Der ICM-Lautstärkeregler
Man mag es bezweifeln, aber PKO-Turniere und Satellites sind unterschiedliche Seiten derselben Medaille oder vielmehr der Anfang und das Ende auf einem Regler. Dara O'Kearney erläutert mehr...

Im vergangenen Jahr habe ich als Co-Autor beim Buch Poker Satellite Strategy mitgewirkt, in dem erklärt wird, welche wesentlichen Anpassungen man in seinem Spiel bei Satellites vornehmen muss. In diesem Jahr folgte ein weiteres äußerst kreativ betiteltes Buch mit PKO Poker Strategy, das erste Werk überhaupt, das zu PKO-Turnieren verfasst wurde.
Die Strategien in Satellites könnten sich zwar nicht mehr von denen in PKOs unterscheiden, dennoch bin ich fest überzeugt, dass das Lernen des einen Turnierformats auch einen positiven Effekt auf das andere hat. Tatsächlich kam das zweite Buch auch unter anderem zustande, weil mein Co-Autor BarryCarter nach einem sicherlich nur zufälligen Turniererfolg sich den Witz nicht verkneifen konnte, dass er besser in PKO-Turnieren geworden sei, weil er ein Buch über Satellites geschrieben hatte.
Satellites sind die wohl tighteste Form von Turnierpoker und PKOs die looseste, beide Formate stellen jedoch unterschiedliche Seiten derselben Medaille dar. Ich bevorzuge dabei aber ein noch geeigneteres Schaubild: Sie sind der Anfang und das Ende auf einem Lautstärkeregler. Das ICM und die Kopfgelder in PKOs ziehen den Regler in die eine und andere Richtung. Eine Bubble in einem Satellite stellt den Nullpunkt auf dem Regler dar, die lautlose Einstellung. Ein sattes Kopfgeld in einem PKO kann den Regler komplett in die andere Richtung aufdrehen und den Bass voll erklingen lassen. Das ICM am Anfang des Reglers sorgt für eine tightere Range, während das Kopfgeld am Ende des Reglers die eigenen Range looser werden lässt.
Zwei Seiten derselben Medaille

In beiden Büchern empfehlen wir bei einer fälligen Entscheidung damit zu beginnen, sich darüber Gedanken zu machen, wie die eigene Standardrange im jeweiligen Spot mit normalem Chip-EV aussehen würde. Wenn ICM ein Faktor ist, überlegt man sich im Anschluss, wie sehr das die eigene Range tighter werden lässt, und wenn ein Kopfgeld gewonnen werden kann, wie looser sie ausfallen könnte. In den Büchern werden kurze simple Berechnungen vorgestellt, die man auf Abruf in solchen Spots durchführen kann, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sehr sich die eigene Range ändert. Gerade in PKO-Turniere muss man diese Analyse, wie sehr das ICM und wie sehr Kopfgelder Einfluss auf die eigene Range nehmen, immer wieder aufs Neue durchlaufen und herausfinden, welcher Effekt in entsprechenden Spots der stärkere ist.
Um die Verknüpfung von PKOs und Satellites zu demonstrieren, kann man extreme Situationen anführen, in denen man nicht einmal einen Blick auf die eigenen Karten werfen muss, um in beiden Formaten die optimale Entscheidung zu treffen. In Satellites gibt es Bubblespots, in denen ein Fold jeder einzelnen Hand, darunter auch Pocket Aces, das mathematisch korrekte Play ist. Wer einen Seat im Zielturnier eigentlich sicher hat, kann durch eine höhere Platzierung nicht mehr gewinnen, entsprechend tight agiert man in solch einer Lage. In PKO-Turniere gibt es hingegen Kopfgelder, die so hoch ausfallen können, dass selbst der Call eines All-ins mit 72o mathematisch korrekt sein kann. Der Lautstärkeregler ist in diesen Beispielen entweder voll nach links oder voll nach rechts aufgedreht, wodurch die Entscheidung praktisch blind getroffen werden kann.
Wenn ich online am Grinden bin, spiele ich mit drei Monitoren und nutze das Konzept des ICM-Lautstärkeregler im Grunde wortwörtlich. Sämtliche Satellites kommen bei mir auf den linken Monitor, normale Turniere in die Mitte und alle PKO-Turniere wandern auf den rechten Monitor. Wenn schnelle Entscheidungen gefragt sind, weiß ich direkt, dass links die Entscheidungen am stärksten vom ICM beeinflusst sind, während das Gegenteil auf der rechten Seite der Fall ist und meine Range aufgrund von Kopfgeldern deutlich looser ausfallen kann.
Jeder wird seine eigene Hilfe finden, aber die Frage, wo man sich auf dem ICM-Regler bei einer Entscheidung befindet, ist durchweg relevant. Das Wichtigste ist jedoch, dass man zunächst einmal überhaupt weiß, wie die eigenen Standardrange in den entsprechenden Spots in einem normalen Turnier aussieht. Tighter oder looser zu agieren, macht keinen Sinn, wenn schon die Grundlage fehlerhaft ausfällt.
Wer mehr über PKOs lernen will, kann PKO Poker Strategy als Kindle-Ausgabe oder Taschenbuch bei Amazon kaufen.
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