5 Card Draw (3) - Postdraw
Einleitung
In diesem Artikel
- Welche Hände du postdraw halten kannst
- Wie du mit ihnen weiterspielst
- Was eine Median Hand ist
Die Action postdraw
Die Action nach dem Draw – also postdraw – spielt für deine Winrate eine entscheidende Rolle, da die dort gesetzten Beträge doppelt so hoch sind wie noch vor dem Draw. Du wirst beim 5 Card Draw wesentlich mehr gewinnen, wenn du weißt, wie man postdraw vernünftig spielt (und umgekehrt wirst du viel mehr verlieren, wenn du deine Hände zu oft overplayst oder postdraw einfach zu viel callst).
In den meisten Fällen wirst du postdraw nur auf einen Gegner treffen, manchmal sind es aber auch zwei oder mehr. Viele Spieler fragen sich nach dem Draw (ob bewusst oder unterbewusst): “Ist meine Hand nach dem Draw wirklich gut?”
Wenn sie dann überzeugt sind, dass ihre Hand aufgrund der Anzahl der Gegner und den bisher gezeigten Aktionen postdraw gut ist, dann ist es nur logisch seine Hand for Value zu betten und hoffentlich ausbezahlt zu werden.
Gute Spieler beim 5 Card Draw können dies sehr gut ausnutzen. Sie wissen genau, wie gut ihre Hand sein sollte und betten sie postdraw oft for Value, da sie meist sehr gute Gründe dafür haben. In der Realität wissen aber die meisten Spieler erstens nicht, welche Hände postdraw generell oder in bestimmten Situationen gut sind und als Folge daraus ebenfalls nicht, wie gut ihre jeweilige Hand in der aktuellen Situation ist, um valuebetten, reraisen, callen oder folden zu können.
Wenn man sich heute an den Tischen das Postdrawplay einmal genauer anschaut, so kann man des Öfteren Spieler beobachten, die sehr verwirrt oder gar verunsichert zu agieren scheinen. Sie haben meist Angst, dass ihr Gegner seine Hand verbessert haben könnte oder ihre Gegner sie oft von ihrer Hand bluffen könnte. Als Konsequenz checken sie ihre Hand oft herunter, callen einfach oder folden ihre Hände zu oft. Diese Einstellung zum Spiel ist komplett falsch.
Stattdessen sollten die Gedanken eher wie folgt lauten: “Wenn diese Hand statistisch gesehen postdraw profitabel ist, dann sollte ich versuchen, mehr Value herauszuholen.” Mit dieser Einstellung wird man es deutlich einfacher haben, insgesamt profitabel zu spielen. Du solltest also deine Hand oft betten oder sogar reraisen.
Wenn du davon ausgehst, dass der Gegner einen Draw oder eine extrem marginale Hand hat, dann gilt es auch oft for Value zu callen. Dieser Fall kann durchaus etwas schwierig sein, da man dazu einige Erfahrung im Lesen der Gegner benötigt. Ohne die nötige Erfahrung solltest du nach dem Draw nicht oft versuchen Hero-Calls hinzulegen – dabei kannst du nur verlieren. Dabei ist es natürlich aber auch richtig, dass es viele notorische Bluffer und Spieler, die ihre Hände überspielen, gibt. Mit steigender Erfahrung und Übung wirst du diese Spieler leicht erkennen können und mit perfekt getimten Calls ausnutzen können, wenn sie postdraw wieder wild spielen.
Schau dir nun einige statistische Fakten an, die dir beim Spiel postdraw helfen können. Zunächst einmal wird festgestellt, welche Hände du postdraw überhaupt spielen solltest und dann die angemessen Spielweise erörtert. Dabei wird mit den stärksten Händen begonnen.
Die statistische Grundlage, die sogenannten Median Hands, findest du in der zusammenfassenden Tabelle am Ende dieses Abschnitts.
Wenn du predraw eine Pat Hand hältst und postdraw einen oder mehrere Gegner hast, so solltest du unabhängig von deiner Position for Value betten und reraisen, wenn du glaubst die beste Hand zu halten, vorausgesetzt, dass keiner deiner Gegner predraw eine Pat Hand hatte oder sich zu einer Pat Hand verbessert hat.
Wenn jemand bereits eine Made Hand halten oder seinen Draw vervollständigen sollte, erinnere dich daran, dass AKQJT (Broadway) eine Straight oder jede bessere Pat Hand in mehr als 50% der Fälle schlägt. Wenn du einen Flush hältst und gegen einen weiteren möglichen Flush antrittst, liegt der Median Flush exakt bei KJT42. Solltest du mit einem Flush fürchten, gegen eine noch besser Hand wie z.B. einen besseren Flush, ein Full House oder ein Vierling, dann liegt die Median Hand bei einem AKT87-Flush.
Im Falle, dass du postdraw Trips hältst und fürchtest, dass ein anderer Spieler eine starke Hand wie Twopair oder besser hat, ist es gut zu wissen, dass die Median Hand 888 ist.
Mit niedrigeren Trips als 888 sollte man in multiway Pots postdraw etwas vorsichtiger sein. Mit mehr als drei Spielern sollte man hier eher checken, da einige Draws angekommen sein könnten. Sollte man dann mit einer Bet konfrontiert werden, muss man seine Entscheidung zu Callen oder zu Folden anhand der Eigenschaften des jeweiligen Gegners und seiner Aktionen in der Vergangenheit treffen.
Die Entscheidung ist aber trotzdem nicht einfach, da mehr als nur ein Spieler involviert ist und damit die Wahrscheinlichkeit eines Bluffs sinkt. Solche Situationen werden definitiv in folgenden fortgeschritteneren Artikeln weiter behandelt. Für diesen Anfängerartikel reicht es zu sagen, dass du hier manchmal callen und manchmal folden solltest.
Viele Spieler haben beim 5 Card Draw große Probleme damit, ihr Twopair richtig einzuschätzen und herauszufinden, ob sie damit betten sollten oder nicht. Die richtige Antwort darauf hängt von vielen Faktoren ab. Wenn du ein kleines Paar hast und viele höhere Paare in den Pot eingestiegen sind, wird deine Hand natürlich angreifbarer. Wenn einer deiner Gegner sich verbessert, bist du nahezu drawing dead (dir bleiben vier Outs). Ein höheres Twopair wie Aces oder Kings up ist stärker. Mit Aces up solltest du selbst im multiway Pot eine Valuebet in Betracht ziehen. Kings up ist grenzwertig, wenn du vermutest, dass ein Gegner möglicherweise Aces halten könnte.
Aber was ist mit den Twopairs dazwischen? Die Median Twopair Hand ist JJ44A – JJ552. Diese Tatsache kann beim Abwägen zwischen Check oder Valuebet mit einem Twopair postdraw sehr hilfreich sein. Natürlich musst du dabei auch deine Position und die Zahl der Gegner im Pot berücksichtigen, und gut einschätzen können, welche Hände deine Gegner halten könnten.
Sagen wir nun, jemand hat aus dem CO geraist und du sitzt mit QQ44x am Button. Du machst standardmäßig ein Reraise und dein Gegner callt. Er tauscht eine Karte und checkt zu dir. Du weißt, dass dieser Gegner ziemlich solide spielt und mit Draws nicht besonders aggressiv agiert. Aufgrund der Tatsache, dass er predraw keine 4-Bet ausgepackt hat, setzt du ihn auf ein Twopair. Wie gut ist nun also dein Twopair dagegen? Gemäß der Median Hand sollte dein Twopair zu mehr als 50% besser sein, als andere Twopairs.
Die nächste Frage ist: Solltest du valuebetten oder nicht? Wenn du weißt, dass dieser solide Spieler nichts callen wird, was schlechter ist als Aces up, dann gibt es kaum einen Grund zu betten. Du möchstest deinen Gegner immer zu einer Entscheidung zwingen und wenn er foldet, brauchst du deine Hand nicht zu zeigen, was immer ein Vorteil ist. In diesem speziellen Fall ist das keine gute Idee, weil du eine gute Vorstellung seiner Opening- und Callingrange predraw hast. Wenn er hier callt, hält er mindestens Aces up.
Ein Paar, das du postdraw nicht verbessern konntest, muss sehr vorsichtig weitergespielt werden, besonders wenn du mehr als einen Gegner hast. Ein Paar 99 mit einem König als Kicker ist die Median Hand, die ein Paar oder besser in 50% der Fälle schlägt. Wenn du allerdings ein Paar wie AA-KK first in raist und von zwei Spielern gecallt wirst, solltest du unimproved definitiv checken, wenn du out of Position bist.
Zwar bist du mit AA 6-handed predraw Favorit gegen die restlichen Spieler aber unverbessert in einem multiway Pot ist eine vorsichtige Spielweise mit einem Check optimal. Sollte einer der Gegner dann selber betten, wirst du in den meisten Fällen hinten liegen und solltest deine Hand folden. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der Spieler eine stärkere Hand bekommen hat, ist einfach zu groß.
Eine weitergehende Betrachtung der Konzepte für das richtige Postdrawspiel würde detailliertere mathematische und statistische Methoden erfordern, die in diesem Einsteigerartikel aber außen vor gelassen werden sollen.
Da die Postdrawsetzrunde mit Abstand am schwierigsten zu spielen ist, betrachten wir nun einige konkrete Handbeispiele, bei denen am Ende die empfohlene Spielweise aufgezeigt wird.
Du hältst im Cutoff 4433x und erhöhst in einem $2/$4-Spiel first in auf $4. Der Spieler im Big Blind callt und der Pot beträgt nun $9. Der BB discardet drei Karten, du selbstverständlich nur eine, die aber deine Hand nicht verbessert. Der BB checkt und du bist an der Reihe.
Spielweise:
Du hast ein niedriges Twopair. Predraw hast du aus dem Cutoff erhöht, wofür du üblicherweise eine Hand wie JJ oder besser benötigst. Zwar weißt du über deinen Gegner nicht viel, aber er könnte ein notorischer Defender sein, der dich auf eine marginale Hand oder gar einen Bluff setzt und somit mit einer weiteren Range an Paaren callt. Deine Hand sollte also auch aufgrund der Tatsache, dass er zu dir gecheckt hat und ihr nur zu zweit in der Hand seid, gut sein.
Generell sollte man in so einer Situation immer selber betten. Wenn er den Held spielen will und callt, wirst du ausbezahlt. Wenn er foldet, hast du den Vorteil deine Hand nicht zeigen müssen (die dieses Mal sehr stark war). Das ist ein großer Vorteil und macht den Spielzug auch dann korrekt, wenn dein Gegner nicht callt. Außerdem sorgst du auf diese Art und Weise dafür, dass du deine Gegner immer unter Druck setzt. Das ist von großer Bedeutung, da ein aufmerksamer Gegner schnell merkt, wenn du zu postdraw zu viel behindcheckst und das durch eine große Anzahl an Bets ausnutzen wird.
Der Spieler in UTG erhöht in einem $1/$2-Spiel auf $2. Du hältst im Button JJTTx und reraist. Der UTG callt und discardet drei Karten. Du verbesserst deine Hand nicht und der Gegner checkt zu dir. Im Pot sind $7,50. Was solltest du tun?
Spielweise:
Ein durchschnittlicher Spieler wird mit AA-KK (eventuell auch QQ) aus UTG erhöhen. In dieser Situationen solltest du oft behindchecken und nur valuebetten, wenn dich dein Gegner oft genug ausbezahlen wird, weil er dich für einen Bluffer hält (eine etwas vage Voraussetzung, für die du schon einige Zeit mit ihm am Tischen sitzen musst). Meistens wird der Gegner deine Bet nicht callen. Der Grund dafür ist deine schon predraw gezeigte Stärke und wenn ein Spieler dann (recht schnell) checkt, so wird er seine Hand meistens aufgeben. Wenn du doch betten solltest, wirst du in der Mehrzahl der Fälle von höheren Twopairs oder sogar Trips gecallt werden.
In einem $3/$6-Spiel bettet der Spieler in UTG+1 $6. Du sitzt mit KKQQx im BB und erhöhst auf $9. Dein Gegner callt, du verbesserst deine Hand nicht und dein Gegner discardet eine Karte. Der Pot beträgt $19 und du bist als erster an der Reihe. Was solltest du tun?
Spielweise:
In den meisten Fällen wird ein Spieler mit Trips in einer Heads-up-Situation den Pot cappen (in diesem Fall also noch einmal erhöhen). Dein Gegner hat jedoch nur gecallt. Die Frage ist nun, ob dein Twopair immer noch gut ist. Die Antwort lautet Ja wenn dein Gegner predraw keine Trips hatte und du ihn so auf ein kleineres Twopair (oder einen Draw) setzen kannst.
Du kannst also davon ausgehen, dass du predraw die beste Hand hattest, da KKQQ besser ist als viele andere Twopairs, und du daher auch nach dem Draw meist noch vorne liegst. Dein Gegner mit dem niedrigeren Twopair drawt in diesem Fall also auf vier Outs und braucht viel Glück, um dich zu schlagen. Wenn du sicher bist, dass er keine Trips hält, solltest du auf jeden Fall betten. Wenn er dich ausbezahlt, gewinnst du und wenn er foldet, profitierst du davon, dass du deine Hand nicht zeigen musst.
Solltest du mit einem Reraise konfrontiert werden, musst du annehmen, dass er seinen Draw (Flush- oder Straightdraw) getroffen hat oder seine Hand im Extremfall sogar zu einem Full House verbessert hat. In dieser Situation wäre ein Call keine gute Idee. Wenn dein Gegner aber in ähnlichen Situationen sehr viel blufft, könntest du ab und zu callen, obwohl du diese Calls sehr dünn sein werden.
Hier findest du eine Tabelle der Median Hands beim 5 Card Draw. Sie verschafft dir einen Überblick über die Hände, die mindestens 50% ähnlicher Hände schlagen. Anhand dieser Informationen und deiner Reads auf die Gegner kannst du besser einschätzen, ob deine Hand gut ist oder nicht. Noch wichtiger ist es, korrekt einzuschätzen, ob deine Hand gut genug zum Valuebetten ist.
| Hand | Median hand |
| Any five Cards | AKQJ6 - AKQJ7 |
| Paar oder besser | 99KJ2 |
| JJ+ | AA952 |
| QQ+ | AAQT2 |
| KK+ | 66554 |
| AA+ | TT99K |
| Twopair | JJ44A - JJ552 |
| Twopair oder besser (2233+) | KK998 |
| Jacks up oder besser (JJ22+) | 222 |
| Trips | 888 |
| Trips oder besser | TTT |
| 666 oder besser | QQQ |
| JJJ oder besser | 23456 |
| AAA oder besser | QJT98 |
| Straight oder besser | AKQJT |
| Flush | KJT42 |
| Flush oder besser | AKT87 |
| Full House oder besser | 999TT |
| Aces full oder besser | 5555A |
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