Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

So trotzt Squad77 der Armut mit Spin & Gos

In einem sehr persönlichen Gespräch verrät einer unserer Mitglieder, wie er mit Poker die schwere wirtschaftliche Krise in seinem Heimatland Venezuela hinter sich lassen konnte.





Venezuela Wirtschaftskrise
Venezuela befindet sich aktuell in einer schweren wirtschaftlichen Krise

In unseren Medien erhält die Krise in Venezuela verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit. Wie würdest du einem Außenstehenden mit eigenen Worten die Situation dort erklären?

Squad77: Es ist schwer die Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, in nur einem Wort oder gar einem Satz zu umreißen. Die Regierung will der Welt weismachen, dass die größte Krise, die dieses Land je erlebt hat, durch einen Wirtschaftskrieg zustande kam, der von den rechtsgerichteten Parteien und der US-Regierung gegen uns geführt wird. Das dient jedoch nur dazu, um die eigenen Fehler zu verschleiern.

Seit dem Tod von Hugo Chávez im März 2013 ist der Schwarzmarkt-Dollar, der hier als Richtwert für alle Produkte dient, von 20 Bolívar pro Dollar auf 8.000 Bolívar pro Dollar gestiegen. Zudem wurden die Befugnisse und Rechte von allen Gegnern der Regierung beschnitten oder auf einen regierungskonformen Kurs gezwungen, die einen öffentlichen Amtssitz gewinnen konnten, egal ob nun in einem beliebigen Städterat oder direkt im venezolanischen Parlament. Regionale Wahlen standen eigentlich bereits im Dezember an, wurden jedoch nicht ausgetragen, weil die Regierung weiß, dass sie haushoch verlieren würde. Seit mehr als 90 Tagen gibt es daher fortlaufende Proteste in allen großen Städten des Landes, mit jeder Menge Gewalt. Zusammengefasst will Maduro seine Macht nicht verlieren, selbst wenn dabei das Wohlergehen seiner Landsleute zu Schaden kommt.

Wie sieht das tägliche Leben für die Menschen dort aus?

Squad77: Man kann sagen, dass wir sehr glückliche Menschen waren. Man war einander gegenüber hilfsbereit und es gab sehr wenig Hass innerhalb der Gesellschaft. Heutzutage muss man jedoch jeden Tag darum kämpfen, dass man etwas Essbares auf dem Tisch hat, im Krankheitsfall an Medikamente kommt oder überhaupt den Weg nach Hause überlebt. Ich lebe in der gefährlichsten Stadt Südamerikas, wenn nicht sogar der Welt, Caracas. Wir Venezolaner vergessen immer mehr, wie es sich überhaupt anfühlt, glücklich zu sein. Heute stand ich zum Beispiel bei der Bank an und habe gehört, wie jemand hinter mir erzählt hat, dass er seine letzten Ersparnisse abheben muss, um Essen zu kaufen, weil sein Kühlschrank komplett leer ist. Ich kenne zahlreiche Leute, die in einer ähnlichen Lage sind. Die meisten, darunter auch ich, haben jede Menge Gewicht verloren. Wir nennen das Ganze zynisch die "Maduro-Diät".

Und wie sieht die Legalität von Poker dort aus?

Squad77: Online-Poker ist nicht ansatzweise reguliert. Casinos wurden jedoch schon 2010 noch durch Chavez verboten, damit die "Menschen aufhören ihr Geld in solchen Etablissements herzugeben". Legal dürfen sie nur auf der Isla Margarita betrieben werden.

"Ich hatte zwei Jahre kein Internet"

Du hast bereits in deinem Blog berichtet, dass der Dollar einen äußerst hohen Wert gegenüber der lokalen Währung erreicht hat. Heißt das, dass Online-Poker, insbesondere Freerolls, mittlerweile eine der besten Möglichkeiten für Einheimische ist, um es über die Runden zu schaffen?

Squad77: Wenn man kein guter Pokerspieler ist, denke ich nicht, dass es die beste Option ist (lacht). Wenn man jedoch ein paar Dollar auf einer Pokerseite bekommen kann, ob nun durch Freerolls oder eine Promoaktion, und ein einigermaßen vernünftiger Spieler ist, dann ist es in der Tat eine sehr gute Option.

Du hast in deinem Blog auch erwähnt, dass du zwei Jahre lang kein Internet hattest. Wie war das für einen Online-Pokerspieler wie dich? Hast du Sorge, dass es nochmal dazu kommen könnte?

Squad77: Ich war lange Zeit nur Hobbyspieler und habe lediglich zum Spaß gespielt, um etwas Geld am Ende des Monats auf der Seite zu haben, um Party machen zu können oder Klamotten zu kaufen. Ich hatte damals einen sehr gut bezahlten Job als Lehrer. Als die Wirtschaft zusammengebrochen ist, habe ich jedoch immer wieder Poker in Erwägung gezogen und überlegt, wie ich wieder eine Internetverbindung bekommen könnte. Dann habe ich das Ganze in die Tat umgesetzt. Besorgt bin ich nun auf jeden Fall. Wenn ich die Verbindung erneut verlieren würde, müsste ich definitiv umziehen.

Wie war es, als du erfahren hast, dass Spin & Gos existieren, nachdem du wieder ins Internet konntest?

Squad77: Ich kann mich erinnern, dass ich ein ziemlich schlechter 3-handed- und Heads-up-Spieler war. Ich war also nicht sonderlich begeistert über ein Hyperturbo-Format, das nur mit drei Spielern gespielt wird. Ich habe mich dann weiter über das Format informiert und Freunde ausgefragt, die bereits Mitglieder bei SpinLegends waren. Aus ihrer Sicht war alles spitze, also habe ich mich ebenfalls beworben und es glücklicherweise ins Silver Team geschafft.

Lustig war, dass ich überhaupt nicht wusste, dass es neben dem englischen auch ein spanisches Team gab. Bei PokerStrategy.com bin ich einfach auf der englischen Seite einem Link gefolgt, um mich zu bewerben. Meine Freunde haben mich dann irgendwann gefragt, warum zum Teufel ich immer E-Mails auf Englisch bekam. Wenig später war mir dann klar, dass ich mich auch einfach im spanischen Team hätte bewerben können. Aber so wie es gelaufen ist, kann ich mich natürlich auch nicht beschweren.

Squad77 Graph SpinLegends
Squad77s Graph seit seinem Start bei SpinLegends

"Es ist traurig, dass ich so viel verdiene wie hierzulande ein Arzt"

Du hast in deinem Blog erwähnt, dass schon ein Gewinn von $100 pro Monat in deiner Heimat sehr viel bedeutet. Du spielst mittlerweile jedoch schon die $30-Spins. Kommst du dir ein bisschen vor wie der örtliche Viktor Blom?

Squad77: Vom Spielniveau sicherlich nicht wie Viktor Blom, aber es ist in der Tat hierzulande jede Menge Geld, wenn man bedenkt, dass der Mindestlohn $12 pro Monat beträgt. Es ist ziemlich traurig, dass ich hierzulande mehr als ein Arzt, Lehrer oder Ingenieur verdiene. Diese Menschen sind eigentlich fundamental für eine funktionierende Gesellschaft. Ich musste sogar meine Arbeit als Lehrer aufgeben, um Vollzeit Poker spielen zu können, weil es sich einfach mehr gelohnt hat. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch jeden Cent zusammengekratzt, um überhaupt einen Dollar zu erreichen. Nun setze ich an einem Tag mehr als $2.000 ein. Um ehrlich zu sein, ist das ziemlich verrückt. Unwohl wird mir dabei jedoch nicht, da ich weiß, dass ich die Unterstützung des SpinLegends-Team habe und mir jeden einzelnen Tag dabei geholfen wird, ein besserer Spieler zu werden.

Hat das Leben in einem krisengebeutelten Land wie deinem deine Sicht auf Glücksspiel allgemein verändert?

Squad77: Das hat es in der Tat. Für mich war Glücksspiel immer Unterhaltung, der man mit Freunden nachgeht, um die Zeit totzuschlagen und zu relaxen. Nun ist es mein aktueller Job und ich nehme das Ganze sehr ernst, da auch Menschen um mich herum davon abhängen. Manchmal kann es sehr stressig werden, allerdings ist es nichts Außergewöhnliches. Ich muss jedoch noch deutlich besser mit dem Geld umgehen, das ich mittlerweile verdiene. Man kommt leicht in Versuchung, Geld für unnütze Dinge auszugeben. Das ist mit in der Vergangenheit schon passiert. Ich arbeite jedoch daran, es zukünftig besser zu machen.

Du bist in sehr kurzer Zeit von den $0,25- auf die $30-Spins aufgestiegen. Was ist dein Geheimnis? Was hast du dazugelernt und wie unterscheiden sich die beiden Limits?

Squad77: Als ich es von den $0,25-Partien auf die $1-Turniere geschafft hatte, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass mir das Ganze liegen könnte. Darum habe ich auch meinen Job als Lehrer aufgegeben. Es hat mich dann drei Monate intensive Arbeit gekostet, samt durchgemachter Nächte, jeder Menge Handreviews sowie zahlreichen Fragen und Selbstzweifeln, bis ich bei den $30-Spins angekommen war. Es gibt also kein Geheimnis. Es war lediglich harte Arbeit. Wie zuvor gesagt, war ich 3-handed und im Heads-up ein sehr schlechter Spieler. Ich musste Spins also wie ein kompletter Neuling angehen. Mein Spiel hat sich derart umfangreich verändert, dass ich es selbst kaum wiedererkenne, wenn ich es mit Händen vergleiche, die ich vor drei Jahren gespielt habe.

Der Unterschied zwischen den Limits ist enorm. Bei den $0,25-Spins wandern in den meisten Händen die Chips schon preflop in die Mitte. Bei den $30-Turnieren ist das nur selten der Fall. Man muss an seinem Postflop-Spiel arbeiten und wissen, was man dort in verschiedenen Spots und Positionen am besten macht.

Wie sehen deine Ziele aus, was das Leben allgemein und Poker konkret betrifft?

Squad77: Beim Poker will ich weiter die Limit hinaufklettern, bis ich die $100-Spins erreicht habe und sie schlagen kann. Das bedeutet fortlaufendes Lernen, um ein besserer Spieler zu werden. Außerdem will ich auch andere Spieler dabei unterstützen besser zu werden, damit ich etwas von dem zurückgeben kann, was mir SpinLegends ermöglicht hat.

Was mein Leben betrifft, werde ich vielleicht einen Umzug in ein anderes Land in Erwägung ziehen. Malta wäre wohl eine gute Wahl, aber das ist noch in weiter Ferne.

Vielen Dank, dass du mit uns deine Erlebnisse geteilt hast, und viel Glück und Erfolg für die Zukunft!

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