5 Card Draw (4) - Gegner
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du deine Gegner liest und Informationen sammelst
- Welche weiterführende Literatur du nutzen kannst
Lesen der Gegner und Sammeln von Informationen
Die Informationen, die du von deinen Gegnern sammelst und auf denen deine Reads beim 5 Card Draw aufbauen, können in folgende, von einander abhängige Kategorien eingeordnet werden:
- Der Draw (die Anzahl an Karten, die dein Gegner foldet)
- Das Setzen (ein Raise, ein Call oder ein Check in BB)
- Die Position des Gegners
- Vorherige Aktionen und die Karten des Gegners – diese Informationen findest du in der Hand History.
- Bestimmte Eigenschaften oder Beobachtungen zu einem Spieler: Chattet er viel? Tiltet er leicht? Wie und in welchem Tempo bettet, checkt oder foldet er?
Die fünfte Kategorie erscheint vielleicht anfänglich etwas abstrakt, dennoch lassen sich hier beim Spielen einige Dinge festhalten. Aber auch dieses Thema ist für einen Einsteigerartikel noch etwas zu kompliziert. Dennoch muss man feststellen, dass man relativ leicht größere Beträge von wütenden oder manchmal sogar betrunkenen Spielern gewinnen kann. Am Anfang sollte man sich aber auf andere, wesentlichere Dinge konzentrieren und sein Hauptaugenmerk auf die ersten vier Punkte legen.
Es lohnt sich, immer alle Details genau zu beobachten und beim Schreiben einer Notiz zu einem Spieler zu verwenden. Daraus kannst du dann einen vollständigen Read deines Gegners aufbauen, den du dann während des Spiels nutzen kannst. Wenn du fleißig Informationen sammelst, wirst du gegenüber deinen Gegnern einen immensen Vorteil haben und zusammen mit den Strategien aus den vorigen Abschnitten das Spiel recht leicht schlagen können.
Mit den Playernotes kann man heutzutage auf so gut wie jeder Pokerseite hervorragend arbeiten. Eine effektive Art und Weise dies zu tun, besteht aus dem Aufschreiben der Setzrunden (predraw und postdraw), der Position, des Draws und der schlussendlichen Handstärke, falls es einen Showdown gegeben hat. Auch hier wird sich eine kleine zusätzliche Arbeit langfristig auszahlen. Dazu ein Beispiel:
Hand 1:
Predraw: raist AKQ high UTG, discardet 2 / Postdraw: Contibet AKQ-high unimproved.
Hand 2:
Predraw: Zu viele Plays und zu oft Stand Pat. Manchmal mit Twopair, oft aber mit gar nichts.
Hand 3:
Predraw: Defendet BB fast immer – jedes Paar, alle Highcards. Besonders gegen Raises aus später Position.
Maniac Level: 10
Aggression: 10
Looseness: 10
In diesem Beispiel geht es offensichtlich um einen sehr schlechten Spieler mit recht extremen Tendenzen. Diese Tendenzen kann man in einer Skala festhalten, die einen allgemeinen Eindruck über den Spieler liefert, z.B. wie sehr Maniac er ist. In diesem Fall ist der Gegner ein ziemlicher Maniac, da er in den vergangenen Sessions mit vielen Händen sehr wild gespielt hat. Zusätzlich dazu kann man noch festhalten, wie aggressiv er spielt und wie loose er mit verschiedenen Händen umgeht. Natürlich kannst du hier noch weitere Parameter hinzufügen. Auf diese einfache Art und Weise lassen sich alle Eigenschaften eines Gegners festhalten.
Sobald du im Spiel bist, und eigentlich sobald du an einem Tisch platz nimmst und deinen ersten BB bezahlt hast, kannst du ständig Informationen über deine Gegner und ihre Hände sammeln – wenn es denn einen Showdown gab – und das mit der Hand History Option.
Diese Möglichkeit solltest du so oft wie möglich nutzen, wenn du Hände hast, die von den Eigenschaften und Setzmustern deiner Gegner beeinflusst werden könnten. Wenn du das machst, wirst du in der Lage sein, einschätzen zu können, wie oft ein bestimmter Gegner raist, callt, blufft oder eine Hand overplayed.
Außerdem wirst du beobachten können, wie gute Spieler valuebetten und oft ausbezahlt werden. Mache dir also zum gesamten Spektrum deiner Gegner Notizen – nicht nur zu den schlechten Spielern. Sobald du über die Schwächen sowohl der guten als auch der schlechten Spieler Bescheid weißt, hast du in vielen Situationen eine große Edge ihnen gegenüber und kannst so ideale Raises, Valuebets, Folds oder Calls machen.
Eine solche Herangehensweise ist beim 5 Card Draw sehr profitabel und es lohnt sich diese Art des Beobachtens und Sammelns von Information intensiv zu betreiben, um seine Gewinne steigern zu können.
Darüber hinausgehend lassen sich beliebte Aktionen in einem Ring Game weiter interpretieren. So kommen bestimmte Situationen in einer 5 Card Draw Session meist des Öfteren vor. So kann man versuchen einzuschätzen, mit welchen Ranges bestimmte Spieler in einen Pot einsteigen (entweder durch Raisen oder Callen aus verschiedenen Positionen). Das kann natürlich immer nur eine grobe Schätzung sein, da es immer wieder diese verrückten Spieler gibt, die ein Twopair (jedes Twopair) first in nur callen, um es dann postdraw zu betten und das mit dem Callen eines Four-Flushes balancen, mit dem sie genauso spielen. Wenn man diese ungewöhnlichen Spielweisen aber einmal außen vor lässt, dann finden sich in folgender Tabelle die üblichsten Aktionen der Gegner und die Schlüsse, die man daraus ziehen sollte.
| Aktion | Position | Carding | Hinweise |
| Call |
First in, frühe oder späte Position | 3 | Jedes Paar, vermutlich nicht besser als KK |
| Call | First in, frühe oder späte Position | 2 |
1. Kleines bis mittleres Paar mit Kicker. 2. Trips (alle), deutet auf Slowplay mit der Absicht einer Bet postdraw hin. 3. AA - KK mit Kicker. Ein konservativer Spieler mit der Absicht unimproved zu checken und AA- oder KK up zu betten. |
| Call | First in, frühe oder späte Position | 1 |
1. Four-Flush oder OESD. Mit dem Plan zu checken oder unimproved zu bluffen. 2. Kleines Twopair eines konservativen Spielers, der den Pot klein halten und billig zum Showdown will. 3. Hohes Twopair oder verborgene Trips, die postdraw valuebetten. |
| Raise | First in, frühe oder späte Position | 3 | Normalerweise AA - KK, manchmal auch QQ oder schlechter. |
| Raise | First in, frühe oder späte Position | 2 |
1. Manchmal Trips, die postdraw gebettet werden. 2. Manchmal AA, KK, QQ mit Kicker. Durch das Carden von zwei Karten soll der Pot klein gehalten werde (in oder out of Position) und oft wird ein Twopair oder improved Trips for Value gebettet. Diese Gegner werden ihre Hand aber nicht sehr oft verbessern, so dass einige ihre Hand auch unimproved erneut betten oder einfach herunter checken. 3. Kleines bis mittleres Paar mit Kicker, das postdraw auch unimproved noch einmal gebettet werden soll. |
| Raise | First in, frühe oder späte Position | 1 |
1. Jedes Twopair, das postdraw abhängig von der Zahl der Gegner gecheckt oder gebettet wird. 2. Verborgene Trips mit Kicker, die postdraw gebettet werden. 3. Semibluff mit einem Flush- oder Straightdraw, der postdraw erneut gebettet wird. Gute Gegner werden postdraw nicht bluffen, wenn sie bei einem anderen Spieler eine große Call-Neigung ausgemacht haben. |
| Raise | First in, frühe oder späte Position | 0 |
1. Eine straight-forward gespielte Pat Hand. 2. Ein Bluff-Versuch (schwer auszumachen, wenn der Spieler vorher bei Showdowns gute Hände gezeigt hat). 3. Twopair oder auch Trips, die postdraw in der Hoffnung auf lighte Calls erneut gebettet oder gecheckt werden, um den Pot klein zu halten und billig zum Showdown zu kommen. |
| Aktion | Position | Carding | Hinweise |
| Call |
SB (HU) | 3 | Normalerweise ein kleines bis mittleres Paar. Manchmal ein hohes Paar eines konservativen und passiven Spielers. Manchmal auch A high. |
| Call | SB (HU) | 2 |
1. Normalerweise ein kleines bis mittleres Paar mit Kicker. 2. Ab und zu Highcard-Kombinationen mit Flush- und/oder Straightdraws. 3. Slowplay mit Trips, die postdraw gebettet oder schon predraw ge-3-bettet werden sollen. |
| Call | SB (HU) | 1 |
1. Four-Flush oder Straightdraw. 2. Slowplay mit Twopair oder Trips, die postdraw gebettet oder schon predraw ge-3-bettet werden sollen. |
| Raise | SB (HU) | 3 |
1. Jedes Paar, meist ein mittleres. 2. Manchmal A-High-Kombinationen. |
| Raise | SB (HU) | 2 |
1. Jedes Paar, meist ein mittleres mit gutem Kicker. 2. Trips, die nach einem Call postdraw gebettet werden. 3. Flush-, Straight- oder A-High-Kombinationen eines loose-aggressiven Spielers mit weiten Handranges. Verpasste Draws werden postdraw oft geblufft. |
| Raise | SB (HU) | 1 |
1. Jedes Twopair oder verborgene Trips, die postdraw for Value gebettet werden (manche checken kleinere Twopairs auch, besonders wenn BB auf einem Draw gewesen zu sein scheint). 2. Jede Drawing Hand, die unimproved eventuell geblufft werden könnte. |
| Check | BB (HU) | 3 | Normalerweise jedes Paar (meist klein bis mittleres) aber auch Highcards oder Drawkombinationen. |
| Check | BB (HU) | 2 | Jedes Paar mit Kicker (meist klein bis mittleres) aber auch Highcards oder Drawkombinationen. |
| Check | BB (HU) | 1 | Meist jede Art von Draw. Normalerweise nicht mit der Absicht, unimproved zu bluffen. |
Hilfe beim 5 Card Draw: Literatur
Ein Buch, das schon vielen guten 5 Card Draw-Spielern mit fortgeschritteneren Strategien geholfen hat, ist “Poker Strategy: Winning with Game Theory” des Mathematikers Nesmith Ankeny. Das Buch wurde im Jahr 1981 veröffentlicht und bezieht sich auf 5 Card Draw Jacks-or-better (die gleichen Regeln wie beim normalen 5 Card Draw, nur dass man Jacks oder besser benötigt, um in die Hand einzusteigen). Heutzutage kann man diese Spielvariante weder live noch online in den Casinos finden, aber die Grundlagen sind die gleichen, da auch hier nur zwei Setzrunden gespielt werden und auch die Cardingstrategien die gleichen sind.
Mathematisches Wissen ist für dieses Buch sicher sehr hilfreich, aber keine Grundvoraussetzung. Ankeny beschreibt detailliert die Abläufe predraw und die Handauswahl, genau wie den Prozess des Drawens und die Aktionen nach dem Draw. Besonders zu den Spielweisen postdraw finden sich hier einige interessante Anregungen.
Ankeny präsentiert viele Vorschläge und Hinweise dazu, wie man über die wahre Stärke seiner Hand möglichst wenig Informationen preisgibt. So rät er beispielsweise, mit Trips immer nur eine Karte zu discarden. Durch diese Taktik kann man seine gesamte Range kreativer spielen und wird außerdem öfter ausbezahlt. Für diejenigen, die sich beim 5 Card Draw weiterentwickeln wollen, ist dieses Buch ohne Einschränkungen zu empfehlen.
“Doyle Brunson's Super System (Part I)” war ein großer Erfolg und eines der ersten Pokerbücher vieler Anfänger. Das Spiel und der Abschnitt im Buch, den die meisten am gierigsten lasen, war natürlich der von Doyle persönlich geschriebene Artikel über NL Texas Hold'em. Das Buch erschien 1979 und damit lange bevor Poker auch online gespielt wurde. Es hatte einen enormen Einfluss auf Hold'em, das zu dieser Zeit immer mehr zum beliebtesten Spiel der Pokerwelt heranwuchs.
5 Card Draw war zu dieser Zeit dennoch sehr populär und wurde in mehreren Casinos in den USA angeboten. Auch Doyle spielte damals vermutlich einige Hände 5 Card Draw und entschied sich daher, dieses Spiel auch in seinem Buch abzudecken. Das Kapitel über 5 Card Draw in „Super System“ wurde vom Statistik- und Psychologieexperten Mike Caro geschrieben, der auch als “Mad Genius” bekannt war. In diesem Artikel beschreibt er auch 5 CD mit einem Joker, was aber heute online kaum noch gespielt wird.
Obwohl manche der Konzepte von Mike Caro durchaus hilfreich sein können, wird einem ein Großteil des Textes heute in Bezug auf Konzepte und Strategien für das Spiel online nicht mehr viel helfen. Dennoch gibt es eine sehr nützliche Odds-Tabelle, mit deren Hilfe Einsteiger ein gutes Gefühlt für Handverteilungen und Odds zum Verbessern der eigenen Hand entwickeln können.
Mike Caros Artikel in „Super System“ leistete einen großartigen Beitrag zur Entwicklung von 5 Card Draw, da es viele Neueinsteiger dazu gebracht hat, dieses Spiel auszuprobieren. Trotzdem muss man „Super System“ heute nicht mehr kaufen, da es den modernen Onlinespieler kaum weiterbringen wird.
Ein paar weitere Bücher sollten aber ebenfalls noch erwähnt werden. In Norman Zadehs Buch “Winning Poker Systems” gibt es zwei Kapitel über Pre- und Postdrawplays beim FL 5 Card Draw, die durchaus lesenswert sind.
Der rumänische Mathematiker Catalin Barboianu veröffentlichte “Draw Poker Odds, the Mathematics of Classical Poker”, in dem die mathematischen und statistischen Grundlagen des 5 Card Draw gut erklärt werden. Das Buch ist jedoch sehr mathematisch geschrieben und legt weniger Wert auf Strategien.
Abschließende Worte
Nach dem Lesen dieses Artikels bist du hoffentlich motiviert, 5 Card Draw zu spielen und sehr wahrscheinlich auch nachhaltig zu schlagen. Darüber hinaus hast du viele der Konzepte und Strategien kennengelernt, die du ab sofort an den Tischen in die Tat umsetzen kannst.
Obwohl das Spielen von 5 Card Draw viele Vorteile wie etwa geringe Varianz, potentiell hohe Winrates und schlechte Gegner hat, wirst du nicht an harter Arbeit vorbei kommen. Achte immer darauf, was bei dir am Tisch passiert, auch wenn du gerade selber nicht spielst und mach dir immer sorgfältige Notizen zu deinen Gegnern.
Wenn du nun zum ersten Mal 5 Card Draw spielst, wirst du es sicher genießen, nicht wie bei vielen anderen Spielen lange auf spielbare Hände warten zu müssen. Wenn du dich an die empfohlenen Starthände hältst, wirst du viele profitable Hände spielen und reichlich Action bekommen. Genau darum macht dieses Spiel auch so viel Spaß.
Nachdem du es nun soweit geschafft und das wichtigste aus diesem Artikel verstanden hast, solltest du grundlegende Kenntnisse vieler Strategien beim 5 Card Draw verinnerlicht haben. Bevor du dich jetzt ans Spielen machst, solltest du das alles erst einmal sacken lassen und gegebenenfalls einige Passagen erneut lesen.
Viel Erfolg an den Tischen!
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