Eddy Scharf zieht vors Verfassungsgericht
Das bestätigte der 63-Jährige in einem Interview mit PokerStrategy.com. Die Verfassungsbeschwerde muss aber erst zugelassen werden, bevor es zu Verhandlungen kommt.

Der Steuerstreitfall um Eddy Scharf könnte in eine neue Runde gehen. Wie der ehemalige Pilot im Interview mit PokerStrategy.com bestätigte, hat er zusammen mit seinen Anwälten eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.
Ihrer Auffassung nach ist die Einheitlichkeit der Rechtsordnung in Gefahr, "weil das Pokerspiel von zahlreichen (auch obersten) Gerichten als Glücksspiel bewertet wird und von den Finanzgerichten eben nicht." Das Verfassungsgericht prüft nun zunächst, ob die Klage überhaupt zulässig ist.
Jahrelanges Verfahren
Der Fall wird seit nunmehr sieben Jahren vor deutschen Gerichten verhandelt und begann mit einer Steuernachforderung: Eddy Scharf sollte Einkommenssteuer auf seine Pokergewinne von 2003 bis 2007 zahlen. Unter anderem hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Bracelets der World Series of Poker (WSOP) gewonnen und den 15. Platz beim WSOP Main Event erreicht.
Trotzdem machte er nach eigenen Angaben insgesamt mehr Verluste als Gewinne mit dem Kartenspiel. Da er seine Einnahmen und Ausgaben jedoch nicht exakt nachweisen konnte, wurde sein Gewinn vor allem anhand der "Hendon Mob Poker Database" geschätzt.
Eddy klagte gegen den Steuerbescheid, da Poker ein Glücksspiel und die Gewinne dementsprechend steuerfrei seien. Nach mehreren Instanzen landete der Fall schließlich vor dem Bundesfinanzhof in München, der die Klage vor einigen Monaten ablehnte.
Unterstützung von anderen Spielern

Zahlreiche Pokerspieler hatten sich von dem Urteil eine Klarstellung der seit Jahren schwelenden Streitfrage erhofft, ob und wann man seine Pokergewinne versteuern muss.
Das Gericht wich dieser Frage jedoch weitestgehend aus. Turnierpoker sei nämlich eine "Mischung aus Glücks- und Geschicklichkeitsspiel" und es sei jeweils am konkreten Einzelfall zu klären, wann Spieler Einkommenssteuer zahlen müssen.
Auch deshalb entschlossen sich wohl mehrere Spieler dazu, Eddy bei der Verfassungsbeschwerde unter die Arme zu greifen. "Es gibt eine Menge Pokerspieler, die mich unterstützen und die Kosten tragen, weil ich selbst nicht mehr dazu bereit war. Diesen Leuten gehört auf jeden Fall mein Dank!"
Eddys neues Geschäftsmodell
Er selbst sieht seinen Fall inzwischen gelassen. Sollte die Verfassungsbeschwerde nicht zugelassen werden, erwartet er sogar eine Steuerrückzahlung vom Finanzamt, da er seine Verluste inzwischen nachweisen kann. "Ich hatte ja jetzt sieben Jahre Zeit, die entsprechenden Unterlagen herbeizuschaffen, das habe ich lückenlos geschafft."
Außerdem nutzt er seinen durch das Verfahren gestiegenen Bekanntheitsgrad auch für ein eigenes Geschäftsmodell und veranstaltet zusammen mit einem Freund Pokerevents für Firmen und andere Gruppen.
Das ausführliche Interview mit Eddy Scharf kann hier nachgelesen werden.
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