Sehr interessante Fragegestellung im OP! Kann durch eine Bluttransfusion Krebs übertragen werden? Ich als Mediziner und Neurowissenschaftler habe mir dazu selbst noch nie Gedanken gemacht. Ich brainstorme mal.
Dass Krebs durch das Einbringen von Tumormaterial aus einem anderen Lebewesen übertragen werden kann, ist absolut sicher. Dazu muss die Menge des eingebrachten Tumorgewebes groß genug oder das Immunsystem des Spenders schwach genug sein. So funktionieren unzählige Tumormodelle in der experimentellen Krebsforschung - humanes Tumorgewebe wird in die Ratte implantiert - Tumor wächst in der Ratte - Ratte wird behandelt (oder auch nicht) und erforscht.
Also stellt sich die Frage - können bei einer Bluttransfusion Krebszellen in einer gefährlich hohen Anzahl verabreicht werden? Nun, was genau wird bei einer Transfusion verabreicht? Heutzutage ist es praktisch nie Vollblut, sondern ein Blutprodukt, also je nach Bedarf, Erythrozyten-, Thrombozyten-, ..-Konzentrat oder Plasma. Die Blutprodukte werden durch Zentrifugieren nach Dichte getrennt. Tumorzellen dürften eine andere Dichte haben als Erys oder andere Produkte. Also ist es schon mal sehr unwahrscheinlich, dass welche von ihnen im Blutprodukt sind.
Nehmen wir doch mal an, dass es einige Tumorzellen ins Ery-Konzentrat geschafft haben. Was passiert jetzt mit dem Ery-Konzentrat? Es wird bestrahlt! Um alle DNA-haltige Zellen (v.a. Leukozyten) abzutöten, um eine Graft vs Host Reaktion zu vermeiden. Welche Zellen krepieren als Erstes bei Bestrahlung? Tumorzellen!
Auch ohne Bestrahlung - Tumorzellen brauchen sehr viel Energie. Ery-Konzentrate können bei 2 - 6° wochenlang gelagert werden. Ich bezweifle, dass Tumorzellen die Lagerung überleben würden.
Ok, nehmen wir an, dass ein verrückter krebskranker Villain eine Spritze Blut direkt aus seiner Vene entnimmt und seinem Opfer injiziert, um ihn mit Krebs anzustecken. Auch da schätze ich die Ansteckungsgefahr als sehr gering ein. Denn maligne Tumore im Körper bilden zwar Metastasen, manche schneller, manche langsamer - aber! - schon ab der kleinsten Tumorgröße werden diese mit Blut versorgt und ständig werden unzählige Tumorzellen vom Blut weggeschwemmt. Die allerallermeisten von ihnen werden aber unterwegs vom Immunsystem getötet oder sterben von sich aus, ohne sich in einem Gewebe einnisten zu können.
FAZIT: Das Risiko einer Krebs"infektion" geht bei einer Bluttransfusion gegen Null.