Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Warum ein frühes KO ein gutes Zeichen sein kann

Der korrekte strategische Ansatz in der frühen Phase eines PKO-Turniers kommt im Vergleich zu normalen Turnieren einem Paradigmenwechsel gleich. Dara O'Kearney erläutert warum...

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Wenn ihr bei Turnieren häufig an der Bubble scheitert, insbesondere bei Satellites, stehen die Chancen nicht schlecht, dass ihr sie tatsächlich korrekt spielt. Wer den FC Liverpool in den 70er- und 80er-Jahren verfolgt hat, weiß vermutlich, dass der noch amtierende Champions-League-Sieger in diesem Zeitraum die meisten Meistertitel in England gewinnen konnte. Was man vielleicht nicht weiß, ist, dass der Verein in der gleichen Zeit auch am häufigsten Vizemeister geworden ist. Und genauso wie beim Fußball bedeutet ein knappes Scheitern, dass man tatsächlich richtig agiert, um langfristig zu gewinnen.

Das ist jedoch nicht der Fall beim am schnellsten wachsenden Format im Bereich Poker, den Progressive-Knockout-Turnieren. Bei einem PKO kurz vor den Preisrängen auszuscheiden, ist nicht zwangsläufig ein gutes Zeichen, es sei denn man hat auf dem Weg dahin jede Menge Kopfgelder eingesackt. Tatsächlich ist es bei einem PKO sogar so, wenn auch sehr kontraintuitiv, dass ein Ausscheiden als einer der ersten Spieler ein Zeichen ist, dass man die Turnierform korrekt spielt. Ich habe einen Ruf als ziemlich tighter Spieler, in einem PKO gehöre ich aber meistens zu den ersten, die sich verabschieden.

Der Grund dafür ist, dass Kopfgelder zu Beginn der Turniere mehr wert sind. Auch wenn Bountys in absoluten Werten im späteren Turnierverlauf höher ausfallen, sind sie in Relation zur eigenen Gesamtequity zu Beginn mehr wert. Wenn man direkt in der ersten Hand in einem PKO ein Kopfgeld einsackt, hat man mit einem Schlag 25% seiner Equity zurückgewonnen. Derweil wird es im späteren Verlauf eines Turniers praktisch nie zu einer Situation kommen, bei der man noch die Chance auf ein Bounty in Höhe von 25% der eigenen Equity hat.

Viele Spieler begehen den Fehler, Kopfgelder nur in absoluten Werten zu sehen und gehen entsprechend davon aus, dass es gerade am Ende wichtig ist, sie zu gewinnen. Die Realität ist jedoch, dass sie deutlich wichtiger zu Beginn sind. Man erhält dort direkt 25% seines Buy-ins zurück, während man sich mit dem in der Folge höheren Stack auch die Möglichkeit gibt, weitere Kopfgelder zu gewinnen.

Vorteil größer als Nachteil

Dara O Kearney
Frühe Kopfgelder zu gewinnen, ist in PKO-Turnieren das A und O

Aus diesem Grund ist das frühe Eingehen von Risiken, um die Gegner am eigenen Tisch in Chips zu covern, eine wesentliche strategische Anpassung in einem PKO. Nur dadurch kommt man in die Lage, mehr Kopfgelder zu sammeln in einer Phase, in der sie relativ gesehen am meisten wert sind.

Im Buch PKO Poker Strategy veranschaulichen wir mit einer Beispielhand, dass bei einem All-in von zwei Spielern in der allerersten Hand eines PKOs der Gewinner mehr Equity gewinnt, als der Verlierer im entsprechenden Spot verliert. Das passiert nicht bei normalen Turnieren. Wenn man zu Beginn eines regulären $200-Turniers seinen Stack verdoppelt, steigt die eigene Equity nicht um $200. Sie steigt um einen geringeren Betrag, während der Rest an Equity auf die anderen Spieler im Turnier verteilt wird. Das ist das Fundament des ICM und warum man in Turnieren grundsätzlich tighter callen sollte als in Cashgames. Die Nachteile beim Verlieren sind immer größer als die Vorteile beim Gewinnen.

Im Buch präsentieren wir hingegen ein All-in und einen Call in einem $200-PKO mit insgesamt zehn Teilnehmern. Der Verlierer muss sich dort von $200 Equity verabschieden, was schlichtweg seinem Buy-in entspricht, während der Gewinner $224,45 Equity gewinnt. Er bekommt also $24,45 mehr, als überhaupt in die Tischmitte gewandert ist. Der Grund dafür ist, dass der Gewinner gerundet je $3,06 an Equity von allen Spielern erhalten hat, die nicht in die Hand involviert waren.

Wenn man in einem PKO seinen Stack frühzeitig verdoppelt und mehr Chips als jeder Gegner am Tisch hat, dann kann man zu diesem Zeitpunkt theoretisch jedes Kopfgeld an dem Tisch gewinnen, während es niemand anderem möglich ist. Jede einzelne Hand ist für einen selbst profitabler als für alle anderen. Aus diesem Grund liegt bei einem PKO ein frühzeitiger Anreiz vor, zu gamblen und Lines zu spielen, die isoliert betrachtet -EV wären, einem im Erfolgsfall jedoch eben jenen Vorteil mit Blick auf die Stacks am Tisch einräumen.

Ein Paradigmenwechsel

Dara O Kearney
Frühe Risiken einzugehen, steht im Widerspruch zum konventionellen Ansatz bei Turnieren

Der eine oder andere spitzfindige Spieler hat bereits in den Raum gestellt, dass eine "späte" Anmeldung erst zur zweiten Hand in einem PKO eine gute Idee sei, da man so jeden Gegner covert bis auf den Spieler, der die erste Hand gewonnen hat, da alle anderen mindestens ein Ante verloren haben. Prinzipiell ist der Ansatz richtig, die Vorteile, die mit dem tatsächlichen Chiplead einhergehen, überwiegen jedoch deutlich. Das Handbeispiel im Buch verdeutlicht auch, warum eine späte Anmeldung bei PKO-Turnieren eine äußerst schlechte Idee ist, da man damit praktisch den anderen Spielern kampflos EV überlässt und die eigene Equity direkt weniger wert ist als der Betrag, mit dem man sich eigentlich eingekauft hat.

Viele andernfalls sehr gute Spieler verstehen diesen fundamentalen Unterschied zwischen einem PKO und einem regulären Turnier nicht und übersehen, wie wertvoll Kopfgelder zu Beginn sind. Andere wiederum mögen den Zusammenhang konzeptionell durchdringen, haben jedoch so lange einen konventionellen, tighten Ansatz zu Beginn eines Turniers gespielt, dass PKOs praktisch schon einem Paradigmenwechsel gleichkommen.

Aber egal ob es einem nun gefällt oder nicht, PKO-Turniere werden sich immer größerer Beliebtheit erfreuen und zu verstehen, wie wertvoll die Möglichkeit ist, zukünftige Kopfgelder zu gewinnen, ist ein absolutes Muss für alle, die in Knockout-Turnieren langfristig zu den Besten gehören wollen.

Wer mehr über die Turnierform PKO lernen will, kann das Buch von Dara O'Kearney PKO Poker Strategy als Kindle-Ausgabe oder Taschenbuch bei Amazon kaufen.

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