Um nochmal darauf zurückzukommen und das ganze etwas ausführlicher zu machen...
Ich gehe davon aus, dass OP mit seiner Frage das meinte, was schon Epikur wie folgt formuliert hat:
"Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:
Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?"
Man nennt das mit einer Formulierung von Leibniz das "Theodizee-Problem". Dazu gibt es die unterschiedlichsten Lösungsansätze:
In der mittelalterlichen, thomistischen Theologie existiert gar kein Übel als solches. Nach Thomas von Aquin ist Gott "der Urgrund allen Seins" und das Sein an sich ist gut. "Das Böse" ist demnach als solches nicht existent, sondern erklärt sich nur als ein Mangel an ontologischem Guten. Dieser Mangel an Gutem existiert, aufgrund der Freiheit des Menschen, der aus dem Nichts geschaffen wurde und daher mangelhaft ist.
Für Leibniz leben wir in "der besten aller möglichen Welten". Jede Form von Übel ist für ihn letztlich erklärbar und auch notwendig. Er begründet das so:
Es gibt zum einen das metaphysische Übel. Nach diesem Begriff ist alles Geschaffene notwendig unvollkommen, da es sonst mit Gott identisch wäre, und nur Er ist vollkommen. – Zweitens gibt es auch das physische Übel. Gott hat Schmerz und Leid für notwendig erachtet, da sie vom Schädlichen abhalten und zum Nützlichen drängen. Drittens findet man auch das moralische Übel. Dieses Übel bezeichnet die zur Abwendung von Gott führende Sünde.
Für den Theologen und Naturwissenschaftler Pierre Teilhard de Chardin ist das Übel lediglich ein Abfall von der Evolution. Ganz ähnlich wie im Deismus:
Gott hat die Welt mit Entwicklungspotential geschaffen und greift nun nicht mehr in sie ein, denn eine Mitwirkung Gottes würde das Potenzial der Welt und den freien Willen des Menschen stören. Ein Eingreifen Gottes, um Leid zu verhindern, würde die Welt zu seinem Labor und uns zu Experimentobjekten degradieren und insgesamt mehr Schaden als Nutzen bringen.
Usw. usw. usw. Es gibt noch Dutzende andere Ansätze.
Zum Schluß möchte ich nur noch kurz auf den Ansatz Hegels eingehen, den ich auch selbst für plausibel halte:
Für Hegel ist das Übel nur ein notwendiges Durchgangsstadium das der der dialektischen Entwicklung der Menschheitsgeschichte dient. Im Geist des Menschen passiert folgendes: Der Verstand setzt etwas als seiend. – Die Vernunft erkennt die Einseitigkeit dieser Bestimmung und verneint sie. Es entsteht so ein Widerspruch. – Die Vernunft erkennt in sich selbst die Einheit der widersprüchlichen Bestimmungen und führt alle vorherigen Momente zu einem positiven Resultat zusammen, die in ihr aufgehoben werden. Im Widerspruch zu dem Übel steht Gottes Allgüte, denn nach Hegel kennt Gott bereits den Ausgang der Geschichte und erachtet es nicht für notwendig, regulierend einzugreifen.
So, genug für heute. Das ist jetzt alles sehr vereinfacht und verkürzt, aber ich hoffe, es gibt ein paar Impulse zum Nachdenken.