Aktualisiert am 12 März 26 von

Vor dem Flop - Wann erhöhst du?

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wie du sehr starke Hände spielst
  • Wie du mittelstarke Hände spielst
  • Wie du andere Gruppen von Händen spielst

Im Artikel zu den Grundlagen des Preflopplays hast du bereits erfahren, welche Denkansätze du preflop verfolgen solltest. Da diese eher als dynamisch zu beurteilen sind und demnach von vielen Faktoren abhängen, ist es relativ schwierig bis nahezu unmöglich, diese in einem Chart darzustellen.

Deshalb wird sich dieser Artikel mit Beispielen beschäftigen, in denen du eine spielbare Hand hältst und vor dir keine Aggressivität gezeigt wurde (entweder es wurde gelimpt oder gefoldet).

Es wird jeweils gezeigt, warum du raist, was du von deinen Gegnern zu erwarten hast und wie du dich nach weiterer gegnerischer Action verhalten solltest.

Wie spielst du sehr starke Hände?

Als sehr starke Hände gelten AA, KK, QQ und AK. Diese Hände sind preflop einfach stark und liegen sehr häufig vorne. Mit Aces und Kings ist es grundsätzlich dein Ziel, preflop All-In zu kommen. Du brauchst hier kein Slowplay oder andere tricky Moves anzuwenden, so dass eine einfache allgemein gültige Regel lauten kann:

Mit Aces und Kings spielst du grundsätzlich Raise/3-Bet/All-In.

Wer dies berücksichtigt, wird auf Dauer mit diesen Händen keine Fehler begehen. Deshalb braucht es dafür auch keine Beispiele. Schau dir lieber ein paar kniffligere Situationen an.

AUSGANGSSITUATION

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero ($25)
MP ($25)
CO ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)
 

Preflop: Hero is UTG with Q , Q
Hero raises to $1.00,…

Weiter unten siehst du vier Beispiele, in denen du mit Queens UTG sitzt. Selbstverständlich raist du first in. Du willst Value von schwächeren Händen und deine Hand schützen.

Du sitzt an einem shorthanded Tisch, wo du auf drei deiner Gegner gewisse Reads hast. Diese Reads zeigen sich jedoch eher in Form von Stats, so dass du die Gegner nur grob kategorisieren kannst.

CO scheint ein eher loose-passiver Spieler zu sein, den du als Callingstation einschätzt. Der Small Blind scheint ein TAG zu sein, der zwar wenige Hände spielt, diese jedoch einigermaßen aggressiv. Am Button sitzt ein eher als loose-aggressive einzuschätzender Gegner, von dem du häufig Action erwarten musst. Die anderen beiden Gegner sind leider unknown.

Nach deinem First-in-Raise hast du eine gewisse Erwartungshaltung. Du kannst grob einschätzen, welche Aktionen deine Gegner ausüben werden. Der CO wird wohl relativ häufig callen. Sollte er jedoch raisen, musst du beachten, dass er zwar sehr loose spielt, aber sein PFR-Wert von 12 eher dem eines TAGs entspricht. Demnach sollte seine Range nicht allzu riesig sein. Allerdings kannst du bei ihm eine Range relativ schwierig einordnen, da er auch ansonsten recht unkoordiniert spielt.

Bei dem TAG kannst du schon eher davon ausgehen, dass er nur sehr gute Hände 3-bettet und sich ansonsten aus der Hand heraushält. Eine 3-Bet von ihm aus den Blinds heraus ist nicht gerade dein Wunschtraum.

Bei dem LAG hingegen weißt du, dass er mit einer sehr weiten Range eine 3-Bet einstreuen wird und du sehr häufig gegen ihn vorne liegst.

Was wünschst du dir also? Hast du diese Situation vorliegen, wäre es ideal, wenn der CO coldcallen würde und der BU einen Squeeze ansetzt. Squeezen bedeutet, dass er nach einem Raise und einem Coldcall eine recht hohe 3-Bet ansetzt. Danach hast du eine relativ leichte 4-Bet und kannst preflop All-in gehen.

Genau dieses Szenario trifft in Beispiel zwei zu. Leider verläuft es aber meistens nicht so, wie man es sich vorstellt.

BEISPIEL 1

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero ($25)
MP ($25)
CO ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)  

Preflop: Hero is UTG with Q , Q
Hero raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, 1 fold, SB raises to $4.50, 1 fold, Hero...

Auch hier coldcallt der CO dein Raise, was dich nicht sonderlich verwundert. Jedoch kommt dann der Squeeze eines eher tighten Spielers. Sehr erfreulich ist diese Situation nicht.

Der Small Blind hat keine Position auf dich und hat gesehen, dass du aus UTG geraist hast. Er müsste dir demnach eine relativ tighte Range geben. Dadurch solltest du das Raise noch mehr respektieren.

Andererseits hat er hier einen profitablen Squeeze-Spot. Er wird gesehen haben, dass du schon vorher recht häufig geraist hast und auch in der Lage bist, kleine Pocketpairs oder spekulative Hände aus früher Position zu openraisen. Ebenso wird er mitbekommen haben, dass CO sehr loose ist, und könnte sich demnach genötigt fühlen, das dead Money im Pot einzusammeln und dein eventuelles kleines Pocketpair zum Folden zu bewegen. Sein Gedankengang ist demnach gut. Immerhin überlegst du jetzt, ob du die drittstärkste Hand folden solltest.

Du hast drei Optionen, wobei ein Fold nur in den seltensten Fällen in Frage kommt. Dafür sind deine Queens einfach zu stark. Gegenüber dem Small Blind hättest du Position, so dass ein Call denkbar wäre. Störend dabei ist nur der CO, der einfach zu häufig callen wird und dich somit am Flop in eine schwierige Situation bringt, solltest du dort 3-handed spielen müssen.

Entschließt du dich zu einer 4-Bet, hast du die Entscheidung getroffen, preflop broke zu gehen. Natürlich wird der Small Blind nur mit ganz starken Händen pushen, jedoch hättest du auch gegen die Range KK, AA und AK einen profitablen Call, da die Pot Odds stimmen.

Und genau für dieses Szenario entschließt du dich. Grundsätzlich ist es kein Fehler preflop mit QQ und AK broke zu gehen. In diesem Fall siehst du, dass dir kaum etwas anderes übrigbleibt. Wenn du Queens auf eine 3-Bet direkt foldest, wie sollst du dann dauerhaft profitabel spielen? Du wirst viel zu leicht aus dem Pot gedrängt. Da ein Call keine gute Option ist, weil du nicht in einem 3-handed Pot in Sandwich-Position spielen willst, bleibt dir beinahe keine andere Wahl als broke zu gehen.

BEISPIEL 2

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero ($25)
MP ($25)
CO ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)  

Preflop: Hero is UTG with Q , Q
Hero raises to $1.00, 1 fold, CO calls $1.00, BU raises to $4.50, 2 folds, Hero...

Viel besser kann es für dich nicht laufen. Du raist, der loose CO callt wie erwartet, dann setzt der loose-aggressive BU zum Squeeze an. Du siehst dich gegen die BU-Range deutlich vorne, gegen die des häufig callenden CO ohnehin. Du kannst deine Hand weiterhin protecten und hast mit einer 4-Bet die Entscheidung getroffen, preflop All-In zu gehen. 4-bet/fold mit starken Händen gibt es ohnehin nicht.

BEISPIEL 3

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero ($25)
MP ($25)
CO ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG with Q , Q
Hero raises to $1.00, 1 fold, CO raises to $4.50, 1 fold, SB calls $4.50, 1 fold, Hero...

Hier hast du eine völlig andere Situation. Der CO 3-bettet dich diesmal und der recht tighte Small Blind callt überraschenderweise. Es ist nicht normal, dass ein TAG aus den Blinds heraus eine 3-Bet callt. Entweder hält er eine starke drawing Hand oder zumindest eine Hand mit Postfloppotenzial, womit er sich ausreichend implied Odds verspricht. Oder aber er versucht mit einer sehr starken Hand zu trappen.

Wieder stehst du vor einer knappen Entscheidung, jedoch hast du diesmal nur zwei Optionen. Ein Fold kommt nicht in Frage. Du bist last to act und könntest einfach auf Setvalue callen. Hittest du am Flop dein Set, wirst du wohl häufig gut ausbezahlt werden. Hältst du am Flop ein Overpair, wird es natürlich tricky. Aber auch dann ist der Pot noch nicht verloren. Den Nachteil, dass du auch hier beim Postflopspiel im Sandwich sitzen wirst, musst du akzeptieren.

Wie aber bereits erwähnt, ist eine 4-Bet auch hier denkbar. Auch der CO kann mit vielen Händen 3-betten und gerade solchen Spieler kann man sogar zutrauen, mit einer schlechteren Hand preflop broke zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er deine 4-Bet mit z.B. AK, AQ oder JJ- bspw. callt, ist wesentlich größer als bei einem regulär wirkenden Spieler. Bleibt natürlich das Problem mit dem Small Blind, aber um hier davon auszugehen, dass er mit einem Monster trappen will, fehlen dir die nötigen Reads. Häufig sieht man in dieser Situation auch ein kleines Pocketpair, womit er dich im Falle eines Hits am Flop stacken möchte.

Tendenziell ist auch hier 4-bet/call zu bevorzugen. Ein Call wäre aber eher möglich als in Beispiel 1.

BEISPIEL 4

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero ($25)
MP ($25)
CO ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG with Q , Q
Hero raises to $1.00, 4 folds, BB raises to $3.25, Hero...

Auf dein Raise hin folden alle bis auf den unbekannten Big Blind. Dieser 3-bettet nun. Reads hast du nicht, so dass du nicht sagen kannst, mit welcher Range er dir hier Action gibt. Ein Call ist durchaus denkbar, da du nur noch im Heads-up spielen würdest und last to act bist. Zudem wärst du in Position. Solltest du am Flop weiterhin ein Overpair halten, müsstest du natürlich bereit sein, recht light broke zu gehen. Von einem Overpair am Flop könntest du dich kaum noch trennen.

Selbstverständlich besteht auch hier die Möglichkeit einer 4-Bet. In diesem Fall kannst du dein Play etwas balancen, indem du häufiger 4-bettest als nur zu callen.

ZUSAMMENFASSUNG

Mit solch starken Händen liegst du preflop sehr häufig vorne. Das Spiel mit AK wäre hier in nahezu allen Fällen mit QQ vergleichbar. Mit der stärksten Hand musst du protecten und gleichzeitig versuchen, einen Pot aufzubauen. Straightforward mit sehr starken Händen zu spielen, ist nahezu nie ein Fehler.

Wie spielst du mittelstarke Hände?

Zu den mittelstarken Händen gehören AQ, AJ, AT, KQ, KJ und JJ-88. Anhand zweier Beispiele aus einem FR-Game solltest du versuchen zu analysieren, wie du dich mit einer potenziell dominierten Hand verhältst, bzw. einer Hand, die am Flop nicht sonderlich einfach zu spielen ist.

AUSGANGSSITUATION

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is MP3 with A , J

In beiden unten gezeigten Beispielen sitzt du in MP3 und vor dir hat noch kein Spieler Aggression gezeigt. Du hast Stats von vier Spielern am Tisch. Vor dir agiert UTG+1, ein recht looser Spieler, der viel limpt und callt, aber selten selber aggressiv wird. Hinter dir sitzen jedoch drei Spieler, die allesamt nicht sonderlich profitabel zu spielen sind. Den CO (8/5) kann man als Rock titulieren, den Button (15/12) als TAG, den Big Blind (12/9) als irgendetwas dazwischen.

Was wäre dir am liebsten? Du hast eine Hand, von der du am Flop nicht mehr als Toppair / Topkicker erwarten kannst. Diese Hand möchtest du am liebsten in einem kleinen Pot, möglichst Heads-up, gegen einen eher loosen Spieler ausfechten. Dort kannst du sogar noch davon ausgehen, von einer schwächeren Hand Value zu bekommen.

In einem Multiwaypot verliert deine Hand doch deutlich an Stärke. Zudem möchtest du nicht zwangläufig große Pötte gegen die recht tighten Spieler nach dir spielen. Es wird schwierig, unter diesen drei Spielertypen jemanden zu finden, der auf irgendeinem Board mit einer schlechteren Hand Geld investiert.

BEISPIEL 1

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is MP3 with A , J
1 fold, UTG+1 calls $0.25, 3 folds, Hero raises to $1.25, 1 fold, BU raises to $4.00, 2 folds, UTG+1 calls $4.00, Hero...

So wie du es dir vorgestellt hast, passiert es. Der recht loose UTG+1 limpt in den Pot, der Rest foldet. Durch ein Raise kannst du den Spieler isolieren. Wie erwähnt, hättest du kein Problem, gegen diesen Spieler am Flop im Heads-up anzutreten. Deine Hand liegt gegen seine Range deutlich vorne und du kannst auch mit deiner mittelstarken Hand Value extrahieren, da sich dieser Spieler selten von seinen Händen löst.

Die Freude währt jedoch nicht lange, denn der Button 3-bettet dich. Das gefällt dir überhaupt nicht. Gegen den Button spielst du selbstverständlich out of Position am Flop. Der loose Spieler callt und gibt dir damit recht anständige Odds. Du hast nun wie immer drei Möglichkeiten: Fold, Call oder 4-Bet.

Schau dir zuerst die Option 4-Bet an. Der Button ist ein Spieler, der anständige Stats hat. Demnach musst du davon ausgehen, dass er ein regulärer Spieler ist und auch des Öfteren auf deine Spielweise geachtet hat. Er wird wissen, dass du vielleicht etwas looser raist, da bislang nur der sehr loose Spieler UTG+1 in die Hand eingestiegen ist. Jedoch weiß er auch, dass du nicht jeden Crap raisen würdest. Dementsprechend musst du seiner 3-Bet schon eine gewisse Stärke zusprechen.

Würdest du nun 4-betten, wäre es gleichzusetzen mit einem Bluff, denn du kannst unmöglich davon ausgehen, dass hier eine schwächere/dominierte Hand callt oder selber All-In geht. Eine 4-Bet mit AJ scheidet ohne wenn und aber aus.

Ein Call käme nun in Betracht, jedoch hast du mit deiner Hand einige Probleme:

  • AJo ist recht häufig dominiert.
  • Du sitzt in der Sandwich-Position zwischen UTG+1 und dem Button.
  • Du wolltest einen Multiwaypot verhindern. Gegen zwei Gegner fällt deine Equity schon rapide ab.

Was für ein Board willst du treffen und wie willst du dort spielen? Auf einem Ace-high-Board müsstest du quasi broke gehen. Du kannst aber kaum davon ausgehen, dass dich eine schlechtere Hand ausbezahlt (AT-). Dafür werden vielleicht Hände wie KK keinen Cent mehr investieren, sollte das Ass auf dem Flop erscheinen. Du hast mit dieser Hand keine großen Erwartungen mehr, deswegen ist ein Call eine schlechte Option.

Du solltest dem Button die stärkere Hand glauben und in dieser Situation einen einfachen Fold finden.

BEISPIEL 2

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is MP3 with A , J
UTG calls $0.25, UTG+1 calls $0.25, 2 folds, MP2 calls $0.25, Hero...

Diese Hand sieht ähnlich aus, jedoch sind diesmal neben UTG+1 noch zwei weitere Spieler in die Hand eingestiegen. Dein oben genannter Plan, nämlich nach Möglichkeit gegen UTG+1 im Heads-up anzutreten, scheint arg gefährdet.

Du könntest auch raisen und damit versuchen, so viele Spieler wie möglich aus dem Pot zu drängen. Ob sich dadurch ein Multiwaypot verhindern lässt, ist fraglich, da womöglich die ersten Limper vor dir gute Odds bekommen, sollte ein Spieler coldcallen.

Das Ergebnis wäre ähnlich wie in der Hand zuvor. Ein Multiwaypot und ein Ace-high-Board sind nicht unbedingt das, was du möchtest. Dennoch spricht hier vieles für ein Raise:

  • Du musst versuchen, möglichst viele Spieler preflop zum Folden zu bringen.
  • Hinter dir sitzen eher tighte Spieler, so dass ein Coldcall recht unwahrscheinlich wird. Sollte es zu einer 3-Bet kommen, hast du wie im Beispiel zuvor einen recht einfachen Fold.
  • Du besitzt mit AJ meist die beste Hand und raist demnach, um Value zu extrahieren.
  • Du besitzt auf alle bislang im Pot befindlichen Spieler die relative Position.

Die Option Raise ist hier also durchaus profitabel, aber sie ist keine Pflicht.

Schau dir nun die anderen Optionen an: Solltest du callen, hast du die Situation, die du nicht haben willst, nämlich einen Multiwaypot. Was willst du dort treffen? Zudem sitzen hinter dir viele Spieler, denen ein Raise durchaus zuzutrauen ist. Du müsstest also demnach entweder noch einmal bezahlen und würdest dich mit deiner Hand in einem viel zu großen Pot bewegen, oder du müsstest folden. Beide Optionen sind nicht sonderlich profitabel.

Solltest du also nicht raisen wollen, so wäre hier ein Fold einem Call vorzuziehen. Beide Optionen sind möglich, am besten schaust du dir dazu dein Tableimage an. Warst du bislang sehr aktiv, wäre ein Fold eventuell sinnvoller. Hattest du bislang keine nennenswerte Hand, so ist dies ein guter Spot, um mal etwas Aggressivität zu zeigen.

Wenden wir uns weiteren mittelstarken und potenziell dominierten Händen zu, nämlich KQ-KT. Hierzu drei Beispiele aus einem Shorthanded-Game. Die Gegner sind genau die gleichen wie in den ersten Beispielen, jedoch sitzt du diesmal im Small Blind. Bei allen drei Händen hältst du eine mittelstarke Hand im Small Blind. Jedes Mal gibt es keine Aggression vor dir, das heißt, es gibt nur Limper. Die Frage ist jeweils, wie verhältst du dich?

BEISPIEL 3

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
CO ($25)
MP ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with K , Q
1 fold, MP calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.50, BB raises to $6.00, MP folds, Hero...

Du hältst mit KQo eine recht starke Hand im Small Blind. Der Spieler in middle Position limpt. Du hast ihn als einen recht loosen Spieler ausgemacht. Hinter dir agiert nur noch der Big Blind, der eher TAG-Style spielt.

Was wäre dir in dieser Situation am liebsten? Den sehr loosen Spieler willst du wenn möglich isolieren, denn du gehst davon aus, dass er auch mit recht schlechten Händen dein Raise callen wird. Mit schlecht sind nicht nur Hände gemeint, die er unimproved aufgeben muss wie z.B. kleine Pocketpairs und suited Connectors, sondern auch noch deutlich schlechtere Hände. Ebenfalls traust du ihm zu, mit dominierten Händen wie z.B. KJ oder QJ zu callen. Deswegen ist hier ein Raise Pflicht. Was du keinesfalls willst, ist Action vom Big Blind.

Du raist also auf $1,50. Dies entspricht einem Raise um 4 BB plus einem Big Blind, da du bereits einen Limper im Pot hast. Zudem legst du einen weiteren Big Blind oben drauf, da du im Falle eines Calls out of Position spielen musst.

Hinter dir kassierst du nun ein Raise des recht tighten Big Blinds. Der loose Spieler foldet. Du hast nun die Optionen: Fold, Call oder 4-Bet.

Wie bereits erwähnt, wolltest du eigentlich kein Raise des Big Blinds sehen, da du dich gegen seine Range hinten sehen musst. 4-bettest du nun, so wirst du niemals gegen eine schlechtere Hand All-In kommen. Eine 4-Bet wäre ein klarer Bluff.

Ein Call ist ebenfalls schlecht, weil genau die aktuell behandelte Handgruppe häufig dominiert ist, in diesem Fall beispielsweise von AQ und AK. Postflop wird dich aber keine schwächere Hand ausbezahlen, wenn du hittest. Zudem musst du gegen den Big Blind out of Position spielen. Du hast hier einen klaren Fold.

BEISPIEL 4

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
CO ($25)
MP ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with K , T
1 fold, MP calls $0.25, CO calls $0.25, BU calls $0.25, Hero...

Im Gegensatz zur vorherigen Hand hast du bereits drei Limper im Pot und mit KTo eine deutlich schlechtere Hand, neben dem loosen MP nun auch den unbekannten CO sowie den sehr loosen und aggressiven Button. Der Limp des Buttons ist etwas verwirrend, da du ihm hier meistens eine Raise-or-Fold-Entscheidung zutrauen würdest. Der Limp vermag aber nicht viel zu bedeuten und ändert an deiner Situation nichts.

Natürlich könntest du raisen, aber du hast natürlich ebenfalls das Problem, dass dich keine Hand callt, die du dominierst. Auf einem King-high-Board hättest du eine schwierige Entscheidung zu treffen, wenn einer der Villains dich in einen größeren Pot verwickeln möchte. Du wirst mit dieser Hand zu häufig reverse implied Odds haben, als dass du davon ausgehen kannst, einen wirklich guten Flop zu treffen. Ebenso kannst du kaum davon ausgehen, preflop häufig genug alle Spieler zu einem Fold zu bewegen, nachdem schon drei Spieler Interesse an ihren Holecards gezeigt haben.

Möglich wären in dieser Situation ein Call oder ein Fold. Die Odds sind relativ gut und dass du in einem unraised Pot auch auf einem King-high-Board niemals broke gehen würdest, ist ebenfalls klar. Dementsprechend sollte hier ein Call die erste Option sein.

BEISPIEL 5

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
CO ($25)
MP ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with K , J
UTG calls $0.25, 3 folds, Hero...

Der Unterschied zwischen KT und KJ ist mit Sicherheit recht marginal. Deswegen könnte man auch in dieser Hand davon ausgehen, dass ein Call nicht verkehrt wäre. Hier sieht die Situation aber wieder anders aus.

Der Spieler in early Position limpt, die drei Folgenden folden. Hinter dir sitzt wie gehabt der TAG, der einen Call deinerseits als Weakness interpretieren könnte und versuchen wird, den Spieler UTG zu isolieren. Deswegen solltest du selbst raisen.

Im Gegensatz zum vorherigen Beispiel hast du gegen einen Spieler sicherlich einiges an Foldequity. Ein Limp aus UTG ist meistens ein Zeichen von Schwäche, einige Spieler limp/folden recht schwache Hände, viele limp/callen auch ihr kleines Pocketpair. Diese Hand wird am Flop häufig genug auf deine Continuationbet hin folden.

Ebenso hast du mit KJs die Möglichkeit, einen guten Flop zu treffen. Die zusätzliche Flushchance versüßt natürlich die ganze Angelegenheit. Solltest du eine 3-Bet bekommen, so hast du mit KJs preflop natürlich einen leichten Fold. Alles in allem sollte an dieser Stelle ein Isolationraise die beste Alternative sein.

ZUSAMMENFASSUNG

Diese Beispielhände zeigen die Probleme mit mittelstarken Händen recht deutlich. Solltest du Aggression zeigen, ist die Gefahr groß, von besseren Händen gecallt zu werden. Es ist schwierig, mit solchen Händen einen wirklich guten Flop zu treffen. Solltest du dir preflop ebenfalls wenig Foldequity versprechen, so ist eine passivere Variante oftmals die bessere.

Wie spielst du spekulative Hände?

Zu den spekulativen Händen zählen u.a. kleine Pocketpairs und suited Connectors. Sie haben die Eigenschaft, preflop equitytechnisch meistens hinten zu liegen, können am Flop aber zu einer sehr starken Hand werden und sind zudem nahezu nie dominiert. Deshalb besitzen sie eine gute Playability, da du am Flop meistens weißt, wo du stehst und dir teure Fehlentscheidungen ersparen kannst.

Schauen wir dazu zwei Fullring-Beispiele an. Hast du eine gute Position am Tisch und sind vorher bereits viele Gegner in den Pot eingestiegen, kannst du häufig profitabel mitlimpen und hoffen, einen guten Flop zu erwischen. Solltest du hitten, wirst du meist gut ausbezahlt. Solltest du drawen, bekommst du des Öfteren gute Odds.

BEISPIEL 1

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is UTG+2 with 4 , 4
1 fold, UTG+1 calls $0.25, Hero raises to $1.25, 4 folds, BU raises to $4.00, 3 folds, Hero...

In dieser Hand gibt es gleich mehrere Fragestellungen. Du sitzt in UTG+2 und hältst mit 44 eine spekulative Hand. Solltest du hier raisen, callen oder folden?

Dir ist klar, dass du mit 44 selten vorne liegst und dich wohl nicht viele schwächere Hände callen werden. Selbst wenn, so wird es postflop nahezu unmöglich für dich, diese Hand zum Showdown zu tragen. Triffst du kein Set, musst du bei Widerstand nach deiner möglichen Continuationbet meistens einen Fold finden.

Hittest du jedoch dein Set, kannst du gut ausbezahlt werden. Bislang hat nur UTG+1, der als looser Spieler und Callingstation aufgefallen ist, in den Pot gelimpt.

Wie immer hast du deine drei Möglichkeiten. Ein Fold wäre aus early Position durchaus möglich, wenn du der Meinung bist, nicht ausreichende implied Odds zu haben. Du weißt, dass hinter dir mindestens drei tight-aggressive Spieler kommen, die sicherlich des Öfteren raisen werden. Somit könntest du ebenfalls limpen. Dementsprechend müsstest du limp/call spielen, was deine Hand recht offensichtlich macht. Andererseits könnten dafür auch der loose Spieler UTG+1 im Pot bleiben und du könntest postflop mit einer getroffenen Hand einiges an Value extrahieren.

Beide Lines sind keine großen Fehler, jedoch hat ein Raise auch seine Vorzüge. Die TAGs hinter dir werden nur selten 3-betten und du hast den Vorteil, am Flop eine Continuationbet anbringen zu können. Es kann durchaus sein, dass jemand hinter dir mit einer besseren Hand callt, am Flop jedoch auf die Continuationbet aufgibt. Somit entscheidest du dich hier für ein Raise.

Der Button 3-bettet jedoch. Das gefällt dir nicht, da du gegen ihn den großen Nachteil hast, out of Position agieren zu müssen. Aus dieser Position wird es schwer, ausreichend Value zu extrahieren. Wichtig ist für dein Pocketpair nicht nur, dass du triffst, sondern natürlich auch dass Villain eine starke Hand hält, mit der er bereit ist, broke zu gehen, und dass du obendrein die spielerische Möglichkeit hast, dein Play auf ein All-In am River auszulegen. In Position ist dies deutlich einfacher, da du auf jeder Street das letzte Wort hast. Out of Position jedoch müsstest du häufig die Stärke deiner Hand schon frühzeitig verraten.

Auf der anderen Seite ist Villain im reraised Pot mit Sicherheit eher geneigt, broke zu gehen, da er nun schon deutliche Stärke bewiesen hat. Dennoch schaust du dir an, ob deine Callingstation auch in den Pot einsteigt. Du weißt, dass er viel zu viel callt und er ein weiterer heißer Kandidat wäre, dich mit deinem Set auszubezahlen. Du entscheidest dich für einen Call, sollte UTG+1 ebenfalls callen.

Er foldet jedoch. Somit stehst du im Heads-up-Play gegen einen TAG und bist out of Position. Du weißt, dass du jedes 7,5. Mal mit einem Pocketpair dein Set triffst. Was könntest du postflop theoretisch gewinnen?

Der Pot ist bereits $5,50 groß und Villain hat noch einen Reststack von $21. Somit hast du die Möglichkeit, $26,50 zu gewinnen. Investieren müsstest du dafür $2,75. Du bekommst damit nicht einmal theoretische implied Odds von 10 zu 1. Von der Call20-Regel bist du meilenwert entfernt. Daher kommt hier nur ein Fold in Frage.

BEISPIEL 2

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25) (40/5/0.3/35/432) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25) (8/5/1.8/18/371) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BU ($25) (15/12/2.1/23/800) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
BB ($25) (12/9/2.6/21/333) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is MP3 with 5 , 6
1 fold, UTG+1 calls $0.25, 3 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, BB raises to $4.00, UTG+1 calls $3.75, Hero...

Auch in dieser Situation gilt es, zwei Möglichkeiten zu betrachten. Du sitzt in middle Position und hältst mit 56s einen durchaus gut spielbaren suited Connector. An die Tatsache, dass UTG+1 ohnehin zu gerne am Flop vertreten ist, hast du dich bereits gewöhnt.

Du kannst aus dieser Position durchaus einen Fold finden, da suited Connectors nicht sonderlich leicht zu spielen sind und man postflop schon eine gewisse Erfahrung braucht.

Dennoch ist ein Raise hier eine Option, gerade da hinter dir bekannte Spieler sitzen, gegen die du sicherlich eine große Foldequity hast. Ein Limp ist hingegen schlecht. Zu häufig wird hinter dir geraist und ein Call ist danach nur begrenzt profitabel. Du triffst natürlich nicht so häufig wie mit einem Pocketpair, zudem triffst du dann meistens einen Draw. Dein suited Connector muss auch von der Foldequity leben, weshalb ein Raise hier zu bevorzugen wäre.

Nun bekommst du aber eine 3-Bet vom BB. Die Callingstation bleibt diesmal im Pot. Früher wurde schon erwähnt, dass ein Pocketpairs dort recht häufig callen würde. Jetzt hast du aber das Problem, dass du im Falle eines Treffers einen Draw hältst (einen made Flush triffst du zu selten, um darauf zu spekulieren) und diesen meist aggressiv spielen musst. Ob du gegen die Callingstation überhaupt Foldequity besitzt, sei dahingestellt. Ob du gegen den BB ausreichend implied Odds hast, weißt du auch nicht. Dein einziger Vorteil liegt darin, postflop in relativer Position zu sein und jede Wettrunde abschließen zu dürfen. Dieser wichtige Punkt könnte ab und an für einen Call sprechen, aber standardmäßig musst du dich auch hier von deiner Hand trennen.

Im Gegensatz zum Fullring-Game kannst du im Shorthanded-Bereich nicht allzu wählerisch mit deinen Händen sein. Kleine Pocketpairs sind zwar aus Sicht der Playability eher spekulative Hände, jedoch beim 6max-Game meistens sogar die beste Hand am Tisch. Zumindest wesentlich häufiger als an einem 10max-Tisch.

Deswegen willst du jedes Pocketpair first in raisen, egal welches Pocketpair und egal von welcher Position. Ähnliches gilt für die suited Connectors. Ab 54s+ hast du die maximalen Möglichkeiten für eine Straight und sie sind somit hervorragend spielbar. Ab der middle Position sollte man mit ihnen aggressiv spielen und den Pot eröffnen. Da du ohnehin nicht first in limpst, raist du natürlich. Abhängig vom eigenen Style, den Gegnern, der vorherigen Action und dem allgemeinen Tableimage kannst du auch mal aus early Position damit raisen oder aus MP auch mal folden.

Da es für diese beiden Handgruppen schon relativ viel Content gibt, soll es hier nun um drei weitere Gruppen spekulativer Hände gehen.

Zuerst die offsuited Connectors, dann eine gapped Hand (in diesem Fall einen suited 2-Gapper) und schließlich ein suited Ace.

In allen drei Beispielen sitzt du im SB. Die Hände an sich sind jedes Mal gleich. Eine weitere Analyse bezüglich der Action hinter dir ist nicht erforderlich, denn solltest du dich zu einem Raise entscheiden, würdest du auf eine 3-Bet jedes Mal folden müssen.

Zudem solltest du die drei Situationen auch unter dem Gesichtspunkt betrachten, was wäre, wenn du nicht im Small Blind, sondern am Button sitzen würdest.

BEISPIEL 3

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
CO ($25)
MP ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with 4 , 5
1 fold, MP calls $0.25, 2 folds, Hero...

Du hältst einen offsuited Connector. Du weißt, dass du damit relativ selten triffst. MP ist eher loose. Für spekulative Hände brauchst du viel Foldequity, solltest du sie denn aggressiv spielen. Natürlich hast du im Small Blind das Problem, out of Position agieren zu müssen, was die Sache noch erschwert.

Der Big Blind ist ein relativ tighter Spieler. Du würdest dich also recht häufig gegen die Callingstation isolieren. Aufgrund des Positionsnachteils entscheidest du dich aber dagegen.

Bliebe ein Complete. Die Odds sind vertretbar, aber du würdest gegen beide Villains out of Position spielen. Zudem könnte der Big Blind auf die Idee kommen, zu raisen. Du wirst hier auf Dauer nicht viel Value extrahieren können und entscheidest dich deswegen für einen Fold.

Variante 2: Wenn du am Button sitzt

Am Button hättest du den absoluten Positionsvorteil. Sollte der Spieler in middle Position callen, so könntest du postflop häufiger den Pot unimproved mitnehmen als out of Position oder dir aber im Falle eines Draws eine Freecard genehmigen. Vom Button aus würde sich ein Raise eher lohnen, jedoch bleibt 54o natürlich eine recht schwache Hand. Deswegen machst du auch hier mit einem Fold nichts verkehrt. Ein Limp kommt natürlich nicht in Frage.

BEISPIEL 4

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
CO ($25)
MP ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with 8 , J
1 fold, MP calls $0.25, Hero...

Diesmal hältst du einen suited 2-Gapper. Die Möglichkeiten sind somit postflop ebenfalls recht begrenzt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Straight bzw. einen Straightdraw ist im Gegensatz zu einem suited Connector wesentlich geringer.

Grundsätzlich zählen hier die gleichen Gesichtspunkte wie im Beispiel zuvor. Auch mit dieser Hand solltest du preflop eher einen Fold finden. Ein Complete ist denkbar, bleibt aber wie erwähnt problematisch aufgrund des Big Blinds.

Ein Raise sollte nur selten in Frage kommen, ist aber nicht auszuschließen.

Variante 2: Wenn du am Button sitzt

Am Button sieht die Lage schon anders aus. In Position könntest du diese Hand durchaus aggressiv spielen. Passiv spielen geht ohnehin nicht. Ein Limp kommt ebenfalls nicht in Frage. Ein Fold ist selbstverständlich denkbar, aber in Position kannst du mit solch einer spekulativen Hand durchaus mal die Initiative ergreifen. Du hast auch die Möglichkeit, im Falle eines Treffers Hände wie Toppair günstig zum Showdown zu führen, da du häufig gegen den loosen Spieler im Heads-up spielst. Du kannst einfach wesentlich häufiger treffen als mit einem offsuited Connector.

BEISPIEL 5

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
CO ($25)
MP ($25) (34/12/1.1/28/101) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (16/13/2.5/21/456) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BU ($25) (26/22/3.4/22/390) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]

Preflop: Hero is SB with A , 2
1 fold, MP calls $0.25, 2 folds, Hero...

Eine weitere spekulative Hand sind die suited Aces. Sie habe natürlich den Riesenvorteil, im Falle eines Flushs die Nuts darzustellen (außer natürlich bei einem paired Board). A2 bietet zudem noch marginale Straightchancen. Natürlich kommt hier ausschließlich die Kombination 345 auf dem Board in Betracht, so dass man diesen Vorteil nicht übergewichten sollte (dennoch hat aus diesem Grund beispielsweise A5s diesen kleinen Vorteil gegenüber A6s, da es hier nahezu niemals auf den Kicker ankommt).

Selbstverständlich kann man auch gut ein Toppair treffen, aber die große Gefahr wird daraus schon ersichtlich:

Du hast meist einen miesen Kicker und kannst kaum erwarten, mit Händen wie A9s in einem raised Pot Value mit einem Toppair von einer Hand mit einem schwächeren Kicker zu bekommen. Hier ist Vorsicht geboten.

Diese Hand hat aber Potenzial und sollte preflop nicht einfach gefoldet werden. Ein Complete ist durchaus denkbar, die besprochenen Gefahren sollte man jedoch im Hinterkopf behalten. Ein Raise ist jedenfalls möglich. Gerade gegen den loosen Spieler kann man davon ausgehen, dass er vermehrt Hände zum Showdown führen will, die schlechter sind als Toppair. Sollte dir dieser Spieler jedoch viel Action am Flop auf einem Ace-high-Board liefern, so wirst du dich garantiert noch von der Hand trennen können.

Variante 2: Wenn du am Button sitzt

Hier sollte ein Isolationraise deine Standardspielweise sein. Gelimpt wird nicht und ein Fold ist definitiv zu weak.

ZUSAMMENFASSUNG

Spekulative Hände lassen sich in viele Gruppen einteilen. Jede davon hat Vor- und Nachteile, die jeweils explizit betrachtet werden müssen. Gerade für solche Hände, mit denen du aufgrund eines Draws eventuell auf eine Turnkarte bauen musst, ist es wichtig, dass du sie möglichst in Position spielst. Out of Position solltest du dich selten in solche Situationen begeben.

Die Frage ist: Was kannst du mit dieser Hand treffen und was könntest du im Falle eines Hits gegen deine möglichen Gegner an Value extrahieren?

Dennoch gilt auch hier und gerade im Shorthanded-Bereich: Wenn du nicht weißt, ob du folden oder callen sollst, dann raise.

Im Fullring-Bereich gilt es, diese Hände etwas anders zu betrachten. Deutet sich an, dass viele Spieler Interesse an einem Flop haben, so lohnt es sich auch einmal passiv zu spielen und auf einen guten Hit zu hoffen. Die Foldequity bei aggressivem Spiel ist gerade preflop nicht so groß wie beim SH-Game. Sollte jedoch vor dir noch nicht viel passiert sein, solltest du auch hier die Chance nutzen und so aggressiv wie möglich agieren.

Wie spielst du Stealhands?

Eine Definition dafür, was Stealhands sind, ist nicht sonderlich leicht, da in der Theorie des Steals eigentlich jeder Angriff auf die Blinds ein Steal ist. Demzufolge auch ein Openraise mit Aces, KQ oder 78s. Ebenso kann man mit Craphands raisen, zur Not auch first in mit 72o, sofern man sich genügend Foldequity ausrechnet. Beide Gruppen werden hier jedoch nicht betrachtet.

Als Stealhände gelten für die weitere Betrachtung solche Hände, die schlechter sind als die die schon genannten Aces oder KQ, die aber auch besser sind als any two Cards und somit ein gewisses Potenzial besitzen.

Beispiele hierfür sind:

  • K 4 (suited Kings)
  • Q 3 (suited Queens)
  • A 3 (kleine offsuited Aces)
  • 7 9 (offsuited One-Gappers)

Diese Hände haben allesamt die Eigenschaft, ein recht geringes Postflop-Potenzial zu besitzen und dennoch zu gut zu sein, um sie per default einfach zu folden. Die Theorie ist ähnlich der der spekulativen Händen: Was willst du treffen und gegen wen willst du damit spielen?

Offsuited Aces haben beispielsweise natürlich ebenso ein Domination-Problem wie ihre gleichfarbigen Genossen, jedoch haben sie nicht einmal die Chance, einen Flush zu treffen. Welches Board möchtest du mit A3o denn treffen? Auf welchem Board wird dich eine schwächere Hand noch ausbezahlen?

Für alle diese Hände gilt, dass sie postflop sehr selten treffen und zudem sehr schwer zu spielen sind. Deswegen bezeichnet man sie als Stealhands. Im Grunde willst du damit keinen Call und anschließend einen Flop sehen. Du willst den Pot direkt preflop gewinnen.

Deine Aggression beruht also auf den Punkten:

  • Preflop den Pot einzusacken.
  • Durch eine mögliche Continuationbet den Pot am Flop mitzunehmen.
  • Durch deine vermehrte und häufige Aggressivität auch mit solchen Händen deine starken Hände zu balancen, um somit in späteren Runden mit stärkeren Händen besser ausbezahlt zu werden. Es zählt also zum Gesamtkonzept deiner Deception.
  • Die Möglichkeit, ab und an einen brauchbaren Flop zu treffen.

In erster Linie zählen für dich also die Foldequity und die Deception. Dabei muss man wieder zwischen Fullring- und Shorthanded-Games unterscheiden.

Beim Fullring-Game ist es kein Fehler, solche Hände überhaupt nicht zu spielen. Bei neun Gegnern ist die Foldequity ohnehin geringer und die Deception ist nicht in einem solchen Maß ausschlaggebend, wie es beim Shorthanded-Game der Fall ist. Andererseits hast du auch hier ab und an die Möglichkeit, günstig an die Blinds zu kommen, sollten tatsächlich alle Spieler vor dir gefoldet haben und du Reads haben, dass die Blinds recht tight sind oder Shortstacks – im Falle eines Pushs des Shortstacks hast du kein Problem, einen easy Fold zu finden. So etwas bietet sich vor allem dann an, solltest du bislang carddead gewesen sein, sprich es konnte noch keine großartige Action von dir an dem Tisch bewundert werden. Deswegen solltest du eine Menge Credit besitzen.

Beim Shorthanded-Game sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier ist es alleine für die Deception sehr wichtig, auch solche Hände zu spielen. Es ist auch nicht verkehrt, diese Hände teilweise schon vom Cutoff first in zu raisen. Zumindest kannst du damit deine Carddead-Phasen sehr gut balancen. Bist du dagegen in letzter Zeit sehr aktiv gewesen, solltest du dich vom Cutoff eher zurückhalten.

Vom Button aus bietet sich first in jedoch eine gute Möglichkeit, die Blinds zu attackieren. Erachtest du die Foldequity als groß genug, solltest du auch mit diesen Händen attackieren, obwohl du weißt, dass du postflop selten um einen großen Pot spielen willst und kannst. Doch das nimmst du in Kauf, denn dies ist, wie bereits erörtert, nicht dein primäres Ziel.

Gerade gegen tighte Gegner, die entweder folden oder 3-betten, bieten sich diese Hände an, weil du somit nahezu nie in schwierige Situationen kommst. Wesentlich varianzreicher wird das Spiel gegen loose Spieler, die recht häufig callen. Hier kommt es postflop darauf an, diese Hände nicht zu overplayen.

ZUSAMMENFASSUNG

Bei den Stealhands ist es vor allem wichtig, die Foldequity gut einschätzen zu können. Du willst mit diesen Händen stealen und nicht einen großen Pot ausspielen. Deswegen sind genaue Kenntnisse über deine Gegner notwendig. Wichtig sind diese Hände auch, um deine stärkeren Hände zu balancen und mit denen in späteren Runden gut ausbezahlt zu werden. Aus diesem Grund kommt ein guter Spieler nicht darum herum zu lernen, wie man auch mit diesen Händen zurecht kommt.

Fazit

Mit starken Händen ist Straightforward-Play fast nie ein Fehler. Du liegst preflop sehr oft vorne und solltest sowohl protecten als auch versuchen, einen Pot aufzubauen.

Mit mittelstarken Händen dagegen ist eine passivere Spielweise oft besser. Du wirst oft gecallt, wenn du Aggression zeigst, triffst nur selten einen wirklich guten Flop und es besteht die Gefahr der Domination. Ebenso hast du häufig nur geringe Foldequity.

Spekulative Hände solltest du nach Möglichkeit immer in Position spielen. Gerade shorthanded kannst du sie aber je nach Situation auch mal aggressiv spielen.

In FR-Games empfiehlt es sich dagegen auch einmal die passive Variante zu wählen und auf einen guten Treffer zu spekulieren, wenn viele Spieler Interesse am Pot gezeigt haben, da deine Foldquity preflop nicht so groß ist, wie beim SH-Game. Sind deine Gegner jedoch sehr passiv, solltest du die Chance nutzen und aggressiv agieren.

Mit Stealhands willst du den Pot am liebsten sofort mitnehmen und solltest daher deine Foldquity und deine Gegner gut einschätzen können. Weiterhin kannst du damit deine stärkeren Hände balancen.