Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Das Schlüsselkonzept bei PKO-Turnieren

PKO-Turniere sind zwar alles andere als gelöst, dennoch ist eine strategische Anpassung in der besonderen Turnierform mit Kopfgeldern unabdinglich.

Dara O Kearney
Dara O'Kearney

PKO-Turniere haben die Online-Pokerwelt im Sturm erobert, seitdem sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal ausgetragen wurden. Grund für den Aufstieg des Formats ist, dass sie unterhaltsamer als normale Turniere sind. Durch die vorhandenen Kopfgelder ist deutlich mehr los am Tisch, da mehr gegamblet wird, weil man direkt zu Turnierbeginn schon Geld gewinnen kann. Die Befriedigung ist groß, wenn man mal eben in einer einzigen Hand mehrere Kopfgelder seiner Gegner auf einmal einsacken kann und bereits einen Gewinn im Turnier gemacht hat.

Hobbyspieler haben dadurch deutlich mehr Spaß in PKO-Turnieren, entsprechend soft fallen die Teilnehmerfelder aus. Sie können Dampf ablassen und besser gamblen als bei regulären Turnieren. In PKO-Turnieren erleben Hobbyspieler bei einer solchen Spielweise mehr Gewinnmomente, was mit Blick auf ambitionierte Spieler zum Paradoxon führt, dass die eigene Edge zwar kleiner ausfällt, PKO-Turniere aber dennoch profitabler als normale MTTs sind.

Die geringere Edge erfahrener Spieler und ein Mehr an Gambling in PKO-Turnieren sorgt dafür, dass manche dieser Spieler dem Format aus dem Weg gehen, was sie wiederum attraktiver für ambitionierte Spieler macht. Ein verbreitetes Leak im Mentalgame vieler ansonsten guter Profispieler ist, dass das gelegentliche Verlieren gegen einen Hobbyspieler für die langfristige Profitabilität des eigenen Spiels etwas Gutes ist. Der Freizeitspieler, der jetzt einen Gewinn einfährt, wird mit der Gier nach mehr wieder zurück an die Tische finden. Der Freizeitspieler, der direkt gnadenlos gecrusht wird, wird seine Unterhaltung im Anschluss eher bei Netflix oder Fortnite suchen. PKO-Turnieren sind also nicht nur voller Hobbyspieler und Amateure, solide Regulars sind in ihnen verhältnismäßig auch in geringeren Zahlen unterwegs.

Der wohl wichtigste Grund, sich langfristig auch auf PKO-Turniere einzuspielen, ist, dass sie bei sämtlichen Online-Anbietern hoch im Kurs stehen. Entsprechend wird man das Sonderformat immer mehr in den regelmäßigen Turnierplan einbauen. Aus Sicht der Anbieter wird bei PKO-Turnieren der Preispool breiter als üblich gestreut, sodass deutlich mehr Spieler für längere Zeit beim Anbieter aktiv bleiben. In einem PKO erhält ein größerer prozentualer Anteil des Feldes einen Anteil am Preispool, sodass der Gewinn weiter umgesetzt werden kann und dem Anbieter ein Mehr an Rake winkt. Da PKO-Turniere derart das gewünschte Ökosystem beim Anbieter fördern, werden sie definitiv nicht mehr aus dem Angebot verschwinden.

Was ist also das Schlüsselkonzept bei PKO-Turnieren? Hört man es zum ersten Mal, ist es derart offensichtlich, dass es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Dennoch verstehen viele Spieler jedoch nicht die weitreichende Bedeutung...

Looser spielen, wenn man ein Kopfgeld gewinnen kann

Dara O Kearney PKO
Habt ihr den Gegner gecovert, ist eine loosere Spielweise angesagt

Die Präsenz von Kopfgeldern sorgt für die deutlichen Unterschiede zwischen normalen MTTs und PKO-Turnieren. Der Gewinn eines Kopfgelds bringt nicht nur ein direktes Preisgeld, sondern führt auch zu einem größeren Stack, womit sich die Chancen auf ein weiteres Preisgeld durch eine gute Endplatzierung im Turnier erhöhen und der Gewinn weiterer Kopfgelder möglich wird. Der mögliche Nutzen, wenn man all sein Geld in die Mitte bekommt und ein Bounty gewinnen kann, ist deutlich höher als bei einem normalen Turnier, wenn es nur um ein Mehr an Chips geht.

Aus diesem Grund ist die Equity, die man zum Callen benötigt, wenn man ein Kopfgeld einsacken kann, geringer als in einem regulären Chip-EV-Spot und deutlich geringer als in einem vom ICM beeinflussten Spot. In einem Szenario, bei dem man 50% Equity benötigt, um in einem Cashgame zu callen, könnten 60% Equity in einem Turnier vonnöten sein, bei dem man kurz vor den Preisrängen steht. In einem PKO könnten im selben Spot lediglich 35% nötig sein. PKO-Turniere sind in der Hinsicht einzigartig, dass sie häufig einen Call einfordern, der einen langfristig Chips kosten wird, aber der mögliche Gewinn des Kopfgelds es trotzdem zum profitablen Spielzug macht.

Gegen Gegner, die man in Chips gecovert hat, sollte man also mehr Pötte spielen. Dabei sollte man darauf achten, dass man sie so gut es geht nicht aus der Hand vertreibt. Haben sie erst einmal gefoldet, kann man auch nicht mehr ihr Kopfgeld gewinnen. Man muss seine Bettinglines also derart anpassen, dass man nach wie vor genug protectet, aber weniger konsequent als in einem normalen Turnier. Was aber, wenn der Gegner mehr Chips besitzt als man selbst und einem aus dem Turnier kicken kann?

Nahezu normal spielen, wenn man gecovert wird

Dara O Kearney PKO
Defensiver agieren, wenn es Gegner auf das eigene Kopfgeld abgesehen haben

Wenn man der Spieler ist, der in einer Hand Gefahr läuft auszuscheiden und kein Kopfgeld gewinnen kann, ändern sich der Ansatz deutlich. Es gibt keinen zusätzlichen Anreiz, man kann lediglich mehr Chips gewinnen. Also sollte man keine großen Risiken eingehen mit einem All-in. Das bedeutet aber nicht, dass man in solch einem Fall nur noch übermäßig tight agieren sollte. Die möglichen Chips, die man gewinnen kann, sind immer noch genau so viel wert, wie in einem regulären Turnier, wenn es um die Endplatzierung geht.

Im Zweifel spielt man seine Hand einfach so wie in einem regulären Turnier ohne Bountys. Idealerweise passt man sein Spiel so an, dass man sich in einem normalen MTT befindet mit deutlich mehr loose-aggressiven Gegnern als üblich. Auch wenn man selbst kein Kopfgeld gewinnen kann, weil man gecovert wird, kann man in einem PKO immer sein eigenes abgeben. Entsprechend gierig werden die Gegner agieren, damit die eigenen Chips vollends in die Mitte wandern. Die eigene Range an Händen, mit denen man valuebettet und bluffcatcht, kann also weiter als üblich ausfallen, da man auch deutlich häufiger gecallt und gereraist werden wird. Grundsätzlich sollte die Breite der eigenen Range aber nicht looser ausfallen, als in einer Situation, in der man selbst ein Kopfgeld gewinnen könnte.

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