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Englisch als Wissenschaftssprache - gut oder schlecht?

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sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Ich möchte hier mal folgenden BBC Artikel zur Diskussion stellen: Does the rise of English mean losing knowledge?

Ich finde, der Artikel wirft einige interessante Fragen auf. Die für mich interessanteste: Prägt die Sprache wirklich das Denkmuster? Ich habe für mich durchaus schon festgestellt, dass ich bestimmte Dinge erst dann wirklich verstanden hab, wenn ich versucht habe, das selber aufzuschreiben und zu erklären. Auf die Idee, dass die Art, wie ich das dann verstehe, von der Sprache abhängen könnte, bin ich aber bisher noch nicht gekommen. Das find ich nen durchaus interessanten Gedankengang.

Andererseits sehe ich eine einheitliche Wissenschaftssprache als notwendig an. Nicht nur für Kollaborationen, aber man muss schließlich auch wissen, was andere herausgefunden haben. Die meisten Arbeiten bauen auf anderen auf, und somit sollte es immer besser sein, mehr dieser Arbeiten zu kennen. Anders sieht es da für mich in der Lehre aus, die sollte meiner Meinung nach in der Muttersprache stattfinden. Finde es da ne völlig falsche Entwicklung, dass viele Unis mittlerweile rein englische Studiengänge anbieten (und dann schlimmstenfalls an zwei Stellen Fehler reinkommen, wenn der Prof das auf englisch nicht so gut erklärt kriegt und die Studenten das auf englisch nicht so gut verstehen...).

Wie ist das in euren Fachgebieten, und wie seht ihr diese Entwicklung?


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20 Antworten
eagle2007
Beigetreten: 16.11.2007

Weiß nicht, wie es sich da mit der Wissenschaft verhält, aber hab mich vor 1-2Jahren mal mit einem Deutsch und Englisch Lehrer aus Portugal unterhalten über Sprache und der hat genau solche Sachen in die Richtung erzählt, was mir auch eingeleuchtet hat.
Englisch ist ja zum Beispiel viel einfacher zur lernen als Deutsch, aber das geht auch auf Kosten von der Genauigkeit in der man sich ausdrücken kann und so meinte er hat jede Sprache seine Eigenheiten und muss zusätzlich einen Kompromiss bilden zwischen Einfachheit und präzisem Ausdruck.

Was Wissenschaft angeht, ist doch aber so, dass so mehr Leute sich in der gleichen Sprache verständigen (gesprochen oder geschrieben), desto mehr können diese Leute aufeinander eingehen. Deshalb glaube ich eher, dass eine Einheitssprache der Wissenschaft zu Gute kommen sollte.

meine 5cent: könnte mich gut damit anfreunden wenn überall alles nur noch auf Englisch passieren würde. Ja es ist schade um die Kultur die damit verloren geht. Aber perfekte Kommunikationsmöglichkeiten mit jedem > dieser Verlust von Kultur. Aber das ist wohl eindeutig Geschmackssache.


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AyCaramba44
Beigetreten: 27.04.2010

Habe gestern auch ein bisschen darüber nachgedacht, weil Putin (spricht ja auch deutsch) im Interview gesagt hat, dass Deutsch die präzisere Sprache ist und man darum auch nicht alles 1:1 übersetzen kann. Einheitliche Sprache finde ich aber auch wichtig in bestimmten Bereichen und im Naturwissenschaftlichen Bereich hat man ja auch eine gemeinsame Sprache mit den Zahlen und Definitionen.

Viel interessanter finde ich in dem Zusammenhang, ob unsere Erziehung, Schulbildung usw. uns nicht verdammt stark einschränkt im kreativen, neuen Denken, da wir ja alle quasi in eine Richtung denken. Man spricht zwar auch gerne von Querdenkern usw. aber wir alle haben eine gemeinsame, einschränkende Denkweiße. Wenn wir also einige Sachen als richtig hinnehmen (erlernen), obwohl das nur den jetzigen wissenschaftlichen Stand widerspiegelt, dann ist das sicherlich nicht optimal. Eine Arbeit baut auf die andere auf und am Ende sind alle "falsch".

Oder vereinfacht gesagt, wenn jemand Poker 2005 gelernt hat, dann ist es für ihn schwierig alte Denkmuster rauszubekommen und neu anzufangen.


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Toshman007
Beigetreten: 25.04.2008

Im Rahmen der Globalisierung ist es schon ok wenn sich alles in diese Richtung bewegt. Ich halte es auch für vertretbar hier eine nicht so schwer zu erlernende Sprache als Medium zu nutzen. Ich möchte mir kaum vorstellen bzw. es der halben Weltbevölkerung zumuten beispielsweise Deutsch, Russisch oder gar Chinesisch zu erlernen.
Andererseits verschmelzen wir so natürlich irgendwann zum Einheitsbrei. Traditionen verschwinden - Jeder gleicht Jedem.
Da ist die Sprache nur ein Aspekt und sicherlich das geringste Übel. Der Mensch wird sich in seinem Denken, Handeln und Erscheinungsbild immer mehr aneinander angleichen. Die Notwendigkeit Sachen granular zu erfassen und wiederzugeben wird verschwinden weil uns viele Sachen automatisiert abgenommen werden. Ich will nicht soweit gehen und sagen das Sprache als Kommunikationsmedium kuez vor der Ablösung steht jedoch bewegen wir uns stark darauf zu auch ohne sie kommunizieren so können. Der Mensch als Spezies an sich vereinfacht sich und alles Überflüssige wird im Rahmen der Evolution eben zurückgebildet.
Die nächste Stufe der Evolution wird erreicht. Gibt ja auch genügend Wissenschaftler die für die nächsten Tausend Jahre einen Evolutionssprung vorausgesagt haben.


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febsan
Beigetreten: 20.09.2007

meine Meinung:
Ich finde Englisch als Wissenschaftssprache fuer Physik super. Gerade weil Sie relativ einfach ist und sich komplizierte Sachverhalte/Formeln relativ einfach darstellen lassen.


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ZarvonBar
Beigetreten: 21.03.2006

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es in der Mathematik (und auch in der BWL) komplett egal ist, ob auf Englisch oder Deutsch gelehrt wird. Gibt natürlich immer mal wieder einzelne Vokabeln, die man ad-hoc nicht versteht, aber im allgemeinen tut sich da nichts. Gerade in der Mathematik sehe ich auch nicht wie die Sprache die Argumentation leiten soll; wenn ein Beweis auf Russisch korrekt ist, dann ist er das auch auf Englisch.
Entsprechend finde ich es auch gut, dass der überwiegende Teil der Fachliteratur und Publikationen auf Englisch ist und ärger mich gelegentlich, wenn ein Franzose lieber in seiner Muttersprache publiziert hat, weil dann ist dieses Wissen für mich tatsächlich verloren, da ich es einfach nicht lesen kann.

Ich würde sogar noch weiter gehen und es befürworten, wenn es irgendwann eine Weltsprache gibt. Natürlich geht dadurch auch ein bisschen Kultur verloren, aber Kultur ist so ein breites Feld, dass sie entsprechend auch in vielen anderen Bereichen weiterhin erhalten bleibt. Die Möglichkeit, sich mit allen Menschen weltweit problemlos zu verständigen sehe ich da als bedeutend erstrebenswerter an.


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AyCaramba44
Beigetreten: 27.04.2010

Original von ZarvonBar
Ich würde sogar noch weiter gehen und es befürworten, wenn es irgendwann eine Weltsprache gibt. Natürlich geht dadurch auch ein bisschen Kultur verloren, aber Kultur ist so ein breites Feld, dass sie entsprechend auch in vielen anderen Bereichen weiterhin erhalten bleibt. Die Möglichkeit, sich mit allen Menschen weltweit problemlos zu verständigen sehe ich da als bedeutend erstrebenswerter an.

Und ich glaube die Vielfalt der Sprachen tut uns gut und kann auch unterschiedliche Ergebnisse zum Vorschein bringen. Weltsprache war vor 50 Jahren vielleicht mal interessant, aber in wenigen Jahren bin ich überzeugt, dass jedes Smartphone uns ohne Verzögerung alle großen Sprachen übersetzen kann und mit einem "Knopf im Ohr" wir gar nicht mehr merken, dass unser Gegenüber in einer anderen Sprache mit uns spricht.

PS: Im Moment ist die Weltsprache eben Englisch.


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Also ich find da, dass Sprache deutlich mehr ist als nur Kommunikation. Zur Kommunikation ist ne Weltsprache (oder auch die automatische Übersetzung) hilfreich, aber wenn es nur noch eine Sprache gäbe, ginge schon was verloren. Merkt man allein, wenn man mal Bücher oder Filme im Original mit der Übersetzung vergleich. Ich denk jeder wird da schon Stellen bemerkt haben, die einfach unübersetzbar sind, und genau das fehlt dann am Ende.

Und was die Lehre angeht: Ich würde da nicht mal bei Mathe zustimmen (obwohls da sicherlich einfacher ist als in manch anderen Fächern). Klar, ein Beweis funktioniert in jeder Sprache, zumindest wenn die Sprache dann hauptsächlich Füllwörter zwischen Formeln sind. Aber wenns nicht nur um den Beweis sondern wirklich um Verständnis geht, dann hilft die Sprache ungemein. Da muss man sich nur mal didaktisch hochwertige Bücher anschauen. Klar, so was kriegt nicht jeder Prof hin, aber ich behaupte mal, wer das kann, tut sich da in seiner Muttersprache deutlich einfacher.


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Fantomas741
Beigetreten: 13.08.2006

Ich finde Englisch die Universalsprache nach Mathematik überhaupt...

unheimlich leicht zu lernen und zu verstehen (von ein paar Blöden Grammatik regeln mal abgesehn) denn:

bsp.
> es gibt nur "the"
> es gibt keine Groß/Kleinschreibung
> es gibt keine Umlaute oder unnötige Sonderzeichen die die Sprache komplizieren
> es gibt weniger "Worte" als in anderen Sprachen (Vermutung meinerseits) da viele Worte doppelt für andere dinge benutzt werden.

für Chinesen bestimmt einfacher 26 Buchstaben zu lernen als für einen Amerikaner/Europ. tausende Schriftzeichen und deren dialekte


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sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Mich würd mal interessieren, ob Leute, die aus ner komplett anderen Sprachfamilie kommen, sich mit Englisch auch so leicht tun. Den Vorteil seh ich da eher darin, dass man Englisch auch irgendwie versteht, wenn die Grammatik komplett verhunzt ist, und dass der Satzbau im allgemeinen sehr einfach ist.

Ansonsten hat Groß- und Kleinschreibung halt auch Vorteile, zumindest als Leser, wenn du so einfach zwischen Substantiven und Rest unterscheiden kannst. Davon mal abgesehen hat Englisch dafür komische Ausspracheregeln... ;)

> es gibt weniger "Worte" als in anderen Sprachen (Vermutung meinerseits) da viele Worte doppelt für andere dinge benutzt werden.

Findest du das dann wirklich einfacher, wenn du bei einem Wort nicht sicher sein kannst, was es bedeutet, sondern das erst aus dem Kontext klar wird? Und du musst ja immer noch für jedes Wort deiner Sprache die Entsprechung lernen, wenn das jetzt weniger in der neuen sind, bringt das meiner Ansicht nach nicht so viel.


Antwort
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KTU
KTU
Beigetreten: 24.01.2007

Ich bin mit einer Chinesin verheiratet und unsere Kommunikation findet überwiegend in Englisch statt. Dann arbeite ich in einer Firma, wo auch auf Englisch Diskussionen geführt werden von überwiegend Nicht-Engländern. Meine gesamte Fortbildung findet auch auf Englisch statt.

Mein Theorie ist, dass die Leistungsfähigkeit durch die eigene stärkste Sprache limitiert ist. Im Alltag sehe ich oft, dass ich in Deutsch ein präziseres Wort zur Verfügung hab, was ich dann in Englisch erklären/umschreiben muss:
"Jo, ist aber nur Nieselregen. Denke nicht, dass du darum ..." in Englisch wird dann daraus: "It's not raining that bad that bad you can still ..."

Meine prinzipielle Fähigkeit zwischen verschiedenen Regenformen zu unterscheiden, hat aber nicht gelitten, auch wenn ich in Englisch das Wort nicht zur Verfügung hab und gut 50% der Zeit in Englisch denke.

Ansonsten glaube ich daran, dass man hochwertigen Content zuerst in rein logischer/kalter/unschöner aber präziser Form erstellen sollte: http://aliensandbacon.com/?p=186 Kann ich etwas exakt in Deutsch definieren, dann auch später in English.

Anschließend kann man Content schöner darstellen und leserlicher machen. Da ist der Unterschied gewaltig und ich bin Deutsch viel sprachgewandter als in Englisch, aber inhaltlich kann ich in Deutsch exakt das Gleiche sagen wie in Englisch. Für uns ja auch sehr einfach, dass wir mit www.dict.cc sofort auf dem Handy und am Computer sehr seltene Wörter nachschlagen können.

Also persönliches Fazit:
- Die Schönheit der Sprache leidet
- Die prinzipielle Logik/Erkennisfähigkeit nicht.

(Keine wissenschaftlich fundierte Meinung, lediglich Erfahrungswerte)


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Zitat
sarc Themenstarter
sarc
Beigetreten: 06.06.2008

Kann ich etwas exakt in Deutsch definieren, dann auch später in English.

Genau das ist aber der Punkt: Tust du das auch? Ich zumindest hab gemerkt, dass ich bei vielen Sachen keine ausgearbeiteten Texte erstelle (wäre auch gar keine Zeit zu), sondern das über (mathematische) Skizzen entwickel (die außer mir dann aber auch keiner versteht, weil einiges fehlt). Wenn dann was bei rumzukommen scheint wird das sauber aufgeschrieben, aber (allein weil man häufig mit Leuten zusammenarbeitet, die nix anderes verstehen) dann halt direkt auf englisch. Die Frage ist jetzt also: Entgeht mir was, weil ich das gar nicht erst auf deutsch formuliere, sondern direkt auf englisch? Hätte ich auf deutsch ne präzisiere Formulierung gefunden, die noch tiefergreifende Erkenntnisse erlaubt hätte? Die könnte ich dann sicherlich auch ins englische übertragen, aber die Frage ist halt, ob man zu diesem Schritt überhaupt noch kommt.
Das Problem hab ich jetzt nicht so extrem, weil viele Diskussionen nach wie vor auf deutsch stattfinden, nur das schriftliche ist mittlerweile so gut wie alles englisch. Aber ich hab tatsächlich das Gefühl, wenn ich mich jetzt komplett auf englisch umstellen müsste, würd was verloren gehen.

Ich bin mit einer Chinesin verheiratet und unsere Kommunikation findet überwiegend in Englisch statt.

Das ist auch was, das ich mir persönlich ehrlich gesagt nicht vorstellen könnte. Mag daran liegen, dass mir Sprache relativ wichtig ist (auch wenn mans aus den Post vielleicht nicht immer rausliest ;)). Auf jeden Fall aber wichtig genug, dass ich in ner Beziehung nicht drauf verzichten wollen würde. Sind ja nicht nur die Wörter, sondern auch Betonungen, Satzstellung, usw. Auch darüber lässt sich so viel transportieren, was aber doch erst auffällt, wenn man die Sprache an sich auf nem bestimmten Level beherrscht. Das kann man sicherlich auch in der Beziehung irgendwann lernen, wenn man oft genug mit dem gleichen Menschen kommuniziert, aber der Weg dahin wär mir persönlich zu lang. Und Sprache nur zur Kommunikation wär mir gerade da zu wenig.


Antwort
Zitat
KTU
KTU
Beigetreten: 24.01.2007

Original von sarc

Kann ich etwas exakt in Deutsch definieren, dann auch später in English.

Genau das ist aber der Punkt: Tust du das auch? Ich zumindest hab gemerkt, dass ich bei vielen Sachen keine ausgearbeiteten Texte erstelle (wäre auch gar keine Zeit zu), sondern das über (mathematische) Skizzen entwickel (die außer mir dann aber auch keiner versteht, weil einiges fehlt). Wenn dann was bei rumzukommen scheint wird das sauber aufgeschrieben, aber (allein weil man häufig mit Leuten zusammenarbeitet, die nix anderes verstehen) dann halt direkt auf englisch. Die Frage ist jetzt also: Entgeht mir was, weil ich das gar nicht erst auf deutsch formuliere, sondern direkt auf englisch? Hätte ich auf deutsch ne präzisiere Formulierung gefunden, die noch tiefergreifende Erkenntnisse erlaubt hätte? Die könnte ich dann sicherlich auch ins englische übertragen, aber die Frage ist halt, ob man zu diesem Schritt überhaupt noch kommt.
Das Problem hab ich jetzt nicht so extrem, weil viele Diskussionen nach wie vor auf deutsch stattfinden, nur das schriftliche ist mittlerweile so gut wie alles englisch. Aber ich hab tatsächlich das Gefühl, wenn ich mich jetzt komplett auf englisch umstellen müsste, würd was verloren gehen.

Ich bin mit einer Chinesin verheiratet und unsere Kommunikation findet überwiegend in Englisch statt.

Das ist auch was, das ich mir persönlich ehrlich gesagt nicht vorstellen könnte. Mag daran liegen, dass mir Sprache relativ wichtig ist (auch wenn mans aus den Post vielleicht nicht immer rausliest ;)). Auf jeden Fall aber wichtig genug, dass ich in ner Beziehung nicht drauf verzichten wollen würde. Sind ja nicht nur die Wörter, sondern auch Betonungen, Satzstellung, usw. Auch darüber lässt sich so viel transportieren, was aber doch erst auffällt, wenn man die Sprache an sich auf nem bestimmten Level beherrscht. Das kann man sicherlich auch in der Beziehung irgendwann lernen, wenn man oft genug mit dem gleichen Menschen kommuniziert, aber der Weg dahin wär mir persönlich zu lang. Und Sprache nur zur Kommunikation wär mir gerade da zu wenig.

Zu Quote 1:
jo, kannst ja mal meinen verlinkten Blogeintrag lesen. Sobald ich anfange mit Begriffen ernsthaft zu denken, dann versuche ich diese auch exakt definiert zu haben.

Zu Quote 2:
Denke, ist ne Qualia Sache. Wie es sich anfühlt eine Beziehung auf Englisch zu führen statt auf Deutsch kann man von außen imo nicht bewerten und darauf kommt's ja an. Genauso wie man nicht sagen kann, wie es sich anfühlt eine Fledermaus zu sein, auch wenn man von außen viel über eine Fledermaus sagen kann.

Generell ist es bei jeder Beziehung und auch Freundschaft so, dass man erstmal sich synchronisieren muss und die Gedankenwelt des anderen verstehen muss. Wenn ich mit neuen Deutschen zum ersten Mal rumhänge und versuche mich ernsthaft zu unterhalten, ist das auch immer eine Katastrophe. So viele Begriffe/Konzepte, Erfahrungen und Ideen, die man unterschiedlich verwendet, dass es locker erstmal 3 Monate dauert, bis man überhaupt ernsthaft an die Gedanken des anderen anknüpfen kann. Zum Glück fühlt es sich oft erfrischend an, da man auch paar neue Gedankengänge kennenlernt und somit eine gewissen Kompensation dafür erhält, dass man bei den für einen relevanten Problemen noch nicht ernsthaft diskutieren kann. Da ist es eher so: Der eine erzählt was, der andere staunt und lässt das sacken. Hat jemand einen naturwissenschaftlichen / mathematischen Hintergrund, dann ist der Prozess viel schneller, weil man feststellt, dass man viele Konzepte schon teilt. Ist viel einfacher mit einem Physiker über Zufall zu reden als mit einem Rechtsanwalt.

Also würde ich sagen, dass man sich eh an die Sprache des anderen gewöhnen muss. Bei einer Chinesin aus gebildetem Elternhaus hat man dann den Vorteil, dass man die ganze Chinesische Kultur abbekommt. Die Denker der Chinesen, vor allem aus Daoismus & Buddhismus, waren viel früher on track als die Europäer, wo der Aberglaube stärker war, und das Wertesystem scheint mir dadurch viel viel viel tiefer durchdacht. Plus man bekommt eben komplett fremde Konzepte mit auf den Weg, die das Gehirn ordentlich anregen. Also gerade am Anfang hab ich es richtig genossen über Familie, Schicksal, Passion, geistige Klahrheit, Religion, Beziehungen, Politik zu reden. Man wird mit etwas konfrontiert, was komplett NEU ist, aber man merkt trotzdem, dass es schon Hand und Fuß hat und das Ergebnis einer Kultur ist. Also das ist so ein Overkill an neuen Eindrücken, der für mich wertvoll ist. Auch wenn man mit einer sehr gebildeten Deutschen zusammen ist, ist die Philsophie doch meist ähnlich. Die Eltern haben ähnlich Werte gehabt, sind in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen und dadurch wird weniger Kreativität getriggert. Entscheidender ist wohl eher, ob man mit der asiatischen Philosphie dann mehr konform geht und dafür open minded. Das ist bei mir der Fall, aber sonst käme man mit dem kulturellen Unterschied wohl nicht so gut klar und das ist dann das Hauptproblem. Die chinesische Philsophie beruht viel stärker auf der persönlichen Entwicklung im inneren und auf Kooperation mit anderen. Viel weniger auf Prahlen und Selbstdarstellung. Hier einfach mal ein Blogeintrag aus China von mir: https://www.pokerstrategy.com/de/forum/thread.php?postid=13091267#post13091267 Viel mehr finden sich auf dem Blog, den ich oben verlinkt hab und auch bei Redlinejunkies ist da noch viel mehr. Insgesamt finde ich also dadurch alleine unsere Gespräche so inspirierend.

Ansonsten ist es auch so, dass unser Englisch besser und schöner wird. Wir schauen viele Filme und Serien auf Englisch und schauen uns da auch schöne, witzige Formulierungen ab: "Don't try to trick me. You know who I am. It doesn't work." Generell ist es kein Problem konkrete Informationen auszutauschen und mein Gehirn ist Zuhause auch in English-Mode, d.h. ich denke nicht beim Sprechen. Das ist auch wieder Qualia, wenn man in Deutschland ist, dann ist es anstrengend Englisch zu sprechen, wenn man jeden Tag Englisch spricht, dann aber nicht. Sprach-Schönheit ist natürlich trotzdem unter unserem normalen Level. Das will ich gar nicht abstreiten, aber es ist jetzt nichts, wo ich abends denke: Ach wie schön wäre unsere Diskussion doch gewesen, wenn wir ein paar seltenere Wörter eingeschmissen hätten und hier und da einen eleganteren Übergang gefunden hätten ;)


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Sportbernd
Beigetreten: 18.01.2005

Es geht leider nicht anders, man braucht international eine Verkehrssprache und heutzutage ist es Englisch. Mir scheint es aber weniger an der Einfachheit der Sprache zu liegen, sondern an dem Umstand, dass England fruehermal und Amerika seit dem 20. Jahrhundert, dominante Weltmaechte waren und so hat sich die Sprache einfach ausgebreitet. Man koennte wohl auch ziemlich einfaches Deutsch als Weltsprache etablieren, was teilweise stattgefunden hat (das Gleiche mit Franzoesisch im 17-19. Jahrhundert), aber Deutschland hatte diesen Einfluss nur eine zeitlang und zu der Zeit war es eben ueblich mathematische oder naturwissenschaftliche Arbeiten auf Deutsch zu publizieren. Warum schauen wir denn amerikanische Serien? Sicherlich nicht weil sie in Englisch sind, sondern das meiste Geld und das meiste Rambazamba findet in Hollywood/Amerika statt.

Dazu kommt Deutsch und Englisch sind verdammt aehnlich, ich finde es dementsprechend schwierig zu beurteilen ob Englisch wirklich einfacher zu lernen ist als andere Sprachen. Fuer unseren deutschen Sprachkreis sicherlich, aber das kann universell nicht stimmen. Franzoesich hat z.b. viel weniger Vokabular als Deutsch oder Englisch, dafuer etwas mehr Grammatik, aber ob dass das Zuenglein an der Waage sein soll. Mein Gefuehl in China ist (um mal einen Vergleichswert zu liefern), dass es fuer Chinesen ziemlich gleichschwer ist ob man Englisch, Deutsch, Franzoesisch oder Russisch lernt, nur ist der relative Massstab ein anderer: internationales einfacheres Englisch ist etablierter als internationales einfaches Deutsch. Damit meine ich, es gibt diesen niedrigen internationalen Standard fuer Deutsch fast gar nicht, aber es gibt ihn. In Studentenunterkuenften in Deutschland kann man sehen und beobachten wie man halt auch Deutsch runterbrechen kann und eine Pakistani und ein Kameruner unterhalten sich angemessen auf Deutsch.

Mich erstaunt auch immer wieder wie die meisten selbst ihr Englisch einschaetzen. Es ist ein so himmelweiter Unterschied ob man sich irgendwie ausdruecken kann oder sich tatsaechlich praezise ueber nicht alltaegliche Dinge adaequat ausdruecken kann. Wir leben auch in unserer eigenen Sprachblase und wir sprechen sicherlich meistens mit Nicht-Englisch-Muttersprachlern Englisch, so ist das von uns gesprochene Englischniveau viel geringer und dazu enthaelt es weniger Redewendungen, gewollte Mehrdeutigkeiten usw als von einem Muttersprachler, so kommt wohl auch der Eindruck von fantomas. Man ist aber gewohnt dieses Englisch zu sprechen und wer korregiert einen schon wenn man zwar Fehler macht, aber der Inhalt trotzdem verstaendlich ist?

Selbst Chinesisch kann man als Westler nach 3-6 Monaten auf ein Sprachniveau bringen wo man sich wenigstens ueber einfache Dinge unterhalten kann und seine alltaeglichen Sorgen umschreiben. Aber Englisch ist gerade hip und die Weltsprache da gibt es keine Zweifel, selbst hier in China gibt es sowas wie ein Pendant zur Denglisierung, hier im Forum ist das nicht anders, einfachste Begriffen oder Verben werden ausgetauscht.

Das mit einer Partnerschaft in einer Drittsprache finde ich sehr mutig, aber wer kann das schon richtig beurteilen? Wenn beide sich wohlfuehlen und man fuehlt sich verstanden vom Anderen ist doch alles gut. Bei mir waren bis jetzt alle internationalen Beziehungen :f_biggrin: oder Affaeren auf einer der Muttersprache von beiden, nur einmal in Barcelona...., aber das ist eine andere Geschichte :megusta: .

Um ernsthaft und nachhaltig eine andere Kultur zu erleben und schlussendlich auch zu verstehen, muss man natuerlich die entsprechende Sprache lernen, aber dass ist ein anderes Thema und nicht der Sinn einer Verkehrssprache. Fuer mich ist Englisch wie jede andere Sprache ein Werkzeug zur internaionalen Kommunikation, und diesen Sinn erfuellt es.


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Dirk5505
Beigetreten: 02.02.2010

Ich glaube, dass Englisch immer Wissenschaftssprache bleiben wird! Warum sollte man es jetzt auch noch ändern? Die Sprache ist einfach und wird fast überall gelehrt!


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Nudged
Beigetreten: 25.06.2007

@Dirk5505

So wie einst Latein oder Französisch? :roto2:


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Burnie211
Beigetreten: 15.04.2008

Also wenn es um Bücher geht lese ich mittlerweile lieber englische Fachliteratur als Deutsche. Ich finde sie meistens einfach prägnanter und leichter verständlich.


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Dirk5505
Beigetreten: 02.02.2010

Original von Burnie211
Also wenn es um Bücher geht lese ich mittlerweile lieber englische Fachliteratur als Deutsche. Ich finde sie meistens einfach prägnanter und leichter verständlich.

Außerdem sind sie meist kürzer ;)


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Plastichamer
Beigetreten: 04.11.2009

Original von Dirk5505

Original von Burnie211
Also wenn es um Bücher geht lese ich mittlerweile lieber englische Fachliteratur als Deutsche. Ich finde sie meistens einfach prägnanter und leichter verständlich.

Außerdem sind sie meist kürzer ;)

Wenn sie kürzer sind, dann sind sie auch unpräziser. Eigentlich müsste die Englische Version länger sein, da Englisch weniger Informationen pro Silbe enthät als Deutsch.

http://www.welt.de/wissenschaft/article13671839/Andere-Sprachen-sind-viel-effizienter-als-Deutsch.html

Der Informationsgehalt von Sprachen pro Zeit ist ziemlich gleich. Dabei ist Deutsch aber eine langsamere Sprache als Englich. Eine Deutsche Silbe enthält mehr Informationen als eine Englische und deutlich mehr als z.b. eine Spanische. Dafür kann man in der gleichen Zeit mehr spanische Silben verstehen als Deutsche. Welche Sprache man verwendet ist also quasi egal.


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Dirk5505
Beigetreten: 02.02.2010

Original von Plastichamer

Original von Dirk5505

Original von Burnie211
Also wenn es um Bücher geht lese ich mittlerweile lieber englische Fachliteratur als Deutsche. Ich finde sie meistens einfach prägnanter und leichter verständlich.

Außerdem sind sie meist kürzer ;)

Wenn sie kürzer sind, dann sind sie auch unpräziser. Eigentlich müsste die Englische Version länger sein, da Englisch weniger Informationen pro Silbe enthät als Deutsch.

http://www.welt.de/wissenschaft/article13671839/Andere-Sprachen-sind-viel-effizienter-als-Deutsch.html

Der Informationsgehalt von Sprachen pro Zeit ist ziemlich gleich. Dabei ist Deutsch aber eine langsamere Sprache als Englich. Eine Deutsche Silbe enthält mehr Informationen als eine Englische und deutlich mehr als z.b. eine Spanische. Dafür kann man in der gleichen Zeit mehr spanische Silben verstehen als Deutsche. Welche Sprache man verwendet ist also quasi egal.

Also ich habe von vielen naturwissenschaftlichen (Lehr-) Büchern die englische und die deutsche Version gelesen und konnte signifikante Unterschiede im Umfang feststellen. Die Kapitel waren in der englischen Version zum Großteil kürzer und es gab keinen Informationsverlust.
Ich kann aber auch wirklich nur von meinen Erfahrungen reden. Vielleicht unterscheidet sich das auch in anderen Bereichen;)


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