03.06.2010
PokerStrategist

Kann mir jemand die stupide Frage beantworten - Wie ist es möglich regelmäßig ein Wirtschaftswachstum von ca 1% bis 4% zu bewerkstelligen.

zB Wachstum des BIP der USA

Wo ist der Trick? Spielt die Inflation eine Rolle? Wie soll ein System mit begrenzten Ressourcen (Zeit, Arbeitskraft, Rohstoffe etc) ständig wachsen können. Ich hab gehört die USA "schummeln" hier auch anständig weil sie auch alle Gewinne der Finzanzindustrie (Derivate etc) miteinbrechenen und so ihre Bilanz etwas schönen. Das sind doch keine Leistungen im herkömmlichen Sinne, oder? Außerdem werden Derivate OTC gehandelt, also außerhalb der Börsen, und sind somit nur eine Schätzung.


Antwort
Zitat
20 Antworten
derVuk
Beigetreten: 05.02.2008
BlackMember

Beim relaen BIP spielen sehr langfristig vor allem Produktivitätssteigerungen eine Rolle. Es geht also darum die begrenzten Ressourcen (Zeit, Arbeitskraft, Rohstoffe etc) möglichst effizient einzusetzen und mit dem gleichen Input mehr Output zu generieren. (Durch neue Maschinen, technischen Fortschritt, Bildung, etc...)

Daneben können auch weitere Faktoren, wie bspw. das Bevölkerungswachstum, Außenhandel, etc... eine Rolle spielen.

Addierst du nun zum relaen BIP noch die Inflationsrate, so kommst du zum nominalen BIP.

Wie genau die USA das BIP berechnen und ob die da "schummeln" dazu kann ich leider nichts sagen.


Antwort
Zitat
bulldozzer7
Beigetreten: 07.11.2010
Elite Grinder

Es gibt genug ernstzunehmende Ökonomen die argumentieren, dass es nicht möglich ist unbegrenzt zu wachsen.
Den Faktor Zeit, kannst du zum Beispiel durch technologischen Fortschritt ergiebiger machen. Du produzierst also 2015 in der gleichen Zeit einen viel größeren Output als 1900.
Wichtig zu verstehen ist in diesem Zusammenhang auf was sich das Wirtschaftswachstum genau bezieht: GDP -> Der Wert an Waren und Dienstleistungen der innerhalb eines Landes pro Jahr erzeugt wird.


Antwort
Zitat
Favorityz
Beigetreten: 12.05.2010
PokerStrategist

Basis der meisten Theorien zum Wirtschaftswachstum ist die Cobb-Douglas-Funktion. Diese definiert den Output als die totale Faktorproduktivität multipliziert mit der eingesetzen Arbeit & dem eingesetzten Kapital. Dementsprechend ergibt sich Output-Wachstum durch gesteigerte Produktivität (Effizienz) bzw. erhöhter Arbeits- bzw. Kapitalaufwand.
Im Rahmen der Neoklassik definiert das Solow-Swan-Modell den Output als Einsatz von Kapital, "Effizienz" & Arbeit. In der Neoklassik unterliegt das Kapital der Annahme der abnehmenden Grenzerträge: Gegeben alle Inputfaktoren bleiben gleich, hat die nächste Einheit an zugefügtem Kapital einen geringeren Effekt auf den Output als die Einheit davor. Das bedeutet, dass an einem bestimmten Zeitpunkt, das eingesetzte Kapital nurnoch in der Lage ist, die Abschreibung auszugleichen und zu keiner weiteren Outputsteigerung führt.
Dementsprechend kommt das Solow-Swan-Modell langfristig zu der Erkenntnis, dass Wachstum nur durch technologischen Fortschritt erreicht werden kann.


Antwort
Zitat
WeltMensch
Beigetreten: 27.03.2008
PokerStrategist

Ewiges Wachstum hat ein extremes Divergenzproblem, da es exponentiell ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, hilft sich die Wirtschaft dadurch, daß in bestimmten Abständen Wirtschaftskrisen vorkommen. In gewisser Weise könnte ich das als Innovation verstehen, da der ganze alte Schrott vor die Hunde geht und das neue gute jetzt die Säule des erneuten Wachstums bilden kann.


Antwort
Zitat
aetos
Beigetreten: 17.08.2006
PokerStrategist
Falco35 Themenstarter
Falco35
Beigetreten: 03.06.2010
PokerStrategist

Hm? Aber das sind doch im Grunde keine schönen Aussichten. Innovation. Technologischer Fortschritt. Wie weit soll das gehen? Bis zum "Terminator"? Was geschieht dann mit den Menschen? WIe sollen die wenn sie möglicherweise durch immer mehr Maschinen ersetzt werden dann noch Arbeitsplätze finden? Ich stell mir das schon so vor dass nicht jeder Arbeiter weiterhin gberaucht wird um diese Maschinen zu bedienen.

Wir müssen somit immer weiter, immer schneller und folglich immer "maschineller". Wir sind somit Gefangene der Innovation. Wenn ich mit meiner Vermutung der sinkenden Notwendigkeit von menschlicher Arbeitskraft richtig liege, dann werden sich Arbeitslosigkeit und Armut gerade aufgrund dieser Innovation auf jeden Fall erhöhen. Somit können wir in diesem Wirtschaftssystem das Öffnen der Schere zwischen arm und reich gar nicht bekämpfen. Ohne Innovation müsste man die Löhne weiterhin kürzen (unterhalb der Inflaionsrate erhöhen). Mit Innovation gehen Arbeitsplätze verloren. Schon ein absurdes System. Oder?


Antwort
Zitat
twenny
Beigetreten: 25.09.2007
PokerStrategist

Die Arbeitsplätze verschieben sich bislang nur einen Sektor von produzierendem Gerwebe zu Dienstleistungen mit höheren Qualifikationen.
Normalerweise müsste das Wachstum aber alleine schon irgendwann durch die Nachfrage oder die fehlenden Ressourcen an seine Grenze stoßen.


Antwort
Zitat
Falco35 Themenstarter
Falco35
Beigetreten: 03.06.2010
PokerStrategist

Original von Favorityz
Basis der meisten Theorien zum Wirtschaftswachstum ist die Cobb-Douglas-Funktion. Diese definiert den Output als die totale Faktorproduktivität multipliziert mit der eingesetzen Arbeit & dem eingesetzten Kapital. Dementsprechend ergibt sich Output-Wachstum durch gesteigerte Produktivität (Effizienz) bzw. erhöhter Arbeits- bzw. Kapitalaufwand.
Im Rahmen der Neoklassik definiert das Solow-Swan-Modell den Output als Einsatz von Kapital, "Effizienz" & Arbeit. In der Neoklassik unterliegt das Kapital der Annahme der abnehmenden Grenzerträge: Gegeben alle Inputfaktoren bleiben gleich, hat die nächste Einheit an zugefügtem Kapital einen geringeren Effekt auf den Output als die Einheit davor. Das bedeutet, dass an einem bestimmten Zeitpunkt, das eingesetzte Kapital nurnoch in der Lage ist, die Abschreibung auszugleichen und zu keiner weiteren Outputsteigerung führt.
Dementsprechend kommt das Solow-Swan-Modell langfristig zu der Erkenntnis, dass Wachstum nur durch technologischen Fortschritt erreicht werden kann.

Hab zwar beim ersten mal lesen nur Bahnhof verstanden aber trotzdem Danke.


Antwort
Zitat
Zinsch
Beigetreten: 01.02.2008
Elite Grinder

Original von Falco35
Hm? Aber das sind doch im Grunde keine schönen Aussichten. Innovation. Technologischer Fortschritt. Wie weit soll das gehen? Bis zum "Terminator"? Was geschieht dann mit den Menschen? WIe sollen die wenn sie möglicherweise durch immer mehr Maschinen ersetzt werden dann noch Arbeitsplätze finden? Ich stell mir das schon so vor dass nicht jeder Arbeiter weiterhin gberaucht wird um diese Maschinen zu bedienen.

Das ist doch toll, wenn weniger menschliche Arbeitskraft bei gleichbleibendem oder höherem Output benötigt wird.

Es wird dann an der Politik liegen, die Wochenarbeitszeit, Steuern und Transferleistungen so zu gestalten, dass das funktioniert.

Spoiler


Wikipedia


Antwort
Zitat
sUi
sUi
Beigetreten: 28.10.2006
Elite Grinder

ich denke falco hat nicht in erster linie nach der definition gefragt, sondern nach dem zusammenhang und dem praktischen effekt des uns bekannten wirtschaftwachstum.

das problem ist doch, dass die dinge, die durch die immer steigende produktivität gebraucht werden, auch weiterhin in der steigenden menge produkziert werden müssen. es gibt einfach bereiche die ausgeschhöpft sind. da bringt eine noch so hohe effizienz nichts. selbst wenn komplett neue produkte auf den markt kommen wie mp3-player später laptops dann tablets usf. die bringen die der weltwirtschaft ja keinen nennenswertes wachstum. höchstens einzelne länder für 2,3..5 jahre.
zur zeit sind die einzigen nennenwertes wachstumkatalysatoren länder, in denen es noch an gewissen dingen fehlt wie tv, auto, herd in steigender reihenfolge hin zum luxus 2. auto.
angenommen die wetlbevölkerung nimmt nicht mehr zu und/oder gewisse länder haben aufgrund von extremer armut keinen zugang und kein somit beitrag zur weltwirtschaft, können also keine produkte abnehmen, und der rest, also tigerstaaten C,RU,IN sind zu entwicklungstaaten wie D, GB, F USA geworden, was gäbe es da noch nennenswertes auf der welt was impulse schafft MEHR und effizienter zu produzieren? diese genannten länder entsprächen ca 90% der weltbevölkerung. was wäre dann?
da nützt auch die effizienteste maschine nichts wenn kein land das produzierte abnimmt.

zu den wirtschaftskrisen: die entstehen nicht weil kein wachstum mehr im materiellen sinne entsteht, sondern weil fast die gesamte finanzwirtschaft darauf beruht dass fiktives geld also irgendwo in großen mengen 'erzeugtes' geld weiter geliehen, verzinst, vermehrt wird. diese geraten ins stocken durch wertverlust z.b platzen der blase (blase bedeutet eben dies, es ist aus einer erstmal kleinen menge geld sagen wir 1mrd dann 20, 50 oder sogar xxx mrd in vorm von krediten, anleihen, dividenden angeschwollen).

es baut alles auf nicht existierendem geld auf. nur so zur info, eine bank kann eine summe bis zu 9x ( nagelt mich nicht fest) weiterleihen mit einem %-satz an zins. , gleichzeitig hat die bank das geld überhaupt nicht mehr, und nochmal gleichzeitig bekommt die bank zinsen von den 9x auf summe X und verleiht die wieder bis zu 9x usw usf. da wurden aus sagen wir 100.000€ einfach mal xx millionen. das geld kann NIE zurückgegeben werden. man hofft einfach dass alles geld unkontrolliert und verstickt ihre puffer-rolle erfüllen wo sie gerade gebraucht werden. wenn geld 'verloren' geht oder an mehreren orten gleichzeitig gebraucht wird, wird daraus was wir 08/09 gesehen haben.
ich will nur sagen, dass die großen wirtschaftseinbrüche quasi nichts mit der industriellen erzeugung zu tun haben, sondern ein fall für sich sind.


Antwort
Zitat
WeltMensch
Beigetreten: 27.03.2008
PokerStrategist

Also erstmal zu den Wirtschaftskrisen. Du hast da Recht, daß die stets von Geldblasen angetrieben werden. Aber die Frage ist doch, wodurch diese Blasen entstehen. Und ich sehe das so, daß ein - ich nenne es jetzt einfach mal - altes Produkt irgendwann über Wert gehandelt wird, sei es durch Manipulation, Überspekulation oder wie auch immer. Durch die Messung von Warenwert in der Einheit Geld kann es somit zu übersteigertem Wachstum kommen, welches sich dann durch eine Krise entlädt. Könntest Du Dir eine überproportionales Wirtschaftswachstum vorstellen, wenn ausschließlich Verbrauchsgüter hergestellt würden? Also z.B. nur Kartoffeln?

Zu der zunehmenden Automatisierung der Produktionsprozesse. Ein Riesenproblem ist das, wenn diese Entwicklung dazu führt, daß der größte Teil der Weltbevölkerung dadurch schlechter gestellt wird, was ja offensichtlich momentan passiert. Die Leute/Konzerne, die das nötige Kapital haben, um Automatisierung im großen Stil durchzuführen müssen ihrer Verantwortung gegen der Bevölkerung gerecht werden, da die Technologien, die diese Automatisierungen ermöglichen durch staatliche Forschung, also durch eine Gesamtaufwendung der Weltbevölkerung erst geschaffen wurden. Daß wenige Geldfüchse die technologischen Errungenschaften der Bevölkerung durch Armutsvergrößerung gegen diese verwenden ist schlichtweg ein Verbrechen an der Menschheit. Das wird meiner Meinung nach auch nicht mehr allzulange gut gehen. Und die daraus folgende Wirtschaftskrise dürft um einiges folgenreicher sein als die üblichen. Im kleinen Maßstab kann das wohl schon am Beispiel Griechenlands erkennen.


Antwort
Zitat
Favorityz
Beigetreten: 12.05.2010
PokerStrategist

Original von WeltMensch
Ewiges Wachstum hat ein extremes Divergenzproblem, da es exponentiell ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, hilft sich die Wirtschaft dadurch, daß in bestimmten Abständen Wirtschaftskrisen vorkommen. In gewisser Weise könnte ich das als Innovation verstehen, da der ganze alte Schrott vor die Hunde geht und das neue gute jetzt die Säule des erneuten Wachstums bilden kann.

Ewiges Wachstum hat kein Divergenzproblem. Empirisch ist die Tendenz sogar das Gegenteil: Wirtschaftsräume konvergieren. s. nördlicher Teil der USA & Südstaaten oder Japan. Die Theorie: Die Ausstattungen der Produktionsfaktoren konvergieren. Das bedeutet: Besitzt eine Ökonomie eine hohe Austattung an Geld ist die Rendite gering; Wirtschaftsräume mit einer niedrigen Ausstattung bringen eine höhere Rendite und dementsprechend fließt das Kapital von der einen in die andere Ökonomie. (Simultan für Arbeit & Löhne)

Wirtschaftskrisen haben nichts mit einer wirtsch. Divergenz oder Konvergenz zu tun! Sie sind meistens das Ergebnis von Gier und politischem Fehlverhalten.


Antwort
Zitat
Favorityz
Beigetreten: 12.05.2010
PokerStrategist

Original von Falco35
Hm? Aber das sind doch im Grunde keine schönen Aussichten. Innovation. Technologischer Fortschritt. Wie weit soll das gehen? Bis zum "Terminator"? Was geschieht dann mit den Menschen? WIe sollen die wenn sie möglicherweise durch immer mehr Maschinen ersetzt werden dann noch Arbeitsplätze finden? Ich stell mir das schon so vor dass nicht jeder Arbeiter weiterhin gberaucht wird um diese Maschinen zu bedienen.

Wir müssen somit immer weiter, immer schneller und folglich immer "maschineller". Wir sind somit Gefangene der Innovation. Wenn ich mit meiner Vermutung der sinkenden Notwendigkeit von menschlicher Arbeitskraft richtig liege, dann werden sich Arbeitslosigkeit und Armut gerade aufgrund dieser Innovation auf jeden Fall erhöhen. Somit können wir in diesem Wirtschaftssystem das Öffnen der Schere zwischen arm und reich gar nicht bekämpfen. Ohne Innovation müsste man die Löhne weiterhin kürzen (unterhalb der Inflaionsrate erhöhen). Mit Innovation gehen Arbeitsplätze verloren. Schon ein absurdes System. Oder?

Zum 1. Teil: s. Industrielle Revolution; Ergebnis: Erhöhter allgemeiner Wohlstand in der gesamten Weltbevölkerung. Eine Wirtschaft durchläuft mehrere Phasen: 1. Agrar- 2. Industrie- 3. Informationsgesellschaft; Wie die Vergangenheit gezeigt hat gehen keine Arbeitsplätze verloren. Sie entstehen nur woanders.

zum 2. Teil: Die Schere zwischen arm und reich hat nichts mit Arbeit zu tun. Es ist der Kapitalismus als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in unserer Form, der für die "Schere" verantwortlich ist.


Antwort
Zitat
Favorityz
Beigetreten: 12.05.2010
PokerStrategist

Explizit auf die Frage bezogen: Es wird Perioden geben, in denen die Wirtschaft stagniert aber generell wird es ewiges Wirtschaftswachstum geben. Dafür sprechen für mich mehrere Gründe: Generell kann man sagen, dass unsere Gesellschaft den Anspruch hat sich ständig weiterzuentwickeln und jeder einzelne Fortschritt und gesteigerten Wohlstand anstrebt. Dementsprechend ergeben sich Innovationen und verbesserte Effizienz die zwangsläufig zu Wirtschaftswachstum führen. Ich lese aus vielen Beiträgen raus, dass es ja irgendwann ein Endstadium an Technologie und Innovationen geben wird, in dessen Zustand kein weiterer Fortschritt mehr möglich ist. Auch wenn ich diesen Zustand bezweifel, muss man sich vor Augen führen, dass unser Wohlstand weltweit sehr ungleich verteilt ist. Das heißt für mich, dass sobald kein Fortschritt mehr in der westlichen Welt möglich ist, eine kapitalistische Gesellschaft andere Wirtschaftsräume sucht, in denen sie wachsen kann.


Antwort
Zitat
WeltMensch
Beigetreten: 27.03.2008
PokerStrategist

Original von Favorityz

Ewiges Wachstum hat kein Divergenzproblem. Empirisch ist die Tendenz sogar das Gegenteil: Wirtschaftsräume konvergieren. s. nördlicher Teil der USA & Südstaaten oder Japan. Die Theorie: Die Ausstattungen der Produktionsfaktoren konvergieren. Das bedeutet: Besitzt eine Ökonomie eine hohe Austattung an Geld ist die Rendite gering; Wirtschaftsräume mit einer niedrigen Ausstattung bringen eine höhere Rendite und dementsprechend fließt das Kapital von der einen in die andere Ökonomie. (Simultan für Arbeit & Löhne)

Wirtschaftskrisen haben nichts mit einer wirtsch. Divergenz oder Konvergenz zu tun! Sie sind meistens das Ergebnis von Gier und politischem Fehlverhalten.

In puncto Gier et al. stimme ich Dir zu. Das ist dann entweder hausgemacht oder aber auch ein guter Trigger bei einer bereits angespannten Situation.

Ich glaube, daß wir unterschiedliche Definitionen des Begriffes Divergenz verwenden. Ich meinte es mathematisch: Wenn stets die Wirtschaft um mindestens den Prozentsatz x wächst, dann liegt exponentielles Wachstum vor. Wenn das Wachstum in Geld gemessen wird, dann wächst also die Geldmenge exponentiell. Das ist leider nicht möglich. Als Ausgleich muß also irgendwie Geld vernichtet werden, sei es durch Inflation, dann entspricht die wachsende Geldmenge einer konstanten Kaufkraft oder halt durch ne Wirtschaftskrise, da wird dann direkt die Kaufkraft vernichtet. Im Sinne von: die Gegenwerte des angelegten Geldes verlieren an Wert. Sowie ich das verstehe hat das mit Wirtschaftsräumen erstmal nichts zu tun, diese stellen lediglich eine Unterteilung des globalen Wirtschaftsraums in Untermengen dar. Und ich meine jetzt nicht das Kunstwort Globalisierung - die Erde ist absolut global, da ist nichts mehr dran zu globalisieren. Insbesondere wird sie nicht globaler, bloß weil irgendwelche ohnehin künstlich geschaffenen Handelsgrenzen jetzt sukzessive wieder eingerissen werden.

Also nein, es gibt kein unendliches Wirtschaftswachstum. Irgendetwas altes wird immer weichen müssen, damit neues das aktuelle Wachstum darstellen kann. Die dahinterstehenden Mechanismen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Benennungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit recht kompliziert, immerhin geht es um Besitz und da werden die Menschen in der Regel kreativ. Vermutlich gibt es auch eine Wirtschaftsdefinition für Wachstum, die es ermöglicht, unendliches Wirtschaftswachstum vorzutäuschen.

Selbst beim Kartoffelbeispiel als extremem Grenzfall wird es das nicht geben. Das Wachstum des K-Marktes dürfte proportional zum Weltbevölkerungswachstum sein. Allerdings wird letzteres ebenfalls an seine Grenzen stoßen, so daß dann der K-Markt ebenfalls stagniert. Und Wodka brennen statt die Dinger zu fressen stellt nur eine kurzfristige Boom-Phase dar.


Antwort
Zitat
Dodadodadodada
Beigetreten: 25.02.2006
BlackMember

Original von Falco35
Hm? Aber das sind doch im Grunde keine schönen Aussichten. Innovation. Technologischer Fortschritt. Wie weit soll das gehen? Bis zum "Terminator"? Was geschieht dann mit den Menschen?

Das ist die Frage, was den Menschen zum Menschen macht, was ihn ausmacht. Die Gemeinsamkeiten des Menschen und dem Terminator sind, dass Beide sich an die Naturgesetze anpassen müssen und dass es das Gleiche ihrer Art existiert. Darauf bauen sich gewisse Moralitäten auf, die bei Nichtbeachtung zur potenziellen Auslöschung führen könnten.
Genauso wie der Mensch nicht Atombomben herumwerfen sollte, sollte der Terminator z . B. nicht mit Neutronenbomben herumwerfen.
Menschen regulieren sich durch ihre Schwäche, Gefühle, Vulnerabilitäten, Sterblichkeit selbst zu einer gewissen Tugendhaftigkeit im Sinne einer Demut vor dem "Größeren". Diese Demut muss bei Terminatoren auch vorhanden sein, auch wenn diese keine Schmerzen mehr kennen und sich beliebig oft ein Bein anschrauben können.
In jedem Terminator steckt immer Mensch dahingehend, da der Terminator von Menschen erfunden wurde. Die Technologien wurden von Menschen entwickelt. Alles was von Menschen entwickelt wird, ist immer fehlerhaft, oder nicht mehr zeitgemäß. Das heißt auch Terminatoren müssen aktualisiert werden (sich selbst hinterfragen).

Original von Falco35
Wir müssen somit immer weiter, immer schneller und folglich immer "maschineller". Wir sind somit Gefangene der Innovation. Wenn ich mit meiner Vermutung der sinkenden Notwendigkeit von menschlicher Arbeitskraft richtig liege, dann werden sich Arbeitslosigkeit und Armut gerade aufgrund dieser Innovation auf jeden Fall erhöhen. Somit können wir in diesem Wirtschaftssystem das Öffnen der Schere zwischen arm und reich gar nicht bekämpfen. Ohne Innovation müsste man die Löhne weiterhin kürzen (unterhalb der Inflaionsrate erhöhen). Mit Innovation gehen Arbeitsplätze verloren. Schon ein absurdes System. Oder?

Der letzte Satz sagt es. Es ist ein System, welches wir hier bedienen.
Die fortschrittliche Entwicklung ist zwar unumgänglich, aber die Art der Annäherung zu dieser wird festgelegt, mittels des Systems, bzw. der Systeme.
Arbeits"plätze", Schere zwischen arm und reich sind letztlich auch systemtechnisch immanent und somit zu hinterfragen, ob das notwendig ist. Oder gibt es nicht auch Systeme, bei denen so etwas nicht vorhanden sein muss.
Außerhalb des Systems muss man sagen, dass Arbeit an sich immer vorhanden ist. Es gibt keinen Menschen, der nicht atmet, denkt oder arbeitet.
Man muss nur den Begriff der Arbeit definieren. Denn im bestehenden System ist das BIP und der Erwerb unmittelbar damit verbunden. Das muss so ja nicht sein.
Wenn Leute ehrenamtliche Arbeiten verrichten, ist das im bestehenden eher geduldet als dass eine wirkliche Substanz dahinter vermutet wird.

Der Mensch versucht es falsch herum. Er versucht Systeme zu bewahren und die Natur dafür zu unterwerfen. Das umfasst auch die Natürlichkeit anderer Menschen. Immerhin wird erzählt, man müsse wegen eines demografischen Faktors mehr Kinder bekommen. Es wird also künstlich Anreiz geschaffen und in die Natürlichkeit eingegriffen. Andersherum wäre es sinnvoller, dass man den demografischen Faktor hinterfragt mit den dafür zu Grunde liegenden Modellen politischer und wirtschaftlicher Art. (Produktivität, Konsolidierung, Schulden, BIP, Leitkultur usw.)
Besser wäre es die Natur zu erkennen und bewahren, gleichzeitig Systeme zu entwickeln, die die bestmögliche Entwicklung der Fortschrittlichkeit ermöglichen, um die permanente Diskrepanz zwischen Natur und Künstlichkeit in einem geordneten Schema zu erhalten. das "geordnete Schema" stellen die Ideen von der Ästhetik, dem Guten und dem Wahren dar.


Antwort
Zitat
aeneus
Beigetreten: 09.06.2008
Elite Grinder

Original von WeltMensch

Original von Favorityz

...

Ich glaube, daß wir unterschiedliche Definitionen des Begriffes Divergenz verwenden. Ich meinte es mathematisch: Wenn stets die Wirtschaft um mindestens den Prozentsatz x wächst, dann liegt exponentielles Wachstum vor. ...

Das passiert eben nicht, weder theoretisch (Cobb-Douglas) noch empirisch. Unendliches ewiges Wachstum bedeutet irgendwann Wachstum, das sehr nahe an 0% liegt, aber davon ist die Weltwirtschaft noch sehr weit entfernt.


Antwort
Zitat
WeltMensch
Beigetreten: 27.03.2008
PokerStrategist

Original von aeneus

Original von WeltMensch

Original von Favorityz

...

Ich glaube, daß wir unterschiedliche Definitionen des Begriffes Divergenz verwenden. Ich meinte es mathematisch: Wenn stets die Wirtschaft um mindestens den Prozentsatz x wächst, dann liegt exponentielles Wachstum vor. ...

Das passiert eben nicht, weder theoretisch (Cobb-Douglas) noch empirisch. Unendliches ewiges Wachstum bedeutet irgendwann Wachstum, das sehr nahe an 0% liegt, aber davon ist die Weltwirtschaft noch sehr weit entfernt.

Na, da bin ich doch mal froh, daß wir uns einig sind. ;-)


Antwort
Zitat
krush22
Beigetreten: 19.12.2008
Oldschool Grinder

Warum sollte das Wachstum irgendwann nahe 0 liegen? Das besagt das Solow Modell jedenfalls nicht......

Außerdem ist die Konvergenz Hypothese zumindest bislang, keineswegs als zutreffend zu bezeichnend, sondern es liegt eine gemischte Evidenz vor.
Die meisten afrikanischen Länder haben bspw viel weniger wirtschaftliches Wachstum als die USA oder Deutschland.


Antwort
Zitat
Teilen: