Aktualisiert am 12 März 26 von

Wie spiele ich busted Draws am River?

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wann du mit deinem busted Draw bluffen kannst
  • Verschiedene Lines und deren Bluffpotential
  • Balancing der eigenen Handrange

Der Glücksfaktor ist beim Pokern trotz aller Strategie nicht zu unterschätzen. Und da du vermutlich wie jeder Pokerspieler nicht nur permanent vom Glück verfolgt wirst, wirst du die Situation gut kennen, dass dein Draw bis zum River nicht ankommt.

  • Doch wie sollst du nun mit deinem busted Draw weiterspielen?
  • Wann kannst du bluffen?
  • Wann gibst du auf?
  • Und wann willst du sogar noch einen Showdown sehen?

Antworten auf diese Fragen und die wichtigsten Konzepte zum Spiel mit busted Draws am River findest du in diesem Artikel.

Warum solltest du manchmal mit busted Draws am River bluffen?

Solltest du mit einem busted Draw am River nicht lieber straightforward spielen und deine Hand aufgeben? Dein Draw ist nicht angekommen, warum also nun bluffen? Das wichtigste Konzept, das für Bluffs mit busted Draws am River steht, ist Balancing!

Du willst am River nicht mit offenen Karten spielen und nur dann betten, wenn du eine starke Hand hast und mit schwachen Händen immer passiv spielen. Du willst den Gegner dazu bringen, dass er dich, so oft es geht, mit der schlechteren Hand am River noch auszahlt, so dass du sehr gut an dieser Stelle valuebetten kannst.

Das erreichst du durch eingestreute Bluffs. Du zwingst durch Bluffs den Gegner zu einer schwierigeren Entscheidung und versuchst, das gegnerische Spiel zu exploiten. Busted Draws bieten sich sehr gut als Bluffhände an, da du mit ihnen teilweise aggressiv an den bisherigen Straßen gespielt hast und somit auch gute made Hands vertreten kannst.

Oftmals haben busted Draws kaum ausreichend Showdownvalue gegen die gegnerische Handrange, wodurch du nur noch die Wahl hast zwischen einer passiven Line, bei der du die Intention hast, durch einen Fold dem Showdown zu entgehen, und einer aggressiven Line, bei der du durch eine Bet versuchst, dem Showdown aus dem Weg zu gehen.

Gegen manche Regulars und schwache straightforward Spieler wirst du am River mit deinen Bets sehr oft eine enorme Foldequity erzeugen können, da diese Spieler selbst aufgrund der hohen Kosten nicht oft den River bluffen werden und dementsprechend auch oftmals diese Spielweise einem guten Spieler zuschreiben werden.

Aufgrund dieser falschen Reflexion deiner Gegner kannst du bei einer zuvor aggressiven Spielweise durch eine Bet am River eine sehr hohe Foldequity erzeugen, wodurch dein Bluff +EV wird.

Bluffbets und die Betsize

Aufgrund der recht hohen Potsize, mit der du am River konfrontiert wirst, erscheint eine Bluffbet oft sehr teuer. Als absoluter Betrag mag das korrekt sein, aber sobald du eine ausreichend große Foldequity erzeugen kannst, sollte dir der absolute Betrag und der daraus resultierende stärkere Swing in deinen Resultaten nichts ausmachen. Die Maximierung deines Erwartungswertes steht im Vordergrund.

Bei der Wahl der Betsize gilt es immer einen wichtigen Aspekt im Auge zu behalten: Du darfst deine Betsize nicht für einen Bluff verändern.

Du willst nicht eine Valuebetsize und eine Bluffingbetsize am River haben, da dich dein Gegner ansonsten sehr einfach lesen könnte. Du solltest dir immer darüber Gedanken machen, mit welchen Händen du wie groß am River valuebetten würdest. Liegen diese Hände in deiner Handrange, so solltest du auch exakt diese Betsize als Bluff wählen, da du nur so mit deiner Bluffbet auch eine Valuebet repräsentieren kannst.

Bluffbets sind nur dann +EV, wenn dein Gegner viel zu viele Hände am River auf eine Bet foldet oder wenn du dadurch nahezu perfekt eine Valuebet repräsentieren kannst und somit deine gesamte Handrange balancen kannst.

Eigenschaft einer Bluffbet am River mit einem busted Draw

Die wichtigsten Eigenschaften einer Bluffbet am River mit einem busted Draw müssen dir immer bekannt sein.

Folgende Punkte solltest du im Kopf haben:

  • Es handelt sich bei einer Bluffbet am River immer um einen puren Bluff.
  • Du wirst bei einer Bluffbet mit einem busted Draw niemals von einer schlechteren Hand gecallt (Missclicks des Gegners ausgenommen).
  • Durch eine Bluffbet entziehst du deiner Hand vollständig jede Art von Showdownvalue.

Aufgrund dieser Punkte kannst du den direkten EV einer Bluffbet am River immer selbst sehr leicht abschätzen. Du musst nur schauen, ob folgende Aussage zutrifft oder nicht.

Kosten / (Potsize + Kosten) < erzeugte Foldequity

Trifft dies zu, so ist dein Bluff ohne Umwege +EV. Die erzeugte Foldequity musst du jedoch immer sehr stark gegnerspezifisch einschätzen und immer deine eigene Handrange einbeziehen, die du durch deine Bet repräsentierst.

Busted Draws und die Anzahl der Gegner

Du siehst also, dass es bei einem Bluff am River sehr stark auf die erzeugte Foldequity ankommt. Spielst du nun gegen mehrere Gegner, so wird es mit steigender Anzahl immer schwerer, auch alle Gegner zum Folden zu bringen.

Dementsprechend gilt auch, dass du bei mehreren Gegnern mit einem busted Draw passiv spielen solltest. Bluffen wird in solch einer Situation sehr oft sehr stark -EV sein. Ohne einen sehr, sehr starken Read auf beide Gegner und die Situation solltest du am River nicht bluffen.

Bluffingspots wirst du vermehrt nur dann finden, wenn du gegen einen einzigen Gegner spielst und dadurch mit einer Bet genügend Foldequity erzeugen kannst, um einem Showdown aus dem Weg zu gehen.

Die Boardtextur

Die Boardtextur ist bei der Überlegung, ob eine Bluffbet am River sinnvoll ist, mit der am stärksten ausschlaggebende Aspekt. Abhängig von der Boardtextur benötigt dein Gegner eine unterschiedlich starke Hand, um eine weitere Bet zu callen. Hinzu kommt, dass nur die Boardtextur dir vorgeben kann, welche Hände du mit einer Bluffbet auch repräsentieren kannst.

Versuche daher abhängig von der Boardtextur einen Plan B bereitzuhalten. So kannst du schon im Voraus  überlegen, wie du spielst, wenn du deinen Draw nicht triffst, das Board sich jedoch in eine gewisse Richtung entwickelt. Ein drawheavy Board, bei dem zwar nicht dein eigener Draw aber ein anderer offensichtlicher Draw ankommt, kann daher ein sehr guter Spot für einen Bluff sein.

Showdownvalue mit busted Draws

Nur weil du deinen Draw bis zum River noch nicht getroffen hast, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass deine Hand keinen Showdownvalue besitzt. Spielst du gegen einen Gegner, so bedenke immer, dass dieser ebenfalls einen busted Draw halten kann. Dementsprechend solltest du dazu tendieren, busted Nutflushdraws oder ähnliche, welche eine gewisse Highcardstrength besitzen, in Position behindzuchecken, wenn die gegnerische Handrange ebenfalls sehr viele busted Draws beinhalten könnte.

Dieser Gedanke ist besonders dann wichtig, wenn du um einen relativ kleinen Pot spielst. Bei einem kleinen Pot werden einige Gegner noch sehr oft recht marginale made Hands am River callen. Du wirst durch einen Bluff also nicht allzu viele bessere made Hands zum Folden bewegen können. Deine erzeugte Foldequity ist daher recht gering. In Kombination mit deiner Highcardstrength kannst du dann versuchen, den Pot noch mit Hilfe eines Showdowns zu gewinnen.

Genau der gegenteilige Gedanke trifft natürlich zu, wenn du einen schwachen busted Draw hältst, der keine Highcarstrength besitzt. Hält dein Gegner wahrscheinlich ebenfalls einen busted Draw, so wird dieser oftmals deine Hand in einem Showdown besiegen können. Hier kannst du daher oftmals noch genügend Foldequity mit einer Bluffbet erzeugen, da dein Gegner nun bessere busted Draws folden muss.

Je größer der Pot jedoch am River ist, desto geringer ist dein Showdownvalue mit einer Highcard. Hier musst du dann versuchen, die gegnerische Handrange bestmöglich abzuschätzen, und darauf achten, dass du bei einer Bluffbet auch genügend Foldequity erzeugen kannst.

Verschiedene Lines und deren Bluffpotenzial

Bisher hast du nun die wichtigsten Aspekte kennen gelernt, die für und gegen eine Bluffbet mit einem busted Draw sprechen. Nun geht es darum, verschiedene Lines etwas näher zu betrachten und darauf zu achten, inwieweit diese in einer Heads-up-Konfrontation eine aggressive Bluffbet am River mit einem busted Draw unterstützen.

Denn die Frage wie du zum River gekommen bist, ist ein sehr wichtiger Aspekt, da sie allein die einzig akkurate Informationsquelle über die gegnerische, wie auch über deine eigene potenzielle Handrange ist.

Out of Position
LINE 1: CHECK/CALL FLOP, CHECK/CALL TURN

Diese Line sieht sehr stark nach einer Bluffcatching Hand oder einer drawing Hand aus. Du wirst nur sehr selten sowohl den Flop wie auch den Turn OOP mit einem Monster check/call spielen. Ein guter Gegner wird daher wissen, dass du im Allgemeinen keine zu starke Hand halten kannst.

Selbstverständlich gibt es auch Spieler, die check/call Flop, check/call Turn, bet River mit ihren Monstern spielen. In aller Regel wird das jedoch nicht auf dich zutreffen, da es sehr schwer ist, mit dieser Line den maximalen Value aus den eigenen Monsterhänden zu extrahieren und dabei die eigene Handrange noch akzeptabel zu balancen.

Aufgrund dieser Tatsache bietet sich diese Line in der Regel nicht dafür an, am River einen busted Draw zu checkraisen oder zu donken, da du einfach kaum eine sehr starke Hand dadurch repräsentieren kannst.

Die einzige Ausnahme tritt dann auf, wenn am River ein anderer offensichtlicher Draw ankommt, den du durch eine Donkbet bzw. ein Checkraise repräsentieren kannst. Bedenke aber, dass dein Gegner ebenfalls in der Lage sein muss, sich dann von recht guten Händen zu trennen.

LINE 2: CHECK/CALL FLOP, /CHECK – CHECK TURN

Bei dieser Line kannst du im Grunde genau die gleiche Intention gehabt haben wie zuvor. Dieses Mal hat dein Gegner jedoch am Turn behind gecheckt. Mit dieser Line ist nicht zwingend ein guter Bluffingspot gegeben. Abhängig von deinem Gegner hast du hier einen sehr guten Spot um deinen busted Draw am River nun zu betten.

Manche Spieler geben nach ihrer Continuationbet am Flop ihre Hand am Turn durch einen Checkbehind sehr oft auf. Achte daher immer darauf, wie oft dein Gegner den Flop contibettet, um dann am Turn durch einen Checkbehind seine Hand aufzugeben. Dies ist besonders bei schwachen TAGs ein großes Leak, das du durch Bluffbets am River sehr oft ausnutzen kannst, da diese Spieler nun sehr oft am River ihre Hand folden werden.

Umso besser jedoch dein Gegner spielt, desto öfter wird er am Turn aufgrund von Bluffinduce und Potcontrol behind checken. Gegen diesen Gegner wirst du nun kaum eine ausreichend große Foldequity am River erzeugen können, wodurch dieser Spot gegen diesen guten Gegner ein -EV Bluffingspot wäre.

Checkt dein Gegner also am Turn behind, so musst du mit deinem busted Draw sehr gegnerspezifisch darauf reagieren.

In Position
LINE 1: CONTIBET FLOP, CHECKBEHIND TURN ODER SEMIBLUFFRAISE FLOP, CHECKBEHIND TURN

Bei dieser Line ist deine Hand recht transparent, da du dir am Turn aktiv die Freecard auf deinen Draw nimmst. Bei einem Semibluffraise am Flop ist das natürlich noch einmal offensichtlicher. Positiv ist nur, dass du den Checkbehind am Turn nach einer Continuationbet ebenfalls mit made Hands machst, um Potcontrol und Bluffinduce zu betreiben. Jedoch zeigt der Checkbehind bei einem drawheavy Flop ebenfalls an, dass du keine super made Hand hältst, mit der du unbedingt am Turn for Value und Protection 2nd-barreln willst.

Daher bietet sich diese Line nur sehr bedingt für eine Bluffbet am River an. Hier gilt besonders der Aspekt des Showdownvalues mit deinem busted Draw. Nach einem Semibluffraise am Flop ist diese Line überhaupt nicht dazu geeignet, den River zu bluffen, nachdem du den Turn behind gecheckt hast, da du keine gute made Hand am Flop raisen würdest, um dann auf einem drawheavy Board am Turn eine Freecard zu verteilen, dann am River aber wieder for Value zu betten.

Deine Handrange tendiert in diesem Fall sehr stark zu busted Draws, was gute Spieler auch erkennen werden und du dementsprechend auch kaum die nötige Foldequity gegen diese Spieler erzeugen kannst.

LINE 2: CHECKBEHIND FLOP, BET/RAISE TURN

Diese Line wirst du wohl nur sehr selten mit einem Draw spielen, da sie eher zu den exotischen Lines zählt. Hinzu kommt, dass du in dieser Situation sehr wahrscheinlich einen nicht allzu starken Draw halten wirst, da du ansonsten lieber den Flop contibetten würdest und auf ein Checkraise aufgrund deiner guten Equity deinen gesamten Stack in die Mitte schieben würdest.

Gegen aggressive Gegner kannst du diese Line als Semibluff Option benutzen, da diese Gegner sehr oft den Turn betten werden, woraufhin du semibluffraisen kannst. Du erzeugst dadurch eine sehr hohe Foldequity gegen mittelschwache made Hands.

Sollte dein Raise gecallt werden, hast du hier eine recht akzeptable Situation, um den River ebenfalls noch einmal zu bluffbetten, da diese Line dazu tendiert sehr, sehr starke Hände zu beinhalten, welche dem Gegner durch den Checkbehind am Flop nur die Möglichkeit geben wollten, seine Hand zur 2nd-best Hand zu verbessern.

Spielst du solch eine Line mit einem mittelstarken Draw, so bedenke, dass du deine Monster ebenfalls mit solch einer Line spielen solltest, um deine gesamte Handrange in diesem Spot balanced zu halten.

Sollte dein Gegner den Turn nicht betten, solltest du in der Regel mit Draws, die ebenfalls etwas Showdownvalue durch ihre Highcard besitzen, eher dazu tendieren, den Turn noch einmal behind zu checken. Durch eine bet Turn, bet River Line wirst du in der Regel nicht allzu viel Foldequity erzeugen können, da dein Gegner nach seinem Turncall im Grunde schon anzeigt, dass er eine mittelschwache made Hand besitzt, deren einziger Wert das Bluffcatching ist.

Je nachdem wie stark du delayed Continuationbets in deinem Spiel integriert hast, solltest du mit deinen Draws am Turn betten.

ALLGEMEINE LINE: BET FLOP, BET TURN

Diese bet Flop, bet Turn Line ist nicht sehr Positionsbezogen. Hier gilt es vielmehr, den Gegner im Blick zu haben. Im Grunde hast du durch deine andauernde Aggression angezeigt, eine made Hand zu halten und keinerlei Anzeichen gegeben, selbst einen Draw zu halten. Je nachdem ob du nun gegen eine absolute Callingstation spielst und wie sich die Boardtextur verändert, wirst du am River einen akzeptablen Spot haben, um mit deinem busted Draw einen 3-Barrel-Bluff zu spielen. Bedenke jedoch, dass du hier sehr gegner- und boardspezifisch agieren musst.

Bei all diesen Lines solltest du jedoch zwei wichtige Konzepte nochmals unbedingt bedenken.

Je später eine Bet in einer Hand gesetzt wird, desto ehrlicher ist diese. Das bedeutet, dass du nach einem Check am Turn nicht immer die beste Ausgangsituation hast, um am River noch genügend Foldequity erzeugen zu können. Denn aufgrund der geometrisch anwachsenden Betsize im Verlauf einer Hand, gibst du durch spätere Aktionen mehr Informationen über deine eigentliche Handstärke preis. Demzufolge sagt ein Check am Turn eher, dass deine Continuationbet am Flop nur ein einfacher Versuch war, den Pot aufzusammeln und du in Wahrheit keine allzu gute Hand hältst, mit der du um einen sehr großen Pot spielen möchtest.

Ebenso gilt es für dich immer darauf zu achten, dass du auch wirklich eine Hand repräsentieren kannst. Und wenn möglich nicht nur eine einzelne Hand, welche die gegnerische Hand schlagen kann, sondern eine gesamte Handrange.

Eine check/call Flop, check/check Turn, check/raise River Line wird dir nicht sehr oft sehr viel Respekt bringen, da du, nachdem der Draw busted ist, kaum eine Hand repräsentieren kannst. Du würdest deine starken Hände eher selbst for Value am River betten, da du ansonsten von den schwachen made Hands, die dein Gegner noch einmal behind checkt, keinerlei Value extrahieren kannst.

Handbeispiele

Zum Abschluss findest du noch einige Handbeispiele, in denen die Möglichkeit einer Bluffbet mit einem busted Draw analysiert wird.

BEISPIEL 1:

1$/2$ No-Limit Hold'em (6handed)

Stacks & Stats
Hero $200
CO $200
BU $200

Preflop: Hero is UTG with 7,6
Hero raises to $7, MP folds, CO calls, BU calls, 2 folds.

Flop: ($24) Q, 8, 5
Hero bets $20, CO calls, BU calls.

Turn: ($84) 2
Hero checks, CO checks, BU checks.

River: ($84) A
Hero ?

In dieser Situation hältst du einen sehr starken Draw am Flop und machst daher deine Continuationbet mit der Intention auch broke zu gehen. Beide Spieler callen deine Bet und am Turn entscheidest du dich dazu, anhand von Odds und Outs deine Hand weiterzuspielen. Überaschenderweise checken auch deine beiden Gegner. Nun gilt es, die gegnerischen Handranges etwas einzuschätzen.

In der Regel musst du dir über den BU nicht zu viele Gedanken machen. Er wird hier sehr oft ebenfalls einen Draw am Flop overcalled haben und sich am Turn eine Freecard nehmen. Würde er eine made Hand halten, so wäre der Turn sein Spot an dem er spätestens protecten sollte. Er hat das aber nicht getan. Das spricht eher für eine drawing Hand beim BU.

Der CO hingegen kann sehr gut eine made Hand halten. Diese wird entweder sehr stark oder eher schwach sein. Sein Call am Flop kann beides bedeuten.

Entweder kann er hier ein Set callen in der Hoffnung, dass der BU nach ihm overcallt oder raist. Oder er callt eine Hand wie JJ oder QT oder ähnliches, da er denkt, dass er am Flop noch oft genug vorne ist.

Am Turn kann der CO gecheckt haben, um eine Bet des BU zu provozieren und dich und den BU mit einem Monster zu checkraisen. Oder er ist sich nach dem Overcall des BU nicht mehr so sicher über seine Handstärke und versucht durch einen Check Potcontrol zu betreiben, wobei er den Aspekt der Protection hier nicht beachtet.

Da der Spieler den du fürchtest im Sandwich sitzt, ist dies rein situativ kein allzu schlechter Spot, um am River nun das Ass zu repräsentieren und zu betten. Der CO wird bei seinem Call immer überlegen müssen, dass du in zwei Spieler hineinbettest und er noch die Aktion des BU abwarten muss. Sprich, sein Call bedeutet nicht, dass er auch für diesen Preis den Showdown sieht.

Gegen einen Bluff spricht natürlich deine eigene Line. Dein Check am Turn zeigt im Grunde schon einmal an, dass du keine super starke Hand hältst, da du diese in der Regel for Value und Protection am Turn noch einmal betten würdest.

Je nachdem wie du nun deine Gegner einschätzt, wirst du hier einen +EV Bluff haben oder nicht. Denkt der CO soweit mit, dass er noch die Aktion des BU abwarten muss, beachtet aber nicht dessen Checkbehind am Turn, so kannst du hier wunderbar das Ass repräsentieren und ausreichend Foldequity erzeugen. Ist einer der Spieler jedoch eine passive Callingstation, welche jede Q hier zu 100% callen wird, so ist ein Bluff offensichtlich -EV.

BEISPIEL 2:

1$/2$ No-Limit Hold'em (6handed)

Stacks & Stats
Hero $200
BB $200

Preflop: Hero is MP with A, T
UTG folds, Hero raises to $7, 3 folds, BB calls.

Flop: ($15) J, 5, 2
BB checks, Hero bets $12, BB calls.

Turn: ($39) K
BB checks, Hero bets $28, BB calls.

River: ($95) K
BB checks, Hero?

In dieser Hand floppst du den Nutflushdraw mit einer Overcard und führst daher deine Continuationbet durch. Am Turn willst du dir nicht unbedingt die Freecard nehmen, da du durch eine 2nd-Barrel sehr gut Pocketpairs zum Folden bekommen kannst und ebenso gut den König repräsentieren kannst. Du hast zwar nun neben deinem Nutflushdraw auch noch einen Gutshot und somit recht viele Outs, was eher für einen Checkbehind sprechen würde, da du mit diesem Draw einem Checkraise am Turn aus dem Weg gehen willst. Jedoch schätzt du den Gegner nicht so ein, dass er hier sehr oft den Turn checkraisen wird.

Nachdem dein Gegner nun auch die Turnbet gecallt hat stellt sich nun die Frage, ob du mit einer Bluffbet noch genügend bessere made Hands zum Folden bringen kannst.

Folgende Punkte solltest du beachten:

  • Du hältst einen busted Draw, der noch etwas Showdownvalue besitzt
  • Dein Gegner kann ebenso gut einen busted Flushdraw halten
  • Die Riverkarte bietet sich nicht so gut für einen Bluff an, da sich die Boardtextur nicht zu deinen Gunsten verändert. Denn nun ist es unwahrscheinlicher, dass du selbst einen König hältst, wenn schon zwei draußen sind.

Aufgrund dieser Argumentation solltest du hier nicht bluffen. Du wirst in aller Regel zu wenig Foldequity gegen bessere made Hands erzeugen. Es macht für deinen Gegner keinen Sinn, am Turn Hände wie 99 oder TT zu callen, um am River dann diese bei dem K zu folden.

BEISPIEL 3:

1$/2$ No-Limit Hold'em (6handed)

Stacks & Stats
Hero $200
SB $200

Preflop: Hero is Big Blind with T, 8
4 folds, SB raises to $7, Hero calls.

Flop: ($14) Q, 7, 5
SB checks, Hero checks.

Turn: ($14) 5
SB checks, Hero checks.

River: ($14) J
SB checks, Hero

Hier spielst du eine drawing Hand in einem Blindbattle recht passiv. Dein Gegner wird jedoch, obwohl er die Initiative hatte, ebenfalls passiv. Da du nicht wusstest, wie du auf diese plötzliche Passivität reagieren solltest, hast du den Flop behind gecheckt und die Hand innerlich schon abgeschrieben.

Am Turn hast du nun plötzlich einen Flushdraw und nimmst dir ebenfalls die Freecard, in der Hoffnung am River mit einer Highcard den Flush zu treffen. Dies gelingt dir jedoch nicht. Dein Gegner macht aber auch keine Anstalten den Pot einsammeln zu wollen. Nun stellt sich dir natürlich die Frage, ob du hier bluffbetten kannst oder nicht.

Da es sich um ein Blindbattle handelt und die gegnerische Line auch recht komisch aussieht, gilt hier natürlich, dass du deine Spielweise sehr stark deinem Gegner anpassen musst. Spielst du gegen einen tricky Spieler, der hier durchaus ein Pocketpair oder Ace high am River snapcallt, so ist ein Bluff natürlich nicht die beste Option.

Die Boardtextur und die vorangegangene Aktion deuten jedoch sehr stark darauf hin, dass der Gegner hier eine recht schwache Hand (Ax, Kx) hält und diese Hand spätestens am Turn schon aufgegeben hat. Der J am River ist eine recht gute Karte, denn sie passt sehr gut in deine Handrange hinein und da der Gegner noch einmal checkt, kannst du nun versuchen durch eine Bet diesen Buben zu repräsentieren und A high und K high Hände zum folden zu bringen. Dein busted Draw besitzt keinen Showdownvalue, wodurch das deine einzige Möglichkeit ist, diesen Pot noch zu gewinnen.

BEISPIEL 4:

1$/2$ No-Limit Hold'em (6handed)

Stacks & Stats
Hero $200
BU $200, guter LAG

Preflop: Hero is Big Blind with K, Q
3 folds, BU raises to $7, SB folds, Hero calls.

Flop: ($15) J, 4, T
Hero checks, BU bets $10, Hero calls.

Turn: ($35) 3
Hero checks, BU bets $25, Hero calls.

River: ($85) 7
Hero ?

In dieser Hand spielst du deinen OESD mit zwei Overcards an Flop und Turn passiv. Auf den ersten Blick mag der Call am Turn sehr marginal sein, wenn man es freundlich ausdrückt. Jedoch zeigt dieser Call sehr gut, wie man eine Hand etwas planen kann.

Da du weißt, dass du gegen einen guten LAG spielst, der sehr wahrscheinlich jedes Paar auf diesem Turn noch einmal betten wird, kannst du hier sehr gut aus zwei verschiedenen Gründen callen:

  • Du hast genügend Outs auf eine sehr gute Hand, mit der du mindestens den River check/call spielen kannst.
  • Dein Gegner ist gut genug eine sehr starke Hand (Twopair, Sets) am River auf eine Karokarte zu folden, wenn du diese bluffst.

Dein Call am Turn hatte also die Intention, sofern eine Karokarte erscheint, den River zu bluffen, da deine Line nun sehr stark nach einem Flushdraw aussieht, der angekommen ist. In Wirklichkeit hast du zwar den busted OESD, dies kann dein Gegner jedoch nicht wissen.

Aufgrund der Action, der Entwicklung der Boardtextur und der Stärke deiner Hand kannst du hier sehr gut den Turn callen, wenn du dann jede Karokarte mit deinem busted OESD bluffst. Du hast dir daher schon deinen Plan B am Turn gemacht und nur aufgrund dessen konntest du auch den Turn profitabel callen.

Zusammenfassung

Du hast in diesem Artikel nun gesehen, dass du mit einem busted Draw am River nicht immer die passive Line spielen und deine Hand aufgeben musst. Bluffbets mit busted Draws sind ein sehr gutes Mittel, um die eigene Handrange in den richtigen Spots zu balancen.

Bei der Entscheidung deinen busted Draw zu bluffen beachte daher immer folgende Punkte:

  • Die Gegneranzahl sollte so gering wie möglich sein
  • Wie hat sich das Board entwickelt
  • Mit welcher Line bist du zum River gelangt
  • Kannst du genügend Foldequity erzeugen
  • Kannst du eine Handrange repräsentieren, die hier Valuebetten würde
  • Hat dein busted Draw eventuell etwas Showdownvalue